Globale Aktionswoche „MAKE SMTHNG“: Upcycling, Reparatur, Zero Waste

Mach was!

Während der Handel mit Rabattschlachten zum Massenkonsum ruft, trafen sich am Wochenende Kreative und Künstler, die auf Reparieren, Selbermachen, Tauschen setzen statt auf Kaufen.

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Sie kommen mit defekten Kopfhörern, Toastern oder Kleidungsstücken. Oder einfach so, weil sie die Maker-Szene kennenlernen wollen: Menschen, die keine Lust haben auf blinden Massenkonsum und stattdessen Kaputtes reparieren oder aus alten Dingen Neues machen. Etwa 1290 Menschen besuchten am vergangenen Wochenende alleine das Hamburger Millerntor-Stadion. Denn dort drehte sich statt um Fußball alles ums Selbermachen: 24 Maker und Organisationen präsentierten dem Publikum Alternativen zum Neukauf.

Das Wochenende war der Start der diesjährigen Make Something Week (MAKE SMTHNG Week), die nun bereits das zweite Mal in der Vorweihnachtszeit stattfindet: weltweit in 42 Ländern mit mehr als 400 Veranstaltungen. In Deutschland laden die Partner-Organisationen Greenpeace, Fashion Revolution, #Breakfreefromplastic, Shareable, Fab Lab, The Restart Project und Arts Thread vom  24. November bis 2. Dezember 2018 zu über 150 Events in 50 Städten ein. Künstler und Kreative vermitteln in zahlreichen kostenlosen Workshops Fähigkeiten aus den Bereichen Upcycling, Reparatur, Do it Yourself und Zero Waste.

Ersatzteile drucken, Plastik flechten

So konnten die Besucher Kabel am Kopfhörer löten oder über einen 3D-Drucker Ersatzteile für ihre kaputten Elektrogeräte nachmodellieren. Andere wiederum brachten aussortierte Hosen, Röcke, Pullis für den Kleidertausch mit und fanden neue Lieblingstücke. Oder sie lernten, aus Kastanien Waschmittel und aus Bienenwachs Frischhaltefolie herzustellen. Mitgebrachte Kleidung konnte repariert und per Siebdruck verschönert werden. Aus alten T-Shirts entstanden Abschmink-Pads oder Teppiche, aus gesammeltem Plastik Körbe und Taschen. In Kochkursen wurden aus „geretteten“ Lebensmitteln, die Supermärkte aussortiert hatten, leckere Gerichte und Fingerfood.

„Es war ein Tag voller staunender Gesichter und begeisterter Menschen“, sagt Viola Wohlgemuth, Expertin für Konsum bei Greenpeace. „MAKE SMTHNG bringt weltweit Menschen zusammen, die Alternativen zum ständigen Konsum und Zwang zum Neukauf leben und zeigen.“ Menschen also, die nicht hinnehmen, dass Hersteller Elektrogeräte verkaufen, deren Defekt schon eingebaut ist, damit nach relativ kurzer Nutzungsdauer Ersatz gekauft werden muss. Menschen, die nicht wollen, dass 30 Prozent der Retouren im Onlinehandel nicht mehr in den direkten Verkauf gehen, sondern zum großen Teil in die Vernichtung. Und es sind Menschen, die sich den Lockrufen des Handels mit oft nur vorgetäuschten Rabatten wie am Black Friday widersetzen. „Denn wir sind nicht, was wir kaufen, sondern was wir machen, und für welche Welt wir einstehen“, so Wohlgemuth.

>>> Mitmachen auf www.makesmthng.org. Dort finden Sie

  • einen Überblick über weitere Workshops und Veranstaltungen zur MAKE SMTHNG Week
  • unsere MAKE SMTHNG–Online Challenge: Eine Newsletter Serie mit Tipps und Anregungen für den Alltag – vom nachhaltigen Kleiderschrank über Leben ohne Plastik bis zum Reparieren. 

Was am Millerntor los war, zeigen folgende Fotos, was international sonst noch passierte, können Sie auf Twitter sehen.

© Joerg Modrow/Greenpeace

Gewebte Stoffreste machen aus dem Gerüst eine bunte Höhle. Wenn sie fertig ist, werden Kinder in einem Hamburger Kindergarten darin spielen. 

© Joerg Modrow/Greenpeace

Niels (li.) vom Fab Lab Fabulous St. Pauli demonstriert, wie sich am 3D-Drucker Ersatzteile herstellen lassen. Das spart nicht nur Geld, sondern unterläuft auch das oft von Herstellern eingebaute Verfallsdatum der Geräte.

© Joerg Modrow/Greenpeace

Kinder lieben Sticker, Erwachsene auch. Wie sie sich aus Resten basteln lassen, zeigt Mara von @marambolage

An diesem Tisch entstehen Stoffpuppen aus einzelnen Socken  – übrigens ein schönes Weihnachtsgeschenk.

© Joerg Modrow/Greenpeace

Selber machen macht glücklich. Bei Gaia konnten die Besucher und Besucherinnen ihre eigenen Bienenwachstücher als Ersatz für Frischhaltefolie herstellen und mit persönlichen Zeichnungen versehen. 

Vom schrillen Kleid bis zum wärmenden Pulli: Beim Kleidertausch wechselten Stücke die Besitzer.

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