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Greenpeace-Aktive in Stutgart beim Clean-up-Day
© Sonja Och / Greenpeace

Brand Audit Report 2021 von Break Free From Plastic

Update vom 25.10.2021:

Seit vier Jahren ruft die Initiative Break Free From Plastic, an der auch Greenpeace beteiligt ist, zum weltweiten Plastikmüllsammeln auf: Dieses Jahr sind insgesamt 11.814 Freiwillige in 45 Ländern, auf sechs Kontinenten der Aufforderung gefolgt; in Deutschland waren 25 Greenpeace-Ortsgruppen an der Aktion zum World Clean-Up Day am 18. September beteiligt. Dabei ging es nicht nur darum, Strände, Wälder und Parks von Müll zu säubern – die Plastikteile wurden in der Folge gezählt und dokumentiert, um Aussagen über die größten Plastikverschmutzer der Welt zu treffen.

In solchen „Brand-Audits“ bei denen die gefundenen Plastikverpackungen den verantwortlichen Unternehmen zugeordnet werden, wurden 2021 weltweit insgesamt 330.493 Stück Plastikmüll gesammelt und analysiert. Die meisten Funde von Plastikmüll gehen auf Unternehmen wie The Coca-Cola Company, PepsiCo, Unilever, Nestlé oder Procter & Gamble zurück. Coca-Cola führt diese Liste zum vierten Mal in Folge an. Den vollständigen Report finden Sie hier.

Es handelt sich bei dem gefundenen Plastik vor allem um Einwegverpackungen, die mit fossilen Ressourcen hergestellt werden – in exzessiven Ausmaßen, die Konsequenzen für das Weltklima haben. Laut Prognosen soll sich die weltweite Plastikproduktion bis 2050 verdreifachen, nimmt man das Volumen von 2015 zum Vergleich. Die damit verbundenen Treibhausgasemissionen würden zehn bis 13 Prozent des weltweit verbleibenden Emissions-Budgets aufbrauchen. Um die Erderhitzung unter 1,5 Grad Celsius zu stabilisieren, steht der Welt laut Pariser Klimaabkommen nur noch eine begrenzte Menge an CO2 zu, die von Industrie und Verkehr in die Atmosphäre gebracht werden darf.Unternehmen wie Coca-Cola und Unilever tragen für einen gewaltigen Teil der weltweiten Treibhausgasemissionen Verantwortung – und müssen mit politischem Druck zum Einlenken gebracht werden: “Die zukünftige Bundesregierung muss das Zeitalter der klimaschädlichen Einwegverpackungen beenden und sich jetzt klar zu flächendeckenden und standardisierten Mehrwegsystemen für eine klimagerechte Zukunft bekennen”, sagt Viola Wohlgemuth, Greenpeace-Expertin für Konsum und Kreislaufwirtschaft. “Das bedeutet eine Mehrwegpflicht für Supermärkte, über die Gastronomie bis zum Onlinehandel.”

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Artikel vom 2.12.2020:Ohne sie würde es nicht funktionieren: Müllsammler*innen in Ghana, Brasilien, Indien oder auf den Philippinen sind das oft zu Unrecht vergessene Rückgrat des Recyclingsystems. “Ich halte meine Stadt sauber, das verschafft mir Zufriedenheit”, sagt Asha, die in Indien Plastikabfälle einsammelt und nach Verwertbarkeit trennt. Menschen wie sie kämpfen an vorderster Front gegen die Plastikflut, und sie sehen am genauesten, wo die Probleme liegen.

Der jährliche Brand Audit der weltweiten Initiative Break Free From Plastic, an der sich auch Greenpeace beteiligt, ist eine Markenanalyse der größten Verschmutzer durch Einwegplastik. Das heißt, die Auswerter*innen schauen: Wer ist wo für wieviel Plastikmüll verantwortlich? In diesem Jahr befasst sich der Report auch mit der Lage der Müllsammler*innen, die in vielen Ländern die Wiederverwertung von Kunststoffen erst möglich machen. Obwohl sie unverzichtbare Arbeit leisten, erfüllen sie in den seltensten Fällen eine offizielle Funktion – sie machen das freiberuflich, um etwas Geld zu verdienen. 

Indem sie den recycelbaren Müll sortieren, helfen sie Unternehmen sogar, ihre Nachhaltigkeitsversprechen zu erfüllen. Dabei sehen die sogenannten “Wastepicker” allerdings auch, wo die Firmen sie brechen. Denn das, was tatsächlich in die Wiederverwertung geht, wirkt klein im Vergleich zu den Bergen an unverwertbarem Einwegplastik, das von multinationalen Konzernen produziert wird.

Die Überraschung bleibt aus, der Skandal nicht

Insgesamt 346.494 Plastikteile aus 55 Ländern hat Break Free From Plastic – unter anderem mit Hilfe der Müllsammler*innen – in diesem Jahr ausgewertet. Eine große Überraschung gab es dabei nicht und hat wohl auch niemand erwartet: Die Coca-Cola Company, PepsiCo und Nestlé sind erneut die größten Verursacher von Kunststoffmüll weltweit. Der Skandal ist deswegen aber nicht geringer: Nach wie vor weisen diejenigen, die den Planeten in die anhaltende Plastikkrise manövriert haben, jegliche Verantwortung von sich und betreiben – solange das Geschäft sich lohnt – weiter “business as usual”.

Führend ist zum dritten Mal in Folge Coca-Cola. In 51 Ländern wurden insgesamt 13.834 Stück Verpackungsmüll zum Konzern gehörender Marken registriert – mehr als die beiden im Ranking nachfolgenden Firmen PepsiCo und Nestlé zusammen. Diese Ergebnisse zeigen zudem einen deutlichen Anstieg der Müllmenge: 2020 kamen in 14 Ländern 2102 mehr Kunststoffmüll-Teile aus dem Hause Coca-Cola zusammen als bei der weltweiten Zählung des vergangenen Jahres.

Derweil gibt es seitens der Unternehmen bloß Greenwashing und Scheinlösungen. “Diese Unternehmen behaupten, die Plastikkrise anzugehen, investieren aber weiter in die falschen Antworten darauf. Dabei arbeiten sie mit Ölkonzernen zusammen, um noch mehr Plastik zu produzieren”, sagt Manfred Santen, Greenpeace-Experte für Chemie. “Um diese Entwicklung zu stoppen und die Klimakrise zu bekämpfen, müssen die Verursacher ihre Abhängigkeit von Einwegverpackungen beenden und sich von fossilen Brennstoffen lossagen.“

Dreimal so viel Plastik bis 2050?

Danach sieht es allerdings derzeit nicht aus, und die vorliegende Analyse bestätigt das erneut. Wenn die Entwicklung weitergeht wie bisher, könnte sich die Kunststoffproduktion bis 2030 verdoppeln und bis 2050 sogar verdreifachen, so die Verfasser*innen des Reports.

Für die Müllsammer*innen im globalen Süden, in Ländern ohne effiziente Entsorgungssysteme, bedeutet die vermehrte Produktion von nicht-wiederverwertbaren Plastikverpackungen außerdem, dass sie bald ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können: Geld gibt es nur für Wertstoffe, also Recyclebares. “Ich kann es mir nicht leisten, meine Arbeitszeit damit zu verbringen”, sagt Asha und zeigt auf Portionsbeutelchen für Ketchup und Instantkaffee. “Unsere Abflüsse verstopfen damit, während sich die großen Unternehmen die Taschen vollmachen.” Einwegplastik ist für alle ein mieses Geschäft – nur nicht für die Verschmutzer.

>>> Die Zukunft ist unverpackt oder gehört Mehrweglösungen! Schreiben Sie der Bundesumweltministerin Svenja Schulze, damit sie verpackungsfreies Einkaufen für Handel und Kund*innen möglich macht.

  • Müllsammlerin auf den Philippinen

    Müllsammlerin auf den Philippinen

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