So werden Städte radfahrerfreundlich: 10 geniale Ideen

Darauf fahren wir ab

Wie kriegt man Stadtmenschen raus aus dem Auto und rauf aufs Rad? Hier sind zehn großartige urbane Ideen ­– für andere Städte dringend zum Nachahmen empfohlen.

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Grüne Welle statt rote Ampeln für Radler, Gratis-Helme für Kinder und ein Leitsystem für Fahrrad-Parkhäuser: Überall auf der Welt gibt es Projekte, die das Radfahren in Städten angenehmer machen – und die sich Stadtplaner anderswo sehr gern abgucken dürfen. Denn was würde Pedalmuffel wohl zügiger auf den Sattel bringen als ein sicherer und vor allem schnellerer Weg durch die City als mit dem Auto? Und wenn möglichst viele mitmachen, gibt’s bessere Luft für alle gratis dazu.

Wir haben die besten Ideen aus radfahrerfreundlichen Städten in verschiedenen Ländern zusammengetragen – nachmachen ausdrücklich erwünscht.

1. Bike Cops for Kids (Minneapolis, USA)

Die coolen Cops erklären Kindern in der US-Metropole Minneapolis, dass beim Radfahren die Sicherheit ganz oben steht. Deshalb verteilen sie Gratis-Fahrradlichter, -Schlösser und auch -Helme – mehr als 900 Stück waren es, seit die beiden Zweiradpolizisten 2009 losgeradelt sind. Und weil man beim Pedalentreten ja oft mal ins Schwitzen gerät, geben die freundlichen Bike-Cops auch kostenfrei Wasser aus.

Bike Cops for Kids: Zwei Polizisten des Minneapolis Police Departements verteilen kostenlos Fahrradhelme an Kinder© Minneapolis Police Dept.

2. Grüne Welle für Radler (Utrecht, Niederlande)

Wenn der Hase läuft, heißt es, in die Pedalen treten – nur so erwischt man Grün: Im niederländischen Utrecht zeigen Säulen mit wechselnden Piktogrammen Radfahrern an, wie sie rote Ampeln vermeiden. Eine Hand mit Daumen nach oben bedeutet, gutes Tempo, so klappt’s mit Grün, bei der Schildkröte kann man einen Gang runterschalten. Und nur wenn die Kuh aufleuchtet, muss man in jedem Fall stoppen. Das System heißt Flo; dessen Piktogrammsäulen erkennen Radfahrer 120 Meter vor der entsprechenden Ampel, und die schaltet wenn möglich auf Durchfahrt. 

Fahrradfahrer am Grüne-Welle-Leitsystem Flo in Utrecht

Piktogramme des Grüne-Welle-Fahrradfahrer-Leitsystems Flo in Utrecht
© Springlab

3. Radschnellweg durchs Revier (Ruhrgebiet, Deutschland)

Von Duisburg nach Hamm soll er einmal führen, 101 Kilometer durchs Ruhrgebiet: der Radschnellweg Ruhr RS1. Teilstücke führen über stillgelegte Bahntrassen hoch über der Straße, Kreuzungen sind rar. So haben Radfahrer nur wenige Berührungspunkte mit Autos. Drei Abschnitte des RS1 sind bereits eröffnet, fertig sein soll der Fahrrad-Highway 2020. In seinem Einzugsbereich leben 1,7 Millionen Menschen, und die können dann statt mit dem Auto per Rad durchs Revier pendeln. 

Illustration: Radfahrer auf dem Radschnellweg Ruhr RS1
© Illustration: P3/AGFS

Die Streckenführung des Radschnellwegs Ruhr RS1 von Duisburg nach Hamm
© Regionalverband Ruhr

4. SB-Fahrradreparatur-Station (in mehreren Städten)

Pumpen, schrauben, flicken: Öffentliche Reparaturstationen für Fahrräder gibt es bereits in einigen Städten; ihr Gebrauch ist in der Regel kostenfrei. Auch gut: Automaten, aus denen man bei platten Reifen gegen Gebühr Fahrradschläuche ziehen kann. Den Weg zum nächsten Gummispender weisen Apps.

Radfahrer an einer Fahrradreparatur-Station

5. Leihräder für jede Gelegenheit (Straßburg, Frankreich)

Gestern Bierkisten transportieren, heute Pärchenausflug ins Grüne und morgen mal (fast) ohne Treten: In Straßburg kann man öffentliche Fahrräder für jede Lebenslage mieten. Vélhop heißen die 6000 Tandems, E-Bikes, Lasten-, Kinder- und Erwachsenenräder, die man im Langzeit-Abo oder nur mal kurz leihen kann. Die Borge-Bikes gibt’s auch für Unternehmen; das spart die Dienstwagen.

6. Fahrrad-Parkgaragen mit Leitsystem (Utrecht, Niederlande)

4500 Stellplätze hat die zentrale Radgarage am Hauptbahnhof von Utrecht. Falls die einmal belegt sind, weist ein Parkleitsystem Radlern den Weg zu anderen trockenen und sicheren Abstellplätzen.

Fahrradparkhaus-Leitsystem in Utrecht

Fahrräder in einem Rad-Parkhaus in Utrecht, Niederlande
© Bernd Lauter / Greenpeace

7. Wohn- und Hotelgebäude speziell für Radfahrer (Malmö, Schweden)

Wer im Ohboy-Haus im schwedischen Malmö wohnt, der fährt Rad. Denn das Gebäude mit 55 Wohnungen und 31 Hotelzimmern ist vom Erdgeschoss bis zum Dach auf Pedalentreter mit nachhaltigem Lebensstil eingestellt. Türen und Flure sind extrabreit, in den Aufzug passen auch Cargobikes, und jede Wohnung hat einen Fahrradzugang. E-Bikes können an Ladestationen andocken, und in jedem Hotelzimmer hängt ein Klapprad zur kostenfreien Nutzung an der Wand.

8. Fahrrad-Superhighways (Kopenhagen, Dänemark)

Über hervorragend ausgebaute Wege und Brücken radelt es sich bestens aus dem Umland in die Kopenhagener City und quer hindurch: Die Fahrrad-Superhighways in und um Dänemarks Hauptstadt glänzen mit hervorragender Beschilderung und Beleuchtung, Reparaturstationen und Ampelschaltungen, die sich nach Zweiradgeschwindigkeit richten. Da wundert es nicht, dass bereits 33 Prozent aller Pendler die Pedalen treten. Und wenn alle 467 Asphalt-Kilometer in der Region Kopenhagen dann fertig sind, spart das, so schätzen die Stadtplaner, 856 Tonnen CO2-Autoabgas-Emissionen pro Jahr. Sauber!

Radfahrer auf dem Fahrrad-Superhighway in Kopenhagen
© Kevin McElvaney / Greenpeace

9. Radwegewart (Rostock, Deutschland)

Was nützt der beste Radweg, wenn Schmutz, Scherben, Schnee ihn blockieren? Nichts, und deshalb schickt Rostock schon seit 2011 Radwegewarte auf den Asphalt. Die kontrollieren das ganze Jahr über, ob Schäden an Belag oder Beschilderung zu beheben sind, beseitigen kleine Verschmutzungen und schippen Schnee. Rund 60 Radweg-Kilometer legen die Warte am Tag auf ihren E-Bikes zurück. Auf Fahrrad-Fernwegen sind ihre Kollegen ebenfalls unterwegs, in deutschen Städten sind sie noch rar.

Radwege-Wart mit seinem Fahrrad in Rostock© Hanse- und Universitätsstadt Rostock

10. Haltegriffe und Anlehnbügel an Ampeln (in mehreren Städten)

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die das Radfahrerleben leichter machen. Griffe an Ampelpfeilern zum Beispiel, an denen sich Radler bei Rot festhalten können. Oder Bügel zum Anlehnen, wenn sie warten müssen. Gibt’s in Deutschland zum Beispiel in Hannover und Rostock – sollten in jeder Stadt Standard sein.

Fahrradfahrer an einer Ampelkreuzung in Kopenhagen
© Kevin McElvaney / Greenpeace

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