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Mensch inmitten Plastikmüllhalde
© Soojung Do / Greenpeace

Neuer Report über den Zusammenhang zwischen Plastikproduktion und Erderhitzung

Angesichts vermüllter Meeresstrände und Kunststofftüten in 10.000 Metern Tiefe käme man nicht darauf, dass das Umweltproblem Plastik noch unterschätzt wird. Ein aktueller Report besagt aber genau das. Die Autoren von „Plastic & Climate: The Hidden Costs of a Plastic Planet“ weisen erstmals nach, dass es einen Zusammenhang zwischen Erderhitzung und Plastik gibt – denn von der Produktion bis zur Entsorgung gelangt klimaschädliches CO2 in die Atmosphäre. Alleine 2019 entstehen dadurch 850 Millionen Tonnen Treibhausgas, vergleichbar mit dem Ausstoß von 136 Kohlekraftwerken im gleichen Zeitraum.

Erstellt hat die Untersuchung ein internationales Netzwerk von Klimaschutzakteuren: das Zentrum für internationales Umweltrecht CIEL, das Environmental Integrity Project, die FracTracker Alliance, die Global Alliance for Incinerator Alternatives GAIA, 5 Gyres und das Projekt Break Free From Plastic, an dem Greenpeace beteiligt ist.

Die versteckten Kosten von Plastik

Das sichtbare Plastikproblem ist verheerend genug. Doch die nicht so offen darliegenden Folgen der Kunststoffflut sind auch deswegen so dramatisch, weil wir gerade erst beginnen, sie zu verstehen: Die „versteckten Kosten eines Plastikplaneten“, wie sie der Report in der Unterzeile nennt, sorgen nun für ein böses Erwachen.

Das liegt an der immer schneller wachsenden petrochemischen Industrie. Seit rund zehn Jahren gibt es einen Boom in der Plastikherstellung, weil viel billiges Erdgas für die Produktion zur Verfügung steht. Ohne aktives Gegenlenken ist keine Umkehrung des Trends zu erwarten: Statt Plastik zu reduzieren, wird immer mehr davon hergestellt.

Bis 2050 könnten durch die Produktion und Entsorgung von Plastik bis zu 56 Gigatonnen Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen, das ist rund ein Siebtel des gesamten Kohlenstoffdioxid-Budgets, das die Erde überhaupt verkraften kann. Ist es ausgereizt, würde sich die Erde um mehr als 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau erhitzen – mit schwerwiegenden Folgen für die Lebensgrundlagen des gesamten Planeten.

Vermüllte Ozeane schaden der Atmosphäre

Wie kompliziert die Zusammenhänge sind, zeigt sich an einem kaum erforschten Umstand, den der Report ebenfalls aufgreift: Plastik ist nicht nur an vermehrten CO2-Emissionen schuld – es mindert auch die Fähigkeit des Planeten, mit ihnen fertig zu werden. Denn die Ozeane binden einen großen Teil Kohlenstoffdioxid: rund 40 Prozent aller menschengemachten CO2-Emissionen seit der Industrialisierung. Neue Forschungen zeigen, dass durch die Verschmutzung der Meere die „biologische Pumpe“ angegriffen wird – das heißt, die Eigenschaft der Meere, Kohlenstoffdioxid von der Wasseroberfläche am Meeresgrund zu binden.

Die Lösung ist im Grunde einfach, aber drastisch, befinden die Autoren des Reports: Der wirksamste Weg, die Kunststoffkrise zu bewältigen, besteht darin, die Produktion von unnötigem Kunststoff massiv zu reduzieren, beginnend mit nationalen und internationalen Verboten für so gut wie alle Einweg-Kunststoffe. Das verwendete Plastik muss kreislauffähig sein – und wer es herstellt, muss sich zu ehrgeizigen Zielen verpflichten, wie sie Treibhausgasemissionen schnellstmöglich verringern wollen. Was die Welt überhaupt nicht braucht: den Bau hunderter neuer Plastikfabriken – egal, wie billig die Kunststoffherstellung gerade ist.

„Diese Bericht ist ein weiteres warnendes Beispiel dafür, warum die Wegwerfkultur der Unternehmen ein Ende haben muss“, sagt Viola Wohlgemuth, Greenpeace-Expertin für Chemie und Plastik. Es sei klarer denn je, dass Unternehmen und Regierungen energische Maßnahmen ergreifen müssen, um Einweg-Kunststoffe sofort auslaufen zu lassen und zu Systemen der Wiederverwendung überzugehen. „Denn Kunststoffe töten nicht nur Meerestiere, gefährden unsere Gesundheit und verursachen eine globale Verschmutzungskrise ungekannten Ausmaßes, sie tragen zusätzlich auch noch zu einer unkontrollierbaren Klimakrise bei.“

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