Waldbrände: Ursachen und Folgen
- Ein Artikel von Miryam Nadkarni
- mitwirkende Expert:innen Dorothea Epperlein
- Hintergrund
Hybris – in der griechischen Mythologie beschrieb dieser Begriff die anmaßende Selbstüberschätzung des Menschen, der im Glauben, den Göttern gleichzustehen, seine Grenzen überschritt – und damit unweigerlich seinen eigenen Untergang heraufbeschwor. Genau diese fatale Grenzüberschreitung spiegelt sich heute in der menschengemachten Klimakrise wider. Die direkten Folgen, die wir gerade in ganz Europa zu spüren bekommen: Hitzewellen, Dürren und Waldbrände. Die Natur rächt sich nicht aus göttlichem Zorn, sondern reagiert mit physikalischer Präzision auf die Ausbeutung durch den Menschen.
In den vergangenen Jahrhunderten fällten wir die kühlen, robusten Mischwälder in Deutschland und ersetzten sie durch anfällige Nadelholz-Plantagen. Die Dürren der vergangenen Jahre haben diese Monokulturen angegriffen, der Borkenkäfer hat ihnen weiter Schläge zugefügt – und nun brennen die geschwächten, trockenen Wälder fast jedes Jahr.
In unseren südlichen Nachbar- und Urlaubsländern sieht es noch schlimmer aus, hier kämpfen die Einsatzkräften jeden Sommer gegen die Flammenmeere. Dennoch passiert von Seiten der Politik weiterhin viel zu wenig, um die Klimakrise einzudämmen und die Waldwirtschaft naturfreundlicher zu machen.
Wir haben die Saat der Zerstörung ausgebracht; was wir jetzt ernten, ist die Asche.
Traurige Waldbrand-Rekorde weltweit
Rekordtemperaturen, ausgedörrte Böden und Waldbrände bestimmen Jahr für Jahr die weltweiten Nachrichten – Folgen der menschengemachten Klimakrise. Dürreperioden, trockene Böden und extreme Abholzungen verstärken die Waldbrandgefahr und deren Ausbreitung weltweit. Fehlendes politisches Handeln zum Wald- und Klimaschutz gießt zusätzlich Öl ins Feuer. Insgesamt hat Europa laut dem Erdbeobachtungs Copernicus im Jahr 2025 die höchsten Waldbrandemissionen seit Beginn der Aufzeichnungen vor 23 Jahren verzeichnet. Etwa 13 Megatonnen Kohlenstoff wurden 2025 freigesetzt, insbesondere wegen der schweren Brände im Sommer in Spanien und Portugal.
Beispiele, wo es aktuell brennt oder Waldbrandgefahr herrscht
Aktuelle Brände und Waldbrandgefahr
In Frankreich, Spanien, Portugal und Griechenland kämpfen Einsatzkräfte gegen die Flammen – auch in Deutschland rückt die Waldbrandgefahr näher.
- In Südfrankreich wüten Anfang Juli Feuer, in sechs Départements gilt die höchste Alarmstufe. Die dritte Etappe der Tour de France musste nach dem Grenzübertritt von Spanien nach Frankreich ohne Zuschauende stattfinden.
- Im Norden Griechenlands bedroht ein Waldbrand den Stadtrand von Thessaloniki. Laut der Nachrichtenagentur ANA kämpfen Löschflugzeuge nahe der Gemeinde Oreokastro gegen die Flammen, die bereits zwei Fabriken und angrenzende Wohnhäuser bedrohen.
- Nahe der spanischen Costa Brava: 2.200 Hektar Naturschutzgebiet sind in Flammen aufgegangen, der Brand ist jetzt vorläufig unter Kontrolle.
- Deutschland: Mit jeder Hitzewelle steigt auch die Waldbrandgefahr in Deutschland. Insbesondere Nadelholzwälder im heißeren Süddeutschland oder munitionsbelasteten Gebiete in Ostdeutschland sind betroffen. Letztere bergen ein extremes Risiko, da sich verrottende Munition (alte Granaten und Geschosse auf ehemaligen Truppenübungsplätzen) bei extremer Sommerhitze selbst entzünden und Feuer auslösen kann.
Wie entstehen Waldbrände?
Zunächst einmal: Feuer gibt es schon viel länger als die Menschheit. Entsprechend gibt es auch schon immer Ökosysteme, deren natürliche Entwicklung von wiederkehrenden Bränden beeinflusst wird.
Aber: Die mit Abstand meisten Brände verursachen Menschen. Zu den häufigsten Brandursachen zählen Brandstiftung und Brandrodung.
Und: Die menschengemachte Klimakrise verstärkt die Anzahl und Ausbreitung der Feuer. Durch die Kombination aus Klimakrise, intensive Forstwirtschaft und Waldbränden entsteht eine fatale Abwärtsspirale:
Die globale Erderwärmung und die damit verbundenen häufigeren Hitzewellen und Dürreperioden führen dazu, dass Pflanzen und Böden zunehmend austrocknen.
Außerdem schwächt die intensive Forstwirtschaft die Widerstandskraft der Wälder, weil sie unter anderem die natürliche Struktur der Wälder, die dafür sorgt, dass Wälder kühl und feucht sind, zerstört. Entstehen nun durch Menschen oder Blitzeinschläge Feuer, brennen die trockenen Wälder in kürzester Zeit lichterloh. Dies setzt große Mengen des in den Bäumen gespeicherten CO₂ frei, was den Treibhauseffekt verstärkt. Das führt zu noch höheren Temperaturen, die wiederum weitere Waldbrände begünstigen.
Von der Arktis bis in den Outback Australiens – die Waldbrandsaison beginnt als Folge dieser Abwärtsspirale durchschnittlich immer früher.
„Die verheerenden Waldbrände weltweit sind in den Medien sehr präsent. Auch in Deutschland nimmt die von Waldbränden betroffene Fläche wieder zu – befeuert durch unpassende Baumarten und intensive Forstwirtschaft. Dabei brauchen wir widerstandsfähige Wälder als Klimaverbündete. Naturnahe Forstwirtschaft, kühle, schattige, feuchte Laubmischwälder und Totholz schützen vor Austrocknung und senken das Waldbrandrisiko.“
Wie Waldbrände entstehen - einfach erklärt
Damit ein Feuer brennt, braucht es Sauerstoff, Hitze und brennbares Material. Entzündet werden die meisten Waldbrände durch absichtliche oder fahrlässige Brandstiftung. Das weitere Brandgeschehen wird stark durch das Klima und Wetter beeinflusst. So sorgen Trockenheit und starke Winde dafür, dass sich das Feuer schnell ausbreiten kann. Auch die Vegetation des Waldes ist bedeutsam für den Verlauf eines Waldbrandes. Besonders waldbrandgefährdet sind in Deutschland Nadelbaumforste. Sie trocknen schneller aus als naturnahe Wälder und bilden leicht brennbares Material. Auch die Art der Bewirtschaftung von Wäldern kann Feuer wahrscheinlicher machen. Licht geschlagene Wälder trocknen beispielsweise schneller aus.
Mehr zu den Folgen der Forstwirtschaft auf WälderWie entstehen natürliche Waldbrände?
Die wenigsten Waldbrände entstehen durch natürliche Brandursachen wie Blitzeinschläge. Es gibt auch Wälder, die an die Feuer angepasst sind und diese sogar nutzen, um sich selbst zu verjüngen. Dazu gehören zum Beispiel die Wälder im Westen der USA. Dort sorgen die Flammen dafür, dass sich die Zapfen hitzebedingt öffnen und der Samen befreit wird, wobei die Bäume selbst recht gut durch eine dicke Rinde geschützt sind und nicht ganz abbrennen. Die Asche dient außerdem als Dünger und lockert den Waldboden. Doch auch hier geraten die Brände inzwischen außer Kontrolle: Es brennt länger, heftiger und auf riesigen Flächen.
Die interaktive Karte aktualisiert sich alle zwei Stunden und wird von der internationalen Mapping-Unit von Greenpeace gepflegt. Die Daten werden öffentlich zur Verfügung gestellt, so dass alle sehr genau nachvollziehen können, wo gerade Brände sind – beispielsweise für Feuerwehr und Hilfsorganisationen, aber auch Politik und Wissenschaft. Zusätzlich zeigt eine Historie, wie häufig Brände im aktuellen Jahr und im Vergleich zum Vorjahr auftreten und was in der Region die häufigsten Ursachen sind. Auf der Karte kann in Gebiete hereingezoomt werden, oder es kann links ein Land beziehungsweise eine Region im Dropdown-Menü ausgewählt werden – standardmäßig ist dort „world“ also die ganze Welt eingestellt.
Welche Folgen haben die Waldbrände?
Durch die Waldbrände und den weltweiten Waldverlust steigen die Treibhausgasemissionen. Brandrodungen, Torfmoorbrände, Savannen-, Busch- und Steppenfeuer verursachen jährlich ca. 7,3 Milliarden Tonnen CO2 Emissionen. Das ist mehr als der globale Verkehr verursacht und entspricht etwa der Hälfte der globalen Emissionen aus der Kohleverbrennung. Außerdem können die verbrannten und stark ausgetrockneten Flächen nicht mehr so viel CO2 aus der Atmosphäre entfernen und binden wie vorher, was die globale Erderwärmung weiter begünstigt.
Die Waldbrände heizen also massiv den Klimawandel - der inzwischen zur Klimakrise geworden ist - an, wodurch es noch wahrscheinlicher wird, dass immer größere Waldflächen brennen. Es ist ein Teufelskreis, der dringendst durchbrochen werden muss.
Waldbrände: Alarm für die Ozonschicht!
Eine in „Science Advances“ veröffentlichte Studie im Frühjahr 2024 warnt vor den möglichen Gefahren von Waldbränden für die Ozonschicht. Das Ozonloch über der Antarktis hat sich in den letzten Jahren teilweise geschlossen, nachdem ozonabbauenden Substanzen wie Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) dank des bahnbrechenden Montrealer Protokolls von 1987 reduziert wurden. Die aktuelle Forschung berichtet nun aber von einer neuen potenziellen Bedrohung für die Ozonschicht: die durch Brände freigesetzten Schadstoffe wie Stickoxide und Kohlenstoffmonoxid könnten die Bildung von schützendem Ozon in der Atmosphäre stören. Diese Störung könnte die Ozonschicht schwächen, wodurch sich die UV-Strahlung, die die Erde erreicht, erhöht. Das ist gefährlich, da erhöhte UV-Strahlung das Risiko von Hautkrebs und Augenschäden erhöht sowie negative Auswirkungen auf Ökosysteme haben kann. Die zunehmenden Waldbrände stellen also eine neue Herausforderung für den fortwährenden Schutz der Ozonschicht und der menschlichen Gesundheit dar.
Welche Folgen haben Waldbrände für Menschen?
Die Brände vernichten den Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten und bedrohen Menschenleben. Zudem führen die Feuer zu einer hohen Luftverschmutzung und so zu Atemwegserkrankungen. Der Rauch der Waldbrände in Kanada hat zuletzt sogar New York erreicht und dort die Luftqualität dramatisch verschlechtert. In Indonesien gefährdet die Luftverschmutzung als Folge der Waldbrände seit Jahren immer mehr Menschenleben.
Wie können Waldbrände verhindert werden?
Als globales Problem erfordern die Waldbrände globale Lösungen. Weil die Klimakrise ein wahrer Brandbeschleuniger ist, können Waldbrände nur durch einen konsequenten Systemwechsel gestoppt werden. Die Treibhausgasemissionen müssen deshalb radikal reduziert werden. Dafür braucht es nicht nur eine Energiewende, sondern auch den Schutz der Natur: Die Zerstörung intakter Ökosysteme muss sofort gestoppt werden, zerstörte Wälder müssen sich wieder erholen können. Brandrodungen gilt es deshalb gesetzlich zu verbieten.
Um die Ausbreitung von ungewollten Waldbränden zu verhindern, müssen Frühwarnsysteme verbessert werden. Dafür und für weitere Maßnahmen zur Feuer-Prävention müssen die Industrienationen auch international Verantwortung übernehmen.
In Deutschland müssen in Zukunft Waldbrände verhindert werden, indem naturnahe Wälder geschützt und leicht brennbare Nadelbaumforste wie Kiefern- und Fichten-Monokulturen nicht mehr gepflanzt werden. Eine Neuausrichtung der Forstwirtschaft ist überfällig. Ziel der Bewirtschaftung von Wäldern müssen möglichst naturnahe Wälder sein. Diese können mehr Wasser speichern, sind weniger brennbar und überstehen Dürre und Hitzewellen bisher wesentlich besser. Außerdem bieten sie vielen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum und können viel CO2 aus der Luft binden, womit sie helfen, das Klima zu schützen.