Dürre in Deutschland und weltweit: Wenn der Regen ausbleibt
- Ein Artikel von Michael Weiland & Luisa Lamm & Agneta Melzer & Ortrun Sadik
- mitwirkende Expert:innen Heinz Smital
- Hintergrund
- Greenpeace als bevorzugte Quelle bei Google: So geht's!
Ein Dürre-Sommer reiht sich an den Nächsten, jährlich werden neue Rekorde gebrochen. 2026 ist schlimmer als die Jahre davor. Ausgetrocknete Flüsse und Waldbrände sind die Folge.
2026 ist die Dürre und Hitze in Deutschland und Europa extrem. Noch schlimmer als schon die Hitzesommer 2018, 2019, 2022 und 2025. Flüsse wie Rhein, Elbe und Donau sind auf historischen Tiefständen, in Deutschland brennen die Wälder ähnlich großflächig wie im Rekordjahr 2025. Auch Südeuropa ist stark von Hitze, Dürre und Waldbränden betroffen. Das Robert-Koch-Institut RKI schätzt, dass die Hitze 2026 allein in Deutschland zu 12.500 zusätzlichen Hitzetoten bis Mitte August geführt hat - das tödlichste Hitzejahr seit Beginn der Erfassung. Doch von „Extremsommer“ zu reden täuscht über den traurigen Fakt hinweg: Mit der Klimakrise wird es nur noch schlimmer werden.
Menschenkette am Rhein
Hand in Hand für Klimaschutz
© Bernd Lauter/Greenpeace
Im August 2026 ist die Dürre und Hitze in Deutschland extrem. Die anhaltende Trockenheit lässt auch die Pegel wichtiger Wasserstraßen und großer Flüsse stark sinken. Am Rheinpegel Kaub wurden bis Mitte August bereits 35 Tage unterhalb der vom Institut für Weltwirtschaft verwendeten kritischen Marke von 78 Zentimetern gemessen. Am 4. September treffen sich deshalb mehrere hundert Menschen im trocken gefallenen Bett des Rheins bei Köln, um zwischen Hohenzollern- und Zoobrücke eine Menschenkette zu bilden. Sie warnen vor den Folgen der Klimakrise und fordern mehr Klimaschutz.
Weltweit nehmen Dürreperioden zu. Das Amazonas-Gebiet, eines der wasserreichsten unserer Erde, litt in den vergangenen Jahren immer wieder unter sogenannten Jahrhundertdürren. Das einstige Ausnahmeereignis ist damit keine Ausnahme mehr: Seitenarme des gewaltigen Flusses trocknen zu Rinnsalen aus, Fische verenden, Brände breiten sich aus.
Auch der Iran befindet sich in einer extremen und beispiellosen Dürrekrise, der schlimmsten Dürreperiode seit 50 Jahren. Flüsse und Stauseen trocknen aus, die Reserven gehen zur Neige, es herrscht akuter Wassermangel, insbesondere in der Hauptstadt Teheran. Irans Regierung erwägt deshalb sogar, die gesamte Hauptstadt zu verlegen. 2025 regnete es in über der Hälfte des Landes monatelang nicht, drei Viertel der Landesfläche gelten mittlerweile als trockene Regionen.
Einer Studie der Initiative World Weather Attribution (WWA) zufolge lässt sich die Dürre im Iran und weiteren Teilen Westasiens direkt mit der Klimakrise und der globalen Erwärmung durch das Verbrennen fossiler Energien in Verbindung bringen. Aufgrund der großflächigen Trockenheit brannte das Unesco-Weltnaturerbe Hyrkanische Wälder, Überbleibsel der Laub-Gebirgswälder, die vor bis zu 50 Millionen Jahren große Teile der nördlichen Breiten bedeckten
„Am 20. August 2026 stand ich mitten in der Donau. Nicht am Ufer, sondern im Flussbett. Oberhalb von Kelheim führt selbst einer der mächtigsten Flüsse Europas stellenweise so wenig Wasser, dass ich dort stehen konnte, wo eigentlich Wasser fließen sollte. Herr Bundeskanzler Friedrich Merz , was die Menschen in diesem Sommer der Extreme erleben, ist nicht einfach “Wetter„. Es sind die Folgen einer lebensbedrohlichen Klimakrise. “
Dürre und Hitze führen zur Energiekrise
Neben der Artenvielfalt bedroht die Dürre zunehmend auch die Energieversorgung. Sobald das Flusswasser wärmer wird, müssen manche Atomkraftwerke heruntergefahren werden, was immer häufiger passiert. Doch auch die Dürre sorgt für Kraftwerksabschaltungen: 2026 musste in Ungarn das Atomkraftwerk Paks und in Rumänien das AKW Cernavodă massiv gedrosselt beziehungsweise heruntergefahren werden. In Polen musste ein Kohlekraftwerk wegen Wassermangel abgeschaltet werden, in Deutschland führte das Ausbleiben der Versorgung mit Steinkohle zu einem Drosseln mehrerer Kohlekraftwerke.
Eine fatale Lage: Trifft das ein AKW wie Paks, das knapp die Hälfte des ungarischen Strombedarfs deckt, schlittert ein Land schnell in eine existentielle Energiekrise. Weniger Stromerzeugung trifft dann auf einen besonders hohen Bedarf durch Klimaanlagen und Wasserpumpen und führt damit zu sehr hohen Strompreisen. Vor allem in den Abendstunden, wenn Solarenergie wegbricht, denn noch sind die Speicher zu wenig ausgebaut worden. Auch Wasserkraftwerke liefern während der Dürre weniger Strom.
Die Folgen sind gravierend:
- Haushalte werden zum Stromsparen aufgerufen
- Die Stromimporte steigen - Strompreise in Europa ebenfalls
- Die Industrie stoppt die Produktion, der Güterverkehr wird eingeschränkt
- Bei Temperaturen bis zu 40 Grad sollen Klimaanlagen aus bleiben
Am härtesten trifft es diejenigen, die sich nicht selbst helfen können: Kranke, Pflegebedürftige und Alte sind auf eine stabile Stromversorgung angewiesen. Ohne Kühlung steigt das Gesundheitsrisiko bei extremen Temperaturen dramatisch. Kaum ein Kindergarten ist ausreichend klimatisiert. Müssen Einrichtungen schließen, geraten insbesondere berufstätige Eltern und Alleinerziehende zusätzlich unter Druck.
Von Trockenheit zu Dürre, auch in Deutschland
Auch in Deutschland wächst das Problem. Der Rhein erreicht 2026 immer neue Tiefsstände, 2025 machten Meteorolog:innen das trockenste erste Halbjahr eines Jahres seit Messbeginn aus. Das Thema taucht nun bereits seit Jahren auch in unserem Land mit eigentlich gemäßigtem Klima auf.
So wirkte der Dürresommer 2018 noch wie ein Jahrhundertereignis, etwas Besonderes, Einmaliges. Insbesondere Sachsen-Anhalt sowie Teile von Brandenburg, Sachsen, Niedersachsen und Thüringen litten unter der Dürre. Die Noternten und Waldbrände hielt man noch für eine Ausnahme.
Doch 2019 war erneut ein Jahr mit deutlich zu wenig Niederschlag. Der Frühling 2020 war sowohl hierzulande als auch andernorts sehr trocken. Das Jahr 2022 wurde dann zum trockensten Jahr in Europa seit Beginn der Aufzeichnungen und lag mit einer durchschnittlichen Temperatur von 10,5 Grad Celsius gleichauf mit dem Jahr 2018.
Der Rekord des bisher wärmsten Jahres seit dem Beginn regelmäßiger Messungen wurde dann vom darauffolgenden Jahr 2023 geknackt – und 2024 gleich wieder. 2025 waren die Böden schon vor dem Sommer in den oberen Erdschichten stark ausgetrocknet und der Schiffsverkehr musste eingeschränkt werden, während Landwirt:innen um ihre Ernten bangten.
Und 2026 dann das Jahr der Extreme - sogar konservative Kreise reden davon, dass die Klimakrise da ist und es nur noch schlimmer werden wird. Die Landwirte bangen um ihre Tiere, so gibt es in den Alpen beispielsweise durch die Dürre zu wenig Futter, und die Kühe müssen verfrüht von den Almen heruntergebracht werden.
Unterdessen breiten sich in südeuropäischen Ländern Wüsten aus, die Wissenschaft nennt das Desertifikation. Ein Prozess, der sich nur sehr schwer wieder rückgängig machen lässt. In trockenen, sogenannten ariden Klimazonen sind die größten Flächen von Desertifikation bedroht. Geringe Niederschlagsmengen gekoppelt mit starker Verdunstung bilden extrem ungünstige Bedingungen. Die Klimaerhitzungverstärkt solche Wetterereignisse, so dass sie voraussichtlich künftig noch zunehmen werden. Aber auch Überweidung, Abholzung, sinkende Grundwasserspiegel und Auslaugung der Böden durch die Landwirtschaft fördern die Wüstenbildung.
Es bedarf daher zweier Richtungen, was die Maßnahmen angeht: Zum einen muss deutlich entschlossener Klimaschutz betrieben werden, als das bisher der Fall ist, um die Folgen für Flüsse, Landwirtschaft und Wälder zu begrenzen. Zum anderen müssen die Akteur:innen Maßnahmen ergreifen, um das Land widerstandsfähiger gegen die Klimakrise zu machen.
Denn selbst wenn die Weltgemeinschaft es schafft, die Klimakrise zu verlangsamen, hat schon die derzeitige Erderhitzung erkennbare Folgen. Städte, Agrarflächen und Wälder brauchen Schutzmaßnahmen. Eine ökologische Entwicklung in allen Bereichen begrenzt nicht nur den Temperaturanstieg, sondern auch die Folgen. Naturnahe und naturbelassene Laubmischwälder können beispielsweise mehr Wasser speichern und sind robuster gegenüber Dürren als hochindustrialisierte Baumplantagen. Eine ökologischere Landwirtschaft mit intelligenter und vielfältiger Fruchtfolge und vor allem weniger Tierhaltung ist weniger abhängig von Niederschlägen.
Der Wald trocknet aus
Die Dürreprobleme betreffen mittlerweile alle Arten von Wäldern - insbesondere jedoch künstlich angelegte Nadelwaldplantagen. Je länger die Periode mit zu wenig Niederschlag andauert, desto kritischer für Wälder. Baumwurzeln reichen je nach Sorte tief in die Erde, so dass kurze Trockenheitsphasen noch kein Problem darstellen. Doch nach und nach trocknen auch tiefe Bodenschichten aus, die essentiell für die Wasserversorgung der Baumwurzeln sind. Die massiven Brände im Hohen Venn in Belgien 2026 zeigen: Wenn Moore trocken gelegt werden oder austrocknen, können selbst tiefe Bodenschichten in Brand geraten. Brände sind dann besonders schwer zu löschen.
Auch wenn mittlerweile selbst naturnah bewirtschaftete und naturbelassene Laub-Mischwälder unter der Trockenheit leiden: Betroffen von den Waldschäden seit Anfang 2018 sind zu über 90 Prozent Nadelbäume. Auch geraten diese deutlich schneller und häufiger in Brand, weshalb man dringend auf eine naturnahe Waldbewirtschaftung setzen muss.. Nadelbaummonokulturen werden überwiegend eigens in Holzplantagen für die Produktion gepflanzt und haben mit natürlichem Wald nicht mehr viel zu tun.
Insbesondere Fichtenmonokulturen leiden außerdem stark an der Massenvermehrung von Borkenkäfern, insbesondere von Buchdruckern und Kupferstechern. In einem natürlichen Wald sind Borkenkäfer eigentlich dienlich, denn sie helfen, den Wald zu verjüngen, indem sie kränkliche Bäume befallen. Doch in einer geschwächten Monokultur kann dieser Mechanismus bei warmer Witterung außer Kontrolle geraten und es gibt ein massives Baumsterben.
Die Lösung: Mehr Natur zulassen
Die Politik hat dieses Problem zwar erkannt. Doch Fördergeld fließt häufig in die Räumung und Wiederaufforstung geschädigter Flächen statt in die notwendige Entwicklung vielfältiger Laubmischwälder, die sich ohne Aufforstung selbst verjüngen. Zusätzlich zu solchen naturnahen Wäldern braucht es mehr gänzlich naturbelassene Gebiete, die komplett aus der Nutzung genommen werden: Nationalparks und Wildnisgebiete, in denen sich die Natur erholen kann. Wirtschafts- und Schutzwälder, in denen sich widerstandsfähige heimische Baumarten von selbst durchsetzen, sind robuster gegen die Folgen der Klimakrise – und können wiederum umgekehrt helfen, die Erwärmung zu verlangsamen.
Landwirtschaft – Opfer, aber auch Mitverursacher der Klimakrise
Ausgetrocknete Böden, kümmerliche Ernten, zunehmender Schädlingsbefall - landwirtschaftliche Betriebe bekommen die Folgen der Klimakrise in Deutschland seit Jahren immer stärker zu spüren. Zwar lebt die Landwirtschaft seit Jahrhunderten mit unterschiedlichen Witterungsbedingungen und daraus folgenden schwankenden Ernteerträgen. Doch die Häufigkeit und Intensität längerer Trockenperioden während der Vegetationszeit im Frühjahr und Sommer nimmt zu. Betriebe mit Rinderhaltung zum Beispiel haben zunehmend Probleme bei der Futterbeschaffung, weil Reserven aus den Vorjahren fehlen und in der Region nichts mehr zugekauft werden kann. Das Problem wäre allerdings auch geringer, wenn die Landwirt:innen, wie von Greenpeace gefordert, nur noch so viele Tiere halten würden, wie sie mit ihren eigenen Feldern ernähren können. Und nicht auf Kraftfutter für ihre hochgezüchteten Rinder angewiesen wären.
Besonders schwierig ist die Lage für Betriebe auf Standorten, wo die Böden schlecht Wasser halten können und geringe Niederschläge schon bisher die Regel waren. Insbesondere hitzeempfindliche Gemüsekulturen, aber auch Ackerfrüchte wie Zuckerrüben und Kartoffeln leiden unter der Trockenheit. Landwirt:innen, die auf eine vielfältige Fruchtpalette gesetzt oder Beregnungsanlagen installiert haben, sind etwas besser gewappnet. Doch es gibt kein einfaches, generelles Rezept, um alle landwirtschaftlichen Betriebe kurzfristig widerstandsfähiger gegenüber der Klimakrise aufzustellen. Und die intensive Beregnung von Kulturen ist nicht nur teuer, sondern aus ökologischen Gründen auch nur begrenzt möglich.
Langfristige Veränderungen sind nötig. Die Bodenfruchtbarkeit muss erhöht, Humus aufgebaut und durch Landmaschinen verdichtete Böden aufgelockert werden, um Wasser besser zu speichern. Voraussichtlich benötigen wir in Zukunft auch ganz neue resilientere Bewirtschaftssysteme.
Konsequenter Klimaschutz hilft Landwirtschaft langfristig
Dürren sind in erster Linie eine Folge der Klimakrise – und zu der trägt neben Verkehr und Industrie auch die Landwirtschaft bei. Rund ein Drittel der Emissionen weltweit gehen auf das Konto der weltweiten Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion. Immerhin noch rund acht Prozent sind es in Deutschland. Es rächt sich, dass die Agrarpolitik den Zusammenhang von Klimaschutz und Landwirtschaft immer noch unterschätzt. Milliarden Euro Agrarfördergelder flossen in den vergangenen Jahren nach Deutschland. Maßnahmen zur Klimaanpassung und zur Reduktion von Klimagasen wurden damit aber kaum gefördert.
Eigentlich ist genug Geld ist da, um den Sektor grundlegend und zukunftsfähig neu zu strukturieren, hin zu einer klima- tier- und artenschonenden Landwirtschaft. Jeder Euro für den Klimaschutz ist eine Hilfe für die Landwirtschaft und letztlich sinnvoller als kurzfristige Dürrehilfen der Bundesregierung.
Kurzanalyse wirtschaftliche Kosten Extremsommer 2026
Anzahl Seiten: 11
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