Skip to main content
Jetzt spenden
Tisch gedeckt mit vegetarischem Essen
© Mitja Kobal / Greenpeace

Wie gesunde Ernährung aufs Klima wirkt

Eine Ernährung mit weniger Fleisch und Milch würde den Flächenverbrauch in der Landwirtschaft um 40 Prozent reduzieren, zeigt eine neue Greenpeace-Studie.

Jede und jeder von uns kennt diese Momente vor dem Kühlregal, dem Gemüsestand, dem Tresen in der Kantine oder dem heimischen Kühlschrank: Was soll ich heute essen? Und wie viel? Dabei treffen wir, das haben Wissenschaftler herausgefunden, täglich etwa 200 Entscheidungen. Das hört sich viel an. Und auch ein bisschen anstrengend. Auf der anderen Seite ist es aber auch eine riesige Chance. Wir können 200 Mal am Tag eine richtige und wichtige Entscheidung treffen – für uns und unseren Planten.

Denn wenn sich die Menschen in Deutschland künftig so ernähren, wie es für sie gesund und für den Planeten gut ist, könnten sie drei Viertel der Treibhausgase einsparen, die heute durch die Landwirtschaft entstehen. Und diese Ernährungswende hätte noch mehr positive Seiten. Die Landwirtschaft benötigte nur noch 60 Prozent der Äcker und Weiden für die Ernährung der Bevölkerung. Auf den freiwerdenden Flächen könnten Lebensmittel für den Export erzeugt werden, um zusätzlich bis zu 70 Millionen Menschen zu ernähren. Alternativ könnten Wälder gepflanzt werden, um die Landwirtschaft in Deutschland in Zukunft nahezu treibhausneutral zu machen.

Das ist das Ergebnis der Studie "Gesundes Essen fürs Klima", die das Ökoinstitut Deutschland im Auftrag von Greenpeace erstellt hat. „Die Ergebnisse sind deutlich", sagt Martin Hofstetter, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace. "Mit einer Ernährungswende können wir nicht nur das Klima schützen, sondern auch Flächen sparen und ökologischer wirtschaften.“

Für eine Ernährungswende

  • Group Action Day for Climate-Friendly Diet in Cologne

    Welche Vorteile hat eine klimafreundliche Ernährung für Mensch, Tier und Umwelt? In bundesweit 20 Städten kommen wie hier in Köln am 10. September Aktive von Health for Futur und Greenpeace mit Passant:innen ins Gespräch.

    Überspringe die Bildergalerie
  • Group Action Day for Climate-Friendly Diet in Cologne

    Mit Schaubildern informieren sie über die Planetary Health Diet: eine Ernährungsweise, die sowohl für Menschen als auch für den Planeten und seine Ökosysteme gesund ist und mit der die wachsende Weltbevölkerung auch bis 2050 nachhaltig und gesund ernährt werden kann.

    Überspringe die Bildergalerie
  • Group Action Day for Climate-Friendly Diet in Cologne

    Doppelt so viel Obst, Gemüse, Nüsse und Hülsenfrüchten, dafür etwa 75 Prozent weniger Fleisch und Milchprodukte: Auf diese Weise könnten laut einer Studie allein in Deutschland jährlich bis zu 177.000 vorzeitige Todesfälle durch ernährungsmitbedingte Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Darmkrebs verhindert werden.

    Überspringe die Bildergalerie
  • Group Action Day for Climate-Friendly Diet in Cologne

    Eine Ernährungswende nach dem Konzept der Planetary Health Diet hätte durch die Reduktion der Tierzahlen auch positive Auswirkungen auf das Klima. Drei Viertel der Treibhausgase, die heute durch die Landwirtschaft in Deutschland entstehen, könnten insgesamt eingespart werden. Eine Studie zeigt zudem, dass durch den Ernährungswechsel weniger Fläche benötigt und deutlich mehr Menschen ernährt werden könnten als mit der heutigen Ernährungsweise.

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie

Die Wissenschaftler:innen legten für die Berechnungen die „Planetary Health Diet“ der EAT Lancet Kommission zugrunde, in der eine nachhaltige und gesunde Ernährung für eine wachsende Weltbevölkerung beschrieben ist. Der gemeinnützigen Organisation, die von Stordalen Stiftung, Stockholm Resilience Centre und dem Wellcome Trust gegründet wurde, gehören Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus unterschiedlichen Disziplinen an, unter anderem aus der Klimaforschung und den Ernährungswissenschaften.

In Deutschland verringerte die Umstellung der Ernährung nach dem Vorbild der "Planetary Health Diet" den Konsum tierischer Lebensmittel um 75 Prozent. Im Gegenzug erhöhte sich der Verzehr von Gemüse, Obst, Nüssen und Hülsenfrüchten deutlich. Das hätte enorme Auswirkungen auf die Produktion und damit auf den Ausstoß an Treibhausgasen.

Grafik: Ernährung heute
Grafik: klimagesunde Ernährung

Die Landwirtschaft ist in Deutschland für 13 Prozent des bundesweiten Treibhausgasausstoßes verantwortlich, etwa 95 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Für die Ernährung werden 81 Millionen Tonnen ausgestoßen, 80 Prozent davon stammen aus der Tierhaltung. Besonders hohe Emissionen entstehen bei der Bewirtschaftung von entwässerten kohlenstoffreichen Böden (ehemalige Moore). Würden wir uns hierzulande künftig nach dem Vorbild der „Planetary Health Diet“ ernähren und gleichzeitig die Umweltziele umsetzen, die im Klimaschutzgesetz festgelegt sind, würden die Emissionen des Landwirtschaftssektors erheblich sinken: von heute etwa 95 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente auf 23 Millionen Tonnen. Ein Großteil dieser Minderungen (31 Mio. t CO2) ist auf die Wiedervernässung der Moorstandorte zurückzuführen.

Ernährungswende braucht Maßnahmen der Politik

Wenn die Nachfrage nach tierischen Lebensmitteln sinkt, müssen in Zukunft auch weniger Tiere gehalten werden. Die Umsetzung der Ernährungsempfehlung würde dazu führen, dass die Tierhaltung in Deutschland um rund 75 Prozent schrumpfen würde. Dadurch werden nicht nur die Emissionen reduziert, sondern zugleich große Agrarflächen frei, auf denen bisher Tierfutter angebaut wurde. Denn die Erzeugung von pflanzlichen Lebensmitteln benötigt für die gleiche Anzahl an Kalorien weniger Fläche als die von Fleisch und Milch. Es ständen 4,6 Millionen Hektar mehr Ackerland und 1,6 Millionen Hektar mehr Grünland zur Verfügung.  

Derzeit ist der Fleischkonsum in Deutschland mit rund 55 Kilo pro Person und Jahr noch viel zu hoch. Das verschärft nicht nur Klimakrise, sondern schadet auch der Gesundheit. Der Wert liegt weit über dem, was die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. „Die Ernährungswende ist besser für den Planeten und für uns“, so Hofstetter. Sie senkt das Risiko für viele Erkrankungen wie Diabetes, Darmkrebs und Herzinfarkte. „Wir fordern von der Politik jetzt umfassende Maßnahmen, um das Ziel der Ernährungswende in den kommenden Jahren zu erreichen. Die offiziellen Ernährungsempfehlungen sind anzupassen. Vor allem sind die Umweltkosten bei der Produktion von Milch und Fleisch einzuberechnen und die Viehbestände abzubauen“, sagt Hofstetter.“

Bis dahin können die Konsumentinnen und Konsumenten aber schon dafür sorgen, die richtigen Entscheidungen zu treffen – 200 Mal jeden Tag.

Mehr zum Thema

Mähdrescher auf einem großen Weizenfeld in der Ukraine, 2021

Knappes Getreide: EU kann Exportausfälle der Ukraine ausgleichen

Der Krieg in der Ukraine verknappt das Angebot an Getreide und Pflanzenölen auf dem Weltmarkt. EU-Staaten könnten die Exportausfälle ausgleichen.

mehr erfahren
Blume mit Biene am Rande eines Getreidefeldes

Anbau

  • 15.08.2022

Der Anbau von Lebensmitteln ist auf funktionierende Ökosysteme angewiesen. Die Landwirtschaft jedoch trägt zum Insektensterben und Klimawandel bei.

mehr erfahren
Make Something Day in Hamburg: Aktivistin erstellt aus Plastikflaschen und Dosen ein Kleid an einer Schaufensterpuppe.

Erdüberlastungstag: Routinen durchbrechen

Nach dem Erdüberlastungstag sind die Ressourcen für dieses Jahr verbraucht. Wie wir besser haushalten und ein gutes Leben führen können, erzählt Frauke Wiese von der Europa-Universität in Flensburg.

mehr erfahren

Tierische Aufgabe

Nur wenn die Zahl der Tiere in der Landwirtschaft halbiert wird, kann der Sektor seinen gesetzlich vorgegebenen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Der Abbau muss jetzt beginnen.

mehr erfahren
Drei junge Frauen sitzen an einem mit Getränken und vegetarischen Speisen gedeckten Tisch.

10 Tipps für nachhaltiges Essen

Gutes Essen – was bedeutet das? Dass es lecker ist, na klar. Gesund soll es sein, umweltschonend und fair produziert. Geht das alles zusammen? Ja – diese 10 Tipps machen Appetit.

mehr erfahren
Sumpf im Vodlozero National Park in Russland

Treibhausgas-Senken

Sie speichern gigantische Mengen CO2: Wälder, Meere, Böden. Welche Rolle spielen diese Kohlenstoffsenken im Kampf gegen die Klimakrise?

mehr erfahren
Gesundes Essen für das Klima

Gesundes Essen für das Klima

Auswirkungen einer Ernährungswende auf Produktion, Klima und landwirtschaftliche Flächen

80

5.04 MB

Herunterladen