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Wolf im Wald
© Bernd Roemmelt

Biodiversität

Lebensräume und Arten schützen

Greenpeace setzt sich weltweit für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und damit den Schutz von Tieren, Pflanzen und ganzen Ökosystemen ein.

Die weißen Raucher der Lost City im Atlantischen Ozean mit ihren Krabben und Mikroorganismen. Das Wurzacher Ried als größte intakte Hochmoorfläche in Mitteleuropa. Der Amazonas-Regenwald mit all seinen Superlativen. Auf der Erde gibt es unzählige Ökosysteme mit einer Artenvielfalt, deren Komplexität und Vernetzung wir noch immer nur ansatzweise verstehen. 

Doch diese Vielfalt ist akut bedroht. Die Entwicklung menschlicher Gesellschaften geht mit der Zerstörung und Fragmentierung von Lebensräumen einher, mit Verschmutzung, Übernutzung, Verbreitung invasiver Arten und raschen Klimaveränderungen, an die sich nicht alle Ökosysteme anpassen können werden. 

Forschende vergleichen das aktuelle Artensterben mit den fünf großen Massensterben der vergangenen 500 Millionen Jahre Erdgeschichte, nur sind heute keine Meteoriten oder gigantische Vulkanausbrüche verantwortlich, sondern der Mensch. Sie gehen davon aus, dass die unglaubliche Zahl von 1 Million Arten vom Aussterben bedroht ist, wenn wir nicht schnell handeln. Und das Sterben vollzieht sich nicht in Jahrmillionen, sondern innerhalb der nächsten Jahrzehnte. 

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Biodiversität – eine Definition

Viele Menschen setzen Biodiversität und Artenvielfalt gleich. Doch hinter dem Begriff Biodiversität verbirgt sich mehr: die Vielfalt der Ökosysteme, die Artenvielfalt mit ihrer artspezifischen genetischen Vielfalt – kurz: die biologische Vielfalt in ihrer Gesamtheit. Es geht um die Mannigfaltigkeit aller lebenden Pflanzen, Tiere und anderer Organismen sowie die komplexen Wechselwirkungen zwischen ihnen und ihrer Umwelt. 

Dahinter verbirgt sich ein noch immer unterschätztes Problem: Inzwischen geht es nicht nur um den Verlust einzelner Arten, sondern um das Verschwinden ganzer Ökosysteme, die wegen ebenjener Wechselwirkungen aus dem Gleichgewicht geraten. 

Mal fällt die Nahrungsquelle für eine Tierart weg, die wiederum selber Beute ist, mal zerbricht ein symbiotisches System, wo eine Baumart mit den Organismen in der Erde “zusammenarbeitete”, mal werden Pflanzen nicht bestäubt, weil Insekten fehlen. Oder es fehlt die genetische Vielfalt innerhalb einer Art, weil die Zahl ihrer Individuen dramatisch geschrumpft ist – sie wird dann unter anderem anfälliger für Krankheiten. 

Biodiversität ist der Oberbegriff für all diese Zusammenhänge und die Vielfalt des Lebens auf der Erde.

Buckelwal an der US Antlantikküste

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Warum brauchen wir Biodiversität?

Es gibt zahlreiche ökologische, ökonomische, soziale und auch ethische Gründe, die Biodiversität zu erhalten und zu bewahren. Der offensichtlichste ist, dass die biologische Vielfalt die Grundlage für das Leben auf der Erde und für "Ökosystemleistungen" ist. Das heißt,  zerstören wir sie, dann sägen wir den Ast ab, auf dem wir sitzen.

Beispielsweise regulieren Wälder das Klima, sie speichern Kohlendioxid und produzieren den Sauerstoff, den wir atmen. Außerdem filtern und speichern sie Wasser (und schützen so beispielsweise vor Erosion und Hochwasser). Weltweit sind außerdem etwa eine Milliarde Menschen unmittelbar vom Wald abhängig. In tropischen Regenwäldern leben ungefähr 300 Millionen Menschen, hiervon circa 50 Millionen Indigene. Diese leben in enger Verbindung mit dem Wald. Der Wald stellt ihre Lebensgrundlage dar und bildet auch ihre kulturelle Identität.

Andere natürliche "Dienstleister" sind beispielsweise die Bienen. Sie bestäuben Obstbäume und andere Blütenpflanzen. Ein Großteil unserer Nahrungsmittel hängt maßgeblich von Insektenbestäubung ab. Das Insektensterben wird daher auf Dauer dramatische Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben. Dabei geht es nicht um domestizierte Honigbienen, sondern um Wildbienen und andere Insekten, die bei der Bestäubung unerlässlich sind, aber weniger im Fokus stehen. Die Landwirtschaft braucht diese Insekten – und trägt gleichzeitig zur Zerstörung ihrer Bestände bei, so wie sie weltweit durch ihren enormen Flächenverbrauch ganze Ökosysteme bedroht.

Nicht so charismatisch, aber trotzdem ebenso wichtig sind die Mikroorganismen, die unsere Abfälle zersetzen und so deren Mineralien in den natürlichen Kreislauf zurückführen. Sie reinigen die Gewässer und sind in Böden und Äckern unverzichtbar. Schon heute nimmt die Qualität der Böden durch fehlende Mikroorganismen ab. 

Gleichzeitig leiden Gewässer unter dem Nährstoffeintrag aus der Landwirtschaft, was Folgen für Meerestiere hat – ausreichende Mengen Fisch zu fangen, wird immer schwieriger. Das liegt neben der Landwirtschaft auch an der Überfischung und der Klimakrise. Durch sie nimmt unter anderem das pflanzliche Plankton in den Meeren um jährlich circa ein Prozent ab, mit Folgen für das gesamte marine Nahrungsnetz. Denn es erzeugt Sauerstoff und dient Zooplankton- und vielen anderen Tierarten als Nahrung. 

Ein Beispiel: Krill frisst pflanzliches Plankton und ist die Hauptnahrung von Walen – die selbst als gigantische Kohlenstoffspeicher wertvolle Klimaschützer sind, da sie nach ihrem Tod auf den Meeresboden sinken und so riesige Mengen Kohlenstoff binden. Alles hängt mit allem zusammen: kleine mit großen Lebewesen, die Biodiversität und der Klimaschutz.

Hummel auf einer Sonnenblume

Insekten und Landwirtschaft brauchen einander

Welche Folgen hat der Artenschwund?

Noch ist viel zu wenig bekannt darüber, ob Ökosysteme ihre “Dienstleistungen” auch dann noch erbringen können, wenn 30 bis 50 Prozent ihrer Arten ausgestorben sind. Ab welchem Zeitpunkt ist welches System in seiner Leistungsfähigkeit spürbar eingeschränkt? Niemand weiß auch, welche noch zu entdeckenden Heilmittel oder anderweitig nutzbare chemische Verbindungen in wenig untersuchten oder gar unbekannten Arten noch stecken mögen. 

Wenn wir Ökosysteme oder einzelne Arten, Populationen und die genetische Vielfalt vernichten, verändern wir ihre für uns überlebenswichtigen Fähigkeiten. Böden leiden, Ernteerträge und Fischfangmengen sinken, die Erde erhitzt sich - und wir kennen noch nicht ansatzweise alle dieser Wechselwirkungen. Daher ähnelt die derzeitige Naturzerstörung einem Experiment, bei dem das Forschungsteam willkürlich Teile aus einem fahrenden Auto ausbaut, deren Bedeutung es gar nicht oder nur vage verstanden hat – und trotzdem einfach weiterfährt. 

Besser, wir finden über den Zusammenbruch der Ökosysteme so wenig wie möglich durch Praxistests heraus - und bündeln stattdessen unsere Kräfte, um das Schlimmste zu verhindern: Mit deutlich mehr echten Schutzgebieten im Meer und an Land, geringerem Flächenverbrauch, ökologisierter Landwirtschaft und eingedämmter Klimakrise können wir den Artenschwund stoppen. Und so unser Leben in der Zukunft auf eine sicherere Basis stellen. Noch ist es nicht zu spät, das Ruder herumzureißen.

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