Jetzt spenden
Das Bild einer mit Plastikmüll bedeckten Weltkugel, projiziert von Greenpeace Andino im Rahmen der Kampagne "Chile sin Plastics" (Chile ohne Plastik).
© HOLOH / Greenpeace

Internationaler Earth Overshoot Day

Am 30. Juli 2026 ist Earth Overshoot Day oder Erdüberlastungstag – ab jetzt lebt die Menschheit auf Kredit. Doch was bedeutet das eigentlich? 

Stellen Sie sich vor, Sie erhielten ihr komplettes Jahresgehalt pünktlich am 1. Januar und sollten damit bis zum 31. Dezember haushalten. Und nun stellen Sie fest: Schon am 30. Juli ist das Konto leer. Unter uns: Sie wären wohl ziemlich in der Klemme. Genau das ist allerdings die Situation, in der sich unser Planet (und jede:r darauf) ab diesem Tag befindet. Der Earth Overshoot Day (etwa: Erdüberlastungstag) markiert das Datum, an dem die jährlichen regenerativen Ressourcen, die die Erde nachhaltig bereitstellen kann, aufgebraucht sind. Danach leben wir auf Kredit.

Wie wird das Datum berechnet? 

Jedes Jahr errechnet das Global Footprint Network, wann diese Schwelle überschritten ist. Auch wenn die zugrundeliegenden Berechnungen komplex sind und viele Faktoren einfließen, ist die Fragestellung dahinter einfach. Die biologische Kapazität der Erde – also die Menge an Nahrung und Rohstoffen, die innerhalb eines Jahres nachwächst oder sich regeneriert – wird dem ökologischen Fußabdruck der Menschheit gegenübergestellt. Wie viel verbrauchen wir? Bildet man daraus den Quotienten (Biokapazität / Fußabdruck) und multipliziert ihn mit 365, der Anzahl an Tagen im Jahr, erhält man einen Zeitpunkt, nämlich den Erdüberlastungstag.

Dieser Tag rückt seit Jahrzehnten immer weiter nach vorne im Kalender: In den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts lag das Datum noch im Dezember. 2020 haben die Effekte der Corona-Pandemie für eine Art ökologische Verschnaufpause gesorgt und den Tag um drei Wochen verschoben. 2021 war der Verbrauch unserer Ressourcen fast wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie. Forscher:innen erklären das mit Nachholeffekten: Nach den Lockdowns stiegen die CO2-Emissionen weltweit wieder sprunghaft an. 2020 war kein Trend, sondern eine Ausnahme. Der Erdüberlastungstag fällt in diesem Jahr auf den 30. Juli 2026. Ein unübersehbares Warnsignal, das wir nicht länger ignorieren dürfen. Eigentlich sollte der sogenannte Earth Overshoot Day frühestens zum Jahresende, an Silvester, stattfinden. Doch wir leben über unsere Verhältnisse zu Lasten von Klima, Biodiversität und somit künftigen Generationen. Denn diese müssen mit dem Planeten leben, den wir ihnen überlassen. Würde die ganze Welt so konsumieren wir wir in Deutschland, bräuchte es sogar drei Erden. Der deutsche Erdüberlastungstag war bereits am 10. Mai 2026. Dieses Datum zeigt auch, dass Deutschland im weltweiten Vergleich einen extrem hohen Ressourcenverbrauch hat.

Portraits of Baro Gabbert
Baro Vicenta Ra Gabbert

Sprecherin sozial-ökologische Gerechtigkeit

Der Earth Overshoot Day zeigt: Insbesondere Industrienationen leben über die ökologischen Grenzen unseres Planeten – aber längst nicht alle Länder und nicht alle im gleichen Ausmaß. Wer viel besitzt und konsumiert, trägt besonders zur Übernutzung bei. Würden alle so konsumieren wie Menschen in Deutschland, wär der Earth Overshoot Day dieses Jahr bereits am 10. Mai.
Portraits of Baro Gabbert
Zitat
Der Earth Overshoot Day zeigt: Insbesondere Industrienationen leben über die ökologischen Grenzen unseres Planeten – aber längst nicht alle Länder und nicht alle im gleichen Ausmaß. Wer viel besitzt und konsumiert, trägt besonders zur Übernutzung bei. Würden alle so konsumieren wie Menschen in Deutschland, wär der Earth Overshoot Day dieses Jahr bereits am 10. Mai.
Zitatinhaber, Vorname Nachname
Baro Vicenta Ra Gabbert
Position des Zitatinhabers
Sprecherin sozial-ökologische Gerechtigkeit
Kreisförmiges Bild
An

Der Erdüberlastungstag lässt sich für jedes Land und seinen Ressourcenverbrauch einzeln ausrechnen: Während der deutsche, wie schon erwähnt, bereits im Mai war, war der US-amerikanische sogar schon im März. Der Raubbau an unserer Erde und unsere ungebremsten CO2-Emissionen für kurzlebige Konsumgüter befeuern die Klimakrise sowie die Erderhitzung. Die Folge sind sich häufende Extremwetterereignisse, wie sie auch in diesem Jahr in ganz Europa stattfinden. So geht es nicht weiter – wir brauchen alternative Geschäftsideen zum Wegwerf-Kapitalismus: Es reicht nicht, über bessere Autos nachzudenken, wir brauchen weniger. Teilen, Leihen, Tauschen, Reparieren: Diese Geschäftsmodelle sind klimatauglich. 

Alle können mitmachen, damit die Politik endlich handelt!

Ressourcen- und Klimaschutz müssen aber auch gesetzlich vorangetrieben werden. Doch die bisherigen Bundesregierungen haben viel zu wenig für den Klimaschutz getan. Ganz im Gegenteil: Statt endlich notwendige Schritte einzuführen, wurde das Klimaschutzgesetz sogar abgeschwächt. Greenpeace hatte deswegen vor zwei Jahren sogar eine Verfassungsbeschwerde zusammen mit Germanwatch und 50.000 Kläger:innen angestoßen. 

Mit einer richtungsweisenden Stellungnahme bestätigte der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag am 23. Juli 2025, dass alle Staaten dieser Erde verpflichtet sind, das 1,5-Grad-Klimaziel einzuhalten. Die Politik auf der ganzen Welt ist verpflichtet zu handeln! 

Peaceful Demonstration at the Peace Palace during ICJAO Hearings in the Netherlands
© Emiel Hornman / Greenpeace

IGH: 1,5 Grad-Ziel ist bindend

Im Gespräch

Historische Entscheidung: Der Internationale Gerichtshof stellt klar, dass sich alle Staaten an das 1,5 Grad Klimaziel halten müssen. Denn Klimaschutz ist Menschenrecht. Doch was bedeutet das genau?

mehr erfahren über IGH: 1,5 Grad-Ziel ist bindend

Was können wir tun?

Fünf Dinge, die wir als Verbraucher:innen tun können, damit der Erdüberlastungstag wieder näher ans Ende des Jahres rückt.

 

1. Weniger Kleidungsstücke kaufen

Weltweit wurden rund 100 Milliarden Kleidungsstücke im Jahr 2014 produziert, 2030 sollen es bereits über 200 Milliarden sein – diese unfassbaren Massen verursachen Probleme für Mensch und Umwelt

Wer trotzdem gelegentlich was anderes zum Anziehen braucht: Secondhandläden und Kleidertauschbörsen bringen Abwechslung in den Kleiderschrank.

2. Bewusster essen und einkaufen

Wer sich komplett vegan ernährt, verringert den Klima- und Umweltfußabdruck seiner Ernährung deutlich. Eine Studie der Universität Oxford, 2023 in Nature Food veröffentlicht, untersuchte mehr als 55.000 Teilnehmende und zeigte: Veganer:innen verursachten im Schnitt 75 Prozent weniger ernährungsbedingte Treibhausgase als Menschen, die täglich mindestens 100 Gramm Fleisch aßen. Auch bei Landnutzung, Wasserverbrauch, Gewässerbelastung und Biodiversität schnitt die vegane Ernährung klar besser ab. Dabei gilt: Weniger Fleisch macht bereits einen Unterschied – je geringer der Konsum tierischer Produkte, desto geringer fielen die Umweltbelastungen aus.

Der persönliche Ressourcenverbrauch reduziert sich also um eine große Menge. Die Herstellung von Wurst und Käse ist sehr CO2-intensiv, stattdessen Fisch zu essen, ist aber auch keine Lösung. Wer außerdem unverpackt einkauft, dank eines Wochenplans weniger Lebensmittel wegwirft und unvermeidbare Abfälle kompostiert, trägt ebenso zu einem gesünderen Planeten bei.
 

3. Zu Ökostromanbietern wechseln und Energie sparen

Erneuerbare Energien sind die Zukunft: Im Betrieb erzeugen sie keine Treibhausgase, sie hinterlassen keinen Atommüll, ihre Quellen sind nicht endlich und kostengünstiger sind sie auch. Trotzdem ist auch Ökostrom keine Ressource, die verschwendet werden darf. Auch für erneuerbare Energien braucht es Kraftwerke, Leitungen und Speicherkapazitäten, deren Bau und Unterhalt nicht klimaneutral ist. Wer außerdem Energie spart, reduziert Emissionen und entlastet den Planeten.

4. Reparieren, pflegen, im Zweifel recyceln

Dinge in Ehren halten – das ist nicht nur bei Lieblingskleidungsstücken und Möbeln eine gute Idee, sie gilt auch für technische Geräte, insbesondere Smartphones. Auch wenn die Versuchung groß ist, ein altgedientes Handy gegen das neueste Modell auszutauschen, oft lassen sich die Geräte upcyclen oder reparieren. In modernen Mobiltelefonen werden sogenannte Seltene Erden verbaut, durch die der Tiefseebergbau befeuert wird – mit Folgen für die Meeresökosysteme. Wenn gar nichts mehr geht, das Smartphone recyceln – und nicht in die Schublade zu den anderen legen.

5. Aufs Fahrrad umsteigen

Obwohl im Verkehrssektor CO2-Einsparungen dringend nötig wären, stagnieren die Emissionen auf hohem Niveau: Ein Fünftel aller deutschen Treibhausgasemissionen stammen aus dem Verkehr, das allermeiste aus dem Straßenverkehr. Doch das Einsparpotenzial ist groß: Bis zu 30 Prozent aller Pkw-Fahrten in Städten ließen sich problemlos mit dem Fahrrad absolvieren, denn etwa die Hälfte der mit dem Auto zurückgelegten Wege ist kürzer als fünf Kilometer.

Vogel über Müllberg

Mehr zum Thema

Greenpeace veranstaltete eine Ausstellung in einem Pekinger Einkaufszentrum mit Elektroschrott und Informationstafeln. Aufgestellt ist auch eine Kunstinstallation aus über 500 alten Mobiltelefonen.

Seltene Erden: Abbau gefährdet den Planeten

Die Metalle der Seltenen Erden sind oft Bestandteil moderner Technik. Doch ihre Förderung ist mit erheblichen Gefahren verbunden.

mehr erfahren über Seltene Erden: Abbau gefährdet den Planeten
Menschen am Strand auf Sylt

Fünf Tipps für nachhaltiges Reisen

Viele zieht es im Urlaub in die Sonne, um endlich mal wieder zu entspannen. Fünf Tipps, wie wir beim Reisen Umwelt und das Klima schonen können.

mehr erfahren über Fünf Tipps für nachhaltiges Reisen
2010 World Cup in South Africa

5 Tipps für eine grüne WM

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist gestartet. Greenpeace hat Tipps gesammelt, wie sich bei der WM die Umwelt schonen lässt (Foto: Archivbild).

mehr erfahren über 5 Tipps für eine grüne WM
Pärchen, auf der Handfläche die Welt als Herz

Deutschland erreicht Erdüberlastungstag

Deutschland hat seine natürlichen Ressourcen für dieses Jahr am 10. Mai verbraucht. Den Rest des Jahres leben wir auf Kosten anderer. Doch was bedeutet das und wie können wir es ändern?

mehr erfahren über Deutschland erreicht Erdüberlastungstag
Großes Banner "End Fast Fashion" liegt am Strand in Ghana zwischen Textilmüll.

Fast Fashion versus grüne Mode: Fragen und Antworten

Fast Fashion, also schnelle Mode, was ist das? Wer steckt dahinter und warum ist sie problematisch? Hier gibt es Antworten – auch zu den Alternativen.

mehr erfahren über Fast Fashion versus grüne Mode: Fragen und Antworten
 Passant:innen betrachten Kleiderstatue aus Textilmüll vor dem Brandenburger Tor

Fast Fashion – billig gekauft, teuer bezahlt

Fast Fashion zerstört Umwelt und Ressourcen – nachhaltige Alternativen sind der Weg aus der Wegwerfmode. Die Modeindustrie heizt jedoch den Konsum an. Ein Gesetz könnte den Wahnsinn eindämmen. 

mehr erfahren über Fast Fashion – billig gekauft, teuer bezahlt