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Rigschas auf den überfluteten Straßen von Dhaka, Bangladesh
Mamunur Rashid/NurPhoto/dpa/pa

Wetterextreme weltweit 2021

Die Welt erwärmt sich, Wetterextreme nehmen weltweit an Häufigkeit und Heftigkeit zu. Das wird nicht ohne Folgen bleiben: Auch Hunger, Konflikte und Flucht werden mehr werden.

Schwerste Regenfälle und eine verheerende Klimaflut haben den Süden und Westen Deutschlands in den vergangenen Wochen verwüstet, zahlreiche Menschen ertranken in den Fluten, ganze Dörfer wurden zerstört. Rund um den Globus spürten auch andere Länder die jetzt schon dramatischen Folgen der Klimakrise: Überflutungen in Belgien, Luxemburg und der Schweiz. Hitze bis fast 50 Grad in Kanada. Im Westen Nordamerikas, am Mittelmeer und in der sibirischen Taiga brennen seit Wochen die Wälder. An allen Ecken und Enden der Welt ereignen sich derzeit verstörende Naturkatastrophen. An so vielen Stellen, dass einige schon gar nicht mehr in unser Blickfeld rücken.

Der jüngste Bericht des Weltklimarats (IPCC) warnt unmissverständlich davor, dass die menschengemachte Erderhitzung mit großer Wahrscheinlichkeit solche extremen Wetterereignisse in den kommenden Jahrzehnten häufiger und intensiver auftreten lässt und keine Region weltweit verschont bleibt. Einer der am häufigsten und stärksten betroffenen Kontinente ist Asien. Dort fordern auch in diesem Jahr Extremwetterereignisse erneut zahlreiche Opfer.

  • Indien erlebte in diesem Sommer zwei starke Wirbelstürme, Hitzewellen mit extremen Temperaturen und tödliche Überschwemmungen im Himalaya, bei denen Tausende von Menschen starben. Im Juli 2020 wurden die Bundesstaaten Himachal Pradesh, Jammu und Kaschmir, Ladakh sowie Islamabad und Rawalpindi in Pakistan von Sturzfluten heimgesucht.
  • Bangladesch, ein tief gelegenes Land mit rund 165 Millionen Einwohnern, in dem jedes Jahr heftige Monsunregen niedergehen, ist nach Ansicht von Wissenschaftlern besonders anfällig für die Folgen der Klimakrise. Sintflutartige Regenfälle überschwemmten im vergangenen Jahr mindestens ein Viertel des Landes und beraubten Millionen von Menschen ihrer Heimat. Im Juli haben tagelange heftige Monsunregen im Südosten Bangladeschs zu schweren Überschwemmungen in und um die Flüchtlingslager von Cox's Bazar geführt, so dass Tausende dringend auf Nahrungsmittel, Wasser und sanitäre Einrichtungen angewiesen sind. 
  • Die Philippinen evakuierten im Juli Tausende von Einwohnern, nachdem der Monsunregen - der durch einen Tropensturm verstärkt wurde - die Hauptstadt Manila und andere Provinzen überflutet hat. Die nationale Katastrophenschutzbehörde brachte etwa 15.000 Menschen, die meisten von ihnen aus einem überschwemmungsgefährdeten Vorort Manilas, in Evakuierungszentren unter.
  • In Zentralchina ist die Zahl der Todesopfer der jüngsten verheerenden Überschwemmungen nach offiziellen Angaben auf 302 gestiegen, wobei Dutzende von Menschen noch vermisst werden. Zhengzhou, die Landeshauptstadt der Provinz Henan, war mit 292 Toten und 47 Vermissten am stärksten betroffen
  • In Afghanistan haben jahrzehntelange Konflikte in Verbindung mit Umweltzerstörung und unzureichenden Investitionen in Katastrophenschutz dazu beigetragen, dass das Land immer anfälliger für Naturkatastrophen wird. Im Durchschnitt sind in Afghanistan jedes Jahr 200.000 Menschen von Naturkatastrophen betroffen. 

Der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur verursacht weitreichende Veränderungen der Wettermuster. Langfristige Klimaveränderungen können sich direkt oder indirekt auf viele Aspekte der Gesellschaft auswirken und zu empfindlichen Störungen führen. Zitat IPCC: "Ein sich änderndes Klima führt zu Veränderungen in der Häufigkeit, Intensität, räumlichen Ausdehnung, Dauer und dem Zeitpunkt von Wetter- und Klimaextremen und kann nie dagewesene Extreme auslösen.”

Bis zu 1,2 Millarden Klimaflüchtlinge in den nächsten 30 Jahren

Häufigere und intensivere extreme Hitzeereignisse können zu einer Zunahme von Krankheiten und Todesfällen führen, insbesondere bei gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Die Hitze schädigt Ernten und kann Massenvertreibungen und Konflikte auslösen. Bereits 24 Millionen Menschen sind pro Jahr auf der Flucht vor Umweltkatastrophen. Hinzu kommen sieben Millionen, die durch bewaffnete Konflikte vertrieben werden, so der globale Bericht über Vertreibung. Die Zahl der Vertreibungen nimmt jedes Jahr zu, und wenn die derzeitige Intensität der CO2-Emissionen und der Umweltzerstörung anhält, könnte die globale Klimakrise in den nächsten 30 Jahren 1,2 Milliarden Menschen dazu zwingen, ihre Heimat zu verlassen, so der Bericht des Institute for Economy and Peace.

Keine Region ist gegen die Auswirkungen der Klimakrise gefeit. Dennoch: Die Regionen, die immer noch am stärksten darunter leiden, sind Afrika südlich der Sahara, Nordafrika, Südasien und der Nahe Osten. Nach den Ergebnissen des Berichts sind 140 Länder mindestens einer ökologischen Bedrohung ausgesetzt. 19 dieser Länder sind am stärksten betroffen und gehören gleichzeitig zu den am wenigsten friedlichen Ländern der Welt. Dazu gehören Afghanistan, Syrien, Irak, Tschad, Indien und Pakistan. Diese Länder sind besonders anfällig für Wasserknappheit, Überschwemmungen, Dürren, Stürme, den Anstieg des Meeresspiegels, steigende Temperaturen und Ernährungsunsicherheit.

Die Klimakrise wirkt dabei als Bedrohungsmultiplikator

  • Sie verschärft die Zerbrechlichkeit gesellschaftlicher Strukturen und führt zu sozialen Umwälzungen oder sogar zu gewaltsamen Konflikten. Studien berichten, dass in Ländern, in denen bereits soziale, wirtschaftliche und politische Spannungen bestehen, die Klimakrise immer mehr Menschen dazu bringen wird, innerhalb ihrer Landesgrenzen zu migrieren. Migranten verlassen ihre Heimatländer aufgrund mangelnder Unterstützung und Perspektiven. Sie begeben sich auf gefährliche Routen in andere Länder und riskieren Leib und Leben.  
  • Sie bedroht den Lebensunterhalt, die Sicherheit und die Lebensbedingungen der Menschen und verschärft den erbitterten Wettbewerb um natürliche Ressourcen in vielen Regionen, die anfällig für soziale Spannungen, Nahrungsmittel- und Wasserknappheit, Instabilität, Konflikte, anhaltende Armut und Migration sind.
  • Darüber hinaus verschärfen Naturkatastrophen, Wetterextreme, sinkende Ernteerträge und der damit einhergehende Verlust von Beschäftigungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft die zerstörerischen Auswirkungen von Krieg und Gewalt auf das Leben der Menschen. Die arme Bevölkerung, die nicht über die Mittel zur Migration verfügt, könnte in illegale Bewältigungsmechanismen gedrängt werden, vor allem verarmte Landwirte, die ein leichtes Ziel für die Rekrutierung von Terroristen sind. Oder sie sind auf dürreresistente Pflanzen wie Opium angewiesen, die den Kämpfern gute Einnahmen bescheren könnten. 

Es bleiben jedoch eine Reihe von Möglichkeiten, die Bedrohungen durch der Erderhitzung zu verringern. Neben einer Drosselung der Treibhausgasemissionen müssen Frühwarn- und -bewertungssysteme eingerichtet werden. Planung, Finanzierung und Umsetzung müssen weiter gestärkt werden. 

Klimaschutz jetzt

Auch hier ist der IPCC-Bericht klar und gibt eine Liste von Empfehlungen. Neben der allerwichtigsten Handlungsanweisung - nämlich, die Klimakrise zu bekämpfen und die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen - enthält die Liste viele kleine und große Aspekte. So empfehlen die Wissenschaftler auch, die heimische Wirtschaft in Krisenregionen durch dezentrale Wirtschaftszentren auf Grundlage Erneuerbarer Energiequellen zu stärken sowie die Klimaflüchtlinge bei ihrer schweren Reise zu unterstützen, zu schützen und zu begleiten.

Klar ist: Die Klimakrise hat bereits begonnen, und die Weltgemeinschaft muss den betroffenen Menschen helfen. Klar ist aber auch: Je mehr wir heute Klimaschutz betreiben, je mehr Klimagase wir reduzieren, um so kleiner wird die Zahl der Menschen sein, die in zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren von solch schlimmen Schicksalen heimgesucht werden.

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