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Schaufeln von Thunfisch und Beifang aus dem Netz der Albatun Tres, dem größten Ringwadenfänger der Welt. Greenpeace-Aktivist:innen befinden sich auf einem Schlauchboot neben dem Schiff und dokumentieren die Fangtätigkeit.
© Paul Hilton / Greenpeace

Fischerei-Industrie

Leere Meere - volle Kassen

Die Weltmeere erscheinen grenzenlos, ihre Ressourcen sind es jedoch nicht. 90 Prozent der globalen Speisefischbestände sind gefährdet.

Blaue Leere, wo sich vor 20 Jahren noch bunte Fische tummelten: Schon beim Hobby-Tauchen fällt auf, wie dramatisch leergefischt unsere Meere sind.  Seit 1970 ist der Fischfang weltweit um das 18-fache gestiegen.

Vor allem die Fischgründe des Nordatlantiks und des Mittelmeers wurden mit gigantischen Schleppnetzen befischt; im Indischen Ozean kommen trotz internationalem Verbot immer noch Treibnetze zum Einsatz. Millionen Tonnen Jungfische und andere Meeresbewohner verenden als nutzloser Beifang. Auch in unseren heimischen Gewässern wird die Lage immer dramatischer: So ist der Dorschbestand in der Ostsee inzwischen kollabiert.

Um trotzdem die enorme Nachfrage nach Fisch zu decken, unternehmen internationale Fangflotten mittlerweile weite Reisen. Vor allem die Fischgründe vor Westafrika haben es ihnen angetan. Gigantische Fabrikschiffe plündern dort ganze Fischbestände und entziehen so Millionen von Küstenbewohner:innen die Existenzgrundlage.

Greenpeace setzt sich für eine nachhaltige Fischerei, gegen die internationale Piratenfischerei sowie für realistische Fangquoten ein, die auf wissenschaftlichen Forschungsergebnissen basieren und sich nicht am Bedarf orientieren. Sonst bleiben spätestens ab dem Jahre 2050 die Fischereiflotten in den Häfen – so wie sie es in der Ostsee teilweise jetzt schon tun müssen, weil Bestände zusammenbrechen und manche Fischfangquoten auf Null gesetzt sind.

Probleme der Fischerei

Seit 1970 hat sich die Weltbevölkerung mehr als verdoppelt und gleichzeitig mehr Appetit auf Fisch entwickelt. Lag der pro-Kopf-Verzehr damals weltweit noch bei unter 10 Kilo pro Jahr, ist er heute auf über 20 Kilo gestiegen. Um unser aller Appetit auf Fisch und Meeresfrüchte wie Garnelen und Muscheln zu stillen, gehen täglich Millionen Fischer:innen mit ihren Booten auf Fang, von der kleinen Piroge über den durchschnittlichen Kutter bis zum XXL-Trawler mit integrierter Fischfabrik und einer Ladekapazität von über 6.000 Tonnen.

Und dabei geht es nicht nur um unseren direkten Hunger auf Fisch, sondern auch um Tierfutter. In der Fischmehl-Fischerei in der Nord- und Ostsee werden zum Teil noch lebende Fische, etwa Sandaal und Sprotte, zu Fischmehl und Fischöl verkocht. Jedes Jahr enden weltweit über 30 Millionen Tonnen Fisch als billiges Futter für Hühner, Schweine oder auch Garnelen und Lachse in der Aquakultur. Für die „Produktion“ von nur einem Kilogramm Lachs können bis zu vier Kilo Fischmehl oder Fischöl nötig sein. 

Ein weiteres großes Problem sind die industriellen Fischereiflotten. Auf ihren Raubzügen orten sie große Schwärme per Echolot, Radar oder Hubschrauber. Mit kilometerlangen Leinen und gigantischen Netzen fangen sie in kurzer Zeit riesige Mengen. In der Ringwadenfischerei kommen Fischsammler (englisch FADs für Fish aggregating device) zum Einsatz. Mit riesigen Netzen werden ganze Thunfischschwärme umkreist und gefangen – zusammen mit anderen Meerestieren wie Haien, Rochen und Schildkröten. Der weltgrößte Thunfischfänger "Albatun Tres" aus Spanien kann auf nur einer Fischreise bis zu 3.200 Tonnen Fisch erbeuten und lagern. 

Hinzu kommt: Eine Industrie, die rücksichtslos die Ozeane plündert, kann auch für Menschen die Hölle sein. Die Bezahlung von Arbeitskräften macht 30-50 Prozent der gesamten Betriebskosten der Fischerei aus – ein hoher Anreiz, Personalkosten zu sparen. Es gibt Beweise, dass hauptsächlich südostasiatische Wanderarbeiter:innen mit falschen Versprechen auf Schiffe gelockt werden und dort unter menschenunwürdigen Bedingungen leben und arbeiten müssen – “moderne Sklaverei” nennt dies eine wissenschaftliche Untersuchung. 

Auf hoher See werden oft die Fänge vom Fangschiff auf Kühlschiffe übergeben, eine als Transshipment bezeichnete Praxis. Dabei können illegale Fänge verschleiert und die Fangschiffe mit neuem Proviant versorgt werden. So bleiben einige Fangschiffe zusammen mit ihrer Crew zum Teil jahrelang auf See ohne jemals einen Hafen anzulaufen – “für die Crew an Bord und ihre Familien an Land eine unzumutbare Situation”, sagt Franziska Saalmann, Fischereiexpertin bei Greenpeace.

Beifang - sinnloser Tod 

Ein weiterer Auswuchs der Fischerei ist der Beifang. In den Netzen verfangen sich neben den kommerziell verwertbaren Fischen auch andere Meeresbewohner wie Jungfische, Schildkröten und sogar Haie und Kleinwale. Sie werden an Deck aussortiert und gehen tot oder schwer verletzt wieder über Bord – und sterben oftmals nach dem Rückwurf ins Meer. Industrielle Langleinenfischer, die viele tausend beköderte Haken an bis zu 100 Kilometer langen Leinen hinter sich her ziehen, gefährden beispielsweise zahlreiche Hai- und Seevogelpopulationen. Konservative Schätzungen gehen von einem Drittel Beifang weltweit aus. 

Besonders hohe Beifänge erzeugt die Fischerei mit Grundschleppnetzen. Sie werden für den Fang von am Meeresboden lebenden Arten wie Plattfischen und verschiedenen Krebsarten eingesetzt. Um die vor dem Netz in den Sand geflüchteten Tiere aufzuscheuchen, werden oft tonnenschwere Ketten zwischen die Netzöffnung gespannt, die alles zerstören, was ihnen im Weg steht. 

Aber auch die Treib- und Stellnetzfischerei verursacht unerwünschte Beifänge. Ein Opfer: der Schweinswal, dessen zentraler Ostseebestand zu den am stärksten gefährdeten Walpopulationen gehört. Jährlich ertrinken viele Schweinswale und tausende Seevögel in den Maschen der Netze. Insgesamt machen Beifänge jährlich bis zu 40 Millionen Tonnen aus – ein gigantisches Verbrechen an der Meeresnatur.
Erfahren Sie mehr über die verschiedenen Fangmethoden.

Um diesem massiven Problem zumindest ein bisschen entgegenzuwirken, darf laut EU-Beschluss seit Januar 2015 Beifang EU-weit nicht mehr zurück ins Meer geworfen werden, sondern muss mit an Land gebracht und auf die Fangquoten angerechnet werden. Heißt: Landet etwa eine Flunder im Thunfischnetz, muss sie mitgenommen und verkauft werden. Dieses Rückwurfverbot sollte Fischer:innen dazu bewegen, selektivere Netze und bestimmte Techniken einzusetzen, denn Forschungsergebnisse suggerieren, dass sich so der Beifang bestimmter Tiere wie Haie, Rochen und Schildkröten bei der Stellnetzfischerei deutlich reduzieren ließe. 

In der Umsetzung gibt es allerdings Probleme: Zum einen mangelt es an Kontrolle, weshalb immer wieder und in großem Stil Beifang zurück ins Meer geschmissen wird. Zum anderen erzeugt das gut gemeinte Gesetz ein Schlupfloch für die Fischerei bedrohter Arten wie etwa Haie. Und: Das grundsätzliche Problem, dass die Meere überfischt werden, bekämpft das Rückwurf-Verbot nur am Rande. 

Tintenfische rücksichtslos befischt

Aktive protestieren vor Argentinien

Transshipment Overfishing Argentine Sea

Das „Blue Hole“ („Blaues Loch“), 270 Seemeilen östlich der Küste Argentiniens, ist ein kaum bekanntes Eldorado der Artenvielfalt: Wale ziehen hier ihre Jungen auf. Auch Albatrosse, Pinguine und See-Elefanten schätzen die nährstoffreichen Gewässer an der Abbruchkante des südamerikanischen Kontinentalshelfs. Es ist aber auch ein Ort rücksichtsloser Überfischung, wie Greenpeace herausgefunden hat. Mehr als 500 Fangschiffe machten dort zwischen Dezember und April Jagd auf Tintenfische. Die Kopffüßler jedoch tragen entscheidend dazu bei, dass unsere Ozeane gesund bleiben: Sie transportieren Nährstoffe aus großer Tiefe an die Wasseroberfläche, dienen Seevögeln, Haien sowie Robben als Nahrung und helfen, Kohlenstoff am Meeresgrund zu speichern. Greenpeace-Aktive auf der Arctic Sunrise haben die unregulierte Fischerei am „Blue Hole“ wochenlang verfolgt, wie hier genauer zu lesen ist. . Immer wieder erlebten sie, wie der Fang auf Hoher See auf riesige Kühlschiffe umgeladen wurde – eine Praxis, die es den Reedereien erlaubt, Vorschriften zu umgehen und die Beute nachträglich weißzuwaschen. Greenpeace fordert einen deutlich besseren Schutz für die Meere. 

 

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