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Protest vor IAA. Autodächer im Wasser, 2 Aktive halten Banner: "Shrink now or swim later",  "Autoindustrie versenkt Klimaschutz"
© Lucas Wahl / Greenpeace

Mobilität für alle!

Verkehrswende - für Klima und Gerechtigkeit

Damit wir uns klimafreundlich fortbewegen können, muss an vielen Rädern gedreht werden. Für eine Zukunft mit weniger privaten Pkw, aber sozial gerechter und nachhaltiger Mobilität.

Verstopfte Straßen, stinkende Abgase, zugeparkte Fuß- und Fahrradwege und nirgends ist der Rückstand beim Klimaschutz größer: Im Verkehr hat sich in den vergangenen Jahrzehnten wenig verbessert. Während Bahn und ÖPNV in einem desolaten Zustand sind, explodieren die Zulassungszahlen für private Pkw. Vielerorts bekommen Autos mehr öffentlichen Raum zugesprochen als Kinder. Und obwohl es höchste Zeit ist, das Vorrecht von Autos im Verkehr zu überdenken, dominieren in den Städten riesige spritfressende SUVs und in ländlichen Regionen gibt es zu wenig Alternativen zum eigenen Auto.

Während Autohersteller wegen ihres klimaschädlichen Geschäftsmodells sogar vor Gericht stehen, laufen weiterhin Millionen Autos mit Verbrennungsmotor vom Band. Über 1,3 Milliarden Verbrenner sind inzwischen weltweit zugelassen und heizen mit ihren Abgasen die Klimakrise an. Trotz ihrer Klimaversprechen sind die CO2-Emissionen der drei größten Autohersteller der Welt - Toyota, Volkswagen und Hyundai-Kia - wegen des zunehmenden Verkaufs von klimaschädlichen SUV deutlich gestiegen. Das zeigt ein Report von Greenpeace. Der SUV-Boom macht demnach die Klima-Fortschritte der Firmen zunichte, die sie durch den Übergang zu Elektrofahrzeugen erreicht haben. Ihre Verkäufe von Pkw mit Offroad-Optik steigerten die drei größten Autohersteller in den vergangenen zehn Jahren jeweils um mehr als 150 Prozent. Der SUV-Absatz des Wolfsburger Autobauers VW stieg am steilsten - um 270,5 Prozent seit 2013. Alle auf der Straße befindlichen VW-Verbrenner emittierten im Jahr 2022 rund 346 Millionen Tonnen CO2. Das waren 36,8 Millionen Tonnen mehr als noch fünf Jahre zuvor. Die vom Konzern verkauften Verbrenner-SUV verantworten 102 Millionen Tonnen CO2 jährlich und damit fast 30 Prozent der Gesamtemissionen der VW-Flotte. VWs bislang verkaufte Elektrofahrzeuge vermieden im Jahr 2022 nur etwa 5,6 Millionen Tonnen CO2.

Vier Bundesverkehrsminister der CSU und aktuell Volker Wissing (FDP) haben in Deutschland seit 2009 vor allem die deutsche Autoindustrie unterstützt und Straßen statt Schienen bauen lassen. Diese Politik hat Folgen: Auf rund 83 Millionen Menschen hierzulande kommen knapp 67 Millionen Autos – der höchste Wert aller Zeiten.

Sinkt der Öl-Verbrauch im Straßenverkehr in Deutschland weiter so langsam wie seit dem Jahr 2000, wird der klimaschädliche Energieträger erst im Jahr 2120 von der Straße verschwinden. Das zeigt die von Greenpeace veröffentlichte Analyse „Öl ins Feuer“ des Hamburger Energieexperten Steffen Bukold. 

  • Aktivist:in hält auf der IAA ein Banner auf einem Autodach: The party is over

    „Die Party ist vorbei“: Greenpeace-Aktive protestieren während des IAA-Rundgangs von Olaf Scholz am 5. September 2023 gegen die maßlose Verschwendung durch Autobauer. Denn Autohersteller produzieren weiter zu viele klimaschädliche Verbrenner.

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  • IAA JAGs' Chalk Street Painting in Munich

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  • Stop Crashing the Climate - Action in Berlin

    Protest am 22. März 2023 vor dem Brandenburger Tor gegen die Verkehrspolitik der Bundesregierung.

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  • Chancellor Scholz Action for Combustion Protection in Berlin

    Greenpeace-Aktive am 24. März 2023 mit einem abgewandelten Wahlplakat der SPD vor dem Kanzleramt in Berlin: Im Streit über den europäischen Verbrenner-Ausstieg lässt Scholz die FDP seit Wochen gewähren. Die Liberalen beharren darauf, auch über das Jahr 2035 hinaus, Pkw mit Verbrennungsmotoren zuzulassen.

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  • Protest Banner at SPD in Berlin

    SPD-Parteizentrale in Berlin am 27. Februar 2023: Aktivist:innen fordern mehr Engagement für eine soziale und klimafreundliche Verkehrspolitik.

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Verkehr: Besserverdienende profitieren vom Status Quo

Dabei können sich viele Menschen ein Auto gar nicht leisten – sie sind von einer Mobilität, die einseitig auf den privaten Pkw-Verkehr ausgerichtet ist, mehr oder weniger ausgeschlossen. Das hat sich durch das 9-Euro-Ticket 2022 sowie das derzeitige Deutschlandticket geändert - Grenzen setzt nun der mangelhaft ausgebaute Bus- und Bahnverkehr. 

Die klimafreundliche und sozial gerechte Verkehrswende kann nur mit einer Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr zum öffentlichen Straßenverkehr und vor allem auf die Schiene gelingen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg: Jahrzehntelang wurde unsere Welt rund um das Auto geplant. Shoppingcenter und neue Wohnviertel wurden auf die grüne Wiese gebaut – mit mehr Parkplätzen als Busverbindungen. In den Städten dominiert der Autoverkehr und beansprucht mit Straßen und Parkplätzen mehr Raum, als für Fußgänger:innen und Radfahrende vorgesehen ist. Der Autoverkehr frisst Grünflächen, ist umweltschädlich, verbraucht zu viele Rohstoffe und gefährdet Menschenleben – und dennoch fällt der Abschied schwer.

Auf der im Bau befindlichen Berliner Stadtautobahn A 100 legen Aktive ein 8 x 5 m großes Deutschlandticket neben ein ebenso großes Autobahn-Logo auf der Gegenfahrbahn

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Die meisten Deutschen können sich einen Alltag ohne eigenes Auto noch nicht vorstellen. Das liegt nicht nur an der Liebe der Deutschen zum Automobil, sondern vor allem an einer verkehrten Verkehrsplanung. Noch immer gibt es kein Tempolimit und geht der Ausbau von Alternativen – pünktliche Busse und Bahnen, sichere Radwege – zu schleppend voran. Pendlerpauschale, Dienstwagenprivileg und weitere Subventionen stabilisieren zudem, politisch gewollt, die Abhängigkeit vom eigenen Auto. Davon profitieren vor allem Besserverdienende. In den höchsten Einkommensklassen wird zudem – trotz gigantischer CO2-Emissionen – gerne und viel im eigenen Flugzeug gereist – ein Skandal, den Greenpeace aufgedeckt hat. Privatjets sind das umweltschädlichste Transportmittel: Kein anderes erzeugt pro Person und Kilometer so viele Emissionen und hat einen so hohen Energieverbrauch. 

Greenpeace und viele weitere Umwelt- und Sozialverbände fordern ein bundesweit gültiges Sozialticket für öffentliche Verkehrsmittel, das finanziell Schwachen bezahlbare und klimafreundliche Mobilität ermöglicht. Während vermögende Menschen bereits einen Drittwagen im Carport stehen haben, können sich Menschen mit wenig Geld ein Auto oft nicht leisten - sie sind von einer Mobilität, die einseitig auf den privaten Pkw-Verkehr ausgerichtet ist, ausgeschlossen. Das 9-Euro-Ticket und das nachfolgende Deutschlandticket haben ihnen oft erst ermöglicht, mobiler zu werden und ihren Aktionsradius auszuweiten. Grenzen setzt nun eher der mangelhaft ausgebaute Bus- und Bahnverkehr. 

Atomkraftwerk Grundremmingen, im Vordergrund Stromleitungen.

Umweltschädliches Wirtschaften wird in Deutschland noch immer belohnt: Laut Umweltbundesamtes gibt es allein auf Bundesebene fast 50 Milliarden Euro jedes Jahr für umweltschädliche Subventionen.

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Die Zukunft der Mobilität - Städte für Menschen, nicht für Autos

Das Rad muss nicht neu erfunden werden, denn der Weg zu einer klimaschonenden und sozial gerechten Mobilität ist bekannt: Nur mit massiven Investitionen in die Bahn und mit weniger Autos in Städten kann die Verkehrswende gelingen. Denn grüne, verkehrsberuhigte Städte sind ein großer Gewinn für alle Menschen - dazu reicht ein Blick in europäische Metropole wie Kopenhagen, Stockholm oder Wien.

Machen wir zusammen eine Zeitreise in eine Zukunft, für die heute die Weichen gestellt worden sind! In dieser Zukunft ist die Verkehrswende in vollem Gange und es gibt viele aufregende Veränderungen.

Als erstes fällt auf, dass die Stadtzentren viel grüner und ruhiger sind. Überall sind Bäume und Pflanzen, auf breiten Gehwegen flanieren Bewohner:innen und spielen Kinder. Das liegt daran, dass die Autos der Vergangenheit durch umweltfreundliche Alternativen ersetzt wurden. Elektrobusse und geteilte Elektroautos sind mittlerweile der Standard, sie fahren leise und ohne Abgase. Die Straßen sind viel ruhiger geworden, Vogelgezwitscher und lachende Kinder dafür deutlicher zu hören.

Apropos Elektroautos: Die Ladeinfrastruktur hat einen riesigen Sprung gemacht. An fast jeder Ecke gibt es eine Ladestation. Während man in einem Café sitzt oder einkaufen geht, kann das Auto schnell und mit preisgünstiger erneuerbarer Energie aufgeladen werden. Überall gibt es zudem sichere Fahrradwege, einfache Fahrradverleihsysteme und Lastenräder für den Transport von Einkäufen und Kindern. Die Menschen strampeln gut gelaunt durch die grüne Stadt und sind in Bewegung, während sie die frische Luft genießen. Und wem der Weg doch zu weit oder das Wetter zu schlecht ist, nutzt Bus und Bahn.

Denn auch der öffentliche Nahverkehr hat eine Verwandlung durchgemacht. Busse und Bahnen sind nicht nur preiswert und pünktlich, modern und komfortabel, sondern auch vollständig emissionsfrei. Sie werden elektrisch oder mit Wasserstoff betrieben. Das gilt auch für den übrigen Güterverkehr, der nicht auf der Schiene, sondern noch mit LKW transportiert wird.

Letztlich haben die Menschen ihre Einstellung zum Verkehr geändert. Ihre Wahl des Verkehrsmittels basiert nicht mehr nur auf Bequemlichkeit, sondern auch auf Nachhaltigkeit. Sie haben erkannt, dass sie einen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten können, wenn sie auf umweltfreundliche Optionen umsteigen. In dieser Zukunft ist die Verkehrswende also nicht nur gut für das Klima, sondern auch für die Lebensqualität der Menschen. Die Luft ist sauberer, die Städte sind grüner und die Menschen sind aktiver und gesünder. Es ist eine Welt, in der wir uns alle gerne bewegen und die Verkehrswende ein großer Erfolg ist.

Verkehrssituation an einer Kreuzung in Berlin: zwei Straßenbahnen, eine Bahnbrücke, Radfahrende und Fußgänger:innen

„Autofreie Innenstädte schaden dem Einzelhandel“ oder „Andere Länder treiben die Verkehrswende auch nicht voran“. Wir haben gängige Argumente gegen eine neue Mobilität eingeordnet.

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