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Hologram Projection in Santiago Demands a Chile without Plastics
© HOLOH / Greenpeace

Internationaler Earth Overshoot Day

Stellen Sie sich vor, Sie erhielten ihr komplettes Jahresgehalt pünktlich am 1. Januar und sollten damit bis zum 31. Dezember haushalten. Und nun malen Sie sich aus, sie hätten am 28. Juli schon alles davon ausgegeben. Unter uns: Sie wären wohl ziemlich in der Klemme. Genau das ist allerdings die Situation, in der sich unser Planet (und jede:r darauf) ab heute befindet. Der Earth Overshoot Day (etwa: Erdüberlastungstag) markiert das Datum, an dem sämtliche Ressourcen, die die Erde nachhaltig bereitstellen kann, aufgebraucht sind. Danach leben wir auf Kredit.

Wie wird das Datum berechnet? 

Jedes Jahr errechnet das Global Footprint Network, wann diese Schwelle überschritten ist. Auch wenn die zugrundeliegenden Rechnungen kompliziert sind und viele Faktoren darin einfließen, ist die Fragestellung dahinter relativ einfach. Die biologische Kapazität der Erde – das heißt, die Menge an Nahrung und Rohstoffen, die innerhalb eines Jahres nachwächst – wird dem ökologischen Fußabdruck der Menschheit gegenübergestellt. Also: Wie viel verbrauchen wir davon? Bildet man daraus den Quotienten (Biokapazität / Fußabdruck) und multipliziert ihn mit 365, der Anzahl an Tagen im Jahr, erhält man einen Zeitpunkt, nämlich den Erdüberlastungstag.

Dieser Tag rückt immer früher im Kalender: In den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts lag das Datum noch im Dezember. 2020 haben die Effekte der Corona-Pandemie für eine Art ökologische Verschnaufpause gesorgt und den Tag um drei Wochen verschoben. 2021 war der Verbrauch unserer Ressourcen fast wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie. Forscher:innen erklären sich das mit Nachholeffekten: Nach den Lockdowns stiegen CO2-Emissionen weltweit wieder sprunghaft an. 2020 war kein Trend, sondern eine Ausnahme. Der 28. Juli 2022 ist nun der bislang früheste Termin.

Der Erdüberlastungstag lässt sich für jedes Land und seine Ressourcen einzeln ausrechnen: Der deutsche war bereits im Mai, der US-amerikanische sogar schon im März. Würden alle leben wie wir, bräuchten wir drei Planeten. “Der Raubbau an unserer Erde und unsere ungebremsten CO2-Emissionen für kurzlebige Konsumgüter sind der Klimakiller Nummer 1 und feuern die Erderhitzung weiter an”, sagt Viola Wohlgemuth, Greenpeace-Expertin für Konsum und Kreislaufwirtschaft. Die Folge sind sich häufende Extremwetterereignisse, wie sie auch im Sommer 2022 in ganz Europa stattfinden. “So geht es nicht weiter – wir brauchen alternative Geschäftsideen zum Wegwerf-Kapitalismus”, sagt Wohlgemuth. “Es reicht nicht, über bessere Autos nachzudenken, wir brauchen weniger. Teilen, Leihen, Tauschen, Reparieren: Diese Geschäftsmodelle sind klimatauglich und schaffen sogar noch mehr und besser bezahlte Jobs in Deutschland.”

Was können wir tun?

Fünf Dinge, die wir als Verbraucher:innen tun können, damit der Erdüberlastungstag wieder näher ans Ende des Jahres rückt.

1. Weniger Kleidungsstücke kaufen

Würden alle Bürger:innen 20 Prozent weniger neue Kleidung kaufen als bisher, lägen die CO2-Einsparungen laut Institut der deutschen Wirtschaft schon bei rund 12 Millionen Tonnen pro Jahr. Bei durchschnittlich 60 Kleidungsstücken pro Jahr und Person wären das zwölf Teile. Zum Vergleich: Der gesamte innerdeutsche Flugverkehr verursachte im Jahr 2019 etwa zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid. 

Wer trotzdem gelegentlich was anderes zum Anziehen braucht: Secondhandläden und Kleidertauschbörsen bringen Abwechslung in den Kleiderschrank.

2. Bewusster essen und einkaufen

Wer sich komplett vegan ernährt, spart pro Jahr laut Berechnungen der Universität Oxford rund 2000 Kilogramm CO2 ein. Auf einen Monat heruntergerechnet wären das etwa 167 Kilogramm. Der persönliche CO2-Abdruck reduziert sich also um eine große Menge – und selbst ein paar Tage im Monat bringen schon was. Die Herstellung von Wurst und Käse ist sehr CO2-intensiv, stattdessen Fisch zu essen, ist aber auch keine Lösung. Wir empfehlen, wenn überhaupt, Fisch selten, bewusst und nachhaltig zu kaufen – nicht aus überfischten Beständen oder konventionellen Aquakulturen. Demeter- und Bioland-Siegel können eine Orientierungshilfe bieten. Wer außerdem unverpackt einkauft, dank eines Wochenplans weniger Lebensmittel wegwirft und unvermeidbare Abfälle kompostiert, trägt ebenso zu einem gesünderen Planeten bei.

3. Zu Ökostromanbietern wechseln und Energie sparen

Erneuerbare Energien sind die Zukunft: Im Betrieb erzeugen sie keine Treibhausgase, sie hinterlassen keinen Atommüll, ihre Quellen sind nicht endlich und kostengünstiger sind sie auch. 2020 deckten sie bereits die Hälfte unseres Strombedarfs. Trotzdem ist auch Ökostrom keine Ressource, die verschwendet werden darf. Auch für Erneuerbare Energien braucht es Kraftwerke, Leitungen und Speicherkapazitäten, deren Bau und Unterhalt nicht klimaneutral ist. Wer außerdem Energie spart, reduziert Emissionen und entlastet den Planeten.

4. Reparieren, pflegen, im Zweifel recyceln

Dinge in Ehren halten – das ist nicht nur bei Lieblingskleidungsstücken und Möbeln eine gute Idee, sie gilt auch für technische Geräte, insbesondere Smartphones. Auch wenn die Versuchung groß ist, ein altgedientes Handy gegen das neueste Modell auszutauschen, oft lassen sich die Geräte upgraden oder reparieren. In modernen Mobiltelefonen werden sogenannte seltene Erden verbaut, durch die der Tiefseebergbau befeuert wird – mit Folgen für die Meeresökosysteme. Wenn gar nichts mehr geht, das Smartphone recyceln – und nicht in die Schublade zu den anderen legen.

5. Aufs Fahrrad umsteigen

Obwohl im Verkehrssektor CO2-Einsparungen dringend nötig wären, stagnieren die Emissionen auf hohem Niveau: Ein Fünftel aller deutschen Treibhausgasemissionen stammen aus dem Verkehr, das allermeiste aus dem Straßenverkehr. Doch das Einsparpotenzial ist groß: Bis zu 30 Prozent aller Pkw-Fahrten in Städten ließen sich problemlos mit dem Fahrrad absolvieren, denn etwa die Hälfte der mit dem Auto zurückgelegten Wege ist kürzer als fünf Kilometer.

Die Politik muss handeln

Was wir brauchen, sind Reparaturläden in den Stadtzentren und Anreize, Produkte länger in Benutzung zu halten – wie den Repararturbonus in Thüringen. Zehn Prozent der innenstädtischen Geschäftsflächen könnten Alternativen zum Neukauf bieten. Unverpackt einkaufen muss einfacher werden: 87 Prozent der Kund:innen in Deutschland wünschen sich mehr unverpackte Lebensmittel im Einzelhandel – doch Rechtsunklarheiten verhindern bislang flächendeckende Mehrwegkonzepte. Es muss sich dringend etwas verändern. Doch dazu muss sich die Politik bewegen und darf die Verantwortung nicht auf die Verbraucher:innen abwälzen.

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