Planet Earth First

Ein Herz fürs Klima

Der G20-Gipfel brachte zu viel Gewalt und zu wenig Ergebnisse. Konkrete Maßnahmen blieb die Runde schuldig.

Schluss mit schmutzig!

Deutschland versäumte es, als Vorsitz der G20-Konferenz ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen – es blieb bei bereits geschlossenen Vereinbarungen. Die Regierung muss endlich den zügigen Ausstieg aus der Kohleenergie und eine Verkehrswende beschließen.

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„Das Klimaabkommen von Paris gibt der Welt Hoffnung“, kommentierte Greenpeace den Beschluss der UN-Klimakonferenz Ende 2015. Doch US-Präsident Donald Trump sieht den Klimaschutz als Wirtschaftsbremse, seine „America First“-Politik kündigt derweil internationale Verpflichtungen auf. Auch Deutschland hat es versäumt, die Euphorie aus Paris in wirksame Klimapolitik zu wandeln: Weil Angela Merkel den Kohleausstieg verschleppt und die benötigte Verkehrswende nicht angeht, kommt Deutschland beim Klimaschutz nicht vom Fleck. Sie können etwas tun – indem Sie die Bundeskanzlerin an ihre Verantwortung fürs Klima erinnern.

Die Klimaerhitzung ist die größte Bedrohung der Menschheit. Der massive Ausstoß von Treibhausgasen lässt die globalen Temperaturen steigen. Der Anstieg führt zu häufigeren und heftigeren Dürren, Stürmen, Überschwemmungen und Waldbränden. Die Verantwortung für die längst spürbaren Folgen der Erdüberhitzung liegt bei den großen Industrie- und Schwellenstaaten. Die 20 größten unter ihnen, die G20, stoßen mehr als 80 Prozent der weltweiten Treibhausgase aus.

Um den CO2-Ausstoß rasch zu senken, müssen vor allem die G20 ihre Energieversorgung schnell von Kohle, Öl und Gas auf saubere Erneuerbare Energien umstellen. Nur so ist das Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen, den globalen Temperaturanstieg bei 1,5 Grad zu stabilisieren. Deutschland hält derzeit den Vorsitz der G20 und hat den Klimaschutz dabei zu einem Kernthema erklärt. Die Einschätzung teilen nicht alle: US-Präsident Trump hatte das Ausscheiden seines Landes aus dem Pariser Klimavertrag bereits angekündigt. Das Treffen am 7. und 8. Juli in Hamburg endete mit einem Bekenntnis der verbliebenen G19 zum längst unterzeichneten Klimaschutzabkommen. Weitere Schritte wurden nicht vereinbart.

DEUTSCHLAND NUR BEDINGT VORBILD

Öffentlich präsentiert sich Deutschland als Vorreiter beim Klimaschutz. Tatsächlich hat die Energiewende eindrucksvoll gezeigt, dass ein Industrieland innerhalb weniger Jahre aus der Atomenergie aussteigen und die Erneuerbaren Energien ausbauen kann – ohne damit die Energieversorgung unsicher zu machen. Inzwischen decken klimafreundliche Erneuerbare knapp ein Drittel unseres Strombedarfs und haben auf dem Weg zu immer neuen Rekorden Hunderttausende neuer Jobs geschaffen.

Doch die Erfolge der Energiewende hinterlassen in der deutschen Klimabilanz keine Spuren. In den vergangenen acht Jahren ist Deutschlands CO2-Ausstoß nicht gesunken. Ein Grund dafür: Deutschland ist Braunkohle-Weltmeister. In keinem anderen Land wird so viel Braunkohle abgebaut und verfeuert wie in Deutschland. 40 Prozent des deutschen Stroms werden mit Kohle erzeugt, der größte Teil sogar mit Braunkohle, dem klimaschädlichsten aller fossilen Energieträger. Weil der schmutzige Kohlestrom hier immer seltener gebraucht wird, exportieren die Betreiber der Kraftwerke ihn immer häufiger ins Ausland. Die Bundesregierung schaut zu, wie die Kohlebranche Deutschland um die Früchte der Energiewende bringt.

Der zweite Bremsklotz beim Klimaschutz ist der Verkehr. Während Deutschland insgesamt seit 1990 etwa 28 Prozent weniger Treibhausgase produziert, hat sich im Verkehr in dieser Zeit rein gar nichts getan. Deutsche Autobauer klammern sich weiter an den Verbrennungsmotor und weigern sich, saubere Mobilitätsformen voranzubringen. Um Klimaschutz wirksam anzutreiben und dabei endlich die Luft in deutschen Großstädten zu verbessern, muss die Zahl der Autos auf Deutschlands Straßen drastisch sinken. Nur so kann die Bundesregierung auch international glaubhaften Klimaschutz vertreten.

>>> In Deutschland führt kein Weg an einem Kohleausstieg  und einer Verkehrswende vorbei. Fordern Sie daher von Bundeskanzlerin Merkel einen verbindlichen Fahrplan und ein Gesetz für den vollständigen und sozialverträglichen Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohleverstromung bis spätestens 2030 und das Ende des Verbrennungsmotors bis 2035.

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Häufig gestellte Fragen

  • Warum sind die G20 so wichtig im Kampf gegen die Erderhitzung?

    Die G20 bestehen aus 19 Ländern und einem Staatenbund, der Europäischen Union. Sie sind die wichtigsten Wirtschaftsmächte der Welt – dementsprechend hoch ist ihr Energiebedarf. Die G20 sind für 80 Prozent des weltweiten Ausstoßes klimaschädlicher Treibhausgase verantwortlich. Soll die Klimaerwärmung unter den kritischen zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau bleiben, müssen diese Länder den Ausstieg aus fossilen Energien vorantreiben – viel entschiedener als sie es bislang tun.

  • Was ist mit dem Slogan „Planet Earth First“ gemeint?

    Der Spruch bezieht sich auf US-Präsident Trumps Maxime „America First“. Greenpeace kritisiert die Abschottungspolitik der US-Regierung und fordert eine intensive internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen die Erderhitzung. Der Planet muss an erster Stelle stehen – keine nationalen Interessen.

  • Kann die Erderhitzung ohne die Mitarbeit der USA überhaupt aufgehalten werden?

    Die USA sind nicht Trump: Viele Bundesstaaten, Städte und große Unternehmen haben bereits zugesichert, die Bestimmungen des Pariser Klimavertrags zu achten – selbst wenn Trump sich entscheidet, aus dem Abkommen auszusteigen. Wenn die Weltgemeinschaft sich nicht beirren lässt, dann lassen sich ein paar Jahre Verzögerung beim amerikanischen Klimaschutz verschmerzen. 

  • Ist das Elektroauto die Lösung für unsere Mobilitätsprobleme?

    Elektroautos sind nicht umweltfreundlicher als übliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Ihre Abgase entstehen nur nicht am Auspuff, sondern kommen aus dem Kraftwerksturm. Ohne erfolgreiche Energiewende bringen Elektroautos kein Plus fürs Klima. Dazu kommt, wenn auch das E-Auto irgendwann mit grünem Strom fährt, verstopft es die Stadt genau so wie ein Wagen mit Verbrenner. Auch E-Autos erzeugen Lärm, stellen eine Unfallgefahr dar und bieten keine Mobilität für alle, die nicht Auto fahren dürfen.

  • Forderungen

    • Ein klares Signal der G20 für eine beschleunigte Umsetzung des Pariser Klimaabkommens
    • Geschlossenheit und Entschiedenheit der Staatengemeinschaft, das Pariser Abkommen gegebenenfalls auch ohne die USA zeitnah umzusetzen
    • Detaillierte Langfrist-Pläne der G20-Staaten zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Erdgas innerhalb des nächsten Jahres

    Publikationen

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