Rund 18 Millionen Tonnen Rohöl bedrohen Ökosystem im Persischen Golf
- Ein Artikel von Wiebke Denkena
- mitwirkende Expert:innen Nina Noelle
- Nachricht
Der iranische Angriff auf zwei irakische Öltanker zeigt, wie schnell der Krieg in der Region auch in eine ökologische Katastrophe führen kann. Greenpeace-Datenexpert:innen haben mithilfe von Schiffsbewegungsdaten und Satellitenaufnahmen die potenziellen Folgen solcher verheerenden Ölpesten im Persischen Golf simuliert.
81 beladene Öltanker sitzen derzeit dort fest. Der Grund: Nach einem Angriff Israels und den USA auf den Iran blockiert das Land die strategisch wichtige Meerenge. Die Kriegshandlungen und gestörte Positionssignale erhöhen das Risiko von Havarien dramatisch. Seit Beginn der Feindseligkeiten wurden bereits mehrere Schiffe angegriffen, darunter Rohöltanker vor der Küste Kuwaits und Iraks. Insgesamt sind die im Persischen Golf blockierten Riesen-Tanker (VLCC=Very Large Crude Carrier) mit rund 18 Millionen Tonnen Öl beladen – eine Menge, die dem kombinierten jährlichen Rohölverbrauch von Griechenland und Portugal entspricht.
„Im Falle einer Havarie zahlen die Menschen vor Ort den Preis für völkerrechtswidrige Aggression und fossile Interessen. Ein Ölunfall würde die einzigartigen Ökosysteme und ihre Lebensgrundlage für Jahrzehnte zerstören“, warnt Nina Noelle, Greenpeace-Sprecherin. „Unsere Simulationen zeigen ein ökologisches Pulverfass: 81 blockierte Tanker in der Straße von Hormus stellen ein enormes Risiko dar, das die Unsicherheit in der Region verschärft. Greenpeace fordert ein sofortiges Ende der militärischen Gewalt, die Rückkehr zum Völkerrecht und diplomatische Lösungen.“
Interaktive Karte des Persischen Golfs
Das Ökosystem des Persischen Golfs ist einzigartig. Die Straße von Hormus und die angrenzenden Gewässer des Persischen Golfs und des Golfs von Oman beherbergen empfindliche Ökosysteme wie Korallenriffe, Mangrovenwälder und Seegraswiesen, die zahlreichen Arten als Lebensgrundlage dienen. Die Straße von Hormus ist die einzige Seeverbindung vom Persischen Golf zum Arabischen Meer und spielt eine entscheidende Rolle für den Austausch von Wasser und Nährstoffen sowie als Wanderroute für Meeressäugetiere. Selbst in Friedenszeiten sind diese Ökosysteme extremen natürlichen Bedingungen und menschlichem Druck durch Schifffahrt, Ölförderung, Meerwasserentsalzung und Küstenbebauung ausgesetzt.
Greenpeace-Datenexpert:innen haben mit einer Software des Norwegischen Meteorologischen Instituts berechnet, welche Regionen im Persischen Golf durch einen Ölunfall besonders bedroht wären. Die Modellrechnungen gingen von 50.000 Tonnen ausgelaufenem Öl aus, da bei einem Tankerunfall oft nur ein Teil der Ladung ins Wasser gelangt. Die Orte der simulierten Ölunfälle basierten auf fünf typischen Ankerplätzen im persischen Golf sowie historischen Wetter- und Strömungsdaten.
Die interaktive Karte wird in regelmäßigen Abständen aktualisiert. Im Persischen Golf kommt es aktuell immer wieder zu GPS-Spoofing: Dabei sendet ein Störsender stärkere, gefälschte GPS-Signale. Empfänger auf Schiffen übernehmen diese falschen Daten, berechnen eine falsche Position und senden diese in ihren AIS-Daten. Um verfälschte Daten auszuschließen, nimmt Greenpeace die Aktualisierungen nur vor, wenn kein Spoofing zu beobachten ist.