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Braunkohlekraftwerk Niederaussem im Rheinischen Braunkohlerevier
Bernd Lauter / Greenpeace

Klimawandel – das Tempo steigt

Wenn im Laufe der Erdgeschichte das Klima schwankte, dauerte dies Jahrtausende. Tiere und Pflanzen hatten Zeit, sich anzupassen. Der jetzige Klimawandel passiert viel schneller.

In den vergangenen hundert Jahren hat die Konzentration von Treibhausgasen in der Erdatmosphäre rapide zugenommen. Gleichzeitig stieg die globale Temperatur. Heute steht das gesamte Klimasystem der Erde auf der Kippe.

Der UN-Klimarat (IPCC) bestätigt in seinem Sonderbericht von 2018, dass natürliche Faktoren bei der derzeitigen Klimaerwärmung kaum eine Rolle spielen. Mit der Intensität der Sonnenaktivität lässt sich die gemessene Erwärmung nicht erklären. Die Klimaforscher stellen fest, dass menschliche Aktivitäten die Hauptursache des momentanen Temperaturanstieges sind. In ihrem Report „Climate Change 2021: The Physical Science Basis“ befassen sie sich unter anderem mit dem Einfluss des Menschen auf unsere Umwelt und stellt diesen detailliert dar.

Energiehunger der Industriestaaten belastet das Klima

Mitte des achtzehnten Jahrhunderts begann das Zeitalter der Industrialisierung. Seitdem hat sich die Lebensweise der Menschen in den westlichen Industrienationen radikal verändert. Für unsere Maschinen, Fabriken, Dampflokomotiven, Autos, Flugzeuge, Computer und Handys fördern wir Bodenschätze zutage, die in hunderten Millionen Jahren entstanden sind. Wir verbrennen Kohle, Öl und Gas in großen Mengen und setzen damit das Klimagas Kohlendioxid (CO₂) frei. Dieses gelangt in die Atmosphäre und verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt.

Unser hoher Energieverbrauch ist aber nicht das einzige Problem. Auch die moderne Landwirtschaft mit Massentierhaltung und hohem Einsatz von Kunstdünger belastet das Klima. Die Abholzung von Urwäldern zerstört natürliche CO₂-Speicher. Und auch unsere so hochgeschätzte Mobilität trägt ihren Teil bei. Weltweit sind 14 Prozent des CO₂-Ausstoßes auf den Verkehr zurückzuführen.

Climate Impact Documentation Patagonia (Chile & Argentina : 2004)

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Klimagerechtigkeit: unter zwei Tonnen CO₂-Ausstoß für jeden

Die Industriestaaten haben eine historische Verantwortung für den Klimaschutz, denn sie sind für den größten Teil des Problems verantwortlich. Sie sind auch diejenigen, die dank ihrer wirtschaftlichen Stärke finanziell in der Lage sind zu handeln.

Alle Menschen haben die gleichen Rechte, auch auf die Nutzung von Energie. Zugleich dürfen die Emissionen nicht unendlich weiter wachsen. Eine global gerechte Reduktion von Treibhausgasen muss sich nach Ansicht von Greenpeace an der Pro-Kopf-Emission für jeden Weltbürger orientieren. Diese lag 2020 durchschnittlich bei etwa 4,7 Tonnen pro Jahr. Wollen wir das Klima retten, müssen wir diesen Wert bis 2050 auf deutlich unter zwei Tonnen senken.

Für die Industrieländer bedeutet das starke Verringerungen. Deutschland hat eine durchschnittliche CO₂-Emission von 7,7, die USA von 14 Tonnen pro Kopf. Diese Länder müssen ihre Energiepolitik sofort umstellen und die Energiewende sowohl im eigenen Land als auch im internationalen Rahmen vorantreiben.

Top Ten: CO₂-Emittenten 2020 absolut

(Quelle: The Global Carbon Project)

Rang, Staat

1. China: 10668 Millionen Tonnen

2. USA: 4713 Millionen Tonnen

3. Indien: 2442 Millionen Tonnen

4. Russland: 1577 Millionen Tonnen

5. Japan: 1031 Millionen Tonnen

6. Iran 745: Millionen Tonnen

7. Deutschland: 644 Millionen Tonnen

8. Saudi-Arabien: 626 Millionen Tonnen

9. Südkorea: 598 Millionen Tonnen

10. Indonesien 590 Millionen Tonnen

 

CO₂-Emissionen Pro Kopf 2020

(Die Tabelle zeigt kein Ranking, sondern eine Auswahl von Staaten; Quelle: The Global Carbon Project)

Staat, Pro-Kopf-Emission

Katar: 37 Tonnen

USA: 14 Tonnen

Kanada: 14 Tonnen

Südkorea: 12 Tonnen

Russland: 11 Tonnen

Deutschland: 7,7 Tonnen

Japan: 8,1 Tonnen

Österreich: 6,7 Tonnen

China: 7,4 Tonnen

Italien: 5 Tonnen

Indien: 1,8 Tonnen

Auch Entwicklungs- und Schwellenländer müssen ihre Emissionen verringern, wobei vor allem die großen Schwellenländer vorangehen müssen. Das Beispiel China zeigt, wie wichtig es ist, die Weichen rechtzeitig zu stellen. Noch 2004 lag die Pro-Kopf-Emission von China unter dem globalen Durchschnitt, im Jahr 2020 lag diese bereits bei 7,4 Tonnen pro Kopf – und liegt damit fast gleichauf mit Deutschland. Diese Emissionen sind allerdings zum großen Teil einer städtischen Mittel- und Oberschicht anzurechen. Zudem entsteht ein beträchtlicher Teil der chinesischen Emissionen durch die Produktion von Exportgütern, die wir als Verbraucher in westlichen Ländern konsumieren.

Auch die Ressourcen gehen zur Neige. Selbst wenn der Klimawandel uns nicht zum Handeln zwingen würde, müssten wir auf eine klimafreundliche Energieerzeugung umsteigen, denn die Ressourcen fossiler Brennstoffe sind endlich. Zuverlässige Prognosen sind schwer zu treffen, da etwa neue Vorkommen entdeckt oder Fördertechniken weiterentwickelt werden und der Verbrauch nicht eindeutig vorhersehbar ist. Doch Experten schätzen, dass beim derzeitigen Verbrauch und der heute verfügbaren Technik Öl und Erdgas noch gut 50 Jahre reichen, Kohle noch knapp 140 Jahre. Die Uran-Vorräte sollen etwa 2050 erschöpft sein. Für unsere Ur-Urenkel werden Öl, Gas und Uran also knapp. Wir können nicht warten, bis die letzten Ressourcen verbraucht sind.

(Stand: November 2021)

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