Seit 1980 hat sich die Zahl der durch Stürme verursachten Naturkatastrophen mehr als verdoppelt

Wetterextreme: Stürme

Seit etwa 1970 beobachten Klimaforscher eine „zunehmende Aktivität starker tropischer Wirbelstürme im Nordatlantik“ (Weltklimarat). Die Münchner Rück, einer der weltweit führenden Rückversicherer, registriert eine Verdoppelung der durch Stürme verursachten Naturkatastrophen seit 1980. Besonders schadensträchtig, heißt es, seien die atlantischen Hurrikane.
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Durch den Klimawandel ist die Temperatur der Ozeane gestiegen, die Verdunstung nimmt zu, stärkere Tiefdruckgebiete bilden sich aus. Die Energie entlädt sich in Hurrikanen und Orkanen, die schwere Regenfälle und Überschwemmungen nach sich ziehen.

Orkane über Europa

Extremwettersituationen werden auch in unseren Breitengraden häufiger vorkommen. Vor allem im Frühjahr und im Herbst müssen wir mit heftigeren Stürmen rechnen. Weihnachten 1999 fegte Orkan Lothar über Frankreich und raste weiter nach Süddeutschland, knickte Bäume um wie Streichhölzer, schlug große Schneisen in den Wald, Bäume krachten auf die Straßen, ganze Regionen wurden unpassierbar. Im Frühjahr 2006 kippte ein Tornado in Hamburg zwei Kräne um und tötete die Kranführer. Orkan Kyrill sorgte im Januar 2007 deutschlandweit für früheren Dienstschluss in Firmen und Behörden, die Bahn stellte in weiten Teilen Deutschlands ihren Verkehr ein, die Bevölkerung wurde aufgefordert, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten.

Bedrohung durch Wirbelstürme

Die Karibik und der Süden der USA werden von immer heftigeren Wirbelstürmen bedroht. Hurrikane sind tropische Wirbelstürme - sehr starke, kreisförmige Tiefdrucksysteme, die sich vor allem zwischen dem 5. und dem 25. Grad nördlicher und südlicher Breite bei einer Wassertemperatur von mehr als 27 Grad Celsius über dem Meer entwickeln. Um einen zentralen Kern mit extrem tiefem Luftdruck, dem Auge des Hurrikans, kreist die Luft und steigt sehr schnell empor. Es bildet sich ein spiralförmiger Wirbel, der durch die großen Energiemengen, die mit der raschen Kondensation der aufsteigenden Luft frei werden, aufrechterhalten wird. Wenn diese riesigen, wirbelnden Energiemassen auf das Festland treffen, fehlt ihnen der Nachschub an feuchter Luft, und der Wirbelsturm verliert seine Energiegrundlage. Die Geschwindigkeit lässt nach, heftige Regenfälle setzen ein. Bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 Kilometern pro Stunde können die tropischen Wirbelstürme ganze Landstriche verwüsten.

Hurrikan Katrina überflutet New Orleans

Mit unglaublicher Wucht traf Ende August 2005 der Hurrikan Katrina die US-amerikanische Golfküste. Er löste eine Flutwelle aus, die Tausende von Menschen in New Orleans und Umgebung zur Flucht zwang und die Stadt unter Wassermassen begrub. An dieser Hurrikan-Katastrophe zeigt sich besonders eindrücklich, dass der Klimawandel nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch in den Industriestaaten Menschen aus ihrer Heimat vertreiben kann.

Katrina war der bis dahin stärkste Sturm seit Beginn der Aufzeichnungen. Auch die relativ gute Absicherung der Küste durch Deiche bot keinen Schutz vor dem Sturm. 80 Prozent der Stadt New Orleans wurden überflutet. Etwa 1.800 Menschen kamen durch den Sturm ums Leben. Der Wirbelsturm löste die größte Flüchtlingswelle seit 150 Jahren aus. Mehr als eine Million Menschen wurden innerhalb von vierzehn Tagen in andere Teile der USA evakuiert. Es war, als hätten sich die gesamten Flüchtlingsbewegungen des amerikanischen Bürgerkriegs in zwei Wochen abgespielt. Langfristig werden vermutlich etwa 250.000 Menschen dauerhaft der Region fortbleiben. Die Naturkatastrophe hat der amerikanischen Öffentlichkeit die Augen geöffnet, dass der Klimawandel bittere Realität ist.

2005 war das aktivste Hurrikanjahr seit Beginn der Beobachtungen im Nordatlantik. Drei der zehn stärksten im Nordatlantik gemessenen Hurrikane traten im Jahr 2005 auf. Der Hurrikan Wilma war der stärkste im Atlantik gemessene und Hurrikan Katrina mit mindestens 125 Milliarden US-Dollar Schadenssumme der teuerste Wirbelsturm, der bis dahin über Land Verwüstungen anrichtete.

Es stürmt stärker

Insgesamt hat Intensität und Zerstörungskraft tropischer Wirbelstürme seit 1970 zugenommen. Ende Oktober 1998 wütete der Hurrikan Mitch über Mittelamerika. Über 10.000 Menschen kamen ums Leben. Allein Honduras hatte mehr als 6.000 Todesopfer zu beklagen, Nicaragua 2.800. Ein Drittel der nicaraguanischen Bevölkerung, rund zwei Millionen Menschen, war betroffen. In der gesamten mittelamerikanischen Region verloren Zehntausende ihr Obdach. Verwüstete Felder und durch Erdrutsche verschüttete Häuser blieben zurück. Die Ernte war weitgehend vernichtet, Bananen-, Kaffee-, Mais-, Bohnen- und Reiskulturen wurden von den gewaltigen Regenfluten weggespült.

Im April 2008 zerstörte der Zyklon Nargis in Burma tausende Häuser. Rund eine Million Menschen wurden obdachlos. Die Zahl der Todesopfer wird mit mindestens 84.500 angegeben, Schätzungen gehen von mehr als 100.000 Opfern aus. Der Zyklon trieb gewaltige Wassermassen bis zu 100 Kilometer landeinwärts und vernichtete die Reisfelder im Delta des Irrawaddy. Nargis wird als einer der folgenschwersten tropischen Wirbelstürme in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen bezeichnet.

Hurrikane können sich zukünftig auch in bisher untypischen Regionen bilden. 2004 wurde zum ersten Mal ein Hurrikan im Südatlantik gesichtet: der Zyklon Catarina. 2011 sorgte ein gigantischer Tiefdruckwirbel über Südeuropa für sintflutartige Regenfälle in Italien.

(Stand: August 2012)

Hintergrund: Für eine Welt ohne Klimachaos

Der Klimawandel ist die größte Bedrohung der Menschheit. Wissenschaftler warnen, dass die globale Durchschnittstemperatur bis 2100 um bis zu sechs Grad steigen wird, wenn wir uns nicht ändern. Das Wettersystem, wie wir es heute kennen, würde kollabieren. Das müssen wir verhindern!

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