Warum das Eine nicht ohne das Andere kann

Wald und Klima

Wälder mildern extreme Klimaverhältnisse wie Hitze, Frost, Trockenheit und Stürme. Sie produzieren Sauerstoff, reinigen Luft und Wasser und verhindern Bodenerosion.
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Wälder und Moore sind die größte Kohlenstoffsenke an Land. Weltweit binden und speichern sie jedes Jahr mehrere Milliarden Tonnen CO2. Das macht sie essentiell für ein stabiles Klima. Sie bevorraten und transportieren gigantische Mengen an Süßwasser, schützen die Küsten vor Hochwasser und verhindern Bodenerosion und die Wüstenbildung. 

Besonders alte, naturnahe Wälder sind wichtig für Klima und Natur. Je mehr dicke und alte Bäume im Wald stehen, desto mehr Holz kann Kohlenstoff binden. Und umgekehrt: Je mehr Holz eingeschlagen wird, desto mehr gebundener Kohlenstoff verschwindet aus dem Wald. Holz kann im Gegensatz zum lebenden Baum kein CO2 binden, aber es kann den gebundenen Kohlenstoff speichern und von der Atmosphäre fernhalten – allerdings nur so lange, wie das Holz- oder Papierprodukt im Gebrauch ist. Wird Holz zu kurzlebigen Produkten wie Toilettenpapier oder sogar Brennholz, setzt es den gebundenen Kohlenstoff fast zeitgleich wieder frei.

Die Forstwirtschaft der letzten Jahrhunderte hat unsere Wälder extrem geschwächt. Viele Bäume, wie beispielsweise Fichten, wurden dort angepflanzt, wo sie von Natur aus nicht wachsen würden. Gepflanzte Forste sind Holzplantagen, die nicht optimal an ihre Umgebung angepasst sind. Sie sind daher auch nicht besonders widerstandsfähig. Stürme (Foto: Waldschaden im Harz nach Orkan "Sabine"), Hitze, Trockenheit machen ihnen zu schaffen und sie nehmen weniger CO2 aus der Luft auf, als naturnahe Wälder. 

Waldschäden im Harz

In naturnahen Wäldern können Bäume alt und dick werden. Eine Buche kann beispielsweise bis zu 500 Jahre alt werden, bis zum Schluss CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen und in ihrem Holz speichern. In unseren forstwirtschaftlich intensiv genutzten Wäldern werden Bäume jedoch bereits im Jugendalter eingeschlagen, eine Buche ungefähr im Alter von 120 Jahren. Einmal gefällt, kann sie kein CO2 mehr aufnehmen. Es ist daher essenziell für das Klima, Wälder wachsen zu lassen und Bäume älter werden zu lassen. Besonders für die Artenvielfalt, aber auch den natürlichen Nährstoffkreislauf, sowie den Kohlenstoffhaushalt der Böden ist es wichtig, auch einige Bäume natürlich absterben zu lassen und das Holz dieser Bäume  im Wald zu belassen – kurz: weltweit mehr Wälder naturnah wachsen zu lassen oder am besten ganz aus der Nutzung zu nehmen.

Waldzerstörung treibt Klimakrise voran

Die Abholzung von Wäldern, die Ausbreitung des Anbaus von Futterpflanzen sowie die Emissionen aus der Massentierhaltung verschärfen die Klimakrise weiter: Großflächige Waldrodungen für die industrielle Landwirtschaft sind für 23 Prozent der menschlichen Treibhausgasemissionen verantwortlich

Trotzdem verschwindet nach wie vor alle 2 Sekunden eine Waldfläche so groß wie ein Fußballfeld von unserem Planeten. Pro Jahr ergibt das 10,2 Millionen Hektar Wald – eine Fläche, größer als Portugal. Indonesien und Brasilien emittieren deswegen insbesondere in der Waldbrandsaison enorme Mengen CO2. In Indonesien fällt der Wald insbesondere Palmölplantagen zum Opfer, was besonders dramatisch ist, da hier der Wald oft auf meterdicken Torfböden wächst. Wenn Wälder gerodet und Torfböden trockengelegt werden, entweicht der darin gespeicherte Kohlenstoff als klimaschädliches CO2 in die Atmosphäre. Aber auch für Pipelines, Rohstoffe, Staudämme müssen Wälder weichen, oder sie müssen der Herstellung von Klopapier, Verpackung oder Papier dienen. 

Auswirkungen der Klimaerhitzung auf die Wälder

Während die Abholzung und anderweitige Zerstörung der Wälder die Klimakrise verstärkt, wirkt sich diese umgekehrt negativ auf die Wälder aus. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schätzen beispielsweise, dass bei einem Temperaturanstieg von zwei bis drei Grad Celsius der Amazonas-Regenwald großflächig versteppen würde, weil sein Wasserkreislauf zum erliegen käme. 

Doch Hitze und Dürren nehmen nicht nur im Amazonas-Gebiet zu. In Deutschland wirkten Dürren lange wie ein Problem anderer Länder, doch die jüngste Vergangenheit zeigt, dass es auch hier immer trockener wird. Und das hat ganz konkrete Auswirkungen auf den Wald. Insbesondere in den geschwächten und anfälligen Plantagenwäldern wird deutlich: Die Waldbrände nehmen zu – auch in Deutschland (Foto: Waldbrand in Brandenburg). Die Wälder trocknen aus und werden leichte Beute für Insekten wie den Borkenkäfer. Betroffen sind vor allem großflächige Nadelholzplantagen, die in erster Linie der schnellen Holzgewinnung dienen. Sie haben keine natürliche Widerstandsfähigkeit und können Wetterextremen nicht standhalten. 

Waldbrand in Brandenburg

Fast 3 Prozent des Waldes in Deutschland ist bisher stark geschädigt. Damit hat sich die Fläche der geschädigten Wälder innerhalb von einem Jahr verdoppelt. Doch das ist erst der Anfang. Da naturferne und anfällige Forste in Deutschland in der Überzahl sind, könnte sich die Schadensfläche in den nächsten Jahren noch weiter vervielfachen. 

Flächenbrände tragen aus mehreren Gründen erheblich zu Klimakrise bei. Die von Feuern verursachten Brutto-CO2-Emissionen entsprechen 25% der gesamten globalen Emissionen fossiler Energieträger. Einen Teil dieser Emissionen gleicht die nachwachsende Vegetation wieder aus, doch der Rest heizt das Klima weiter an.

Außerdem wird Ruß aus Waldbränden, etwa in Russland, bis in die Arktis getragen: Dort lagert es sich ab und färbt das Eis. Die dunklen Partikel nehmen Sonnenlicht auf, Schnee und Eis erwärmen sich und schmelzen. So sind die Brände eine Folge und eine Ursache der Klimakrise zugleich. Trotzdem überwachen und melden viele Länder die Emissionen aus Feuern nicht angemessen und verzerren damit die eigene Klimabilanz.

Waldschutz ist Klimaschutz

Maßnahmen zum Klimaschutz kosten Geld. Und jeder Euro, der heute nicht investiert wird, muss in Zukunft um ein Mehrfaches ausgegeben werden, um den Schäden der Klimakrise zu begegnen. Die Naturwald Akademie hat berechnet, dass die Bäume in den EU-Wäldern in den nächsten 30 Jahren etwa doppelt so viel CO2 aus der Luft binden und speichern könnten wie bisher (488 Millionen Tonnen jährlich). Das entspricht etwas mehr als 5% der gegenwärtigen Emissionen in der EU und wäre so ein wesentlicher Beitrag zum Green Deal. Dazu müsste der Holzeinschlag um etwa ein Drittel sinken und die Wälder naturnah bewirtschaftet werden.

Besonders in Schweden, Finnland, Deutschland, Polen, Frankreich und Österreich findet sich viel Wald. Gleichzeitig schlägt die Forstwirtschaft hier auch das meiste Holz ein. Allein in diesen Ländern könnten die Bäume drei Viertel der zusätzlich 242 Millionen Tonnen CO2 jährlich binden.

Doch aktuell geschieht das Gegenteil, wir ernten mehr und nicht weniger Holz. Im Jahr 2018 wurde in den Ländern der EU insgesamt rund 20 Prozent mehr Holz eingeschlagen als im Jahr 2000 und sogar 47 Prozent mehr Holz für die Verbrennung, das fast die Hälfte des Anstiegs der gesamten Holzernte verursacht hat (siehe Grafik).

Grafik zur Brennholzentwicklung

Die Holzverbrennung ist ein klimapolitischer Irrweg: Zusätzlich zum direkt dabei freigesetzten Kohlendioxid verletzt und schädigt Brennholzernte andere Bäume, was ebenfalls klimaschädlich ist. Denn es nimmt dem Wald Kapazität, CO2 zu binden. Damit die Wälder mehr CO2 binden können, muss vor allem die enorm gestiegene Energieholzgewinnung weitgehend beendet und durch saubere erneuerbare Energien wie Wind, Wasser und Sonne ersetzt werden. Doch auch wir alle können uns wald- und damit klimafreundlich verhalten, Tipps dazu hier.

(Stand: November 2020)

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