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Protest at Amazon Logistics Center Winsen near Hamburg
© Daniel Müller

Nachhaltig leben

Alternativen zur Konsumgesellschaft

Politik und Wirtschaft haben in Sachen Klimaschutz die großen Räder zu drehen – aber tun das nur langsam. Als Gesellschaft können wir den Wandel beschleunigen, indem wir unser Verhalten ändern.

Jede:r Deutsche kauft im Schnitt rund 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr. Dabei währt die Freude über das neu erstandene Stück nur kurz – bis zu 40 Prozent unserer Kleidung tragen wir selten oder nie. Man muss nicht einmal ökologisch argumentieren, um zu sehen, dass hier etwas gehörig in Schieflage ist. Aber unser Konsumverhalten ist eben auch eines der Probleme, die wir im Kampf gegen die Klimakrise lösen müssen. Die ungetragenen Klamotten im Kleiderschrank sind da nur die Spitze des Eisbergs. 

Dass die Menschheit über ihre Verhältnisse lebt, belegt Jahr für Jahr der Erdüberlastungstag. Dabei wird eine recht simple Rechnung aufgestellt: Wie viele Ressourcen stellt die Erde pro Jahr zur Verfügung - und wie viel verbraucht die Menschheit tatsächlich? Aus dem beobachteten Missverhältnis lässt sich jedes Jahr ein konkretes Datum ableiten. 2021 war der weltweite Earth Overshoot Day am 29. Juli. Den Rest des Jahres steht die Bevölkerung sozusagen bei der Erde in der Kreide. Und das Datum rückt – mit einer Corona-bedingten Abweichung im Jahr 2020 – immer früher im Kalender.

Überkonsum verschärft die Klimakrise

Diese Ressourcenkrise gehört zu den größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Sie ist umso bedrohlicher, da ihre Ausmaße erst allmählich verstanden werden. So ist etwa die deutsche Verantwortung für den weltweiten CO2-Ausstoß noch höher als es offizielle Bilanzen darlegen. Denn etliche der für den deutschen Markt produzierten Konsumgüter werden im globalen Süden hergestellt; es sind so viele, dass dadurch die offiziellen deutschen Treibhausgasemissionen verdoppelt würden. Sie tauchen in nationalen Tabellen aber nicht auf, und fallen somit auch aus der Rechnung, wenn es um zu erreichende Klimaziele geht.

Als Gesellschaft können wir die Verantwortung dafür nicht so einfach abstreifen. Aber der Spieß lässt sich umdrehen: Als Verbraucher:innen liegt es in unserer Macht, die Logik von Nachfrage und Überangebot in Frage zu stellen und uns ihr, wo es geht, zu entziehen. Alternative Geschäftsmodelle zum Neukauf, also Teilen, Mieten, Leihen, Reparieren, Secondhand, können zum neuen Normal werden und den Unterschied im Kampf gegen die Klimakrise ausmachen. Um wieder zum Kleiderschrank zurückzukommen: 85 Prozent der Treibhausgasemissionen aus der Textilindustrie stammen aus der Produktion. Das nachhaltigste Produkt ist demnach immer eines, das nicht neu hergestellt werden muss. 

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Unverpacktes Einkaufen für alle

Nachhaltig leben bedeutet auch, nach dem Wocheneinkauf nicht die Wertstofftonne bis zum Anschlag mit Einwegverpackungen vollzustopfen. Das Verpackungsmüllaufkommen in Deutschland ist 2019 auf insgesamt 5,9 Millionen Tonnen gestiegen; jede:r Deutsche produzierte durchschnittlich etwa 72 Kilogramm Plastikmüll und somit vier Kilogramm mehr als im Vorjahr. Ein Ende des Trends ist nicht absehbar. Ohne Einhalt könnte sich die weltweite Plastikproduktion bis 2050 verdreifachen, so Schätzungen der Industrie, nimmt man das Volumen von 2015 als Ausgang. Den Hauptteil machen Einwegverpackungen von Firmen wie Coca-Cola, Nestlé oder Unilever aus. Allein durch die Treibhausgasemissionen, die durch ein solch ungebremstes Wachstum der Plastikproduktion entstünden, wäre bis zur Mitte des Jahrhunderts zehn bis 13 Prozent des Budgets aufgebraucht; bis 2100 ein Viertel. 

Auch dafür gibt es Lösungen, nämlich ein flächendeckendes System für Mehrwegverpackungen. Die Anfänge sind gemacht, aber spärlich und auf freiwilliger Basis. Was benötigt wird, sind einheitliche Lösungen, mit Behältern, die in Supermärkten von München bis Flensburg abgegeben und aufgefüllt werden können. Wir brauchen Mehrweg statt mehr Müll. Ein weiterer Schritt muss von der Politik kommen: Um dem Lebensmittelhandel Rechtssicherheit zu geben, muss das Bundesumweltministerium einheitliche Hygieneregeln ausgeben – damit die Möglichkeit, unverpackt an der Frischetheke einzukaufen, nicht die Ermessenssache der jeweiligen Marktleitung ist.

Bis dahin gibt es deutschlandweit auch jetzt schon viele Möglichkeiten ohne Plastik einzukaufen: Das ReUse-Revolution-Projekt von Greenpeace Deutschland sammelt anhand der Einträge von Benutzer:innen auf einer interaktiven Karte nicht bloß Unverpackt-Läden, sondern alle Läden, die ihre Ware in mitgebrachte Taschen und Dosen ausgeben, vom Bäcker bis zum Imbiss.

Refill Action Day in Chemnitz

Mit Aktionstagen macht Greenpeace darauf aufmerksam, dass wir auch viel unverpackt einkaufen können.

Warenzerstörung im Onlinehandel

Der Onlinehandel boomt immer weiter. 2017 wurden in Deutschland rund 3,4 Milliarden Online-Bestellungen verschickt: Geht man davon aus, dass ein durchschnittliches Paket 20 Zentimeter hoch ist, würden sich diese Bestellungen bis zum Mond stapeln lassen – und wieder zurück! Die Bequemlichkeit der Bestellung im Netz hat allerdings auch bei einigen zu kuriosen Einkaufsroutinen geführt: Schuhe oder Kleider in drei Größen, eine wird schon passen – die anderen gehen mit dem Retourenvordruck postwendend zurück, ganz schön praktisch. Diese Lieferbewegungen erzeugen unnötige Treibhausgasemissionen – und viele Retouren gelangen gar nicht wieder in den Verkauf.

Greenpeace konnte etwa dem Versandriesen Amazon nachweisen, dass Retouren, Saison- und Lagerware, regelmäßig oft schlicht zerstört werden – das spart dem Anbieter die teure Lagerung. Insider:innen berichten, sie hätten teils an nur einem Tag Warenwerte in Höhe von rund 23.000 Euro vernichtet. Auf Druck von Greenpeace und der Öffentlichkeit hat die Bundesregierung daraufhin das sogenannte Kreislaufwirtschaftsgesetz verschärft und die Obhutspflicht für den Handel eingeführt. Demnach darf neuwertige Ware keinesfalls im Schredder oder in der Verbrennung landen. Doch an der Durchführung hapert es bislang. Noch werden Verstöße nicht bestraft und daher wird weiterhin unbenutzte Waren zerstört, die CO2-intensiv produziert wurden. Angesichts der Klimakrise ist das eine nicht duldbare Verschwendung gegen die Greenpeace mit einer Petition Handeln fordert.

“Black Friday”, “Cyber Monday” – und der Gegenentwurf

Mit den Sonderangebotstagen “Black Friday” und “Cyber Monday” hat der Einzelhandel regelrechte Konsum-Feiertage geschaffen: Ende November, mitten im Weihnachtsgeschäft locken Elektromarktketten und Onlinekaufhäuser mit Schnäppchen, die so preisgünstig sind, dass man sie kauft, obwohl man sie oft gar nicht benötigt – und brechen dabei Umsatzrekorde, die jedes Jahr ein Stück nach oben korrigiert werden. Gut für Klima und Umwelt ist das nicht: Die Waren werden energie- und ressourcenintensiv produziert, um die halbe Welt geschickt – und im schlimmsten Fall gleich wieder entsorgt.

Greenpeace-Freiwillige setzen jedes Jahr ein positives Gegengewicht zu der Rabattschlacht: Die MAKE-SMTHNG-Week lädt dazu ein, einander beizubringen, wie man Dinge des alltäglichen Gebrauchs einfach selbst herstellt. Dazu kommen Kleidertauschbörsen, Repair-Cafés, Workshops, Kochkurse und Vorträge. Die Idee ist, Alternativen zur Konsumgesellschaft aufzuzeigen, mit Spaß, aber auch spürbarer Wirkmacht: Im Kampf gegen die Klimakrise geht es nicht ohne individuelle Verhaltensänderungen. Dass die keinen Verzicht bedeuten, sondern das Aneignen von Fähigkeiten und der Austausch von Wissen ein Gewinn ist – das zeigt die MAKE-SMTHNG-Bewegung mit ihrem weltweiten Netzwerk von Maker:innen und Aktivist:innen.

Bewusster einkaufen, Umwelt schützen

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    Die "Make Smthng Week" wird alljährlich von Greenpeace-Ehrenamtlichen veranstaltet, um in der Vorweihnachtszeit und rund um den "Black Friday" auf Konsumalternativen aufmerksam zu machen.

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  • Protest at Amazon Logistics Center Winsen near Hamburg

    Protest bei Amazon in Winsen

    Greenpeace-Aktivist:innen protestieren im Juli 2019 gegen die Zerstörung neuwertiger Waren durch den Onlinehändler.

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Gut leben hilft allen

Bei der Ernährung weitgehend auf tierische Produkte verzichten, möglichst abfallfrei einkaufen, öfter aufs Fahrrad umsteigen und Dinge teilen, statt sie zu kaufen – das sind keine schmerzvoll zu erbringenden Opfer, die wir uns als Verbraucher:innen aufbürden, um das Klima zu retten. Sie können Spaß machen, unsere Zufriedenheit steigern, uns fitter und aufgeschlossener machen. Wir müssen dazu nur ein wenig umlernen – und uns nicht entmutigen lassen, wenn es nicht auf Anhieb klappt.

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