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The picture is a screenshot from Greenpeace's interactive map of the laden oil-tankers stuck in the Persian Gulf

Rund 15 Millionen Tonnen Rohöl bedrohen Ökosystem im Persischen Golf

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Die wiederkehrenden Angriffe auf Containerschiffe und Öltanker im Persischen Golf zeigen, wie schnell der Krieg in der Region auch in eine ökologische Katastrophe führen kann. Greenpeace-Datenexpert:innen beobachten die Situation. Unsere interaktive Karte beleuchtet die Risiken einer Ölpest für die sensiblen Ökosysteme und die Trinkwasserversorgung in der Region. Greenpeace-Simulationen zeigen, wie sich Ölteppiche ausbreiten würden und welche Regionen besonders betroffen wären.

72 beladene Öltanker sitzen derzeit im Persischen Golf fest. Der Grund: Nach dem Angriff Israels und der USA auf den Iran blockiert das Land die strategisch wichtige Meerenge. Die Kriegshandlungen und gestörte Positionssignale erhöhen das Risiko von Havarien dramatisch. Seit Beginn der Feindseligkeiten wurden bereits mehrere Schiffe angegriffen, darunter Rohöltanker vor der Küste Kuwaits, Iraks, der Vereinigten Arabischen Emirate und Omans. Zuletzt sind zwei Containerschiffe in der Straße von Hormus in Brand geraten. Insgesamt sind die im Persischen Golf blockierten Riesen-Tanker (VLCC=Very Large Crude Carrier) mit rund 15 Millionen Tonnen Öl beladen – eine Menge, die dem jährlichen Rohölverbrauch von Griechenland entspricht.

„Im Falle einer Havarie zahlen die Menschen vor Ort den Preis für völkerrechtswidrige Aggression und fossile Interessen. Ein Ölunfall würde die einzigartigen Ökosysteme und ihre Lebensgrundlage für Jahrzehnte zerstören“, warnt Nina Noelle, Greenpeace-Sprecherin. „Unsere Simulationen zeigen ein ökologisches Pulverfass: 72 blockierte Tanker in der Straße von Hormus stellen ein enormes Risiko dar, das die Unsicherheit in der Region verschärft. Greenpeace fordert ein sofortiges Ende der militärischen Gewalt, die Rückkehr zum Völkerrecht und diplomatische Lösungen.“

Das Ökosystem des Persischen Golfs ist einzigartig. Die Straße von Hormus und die angrenzenden Gewässer des Persischen Golfs und des Golfs von Oman beherbergen empfindliche Ökosysteme wie Korallenriffe, Mangrovenwälder und Seegraswiesen, die zahlreichen Arten als Lebensgrundlage dienen. Die Straße von Hormus ist die einzige Seeverbindung vom Persischen Golf zum Arabischen Meer und spielt eine entscheidende Rolle für den Austausch von Wasser und Nährstoffen sowie als Wanderroute für Meeressäugetiere. Selbst in Friedenszeiten sind diese Ökosysteme extremen natürlichen Bedingungen und menschlichem Druck durch Schifffahrt, Ölförderung und Küstenbebauung ausgesetzt.

Im Persischen Golf befinden sich zudem zahlreiche Meerwasser-Entsalzungsanlagen, die Millionen von Menschen in der Region mit Trinkwasser versorgen. Unsere Karte zeigt: Käme es zu einer Ölhavarie, könnte dies die Wasserversorgung gefährden. Denn viele Länder in der trockenen Region sind auf das Wasser aus dem Meer angewiesen. Laut einer Studie des französischen Forschungsinstituts Ifri bezieht Saudi-Arabien rund 70 Prozent seines Trinkwassers aus der Entsalzung. In Kuwait sind es sogar 90 Prozent.

Ölteppich der „Shahid Bagheri“

Weiterhin bedroht wird die Region durch Öl, das aus einem Wrack der iranischen Marine vor der Küste Irans ausgelaufen ist. Das zum Kriegsschiff umgebaute Containerschiff „Shahid Bagheri“ wurde von US-Streitkräften bereits zu Beginn des Angriffs auf den Iran bombardiert und liegt seitdem im flachen Wasser auf Grund. Satellitenbilder zeigen, dass sich der Ölteppich langsam vom Wrack entfernt und in Richtung Westen treibt.

In den umliegenden Dörfern leben laut Spiegel schätzungsweise 50.000 Menschen, die wirtschaftlich vom Fischfang abhängig sind. Sollte der Ölteppich weiter westlich treiben und ein nahegelegenes Unesco-Naturschutzgebiet erreichen, wären Mangrovenwälder und viele darin lebende Tierarten wie Flamingos und Pelikane bedroht. 

Weitere bedrohte Regionen im Persischen Golf

Aufgrund der großen Mengen Öl in ihren Tanks stellen insbesondere die im Golf feststeckenden Großtanker ein erhebliches Risiko für die Umwelt und die Trinkwasserversorgung der Region dar. Greenpeace-Datenexpert:innen haben mit einer Software des Norwegischen Meteorologischen Instituts berechnet, welche Regionen im Persischen Golf durch einen Ölunfall besonders bedroht wären. Die Modellrechnungen gehen von 50.000 Tonnen ausgelaufenem Öl aus, da bei einem Tankerunfall oft nur ein Teil der Ladung ins Wasser gelangt. Die Orte der simulierten Ölunfälle basieren auf fünf typischen Ankerplätzen im Persischen Golf sowie historischen Wetter- und Strömungsdaten. In mehreren Simulationen wären auch Schutzgebiete oder Entsalzungsanlagen betroffen, wie auf unserer interaktiven Karte zu sehen.

Greenpeace aktualisiert die Karte in regelmäßigen Abständen. Allerdings kommt es im Persischen Golf aktuell immer wieder zu GPS-Spoofing: Dabei sendet ein Störsender stärkere, gefälschte GPS-Signale. Empfänger auf Schiffen übernehmen diese falschen Daten, berechnen eine falsche Position und senden diese in ihren AIS-Daten. Um verfälschte Daten auszuschließen, nimmt Greenpeace die Aktualisierungen nur vor, wenn kein Spoofing zu beobachten ist. 

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