Jetzt spenden
Protest on Crane Calling for Energy Independence at Chancellery in Berlin
© Greenpeace

Klimaschutzprogramm: Klimaschutz geht anders

Position Spendenbar am unteren Rand
Aus

Am 25. März 2026 entschied das Kabinett über das Klimaschutzprogramm, das dem - eh schon abgeschwächten  - Klimaschutzgesetz so etwas wie einen Hauch von Leben geben soll. Für echten Klimaschutz müssten die Anstrengungen aber deutlich größer sein. 

Eigentlich zeigt es sich derzeit so klar wie selten: Fossile Energien erzeugen Abhängigkeiten. Egal ob Öl aus der Golfregion, festhängend in der Straße von Hormus, Gas aus Russland oder LNG aus wankelmütigen USA - auf fossile Energien zu setzen zementiert Zwänge, und das völlig unnötigerweise. Denn mit dem konsequenten Ausbau von erneuerbaren Energien und E-Mobilität gewönne Deutschland Energieunabhängigkeit und somit Freiheit. 

Dabei zeigen die jüngsten CO2-Daten und -Prognosen, dass sich das Tempo beim Senken der Emissionen ab diesem Jahr deutlich beschleunigen muss, wenn Deutschland seine Klimaziele schaffen will. Laut der jüngsten CO2-Bilanz des Umweltbundesamts (UBA) sank der Ausstoß klimaschädlicher Gase in Deutschland 2025 um gerade einmal 0,9 Millionen Tonnen. 

Am 25. März 2026 beschloss das Bundeskabinett das von Bundesumweltminister Carsten Schneider vorgelegte Klimaschutzprogramm. Vorgesehen sind 67 Maßnahmen, die im Jahr 2030 mehr als 25 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich einsparen sollen. So könnte das Klimaziel knapp erreicht werden. Geplant sind unter anderem ein stärkerer Ausbau der Windenergie an Land, was zu begrüßen ist. 

Kurz erklärt: KSP - KSG

Was ist der Unterschied zwischen Klimaschutzgesetz und Klimaschutzprogramm?

Text

Das Klimaschutzgesetz (KSG) und das Klimaschutzprogramm (KSP) erfüllen unterschiedliche Rollen: Das KSG ist der rechtlich verbindliche Rahmen, das KSP die konkrete Umsetzung. Im Gesetz sind die Klimaziele Deutschlands (zum Beispiel Treibhausgasneutralität bis 2045), Zuständigkeiten und Kontrollmechanismen festgelegt. Es sagt allerdings noch nicht, mit welchen Maßnahmen diese Ziele erreicht werden sollen. Die werden im Klimaschutzprogramm beschrieben, mit den Schwerpunkten Verkehr, Gebäude und Energie.

Kritik gibt es an beiden Instrumenten: Greenpeace bemängelt das Klimaschutzgesetz als zu wenig ambitioniert und nach Reformen im Wesentlichen entkernt. Das Klimaschutzprogramm von 2023 musste nun überarbeitet werden, weil es nach Einschätzung von Expert:innen, Umweltverbänden und Gerichten nicht ausreichte, um die gesetzlich festgelegten Ziele zu erreichen. Das Bundesverwaltungsgerichts bestätigte im Januar 2026 ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg, dass die Maßnahmen der Bundesregierung nicht ausreichen, um das Klimaziel 2030 zu erreichen. Das sieht vor, die CO2-Emissionen um mindestens 65 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu verringern.

Porträt von Martin Kaiser, Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland

Martin Kaiser

geschäftsführender Vorstand von Greenpeace Deutschland

„Dieses Klimaschutzprogramm wird seine Klimawirkung nur entfalten, wenn die Energiewende nicht an anderer Stelle von der Bundeswirtschaftsministerin ausgebremst wird. Im Verkehr fehlen längst überfällige Schritte wie ein Tempolimit. Das allein könnte jetzt sofort mehr CO2 einsparen als alle heute beschlossenen Verkehrsmaßnahmen im Jahr 2030 zusammen. Es ist auch völlig unverständlich, warum die Bundesregierung jetzt nicht konsequent den Ausstieg aus fossilen Gasheizungen und Verbrenner-Autos vorantreibt. Sondern im Gegenteil sogar noch ausbremst.
Porträt von Martin Kaiser, Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland
Zitat
“Dieses Klimaschutzprogramm wird seine Klimawirkung nur entfalten, wenn die Energiewende nicht an anderer Stelle von der Bundeswirtschaftsministerin ausgebremst wird. Im Verkehr fehlen längst überfällige Schritte wie ein Tempolimit. Das allein könnte jetzt sofort mehr CO2 einsparen als alle heute beschlossenen Verkehrsmaßnahmen im Jahr 2030 zusammen. Es ist auch völlig unverständlich, warum die Bundesregierung jetzt nicht konsequent den Ausstieg aus fossilen Gasheizungen und Verbrenner-Autos vorantreibt. Sondern im Gegenteil sogar noch ausbremst.
Zitatinhaber, Vorname Nachname
Martin Kaiser
Position des Zitatinhabers
geschäftsführender Vorstand von Greenpeace Deutschland
Kreisförmiges Bild
An

Derzeit geplante Rückschritte beim Klimaschutz, etwa durch die Abschaffung des Heizungsgesetzes oder das Festhalten an Verbrenner-Autos, stehen im krassen Widerspruch zu allen Klimaschutzbemühungen und sind in der derzeitigen Bilanz noch gar nicht berücksichtigt. Die Bereiche Gebäude und Verkehr hängen besonders weit zurück: Die Emissionen sind hier zuletzt weiter gestiegen. Zu den ebenso verpflichtenden Ziele für 2040 äußerte sich das vorgelegte Klimaschutzprogramm derzeit noch gar nicht. Vor genau fünf Jahren hatte das Bundesverfassungsgericht in einem historischen Klimaurteil festgestellt, dass zu zögerliche Klimaschutzmaßnahmen die Freiheitsrechte junger Generationen unzulässig beschneidet. 

Klimaschutzgesetz 2024 total abgeschwächt

Eigentlich war das Klimaschutzgesetz die größte klimapolitische Errungenschaft der SPD. Doch hate dann bereits die Regierung von Olaf Scholz es brutal zurechtgestutzt und  beim Klimaschutz in den Rückwärtsgang geschaltet. Die vorher verbindlichen Ziele im Klimaschutz für Bereiche wie Verkehr, Industrie oder Gebäude wurden gestrichen. Auch die jährliche Überprüfung wurde aufgeweicht: Nur noch alle zwei Jahre muss nachgesteuert werden, wenn CO2-Ziele nicht erreicht werden. Damit fehlt die Verpflichtung in Problemsektoren wie dem Verkehr oder bei Gebäuden, vor 2030 zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen auf den Weg zu bringen. Dabei hat jede Untätigkeit heute zur Folge, dass im kommenden Jahrzehnt weit drastischere Maßnahmen umgesetzt werden müssten, um die mittel- und langfristigen Klimaziele Deutschlands doch noch zu erreichen. Diese Ungleichverteilung zulasten jüngerer Generationen führte 2021 dazu, dass das Bundesverfassungsgericht nach einer Klage von Greenpeace die erste Fassung des KSG für verfassungswidrig erklärt hatte.

Porträt von Martin Kaiser, Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland

Martin Kaiser

geschäftsführender Vorstand von Greenpeace Deutschland

„Das entkernte Klimaschutzgesetz ist ein herber Rückschlag für den Schutz des Klimas. Da aber die EU-Ziele trotzdem verbindlich sind, drohen den deutschen Steuerzahlenden ab 2027 Milliardenstrafen, wenn die Politik keine wirksamen Maßnahmen beim Klimaschutz ergreift.“
Porträt von Martin Kaiser, Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland
Zitat
„Das entkernte Klimaschutzgesetz ist ein herber Rückschlag für den Schutz des Klimas. Da aber die EU-Ziele trotzdem verbindlich sind, drohen den deutschen Steuerzahlenden ab 2027 Milliardenstrafen, wenn die Politik keine wirksamen Maßnahmen beim Klimaschutz ergreift.“
Zitatinhaber, Vorname Nachname
Martin Kaiser
Position des Zitatinhabers
geschäftsführender Vorstand von Greenpeace Deutschland
Kreisförmiges Bild
An

Online-Mitmachaktion

https://act.greenpeace.de/protestmail-gaskosten-falle

Raus aus der Gaskosten-Falle

Schluss mit der Gasabhängigkeit! Ein abgeschwächtes Heizungsgesetz ruiniert unsere Klimaziele und treibt Verbraucher:innen in eine Kostenfalle. Das müssen wir verhindern! Appellieren Sie jetzt an Ihre Abgeordneten von CDU/CSU und SPD, damit sie eine sozial-gerechte Wärmewende verteidigen!

Protestmail senden
Protest on Crane Calling for Energy Independence at Chancellery in Berlin

Mehr zum Thema

Kajaks, Kanus und Schwimmer:innen im Wasser, auf einem schwimmenden Banner steht: Klimakrise ist Fluchtgrund!

Wenn die Klimakrise zur Flucht zwingt

Klimawandel und Umweltzerstörung sind schon heute oft ein Auslöser für Flucht und Abwanderung. Kürzungen bei der Entwicklungshilfe verschärfen das Problem. Es ist Zeit, zu handeln!

mehr erfahren über Wenn die Klimakrise zur Flucht zwingt
Flut in Günzburg 2.6.24

Extremwetter - Wetterextreme

Überschwemmungen, Stürme und Dürren werden immer schlimmer. Im Sommer 2024 versank Europa mehrfach in sogenannten „Jahrhundertfluten“, die Zahl der Hitzetoten steigt. Die Klimakrise ist längst da.

mehr erfahren über Extremwetter - Wetterextreme
Protest vor dem AWS-Summit

AWS & Co.: Die Macht hinter der Cloud

Wer die Cloud kontrolliert, kontrolliert uns alle. Greenpeace fordert faire Standards für digitale Infrastruktur – für Klima und Demokratie.

mehr erfahren über AWS & Co.: Die Macht hinter der Cloud
Floods in Homa Bay County in Kenya

Riesige Klimaschäden durch Superreiche

Neuer Greenpeace-Report: 0,01 Prozent der reichsten Menschen der Welt erzeugen durch ihre Investitionen Klimaschäden von 1.000 Milliarden US-Dollar. Wie Superreiche die Klimakrise massiv verschärfen.

mehr erfahren über Riesige Klimaschäden durch Superreiche
Hitzewelle in Bordeaux, Frankreich, Sommer 2020: Menschen spazieren im Wasser.

7 Tipps gegen die Hitze

Die Klimakrise ist da, die Sommer werden immer heißer. Vor allem Städte werden im Sommer oft zu glühenden Backöfen. Hier ein paar Tipps, wie unsere Städte und wir besser durch die heißen Tage kommen.

mehr erfahren über 7 Tipps gegen die Hitze
Links: Korallenbleiche, rechts: Die Korallen vor der Bleiche

El Niño und die Klimakrise

Durch die zu erwartende El-Niño-Periode könnten 2026/27 die mit Abstand heißesten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden. Was das bedeutet.

mehr erfahren über El Niño und die Klimakrise