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Palmöl--Arbeiter in Sanggau in West Kalimantan
© Afriadi Hikmal

Palmöl aus Regenwaldzerstörung

Palmöl findet sich in etwa jedem zweiten Produkt im Supermarkt. Doch unser Ressourcenhunger vernichtet die letzten Regenwälder Südostasiens.

Indonesien besteht aus mehr als 17.000 Inseln, Malaysia aus mehr als 800. Noch sind viele von ihnen mit tropischen Regenwäldern bedeckt. Tiger und Waldelefanten streifen durch das Dickicht und Orang-Utans hangeln sich von Baum zu Baum. Doch ihr Lebensraum wird bedrohlich kleiner. Die Holzindustrie frisst sich durch die Wälder, und die Agrarindustrie holzt riesige Flächen insbesondere zum Anbau von Ölpalmen ab. Dramatisch für Artenvielfalt, Klima und Menschen.

Was ist Palmöl?

Einer der wichtigsten Gründe für die Waldvernichtung in Indonesien und Malaysia ist Palmöl, neben der Papierproduktion. Das “flüssige Gold” ist ein Produkt der Ölpalme. Die bis zu 30 Meter hohe Palme kommt ursprünglich aus Westafrika und wird heute in vielen tropischen Gebieten angebaut. Mit Fruchtständen von bis zu 50 Kilogramm ist sie sehr ertragreich. Pro Hektar Anbaufläche werden durchschnittlich 3,8 Tonnen Öl gewonnen. Auch die Palmkerne sind begehrt und liefern Palmkernöl. 

Nach der Ernte werden Früchte und Kerne der Ölpalme getrennt und mechanisch gepresst. Raffinerien verarbeiten das orangefarbene Rohöl (Crude Palm Oil/ CPO) weiter, etwa zu einfach raffiniertem Palmöl oder Emulgatoren für Kosmetika und zu Tensiden für Waschmittel. Palmöl fließt in Deutschland vor allem vermischt mit fossilem Kraftstoff auf Erdölbasis in Dieseltanks. Es wird aber auch verwendet in die Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie, sowie in Blockheizkraftwerken. 

Palmöl ist das weltweit bedeutendste Pflanzenöl: Die Jahresproduktion lag 2020/21 bei gut 74 Millionen Tonnen. Es ist so begehrt, da es lange haltbar und vielseitig einsetzbar ist und einen hohen Schmelzpunkt von zwischen 27 bis 42 Grad hat. Das unschlagbare Argument für die Industrie: Kein anderes Pflanzenöl ist billiger. 

Über die Hälfte des weltweit produzierten Palmöls stammte 2020/21 aus Indonesien mit gut 43 Millionen Tonnen, gefolgt von Malaysia mit fast 18 Millionen Tonnen. Die beiden Länder decken mehr als 80 Prozent der Weltproduktion ab. Der restliche Anteil des Palmfetts stammt aus Ländern wie Thailand, Kolumbien, Ecuador, Guatemala, Nigeria und Papua-Neuguinea. Aber auch in weiteren tropischen Ländern wie Kamerun wird der Anbau von Palmöl zunehmend zu einer Gefahr für die dortigen Wälder.

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Palmöl schadet Umwelt und Klima

Der Anbau von Ölpalmen geschieht derzeit auf Kosten der Umwelt und der Menschen: Pestizide auf den Plantagen belasten die Böden, die Abholzung und Brandrodung tropischer Regenwälder setzt CO2 frei und und zerstört Lebensräume für Menschen, Tiere und Pflanzen.

Indonesiens Waldvernichtungsrate zählt zu den höchsten weltweit. 24 Millionen Hektar Regenwald sind laut indonesischem Umweltministerium zwischen 1990 und 2015 zerstört worden – eine Fläche, die fast die Ausdehnung von Großbritannien erreicht. Die Plantagen bedecken bereits rund 16 Millionen Hektar und diese riesigen Flächen sollen sich, wenn es nach den Vorstellungen der indonesischen Regierung und den Palmöl-Konzernen geht, noch weiter ausdehnen. 

Allein in Indonesiens  Regenwäldern leben rund zehn Prozent der weltweit an Land vorkommenden Tier- und Pflanzenarten. Einige Tiere sind ausschließlich in dieser Region heimisch. Doch Orang-Utan, Java- und Sumatra-Nashorn stehen auf der Roten Liste der IUCN und sind akut  bedroht. Auch Sumatra-Tiger sind akut bedroht mit nur noch rund 400 frei lebenden Tieren 

Für das Klima gehen mit den Wäldern wertvolle Kohlenstoffspeicher verloren,  besonders wenn es sich um Wälder handelt, die auf  uralten feuchten Torfböden wachsen. Mit dramatischen Folgen für das Klima. Denn Moorland bedeckt nur 3 Prozent der Landfläche der Welt, speichert aber mehr als 30 Prozent des gesamten Bodenkohlenstoffs. Wenn die Agrarindustrie die Wälder abholzt oder verbrennt und die Torfböden für die Plantagenwirtschaft entwässert, entweicht der Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid in die Atmosphäre. Ein Hektar trockengelegter Torfboden stößt im Jahr rund 100 Tonnen CO2  aus. Insbesondere in 2015 wüteten in Indonesien heftige Brände, sie gelten bisher als eine der größten ökologischen Katastrophen des 21. Jahrhunderts. So gelangte Indonesien zeitweilig an die Spitze der Länder mit den höchsten Treibhausgas-Emissionen. In wenigen Wochen setzte der Inselstaat mehr CO2  frei als Deutschland in einem Jahr. Die indonesische Regierung reagierte mit einer Reihe von Maßnahmen. Doch nach drei Jahren relativer Ruhe wüteten die Feuer zwischen Januar und September 2019 erneut heftig: 857.000 Hektar, davon 227.000 Hektar Moorland, standen in Flammen. Hier müssen also deutlich engagiertere Maßnahmen her.

Indonesiens schwere Waldbrände im Jahr 2015 gefährdeten zusätzlich die Gesundheit. Der Rauch verursachte Erkrankungen unter anderem der Atemwege bei Hunderttausenden von Menschen in der gesamten Region und laut einer Studie wahrscheinlich über 100.000 vorzeitige Todesfälle. Die stetige Rauchbelastung durch die Feuer kann auch das Risiko sowie das Ausmaß einer Covid-19-Erkrankung signifikant erhöhen.

Palmölanbau verschärft soziale Probleme

Die Gier nach Palmöl  zementiert zudem die soziale Ungerechtigkeit etwa in Indonesien und Malaysia. Die Bevölkerung vor Ort profitiert kaum vom Ölpalmenanbau, sondern große Konzerne. 

Die Arbeitsbedingungen sind häufig schlecht. Immer wieder kommt es zu Kinderarbeit und Menschenrechtsverletzungen. Die lokalen Flussfischer:innen klagt außerdem über schlechtere Fänge und macht den Pestizideinsatz auf den Plantagen dafür verantwortlich.

Die Palmöl-Industrie macht sich ungeklärte Landrechte zunutze: Häufig beanspruchen Firmen Land für Palmölplantagen, welches nach Auffassung der dort lebenden Menschen vor Ort Gemeindeland ist. Und immer wieder gibt es Fälle, in denen Unternehmen Indigene und Kleinbäuerinnen und -bauern mit Gewalt vertreiben. 

Indigene sind auf intakte Wälder angewiesen; die radikale Zerstörung ihrer Heimat bedeutet schlichtweg die Vernichtung ihrer Lebensgrundlagen.

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Palmöl-Zertifikate ohne Erfolg

Nach wie vor gibt es keine ausreichenden Gesetze gegen die Waldzerstörung für Palmöl. Seit Mai 2011 besteht zwar ein Moratorium in Indonesien, das die Urwaldzerstörung für eine befristete Zeitspanne verbietet. Doch dies hält nicht, was es verspricht. Greenpeace Analysen identifizierten rund ein Fünftel der Waldzerstörung zwischen 2011 und 2013 auf Flächen, die durch das Moratorium geschützt sein sollten.

Selbst Firmen, die sich der Nachhaltigkeit verpflichtet haben, sind nachweislich an Waldzerstörung und Trockenlegung von Torfmooren beteiligt. Dies betrifft auch Firmen, die durch ihre RSPO-Zertifizierung (Roundtable on Sustainable Palm Oil) als nachhaltig gelten. Allerdings sind die Kriterien für Nachhaltigkeit trotz Nachbesserungen in den letzten Jahren weiterhin zu schwach und nicht alle Akteuren halten sie ein. 

Ein Report von Greenpeace Indonesien zeigt, dass sich 2019 über 283.000 Hektar der Plantagen von RSPO-zertifizierten Unternehmen in geschützten Waldgebieten befanden. Ein anderes Zertifikat, ISPO (Indonesian Sustainable Palm Oil), weist ähnliche Schwachstellen auf. Zehn Prozent der ISPO-zertifizierten Palmölkonzerne betreiben Plantagen in geschützten Gebieten. Greenpeace wird beobachten, ob sich diese Unternehmen in Zukunft an die strengeren Kriterien halten oder wie in der Vergangenheit regelmäßig dagegen verstoßen.

Auch der Import des Pflanzenöls ist nicht reguliert. Auf Druck von Greenpeace und weiteren Organisationen haben in den vergangenen Jahren weltweit zahlreiche Firmen  zugesagt, schmutziges Palmfett aus ihren Liefer- und Produktionsketten zu verbannen. Doch diese Absprachen mit Unternehmen und Selbstverpflichtungen sind gescheitert, Greenpeace fordert daher ein gesetzliche Regulierung.

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Palmöl? Nur aus vertretbarem Anbau!

Die Verantwortung für die Waldzerstörung für Palmöl liegt nicht nur bei den Regierungen der Produktionsländer, sondern alle können und müssen etwas für den Regenwaldschutz tun. Besonders der Konsum in Industriestaaten verschärft das Problem der Klimakrise und das Massenartensterben.

Wichtig dabei zu wissen: Palmöl ist vielfältig einsetzbar und die Ölpalme hat eine hohe Ertragskraft. Greenpeace zweifelt deshalb nicht grundsätzlich die Produktion und Verwendung von Palmöl an. Es wäre keine gute Alternative, diesen Rohstoff einfach durch andere Pflanzenöle, zum Beispiel aus Raps oder Sonnenblumen, zu ersetzen. 

Um die gleiche Menge Öl aus anderen Pflanzen zu erzeugen, würden deutlich größere Flächen benötigt. Auch die Verlagerung auf Sojaöl würde die ohnehin schon bestehenden Probleme in Anbauländern wie Brasilien und Argentinien verschärfen: Während sich aus Ölpalmen rund 3,8 Tonnen Öl pro Hektar produzieren lassen, sind es bei Raps und Sonnenblumen nur 0,8 und bei Soja 0,5 Tonnen (Stand: 2019). Stattdessen ist es wichtig, den Verbrauch insgesamt zu senken. Ein wichtiger erster Schritt: Palmöl raus aus den Autotanks.

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Durch den weltweiten Bedarf an Palmöl wird der Regenwald in Indonesien zerstört. Doch viele große Firmen haben sich wegen der Proteste vom Raubbau an den Regenwäldern distanziert.

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Petition

https://act.greenpeace.de/waelder-weltweit

Waldzerstörung stoppen!

WÄLDER UND ARTENVIELFALT SCHÜTZEN! Überall auf der Welt werden Wälder zerstört und damit der Lebensraum von Menschen und Tieren. Zum Schutz des Klimas und der Artenvielfalt müssen wir diese Zerstörung stoppen. Fordern Sie von der Bundesregierung klares Handeln für die Wälder unserer Erde!

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