11 Tipps für weniger Öl- und Gasverbrauch
- Ein Artikel von Agneta Melzer & Lisa Vaske
- Kurz und Knapp
Vom Autoreifen über die Heizung bis zum Lippenstift: Gas und Erdöl fließen in viele Produkte. Aber wir können uns von der Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen lösen!
Vor jeder Autofahrt lohnt sich die Frage: Ist sie wirklich notwendig? Jede Entscheidung für Fahrrad oder Fußweg schont Ressourcen und Umwelt. Auch bei den Überlegungen für ein neues Auto stellt sich die Frage. Ist es wirklich notwendig? Wenn ja, fährt ein Elektroauto zumindest emissionsfrei. Auch die aktuelle weltpolitische Lage wirft die Frage auf: Wie machen wir uns unabhängig von den fossilen Energien, die durch Krisengebiete wie die Straße von Hormus transportiert werden müssen? Neben offensichtlichen Beispielen wie Auto oder Heizung gibt es weitere, bei denen wir durch Alltagsentscheidungen fossile Energiensparen können, von der Plastiktüte bis zur Kosmetik. Hier sind elf praktische Tipps, um Ressourcen zu schonen und Öl und Gas zu sparen.
1. Fahrgemeinschaften, Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen
Obwohl es umweltfreundliche Fortbewegungsmittel gibt, fahren im Alltag viele allein Auto. Wer sich mit anderen zu einer Fahrgemeinschaft zusammentut, spart Kraftstoff und damit Öl – ist dabei in netter Begleitung und hat weniger Kosten. Noch besser ist es, das Auto öfter stehen zu lassen und auf das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel wie Bus und Bahn umzusteigen. Diese Optionen schonen die Umwelt, sorgen gleichzeitig für Bewegung und sind ebenfalls oft günstiger. Wer also auf nachhaltige Mobilität setzt, hilft neben dem Klima auch dem eigenen Wohlbefinden.
Übrigens: In dem Artikel „Elektromobilität: Fragen und Antworten zu E-Autos„ gehen wir auf gängige Fragen zur E-Mobilität ein.
2. Möglichst Produkte ohne Plastikverpackung bevorzugen
Plastik besteht aus Erdöl, was die Umwelt belastet. Viele von uns kaufen ständig neue Produkte in Plastikverpackungen. Das können wir ändern! Verpackungsfreie Lebensmittel, etwa aus Unverpackt-Läden, reduzieren Plastikmüll deutlich. Eine andere Möglichkeit ist, wiederverwendbare Behälter zu nutzen, um den Plastikverbrauch und damit den Erdölbedarf zu verkleinern. Im Jahr 2023 fielen in Deutschland rund 5,9 Millionen Tonnen Plastikmüll an. Mehr als die Hälfte dieses Abfalls, rund 3,1 Millionen Tonnen, stammen aus Verpackungen. Trotz des Rufes als „Recyclingweltmeister“ wird nur etwa ein Drittel (38 Prozent) des Plastikmülls in Deutschland tatsächlich recycelt. Der Großteil, etwa 61 Prozent, landet in der Müllverbrennung. Deutschland exportierte 2023 knapp 700.000 Tonnen Plastikmüll ins Ausland – vor allem in die Niederlande, nach Malaysia und in die Türkei. Damit ist Deutschland der größte Plastikmüllexporteur in der EU. Zudem löst Recycling weder die Ressourcen- noch die Müllkrise, es ist energieintensiv und führt zu Materialverlusten.
Weitere Ideen zu diesem Punkt in Kreislaufwirtschaft ist viel, viel mehr als Recycling und in unseren 10 Tipps für weniger Plastik.
Und wer auf regionaler Ebene gegen Plastikverschmutzung aktiv werden möchte, erfährt hier mehr: Mitmachen: weniger Müll durch Mehrweg und Verpackungssteuer. In einigen Städten setzen sich Ehrenamtliche von Greenpeace bereits für eine solche Steuer ein.
3. Falls ein Heizungstausch ansteht: auf Wärmepumpe setzen
Wärmepumpen sind die umweltfreundlichen Heizungen der Zukunft: Sie funktionieren ohne Öl oder Gas, und bei der Nutzung entsteht kein CO2. Das ist nicht nur gut fürs Klima, sondern macht uns auch unabhängig von fossilen Importen. Eine Wärmepumpe ist über die Betriebsjahre hinweg außerdem viel kostengünstiger als eine mit Gas oder Öl betriebene Heizung. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die fossilen Brennstoffe Öl und Gas mit steigendem CO2-Preis immer teurer werden. Durch staatliche Förderungen lassen sich die vergleichsweise hohen Anschaffungskosten einer Wärmepumpe eindämmen.
Mehr zum Heizungstausch lässt sich in unserem Ratgeber Schritt für Schritt zur Wärmepumpe nachlesen.
4. Energie sparen beim Heizen
Wenn es nicht gleich der Heizungstausch Richtung Wärmepumpe sein soll, lassen sich auch mit ein paar einfachen Tipps beim Heizen fossile Energien, also Öl und Gas, sparen. Drei Viertel der Energie, die wir als Privatperson verbrauchen, entfallen auf die Wärmeversorgung. Jedes Grad niedrigere Raumtemperatur bringt zum Beispiel sechs Prozent Energieeinsparung. Hier gibt es weitere Tipps zum Heizen wie smarte Thermostate oder Entlüftung.
5. Bio-Obst und -Gemüse wählen
Der Kauf von Bio-Obst und Gemüse fördert eine nachhaltige Landwirtschaft. Eine weitere tolle Nachricht: Auch Öl lässt sich damit sparen. Biobetriebe verzichten auf chemisch-synthetische Pestizide und Kunstdünger, die häufig auf Ölprodukten basieren. Das spart fossile Ressourcen, schützt Böden sowie Grundwasser und bewahrt die Biodiversität: Auf den Feldern von Biohöfen finden Bienen, Schmetterlinge und andere Nützlinge Rückzugsorte, die in konventionellen Monokulturen oft fehlen. Konzepte wie die solidarische Landwirtschaft stärken zusätzlich regionale Wirtschaftskreisläufe und fördern ein direktes Miteinander zwischen Produzierenden und Verbrauchenden.
6. Regionale Produkte, kurze Wege
Gutes Essen macht satt und glücklich. Und es lässt sich leicht mit Ressourcenschutz verbinden, indem man Produkte aus der Region bevorzugt. Denn kurze Transportwege reduzieren den Erdölverbrauch und die CO2-Bilanz der Produkte erheblich im Vergleich zu Lebensmitteln, die um die halbe Welt reisen. Mehr zur Klimabilanz von Lebensmitteln in unserem Artikel „Wie gesunde Ernährung für alle aufs Klima wirkt„.
7. Pflegeprodukte wie Shampoo, Seife oder Make-Up auf natürlicher Basis verwenden
Nachhaltige Pflegeprodukte haben gleich mehrere Vorteile. So sind in zertifizierter Naturkosmetik Erdölzusätze grundsätzlich verboten, da diese im Verdacht stehen, gesundheitsschädlich zu sein und das Krebsrisiko zu erhöhen. Hersteller von Naturkosmetik setzen stattdessen auf natürliche Inhaltsstoffe und verzichten auf Erdöl und daraus bestehendes Mikroplastik.
Mikroplastiks ist ein großes Problem für Gewässer und Meereslebewesen, zudem reichert es sich beispielsweise über die vielen konventionellen Pflegeprodukte in unserem Alltag an.
8. Kleidung aus zweiter Hand und aus Naturfasern
Kleidung aus Naturfasern wie Baumwolle, Leinen oder Wolle zu kaufen, ist sowohl hautfreundlich als auch umweltbewusst. Im Gegensatz zu synthetischen Materialien wie Polyester, die aus Erdöl gewonnen werden, sind Naturfasern biologisch abbaubar. Und sie sind sowieso viel schöner, denn die Kleidung fühlt sich oft weicher auf der Haut an und der Lieblingspulli bleibt länger erhalten. Fast Fashion hingegen setzt auf synthetische Stoffe und kurze Lebenszyklen, was enorme Mengen an Ressourcen verschwendet – von den schlechten Arbeitsbedingungen der Näher:innen vor Ort mal ganz zu schweigen.
Umweltbewusste Fashionisti halten sich an Second-Hand-Mode: Flohmärkte und Vintage-Läden bieten die Chance, (Öl)-Ressourcen zu schonen und einzigartige Stücke mit Charakter zu finden. Eine Option ganz ohne Kommerz sind Kleidertauschparties. Auf Kleidertausch.de sind aktuelle Events gelistet. Auch Greenpeace veranstaltet regelmäßig welche, aber auch jede:r von uns kann einfach selbst ein paar Freund:innen einladen und gemeinsam Klamotten tauschen. Spaß ist garantiert! Mehr zu Mode in 9 einfache Tipps für Slow Fashion.
9. Auf Einwegflaschen verzichten
Einwegflaschen mögen bequem erscheinen, doch sie haben gravierende Folgen für die Umwelt. Ölförderung für die Produktion von Einwegprodukten verbraucht viele Ressourcen und bedroht die Biodiversität, da Abbaugebiete oft wertvolle Lebensräume der Tierwelt zerstören. Das Recycling ist ebenfalls energieintensiv – oder findet sogar gar nicht erst statt.
Mehrweg ist eine nachhaltigere Lösung, insbesondere, wenn der Hersteller regional ist, denn auch der Transport von Getränken, jedenfalls per fossilem Lkw, verbraucht natürlich Sprit und damit Erdöl. Eine andere Option sind Trinkflaschen aus Edelstahl oder Glas: Sie sind langlebig und helfen, Energie und Erdölressourcen zu schonen. Unschlagbar günstig und umweltfreundlich: Leitungswasser aus dem Hahn. Meistens schmeckt es mindestens genauso gut wie teures Wasser in Plastikflaschen!
10. Weniger fliegen
Luftverkehr verbraucht enorme Mengen an Kerosin, einem Treibstoff auf Erdölbasis, dessen Verbrennung Treibhausgase wie Kohlendioxid und Stickoxide freisetzt. Diese gelangen direkt in große Höhen, wo sie die Erderhitzung besonders intensiv fördern.
Wer weniger fliegt, senkt seinen persönlichen CO2-Fußabdruck erheblich und setzt auf nachhaltiges Reisen ohne viel Ölverbrauch. Alternativen wie Zugreisen oder Fahrgemeinschaften sind umweltfreundlicher, entspannter und machen Spaß: Gemeinsam mit Freund:innen oder Familie lassen sich Gesellschaftsspiele spielen oder Geschichten erfinden, die immer verrückter werden. Auch lustige Schnappschüsse zu knipsen und über die vorbeiziehenden Landschaften zu staunen, kann eine Reise mit dem Zug wert sein!
11. Die Politik zu Erdöl sparenden Maßnahmen auffordern
Die Politik hat einen großen Hebel gegen Erdölverbrauch. Politische Maßnahmen können beispielsweise auf den Plastikverbrauch einwirken oder den Einbau von Wärmepumpen statt Gasheizungen fördern. Auch der Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel spart indirekt Öl, wenn Menschen dafür häufiger Verbrennerautos stehen lassen. Wir alle können durch Petitionen, wie hier gegen fossile Energieprojekte in Europa, Demonstrationen oder gezielte Anfragen Druck ausüben.