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Braunkohlekraftwerk Niederaussem im Rheinischen Braunkohlerevier
Bernd Lauter / Greenpeace

Klimawandel – das Tempo steigt

In den vergangenen hundert Jahren hat die Konzentration von Treibhausgasen in der Erdatmosphäre rapide zugenommen. Gleichzeitig stieg die globale Temperatur. Heute steht das gesamte Klimasystem der Erde auf der Kippe.

Der UN-Klimarat (IPCC) bestätigt in seinem Sonderbericht von 2018, dass natürliche Faktoren bei der derzeitigen Klimaerwärmung kaum eine Rolle spielen. Mit der Intensität der Sonnenaktivität lässt sich die gemessene Erwärmung nicht erklären. Die Klimaforscher stellen fest, dass menschliche Aktivitäten die Hauptursache des momentanen Temperaturanstieges sind.

Energiehunger der Industriestaaten belastet das Klima

Mitte des achtzehnten Jahrhunderts begann das Zeitalter der Industrialisierung. Seitdem hat sich die Lebensweise der Menschen in den westlichen Industrienationen radikal verändert. Für unsere Maschinen, Fabriken, Dampflokomotiven, Autos, Flugzeuge, Computer und Handys fördern wir Bodenschätze zutage, die in hunderten Millionen Jahren entstanden sind. Wir verbrennen Kohle, Öl und Gas in großen Mengen und setzen damit das Klimagas Kohlendioxid (CO2) frei. Dieses gelangt in die Atmosphäre und verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt.

Unser hoher Energieverbrauch ist aber nicht das einzige Problem. Auch die moderne Landwirtschaft mit Massentierhaltung und hohem Einsatz von Kunstdünger belastet das Klima. Die Abholzung von Urwäldern zerstört natürliche CO2-Speicher. Und auch unsere so hoch geschätzte Mobilität trägt ihren Teil bei. Weltweit sind 14 Prozent des CO2-Ausstoßes auf den Verkehr zurückzuführen.

Klimagerechtigkeit: unter zwei Tonnen CO2-Ausstoß für jeden

Die Industriestaaten haben eine historische Verantwortung für den Klimaschutz, denn sie sind für den größten Teil des Problems verantwortlich. Sie sind auch diejenigen, die dank ihrer wirtschaftlichen Stärke finanziell in der Lage sind zu handeln.

Alle Menschen haben die gleichen Rechte, auch auf die Nutzung von Energie. Zugleich dürfen die Emissionen nicht unendlich weiter wachsen. Eine global gerechte Reduktion von Treibhausgasen muss sich nach Ansicht von Greenpeace an der Pro-Kopf-Emission für jeden Weltbürger orientieren. Diese lag 2017 durchschnittlich bei etwa 4,8 Tonnen pro Jahr. Wollen wir das Klima retten, müssen wir diesen Wert bis 2050 auf deutlich unter zwei Tonnen senken.

Für die Industrieländer bedeutet das starke Verringerungen. Deutschland hat eine durchschnittliche CO2-Emission von knapp zehn, die USA von 16 Tonnen pro Kopf. Diese Länder müssen ihre Energiepolitik sofort umstellen und die Energiewende sowohl im eigenen Land als auch im internationalen Rahmen vorantreiben.

Top Ten: CO2-Emittenten 2017 absolut

(Quelle: The Global Carbon Project)

Rang

Staat

CO2-Emissionen 2017

1China9839 Millionen Tonnen2USA5270 Millionen Tonnen3Indien2467 Millionen Tonnen4Russland1693 Millionen Tonnen5Japan1205 Millionen Tonnen6Deutschland799 Millionen Tonnen7Iran672 Millionen Tonnen8Saudi Arabien635 Millionen Tonnen9Südkorea616 Millionen Tonnen10Kanada573 Millionen Tonnen

CO2-Emissionen Pro Kopf 2017

(Die Tabelle zeigt kein Ranking, sondern eine Auswahl von Staaten; Quelle: The Global Carbon Project)

Staat

Pro-Kopf-Emission

Katar49 TonnenUSA16 TonnenKanada16 TonnenSüdkorea12 TonnenRussland12 TonnenDeutschland9,7 TonnenJapan9,5 TonnenÖsterreich8 TonnenChina7 TonnenItalien6 TonnenIndien1,8 Tonnen

Auch Entwicklungs- und Schwellenländer müssen ihre Emissionen verringern, wobei vor allem die großen Schwellenländer vorangehen müssen. Das Beispiel China zeigt, wie wichtig es ist, die Weichen rechtzeitig zu stellen. Noch 2004 lag die Pro-Kopf-Emission von China unter dem globalen Durchschnitt, mittlerweile hat auch China einen CO2-Ausstoß von sieben Tonnen pro Kopf – und liegt damit fast gleichauf mit Österreich. Diese Emissionen sind allerdings zum großen Teil einer städtischen Mittel- und Oberschicht anzurechen. Zudem entsteht ein beträchtlicher Teil der chinesischen Emissionen durch die Produktion von Exportgütern, die wir als Verbraucher in westlichen Ländern konsumieren.

Auch die Ressourcen gehen zur Neige. Selbst wenn der Klimawandel uns nicht zum Handeln zwingen würde, müssten wir auf eine klimafreundliche Energieerzeugung umsteigen, denn die Ressourcen fossiler Brennstoffe sind endlich. Zuverlässige Prognosen sind schwer zu treffen, da etwa neue Vorkommen entdeckt oder Fördertechniken weiterentwickelt werden und der Verbauch nicht eindeutig vorhersehbar ist. Doch Experten schätzen, dass beim derzeitigen Verbrauch und der heute verfügbaren Technik Öl und Erdgas noch gut 50 Jahre reichen, Kohle noch knapp 140 Jahre. Die Uran-Vorräte sollen etwa 2050 erschöpft sein. Für unsere Ur-Urenkel werden Öl, Gas und Uran also knapp. Wir können nicht warten, bis die letzten Ressourcen verbraucht sind.

(Stand: Februar 2019)

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