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Sojabohnen im Amazonas
© Bruno Kelly / Greenpeace

Amazonas: Soja-Industrie schnetzelt Waldschutz-Moratorium

Brasiliens Soja-Moratorium erfährt herben Rückschlag! Das Abkommen gilt als Meilenstein gegen Abholzung und für den Schutz des Amazonas-Regenwaldes.

Seit 2006 verhindert das Amazonas-Soja-Moratorium, dass Soja von Flächen gehandelt wird, die nach diesem Datum im Amazonasgebiet gerodet wurden. Doch nun folgt ein historischer Rückschlag: Der brasilianische Verband der Pflanzenölindustrie (Abiove) gab Anfang Januar seinen Austritt aus dem Pakt bekannt – denn die Vereinbarung ist nur freiwillig. Der Verband vertritt große Agrarhändler wie ADM, Bunge und Cargill. 

Dieser Schritt markiert einen gefährlichen Wendepunkt. Hintergrund ist unter anderem ein neues Gesetz im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso, das Unternehmen die Pistole auf die Brust setzt: Wer sich weiterhin zum Waldschutz durch das Moratorium bekennt, verliert staatliche Steuervergünstigungen. Während die Rechtmäßigkeit dieser Regelung noch vom Obersten Gerichtshof Brasiliens geprüft wird, hat die Soja-Industrie bereits Fakten geschaffen.

Fatales Signal an den Weltmarkt und die EU

Mit dem Ausstieg sendet der Verband das Signal, dass Steuergeschenke schwerer wiegen als der Erhalt des größten Regenwalds unserer Erde. Damit öffnet die Branche Tür und Tor für Soja aus Amazonas-Waldzerstörung – eine Entwicklung, die direkte Folgen für Europa hat.

Schon heute stammt der Großteil der EU-Sojaimporte aus Brasilien. Wenn die großen Händler das Moratorium verlassen, droht deutlich mehr Soja von Kahlschlagflächen in Futtertrögen der hiesigen Landwirtschaft zu landen und so indirekt in Supermarktregalen und auf unseren Tellern.

Portrait of Harald Gross in Hamburg
„Die Abkehr der Händler vom Soja-Moratorium ist ein Geschenk an die Waldzerstörungsindustrien. Sie sägen nicht nur am Amazonas-Regenwald – sie sägen an unserer gemeinsamen Zukunft und der Lebensgrundlage kommender Generationen.”

Harald Gross

Greenpeace-Experte für Waldschutz

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Der Amazonas in der Zange: Doppelter Rückschlag für den Waldschutz

Der Wald wird nicht nur in Brasilien im Stich gelassen. Während die Soja-Lobby in Südamerika Schutzabkommen aufkündigt, hat die Europäische Union parallel dazu ihre eigene historische Chance verspielt, klare Kante zu zeigen. Die eigentlich wegweisende EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) – ein Gesetz, das Produkte aus zerstörten Wäldern von unseren Märkten verbannen sollte – wurde auf Druck von Industrielobbys und konservativen Kräften Ende 2025 erneut verschoben und inhaltlich aufgeweicht. Sie könnte in den kommenden Monaten sogar noch weiter verschoben und geschwächt werden. 

Damit verliert der Amazonas-Regenwald gleichzeitig zwei seiner wichtigsten Schutzmechanismen: Das Sojamoratorium bröckelt vor Ort, während das europäische Fangnetz durch die Verzögerung des EU-Waldschutzgesetzes riesige Löcher bekommt. 

Und wäre das nicht schon dramatisch genug, setzt die EU-Kommission gerade alles daran, das umwelt- und klimaschädliche Freihandelsabkommen zwischen der EU und den südamerikanischen Mercosur-Staaten abzuschließen. Es würde unter anderem die Produktion von Rindfleisch fördern – der Haupttreiber für die Zerstörung des Amazonas-Regenwalds. 

Was kann die Bundesregierung tun?  

Die Bundesregierung kann sich dafür einsetzen, dass die EU ihrer Verantwortung für besseren Waldschutz gerecht wird. “Gerade jetzt, da das Soja-Moratorium in Brasilien auf der Kippe steht, wäre es fatal, die EU-Entwaldungsverordnung weiter abzuschwächen oder gar weiter zu verzögern”, sagt Gross. “Europa braucht starke Regeln, um Abholzungs-Soja vom Markt fernzuhalten und den Schutz des Amazonas-Regenwaldes zu stärken.“

Hintergrund des Amazonas-Soja-Moratoriums

Kein Handel mit Soja aus Regenwaldzerstörung, Sklavenarbeit und Menschenrechtsverletzungen: Dazu verpflichteten sich im Juli 2006 Vertreter:innen von Soja-Industrie, Politik und Zivilgesellschaft nach einer internationalen Greenpeace-Kampagne zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes. Ein Abkommen, das selbstverständlich auch Greenpeace unterzeichnete. Seitdem haben die Beteiligten das Soja-Moratorium zunächst jährlich erneuert. Und es zeigte Erfolge: Die Waldzerstörung ging deutlich zurück, für neue Sojafelder wurde kaum mehr Regenwald gefällt.

2016 wurde das Abkommen in einer offiziellen Zeremonie in Brasilien erneut bekräftigt, dieses Mal allerdings ohne Befristung – ein riesiger Erfolg für die langjährige Arbeit von Greenpeace zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes. Die Vereinbarung soll solange gelten, bis keine Notwendigkeit mehr besteht, sie aufrechtzuerhalten – nämlich dann, wenn grundsätzlich keine Regenwaldgebiete mehr zerstört und keine Menschenrechte im Zusammenhang mit dem Sojaanbau mehr verletzt werden. Das Abkommen verpflichtet die beteiligten Weltmarktführer des Sektors, nur Soja von Pflanzen zu kaufen und zu handeln, die nicht auf nach 2008 entwaldeten Flächen angebaut wurde. Die Sojaprodukte – Bohnen, Schrot und Öl – sind das wichtigste landwirtschaftliche Exportgut Brasiliens.

Europas und Deutschlands Sojaimporte

Die EU gehört zu den wichtigsten Abnehmern brasilianischen Sojas: 2024 gingen über 16 Millionen Tonnen in den europäischen Markt, vor allem als Tierfutter. Deutschland importierte direkt mehr als 1,8 Millionen Tonnen. 

Das Soja-Moratorium hat gezeigt, dass Landwirtschaft und Waldschutz vereinbar sind: Zwischen 2009 und 2022 sank die Waldzerstörung in überwachten Regionen um fast 70 Prozent – obwohl sich die Sojaflächen im Amazonas-Regenwald vervielfachten. Es ermöglichte Brasilien den Zugang zu internationalen Märkten und stärkte das Vertrauen in nachhaltige Produktion. Auch deutsche Handelsketten wie Aldi, Rewe und Kaufland sehen darin ein Erfolgsmodell und fordern, den Schutz sogar auf weitere bedrohte Regionen wie den Cerrado auszuweiten.

Online-Mitmachaktion

https://act.greenpeace.de/offenerbrief-ikea

Keine Ikea-Möbel aus Urwald-Zerstörung!

Ikea wirbt mit Nachhaltigkeit. Aber alte Wälder in Europa zerstören, schadet uns allen. Auch Ihnen. Deshalb fordern wir: Ikea, nimm deine Umwelt-Versprechen ernst. Lass uns gemeinsam Wälder schützen statt zerstören.

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Illegal Logging in the Făgăraș Mountains in Romania

Soja-Handel auch in schwierigen Zeiten ermöglichen

Ratifiziert hat das Dokument Paulo Adario, Experte für Wälder von Greenpeace Brasilien, der die zivilgesellschaftlichen Akteur:innen beim Soja-Moratorium vertritt. Außerdem unterzeichneten Brasiliens Umweltministerin Izabella Teixeira, der Präsident des Verbands der brasilianischen Ölsaaten-Händler:innen (ABIOVE) sowie der Generaldirektor des Verbands der brasilianischen Ölsaaten-Exporteur:innen (ANEC).

„Das Soja-Moratorium hat dazu beigetragen, dass die Waldzerstörung im Amazonasbecken zurückgegangen ist – ein bedeutender Erfolg für die Regenwälder und ihre Bewohner:innen“, so Paulo Adario. „Die Entfristung des Abkommens war wichtig, um endlich ein dauerhaftes System zu etablieren, das auch in den politisch und wirtschaftlich schwierigen Zeiten in Brasilien den Handel mit Soja ermöglicht und gleichzeitig die Wälder schützt.“

Strenge Kontrolle des Soja-Abkommens

Die Einhaltung des Abkommens wird von den Mitgliedern der begleitenden Arbeitsgruppe streng überwacht, unter anderem durch die Analyse von Satellitendaten und mit Hilfe von Vor-Ort-Recherchen und Überflügen, die Greenpeace mit seiner Cessna durchführt. Auch Verträge zwischen Soja-Farmer:innen und Abnehmer:innen kontrolliert das Gremium.

Seit Beginn des Soja-Moratoriums im Jahr 2008 hat sich die Fläche für den Sojaanbau im brasilianischen Amazonasgebiet deutlich ausgeweitet – von 1,64 Millionen Hektar 2008 auf 7,28 Millionen Hektar im Jahr 2023. Das entspricht einem Wachstum von 344%. Diese Expansion konnte das Moratorium zwar nicht verhindern, aber erfolgreich lenken: Sie fand größtenteils auf bereits zuvor entwaldeten Flächen statt – häufig durch die Umwandlung von Weideland – und nicht durch zusätzliche Abholzung von Regenwald.

Zwischen 2009 und 2022 verzeichneten Gemeinden, die durch das Soja-Moratorium überwacht wurden, einen Rückgang der Entwaldung um 69%, während der Sojaanbau in diesen Regionen gleichzeitig zunahm. Das Beispiel des Soja-Moratoriums zeigt, dass derartige Abkommen funktionieren und die Entwaldungsraten deutlich reduzieren können.

Gleichzeitig bleibt Entwaldung eine der größten umweltpolitischen Herausforderungen Brasiliens: 46% der gesamten brasilianischen Treibhausgasemissionen stammen aus Landnutzungsänderungen, insbesondere durch die Zerstörung natürlicher Ökosysteme – was die globale Erwärmung weiter anheizt.

Soya Plantation in the Amazon
© Bruno Kelly / Greenpeace

Regenwald für Futtersoja?

Nachricht

Aufgrund einer Greenpeace-Kampagne im Sommer 2006 stimmen große Lebensmittelkonzerne zu: Soja aus Regenwaldzerstörung im Amazonas soll nicht mehr auf den Markt.

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Was die Regenwald-Zerstörung für das Klima bedeutet

Die fortschreitende Zerstörung der Wälder weltweit zu stoppen ist entscheidend für den Klima- und Artenschutz und eines der globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. In der Glasgow Forest Declaration haben sich über 100 Länder, darunter Deutschland und Brasilien, dazu verpflichtet, den Waldverlust bis 2030 zu verhindern. 

Der Amazonas-Regenwald spielt dabei eine zentrale Rolle, da er nicht nur riesige Mengen CO2 speichert, sondern auch einer der artenreichsten Lebensräume der Erde ist. Doch er steht kurz vor einem gefährlichen Kipppunkt: Wenn die Entwaldung voranschreitet wie bisher, könnte das Ökosystem großflächig kollabieren – mit irreversiblen Folgen für den Wasserkreislauf Südamerikas, die weltweite Artenvielfalt und das globale Klima. 

Der Schutz der Wälder ist daher nicht nur eine wirksame Maßnahme gegen die Klimakatastrophe, sondern auch für den Erhalt der Biodiversität unerlässlich. Deswegen wird sich Greenpeace weiterhin mit Nachdruck für den Erhalt der Regenwälder einsetzen – zum Schutz des Klimas, der Artenvielfalt und zukünftiger Generationen.

Europas und Deutschlands Sojaimporte

Die EU gehört zu den wichtigsten Abnehmern brasilianischen Sojas: 2024 gingen über 16 Millionen Tonnen in den europäischen Markt, vor allem als Tierfutter. Deutschland importierte direkt mehr als 1,8 Millionen Tonnen. 

Das Soja-Moratorium hat gezeigt, dass Landwirtschaft und Waldschutz vereinbar sind: Zwischen 2009 und 2022 sank die Waldzerstörung in überwachten Regionen um fast 70 Prozent – obwohl sich die Sojaflächen im Amazonas-Regenwald vervielfachten. Es ermöglichte Brasilien den Zugang zu internationalen Märkten und stärkte das Vertrauen in nachhaltige Produktion. Auch deutsche Handelsketten wie Aldi, Rewe und Kaufland sehen darin ein Erfolgsmodell und fordern, den Schutz sogar auf weitere bedrohte Regionen wie den Cerrado auszuweiten.

 

Was kann die Bundesregierung tun?  

Ab Dezember soll die neue EU-Verordnung für den weltweiten Waldschutz (EUDR) greifen. Sie soll verhindern, dass Soja oder andere Rohstoffe wie Kaffee oder Palmöl auf Kosten von Regenwaldflächen produziert werden. Doch Unternehmen und Politiker:innen versuchen derzeit, das Gesetz zu verwässern. “Gerade jetzt, da das Soja-Moratorium in Brasilien auf der Kippe steht, wäre es fatal, die EU-Entwaldungsverordnung abzuschwächen”, sagt Gross. “Europa braucht starke Regeln, um Abholzungs-Soja vom Markt fernzuhalten und den Schutz des Amazonas-Regenwaldes zu stärken. Deswegen muss die Bundesregierung in Brüssel klarstellen: Europas Märkte sind tabu für Produkte aus Regenwaldzerstörung.“

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