Verkehrswende

Bewegt euch!

Verstopfte Straßen, dreckige Luft, ständiger Lärm: Großstädte ersticken an einer Verkehrspolitik, die sich nur um das Auto dreht. Dabei ist klar: Die Ära von Diesel und Benziner geht zu Ende – es ist an der Zeit, den Lebensraum Stadt zurückzuerobern. Setzen Sie sich mit uns für eine Verkehrswende ein!

Gemeinsam umsteigen

Ein Radweg soll die Autobahn im Ruhrgebiet entlasten. Kein Witz, sondern Ausdruck dessen, was wir brauchen: den Aufbruch zu einer neuen Mobilität.

  • /

Denn wir stecken fest – auf Autobahnen, in Städten, in veralteten Verkehrskonzepten: Insbesondere Städte leiden unter dem Verkehrskollaps. Bis zu 71 Stunden verbringen Autofahrer jährlich im städtischen Stau, während aus den Auspuffanlagen gesundheitsgefährdende Schadstoffe quellen

Die Situation auf den Straßen und die Tatenlosigkeit der Bundesregierung machen im wahrsten Sinne des Wortes krank: Aufgrund von Stickoxid-Abgasen, wie sie Dieselautos verursachen, sind jährlich in Deutschland mehr als 10.000 frühzeitige Todesfälle zu beklagen – umgerechnet ein Menschenleben in weniger als einer Stunde.

Sie haben auch die Nase voll von schlechter Luft, Lärm, Stau, zu wenig lebenswertem Platz? Dann machen wir uns doch gemeinsam auf. 

Wir brauchen eine Verkehrswende. Wie es gehen kann, zeigen Städte wie Kopenhagen: Radwege verbunden mit einem gut ausgebauten Netz an öffentlichen Nahverkehrsmitteln laden die Bewohner ein, aufs Rad umzusteigen – weil es bequemer und einfacher ist als mit dem Auto zu fahren. In Deutschland jedoch ist Verkehr auf den privaten PKW ausgerichtet.

Erst langsam fängt man hier an umzudenken, und das nur, weil es nicht anders geht – wegen der Staus und unserer Gesundheit. In vielen deutschen Städten ist die Luft mittlerweile so schlecht, dass die EU Deutschland wegen der Überschreitung von Grenzwerten verklagt. Die Städte sind zum Handeln gezwungen. Mittlerweile denken Stadtpolitiker wie Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) laut darüber nach, Dieselfahrzeuge von den Innenstädten fernzuhalten. Denn Diesel-PKW stoßen besonders viele gesundheitsschädliche Stickoxide aus.

Aufs falsche Auto gesetzt

Doch was von Wirtschaft und Politik an Maßnahmen erwogen wird, reicht angesichts der schwindenden Luftqualität in deutschen Städten längst nicht mehr. Software-Updates für Abgasreinigungsanlagen in Dieselfahrzeugen, die Autohersteller in Aussicht stellen, sind zu wenig: Selbst die modernsten Euro-6-Motoren überschreiten unter realen Bedingungen die erlaubten Grenzwerte um ein Vielfaches, das bisschen Software-Kosmetik wird an diesem grundlegenden Problem kaum etwas ändern. Die Blaue Plakette, die den Stadtregierungen überhaupt die Möglichkeit gibt, schmutzige Diesel-PKW zu beschränken, wird vom Bundesverkehrsministerium mit aller Kraft verhindert.

Einen verbindlichen Zeitplan für den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor, wie ihn andere Länder bereits vorgelegt haben, bleibt die Bundesregierung nach wie vor schuldig. Doch genau der wäre nötig, um die sture deutsche Autoindustrie zum Umdenken zu bewegen: Der Verbrennungsmotor, wie wir ihn heute kennen, hat keine Zukunft. Diesel und Benziner sind Auslaufmodelle. Auch wenn Benziner nicht so viele Stickoxide emittieren, heizen sie dennoch den Klimawandel an.

In Ländern wie Frankreich, Indien oder Norwegen hat man das bereits erkannt und das Ende des Verbrennungsmotors besiegelt. Norwegen will ab 2025 nur noch Elektrofahrzeuge zulassen, Indien ab 2030; Großbritannien und Frankreich folgen ab 2040. Auch der schwedische Autohersteller Volvo hat die Zeichen der Zeit erkannt: Ab 2019 sollen nur noch Hybrid- und Elektroautos vom Werksgelände rollen. Auch Bundeskanzlerin Merkel sieht eine Trendwende in der Autoindustrie: „Wir sind in einer Transformationsphase weg vom Verbrennungsmotor“, sagte sie Ende Juni in einem Interview mit der Wirtschaftswoche.

Weg vom eigenen Blech

Greenpeace fordert, ab 2025 keine neuen PKW mit Verbrennungsmotoren mehr zuzulassen. Allerdings stehen auch E-Autos im Stau und verbrauchen Ressourcen. Der Elektromotor hilft uns weiter, wenn er in Bus, Bahn oder geteiltem Auto durch die Gegend fährt. Moderne städtische Mobilität ist also weitaus mehr als der eigene PKW.

Stellen Sie sich vor, wie sich Städte Schritt für Schritt verändern könnten: Aus der tristen Kreuzung wird eine Grünfläche mit Bolz- und Grillplatz. Statt Autogetöse zwitschernde Vögel. Schienenfahrzeuge und Busse kutschieren ihre lesenden Gäste entspannt ans Ziel. Wer Möbel zu transportieren hat, kann sich problemlos ein E-Auto leihen oder erstaunt feststellen, was das vom Geschäft gestellte Lastenfahrrad so alles laden kann. 

Machen Sie mit!

Doch wie kommen wir dieser Vision näher? Auf vielen Wegen – legen wir los:

  • Unterstützen Sie die Forderung nach einer Verkehrswende und setzen Sie sich damit auch für bessere Luftqualität in Ihrer Stadt ein: Hier finden Sie die Protestmail an Bundeskanzlerin Angela Merkel.
  • Helfen Sie der Politik auf die Sprünge: Wo ist ein Radweg nötig, wo fehlen Haltestellen? Vielerorts sind Initiativen aktiv - auch der Schnellradweg im Ruhrpott ist der Hartnäckigkeit vieler Menschen zu verdanken. Das können Sie auch, zum Beispiel indem Sie sich einer der aktiven Ehrenamtlichen-Gruppen von Greenpeace anschließen. Hier können Sie herausfinden, ob auch in Ihrer Stadt eine Gruppe zur Verkehrswende arbeitet und wie Sie diese kontaktieren können.
  • Steigen Sie um und lernen Sie neue Wege kennen: Lassen Sie das Auto stehen, bringen Sie Abwechslung und Freude in Ihre Fortbewegung.

Vielen Dank fürs Mitmachen: Über 2.500 Hustnachrichten sind eingegangen und warten nun darauf, der (künftigen) Bundesregierung bei einem großen Hustkonzert zu Gehör gebracht zu werden.

Weiterlesen
schließen

Nachrichten

Häufig gestellte Fragen

  • Wie schlecht ist die Luft in deutschen Städten?

    Fast jede größere deutsche Stadt hat mit hohen Stickstoffdioxidemissionen (NO2) zu kämpfen. Sie stammen vor allem aus Dieselmotoren. Hohe Belastungen finden sich in der Nähe jeder größeren Straße; das haben Messungen von Greenpeace  gezeigt. NO2 reizt die Atemwege, verstärkt Allergene und kann bei längerer Belastung die Lungenfunktion beeinträchtigen und zu chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. NO2 führt in Deutschland zu mehr als 10.000 vorzeitigen Todesfällen im Jahr.

  • Was ist unter Verkehrswende zu verstehen?

    Zwei Aspekte sind zentral: 1. Wir müssen die Zahl der Autos auf das Notwendigste minimieren und es Menschen gerade in Städten ermöglichen, schnell und sicher zu Fuß, mit dem Rad oder mit Bus und Bahn von A nach B zu kommen. 2. Die Fahrzeuge, die wir in der Stadt und auf dem Land noch brauchen, müssen elektrisch, also emissionsfrei, angetrieben werden. So schützen wir das Klima und bekommen saubere Luft. Zur Verkehrswende gehört auch der Umbau des Güterverkehrs: Der muss von der Straße auf die Schiene und ebenfalls emissionsfrei vorankommen.

  • Was ist nötig für diese Verkehrswende?

    In erster Linie braucht es klare Vorgaben und Maßnahmen der Politik: Einen Stopp für Neuzulassungen von Autos mit Verbrennungsmotor bis spätestens 2025 und ein Investitionspaket für ÖPNV, Bahn und Radverkehr, um nur einige zu nennen. Wer auch immer die Bundesregierung nach der Wahl stellt, diese Punkte müssen im Koalitionsvertrag auftauchen! Und dann ist auch jeder Einzelne gefragt: Wir alle können dazu beitragen, dass in unseren Städten bessere Luft, mehr Platz, weniger Lärm und neue kreativere Fortbewegungsmittel Vorfahrt bekommen.

  • Gefährdet der Umbau der Mobilität Wirtschaft und Arbeitsplätze?

    Heute werden gut drei Viertel der deutschen Autos exportiert in Länder wie China, Norwegen oder die Niederlande, die sich immer schneller in Richtung E-Mobilität bewegen. Statt vor diesen absehbaren Entwicklungen weiter die Augen zu verschließen, muss die Branche sich mit neuen Modellen schneller als bislang geplant vom Verbrenner verabschieden; die Entwicklung vom reinen Fahrzeughersteller zum Mobilitätsdienstleister ist nötig. Tut sie das nicht, bringt sie mehr Arbeitsplätze in Gefahr, als sie zu schützen vorgibt.

  • Forderungen

    • Fahrverbote für schmutzige Diesel in Städten
    • Keine neuen PKW mit Verbrennungsmotor ab 2025 zulassen
    • Verkehrswende in Städten durch Ausbau des Rad- und öffentlichen Nahverkehrs sowie Umsetzung alternativer Mobilitätskonzepte

    Publikationen

    Im Kern gesund

    10 Maßnahmen für eine gesunde Mobilität in Deutschlands Stadtzentren.