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Borkum Gas Project - Beluga Protest at Sea
© Greenpeace

Gas zerstört!

Neue fossile Projekte bedrohen Klima, Meere und Umwelt

Deutschlands aktuelle Gaspolitik fördert neue fossile Projekte. Eins im Wattenmeer vor Borkum, andere vor Senegal oder vor Australien. Dabei gefährden Gasförderung und -verbrennung Klima und Umwelt.

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Gas zerstört – egal wo und wie es gefördert wird! Erdgas ist klima- und umweltschädlich und befeuert das Artensterben im Meer und an Land. Die aktuelle Gas-Politik der Bundesregierung gefährdet die Gesundheit unserer Meere und von uns Menschen. Denn sie sieht nicht nur vor, weiterhin Gas aus bestehenden Projekten zu importieren. Die Bundesregierung unterstützt auch die Erschließung neuer Erdgasfelder – sowohl in Deutschland als auch im Ausland. 

Rund zwanzig Kilometer nordwestlich der Nordseeinsel Borkum, in unmittelbarer Nähe zum UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer, will das niederländische Unternehmen ONE-Dyas ein neues Erdgasfeld erschließen. Der vorgesehene Standort der Produktionsplattform befindet sich etwa 500 Meter entfernt von der deutschen Grenze auf niederländischer Seite und in unmittelbarer Nähe zu mehreren Naturschutzgebieten. Schon in diesem Jahr starten die Vorbereitungen für das Projekt. Ab Ende 2024 will ONE-Dyas hier Gas aus insgesamt zwölf Bohrungen fördern – sowohl auf niederländischem als auch auf deutschem Hoheitsgebiet. In einer ersten Phase plant der Konzern, 4,5 bis 13 Milliarden Kubikmeter Gas zu fördern. Durch die Verbrennung würden bis zu 26 Millionen Tonnen CO2 entstehen, was in etwa den jährlichen Emissionen von Rheinland-Pfalz entspräche. 

Franziska Salmann
“Wir können uns keine neuen Gasprojekte mehr leisten. Die Pläne von ONE-Dyas sind nicht nur eine weitere, massive Bedrohung für das Klima, sondern auch für die Artenvielfalt in der Nordsee. Der Lärm der Bauarbeiten und die Verschmutzung durch den Betrieb solcher Plattformen bringt Robben, Schweinswale und viele weitere Lebewesen in Gefahr.”

Franziska Saalmann

Meeresbiologin von Greenpeace

Franziska Salmann
Zitat
“Wir können uns keine neuen Gasprojekte mehr leisten. Die Pläne von ONE-Dyas sind nicht nur eine weitere, massive Bedrohung für das Klima, sondern auch für die Artenvielfalt in der Nordsee. Der Lärm der Bauarbeiten und die Verschmutzung durch den Betrieb solcher Plattformen bringt Robben, Schweinswale und viele weitere Lebewesen in Gefahr.”
Zitatinhaber, Vorname Nachname
Franziska Saalmann
Position des Zitatinhabers
Meeresbiologin von Greenpeace

Im April 2023 haben die von Greenpeace beauftragten Forschungstaucher:innen der Firma Submaris in der Nähe der geplanten Bohrstelle auf niederländischer Seite und in unmittelbarer Nähe der Kabeltrasse zum Windpark Riffgat auf deutscher Seite stark bewachsene Steine aufgefunden. Drei der vier untersuchten Flächen waren bisher noch nie wissenschaftlich untersucht worden, dabei wären sie unmittelbar von den Gasbohrungen vor Borkum betroffen. Bildauswertungen und Laboranalysen haben ergeben: Die Gebiete sind besonders. Es konnten mindestens 88 Tierarten bestimmt werden, von denen etwa jede fünfte auf der deutschen Roten Liste für bedrohte Arten steht. Zum Beispiel der stark gefährdete Europäische Hummer, die gefährdete Weichkoralle "Tote Mannshand" und verschiedene Anemonen. Das Gutachten zu den Tauchgängen belegt außerdem, dass die neu entdeckten Steinriffe die Kriterien für gesetzlich geschützte Biotope (FFH-Lebensraumtypen Riffe) erfüllen.

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Bedrohte Artenvielfalt: Hier soll gebohrt werden

  • Seenelke an einem Steinriff vor Borkum

    Seenelke an einem Stein vor Borkum

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  • tote Mannshand und Hummer an Riff vor Borkum

    Tote Mannshand und Hummer

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  • Europäischer Hummer greift nach der Kamera des Tauchers

    Ein neugieriger Europäischer Hummer greift nach der Kamera

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  • Tauchende an Riff vor Borkum

    Forschungstaucher:innen von Submaris untersuchen den Meeresboden

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  • Drohnenfoto des Greenpeace-Bootes Beluga mit Schlauchboot

    Taucher:innen machen sich per Schlauchboot vom Greenpeace-Schiff Beluga aus auf den Weg

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Greenpeace-Recherche zur Schadstoffausbreitung

Eine Simulation mit Bojen zeigt, dass im Falle einer Havarie an der geplanten Bohrplattform vor Borkum austretende Schadstoffe, wie zum Beispiel Schwermetalle und aromatische Kohlenwasserstoffe sehr wahrscheinlich Schutzgebiete und schützenswerte Steinriffe verunreinigen würden. Um das herauszufinden, haben Greenpeace-Rechercheur:innen drei frei schwimmende Bojen mit GPS-Sendern ausgestattet und an der geplanten Bohrstelle N05a ausgesetzt. Um den Einfluss der Gezeiten zu berücksichtigen, wurden die Bojen bei Niedrig- und Hochwasser, sowie zwischen den Tiden in die Nordsee ausgebracht. Auch wenn Bojen sich anders verhalten als Schadstoffe oder Sedimentwolken, so lässt sich aus der Simulation dennoch ableiten, welche Strömungen zum Zeitpunkt der Untersuchung an der Oberfläche vorherrschen. Die Strömungsverhältnisse können sich mit den Wetterverhältnissen je nach Jahreszeit verändern. In Nähe des Meeresbodens herrschen zum Teil. andere Strömungen als an der Wasseroberfläche.

Die Strömung trieb alle drei Bojen nach spätestens 48 Stunden zum Naturschutzgebiet Borkum Riffgrund, nordöstlich der geplanten Bohrstelle. Zwei von drei Bojen landeten bereits nach 24 Stunden bei einem Steinriff in der Nähe des Windparks Riffgat. Das widerspricht den Angaben des niederländischen Unternehmens One-Dyas. Dieses hat in einer Umweltverträglichkeitsprüfung angegeben, die benachbarten Naturschutzgebiete und das UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer könnten nicht durch erhöhte Schadstoffkonzentrationen gefährdet werden. Die Greenpeace-Simulation weist nun allerdings auf, dass diese Behauptung sich nicht halten lässt. 

Doch nicht nur in einem Unfallszenario wären die Naturschutzgebiete vor Borkum gefährdet. Auch im Normalbetrieb können Auffang- und Filtermaßnahmen nicht alle toxischen Stoffe wie Benzol, Naphtalin, Cadmium und Quecksilber aufhalten. Über die Dauer des geplanten Produktionszeitraums von 15 bis 35 Jahren können auch geringe Schadstoffkonzentrationen Flora und Fauna schädigen.

Grafik Ausbreitung der Bojen Bohrstelle Borkum

Ausbreitungssimulation von Schadstoffen vor Borkum mit Hilfe von GPS-Peilsendern. Die Karte zeigt eine mögliche Schadstoffausbreitung im Falle einer Havarie vor Borkum. Alle drei Bojen wurden an der geplanten Bohrstelle N05a ausgesetzt: Boje 22431 - 6. September - 15:30h - N53°41.191' E06°21.756' Boje 22493 - 7. September - 13:26h - N53°41.125' E006°21.517' Boje 22497 - 8. September - 12:34h - N53°41.151' E006°21.634'

Gericht verlängert Bohrstopp

Nachdem die DUH, BI saubere Luft Ostfriesland und MOB am 25. April mit einer einstweiligen Verfügung einen ersten Teilerfolg erzielt haben, folgt nun der nächste: Die Rechtbank Den Haag hat am 28. September entschieden, dass One-Dyas vorerst bis Ende Januar nicht mit den Bohrarbeiten beginnen darf. Greenpeace stand den Klagenden mit Sachverständigen vor Gericht zur Seite. Sowohl die Greenpeace-Recherche zur Schadstoff-Ausbreitungs-Simulation als auch das Gutachten über die von Greenpeace entdeckten Riffe sind in das Verfahren eingeflossen. Ursprünglich plante der Konzern, bereits im Mai eine Bohrplattform vor Borkum zu installieren. An den Plänen von ONE-Days ändert das langfristig erst mal nichts. Deswegen bleibt Greenpeace am Thema dran.

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Niedersächsische Gaspolitik gefährdet das Wattenmeer

Der niedersächsische Landtag hatte dem Vorhaben 2021 zunächst die Zustimmung verweigert, da es mit den eigenen Meeres- und Klimaschutzielen nicht vereinbar sei. Nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine war die Angst einer drohenden Gasmangellage offenbar größer, als die Sorge um eine intakte Umwelt: der Beschluss wurde revidiert. Dabei ignoriert die Landesregierung, dass Deutschland dieses Gas nicht für seine Energieversorgung braucht: Die jährliche Menge an Gas, die vor Borkum gefördert werden könnte, ist vernachlässigbar klein. Nicht einmal ein Prozent des derzeitigen jährlichen Gasbedarfs könnte Deutschland hierdurch zur Verfügung gestellt werden.
Alle zuständigen niederländischen Behörden haben dem Projekt bereits grünes Licht gegeben. Gegen diese Genehmigungen liegen allerdings noch Klagen der Deutschen Umwelthilfe (DUH), der Bürgerinitiative Saubere Luft Ostfriesland und Mobility For The Environment (MOB) und von Inselgemeinden vor. 

Auf deutscher Seite läuft derzeit das Planfeststellungsverfahren beim Niedersächsischen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). Auch dagegen haben Umweltverbände und betroffene Inserbewohner:innen zahlreiche Einwände erhoben und fordern das Amt auf, den Antrag abzulehnen. Die Entscheidungshoheit über das Vorhaben liegt bei der niedersächsischen Landesregierung. Das von Greenpeace veröffentlichte Rechtsgutachten “Gasbohrung vor Borkum rechtswidrig” kommt allerdings zu dem Schluss, dass die Bohrungen nicht mit Klima- und Meeresschutz vereinbar und somit nicht genehmigungsfähig sind. Die Regierung handelt demnach rechtswidrig, wenn sie das neue Gasprojekt in der Nordsee zulässt.

Auch in N04-A keine Bohrungen!

Benachbartes Meeresgebiet, gleiches Problem: Auch im Erdgasfeld “N04-A” will der Energiekonzern OneDyas nach Gas bohren, eine Gasbohrplattform soll gerade installiert werden. Dagegen protestieren Greenpeace-Aktivist:innen in der Nacht vom 12. Auf den 13. Juni. Anfang Mai hatte die niederländische Regierung die Genehmigung für Bohrungen in diesem Meeresgebiet rund 35 Kilometer vor Borkum kurz hinter der niederländischen Grenze erteilt. Geplante Probebohrungen im nur etwa 12 Kilometer weiter südlich gelegenen Erdgasfeld “N05-A” hatte ein niederländisches Gericht im April vorerst gestoppt, auf deutscher Seite läuft derzeit noch ein Genehmigungsverfahren.

Gemeinsamer Protest

Am 18. Juni 2023 haben sich gut 400 Personen - von Baby bis 96 Jahren -  am Borkumer Strand versammelt und gegen die geplanten Gasbohrungen vor Borkum demonstriert. Unterstützt wurden Borkumer:innen und Greenpeace dabei von jeder Menge Menschen aus der umliegenden Region, Tourist:innen und vielen weiteren Umweltschützenden. Gemeinsam bildeten die Protestierenden ein Menschenbild: Auf etwa einigen hundert Metern Länge und Breite formten sie zunächst einen Bohrturm, der sich in eine Sonne verwandelte. Doch nicht nur im hohen Norden stößt One-Dyas auf widerwillen: Nach einer von Greenpeace beauftragten repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar Public lehnen zwei Drittel der Deutschen die Genehmigung der Gasbohrungen vor Borkum ab. Etwa genauso viele sind besorgt darüber, dass die Bohrungen Natur und Artenvielfalt vor der Nordseeinsel zerstören könnten und halten sie für unvereinbar mit den deutschen Klimaschutzzielen.

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Aktion am 3. Mai in Hannover

  • Protest gegen Gasbohrungen vor Borkum am Landtag von Niedersachsen

    Niedersachsens Landtag bekommt Besuch: Am Mittwoch, 3. Mai 2023, verhängen Greenpeace-Aktive die Fenster des Plenarsaales mit riesigen Bannern und fordern "Gasbohrungen vor Borkum stoppen" und "No new Gas!".

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  • Protest gegen Gasbohrungen vor Borkum am Landtag von Niedersachsen

    Die Umweltschützer protestierten gegen die Pläne der Landesregierung, in einem ökologisch wertvollen Gebiet zwischen Borkum und Schiermonnikoog Gasbohrungen zu erlauben. Zumal weitere Gasprojekte schon allein mit Blick auf die Klimaziele nicht mehr genehmigt werden dürften.

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  • Bilder vom bedrohten Riff vor dem Landtag in Niedersachsen

    Nur Tage davor hatten Greenpeace-Taucher die zerbrechliche Schönheit des bedrohten Riffs dokumentiert. Ein Gutachten, das zeigt, wie schützenswert das Gebiet ist, war zuvor auf seltsame Weise von der Bildfläche der Landespolitik verschwunden.

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  • Greenpeace mit Umweltminister Christian Meyer vor dem Landtag in Niedersachsen

    Vor dem Landtag kam es zu spannenden Diskussionen. Hier spricht Greenpeace-Kampagnerin Anike Peters mit dem grünen Umweltminister von Niedersachsen, Christian Meyer.

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  • Greenpeace mit Wirtschaftsminister Olaf Lies vor dem Landtag in Niedersachsen

    Auch Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) kam an den Umweltschützer:innen nicht ohne Diskussionen vorbei.

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  • Kein neues Gas: Plenarsaal in Hannover mit Greenpeace-Bannern

    Von außen und innen: Die Botschaft ist deutlich.

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  • Kein neues Gas: Plenarsaal in Hannover mit Greenpeace-Bannern

    So kamen die Gasborungen als Thema auf die Tagesordnung im Plenarsaal in Hannover. Mit Erfolg: Nun soll die Sache erst mal gründlich untersucht werden. Ein Gericht verhängte einen einstweiligen Bohrstopp.

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Petition

https://act.greenpeace.de/industriegebiet-meer

Artenschutz statt Ausbeutung

Die grenzenlose Zerstörung unserer Ozeane ist in vollem Gange. Zum Schutz der Artenvielfalt und des Klimas müssen wir den industriellen Raubbau endlich stoppen. Fordern Sie mit uns klaren und konsequenten Meeresschutz!

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Auf deutscher Seite läuft derzeit das Planfeststellungsverfahren beim Niedersächsischen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). Auch dagegen haben Umweltverbände und betroffene Inserbewohner:innen zahlreiche Einwände erhoben und fordern das Amt auf, den Antrag abzulehnen. Die Entscheidungshoheit über das Vorhaben liegt bei der niedersächsischen Landesregierung.

Überdimensionierter Ausbau der LNG-Infrastruktur

Seit kein Erdgas aus Russland mehr nach Deutschland fließt, boomen hierzulande die Importe von Flüssiggas (LNG) aus aller Welt und der Ausbau der LNG-Infrastruktur wird massiv vorangetrieben. Drei neue LNG-Terminals sind 2022 an deutschen Küsten ans Netz gegangen, acht weitere sollen folgen.Der Greenpeace-Report “Der Gaskanzler” zeigt auf, wie Olaf Scholz Deutschland mit seiner Gaspolitik in neue fossile Abhängigkeiten treibt, weltweit Deals über Gas-Importe schließt und damit wirksamen Klimaschutz verhindert. Dabei offenbaren mehrere Studien zur Gasversorgung, unter anderem des New Climate Institute und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), dass die geplanten Kapazitäten Deutschlands heutigen Gasbedarf bei Weitem übersteigen. Das derzeit geltende LNG-Beschleunigungsgesetz erlaubt einen nahezu uneingeschränkten Betrieb der neuen und geplanten LNG-Terminals bis Ende 2043.

Die Gaslobby rechtfertigt den massiven Ausbau mit blumigen Versprechen, dass alles irgendwann “H2-ready” sei, in Zukunft also alles auf “grüne” Gase – allen voran Wasserstoff – umstellen werde. Dass diese neuen Narrative größtenteils Greenwashing und die meisten Zukunftsversprechen nichts als Scheinlösungen sind, fasst der von Greenpeace beauftragte Report "LNG-Wasserstoff-CCS" zusammen. 

So hält die Bundesregierung weiter am Bau eines riesigen Flüssiggasterminals vor Rügen fest, aus dem sich selbst der Energiekonzern RWE kürzlich als Dienstleister zurückgezogen hat. Und der Staatskonzern Uniper plant einen so genannten Energy-Hub in Wilhelmshaven. Gegen beide Projekte gibt es massive Proteste von Umweltverbänden und lokaler Bevölkerung.

Dieser neue Gasboom ist mit dem selbst gesteckten Klimaziel, bis 2045 Klimaneutralität für Deutschland zu erreichen, nicht vereinbar. Das gilt nicht nur für den Ausbau der fossilen Infrastruktur hierzulande: Auch die Ankündigungen von Bundeskanzler Olaf Scholz, die Erschließung eines neuen Gasfeldes vor der Küste Senegals mitzufinanzieren – das in unmittelbarer Nachbarschaft zum größten Kaltwasserkorallenriff der Welt liegt – und später von dort LNG zu beziehen, laufen den eigenen Klimazielen entgegen.

Gas ist extrem klimaschädlich!

Fossiles Erdgas besteht hauptsächlich aus Methan, chemisch CH4. Methan erhitzt das Klima über 20 Jahre etwas 84 mal stärker als CO2, ist also viel klimaschädlicher. Aus Methanleckagen an Bohrstellen, beim Transport oder aus undichten Stellen in Pipelines entweicht es über die gesamte Lieferkette in großen Mengen in die Atmosphäre. Die CO2- Emissionen bei der Verbrennung kommen als zusätzliche Klimabelastung noch obendrauf. Erdgas ist damit ein echter Klimakiller, dessen Förderung weltweit schleunigst ein Ende haben sollte.

RWE und Staatskonzern Uniper an Riffzerstörung vor Australien beteiligt

Fernab der deutschen Öffentlichkeit wollen die deutschen Konzerne RWE und Uniper zudem Gas von einem der größten und klimaschädlichsten fossile Projekte in der Geschichte Australiens kaufen. Wie in der Nordsee vor Borkum ist auch hier eine einzigartige Meeresumwelt in Gefahr. Der australische Energiekonzern Woodside plant mit dem “Burrup Hub” vor der Küste Westaustraliens nach heutigem Stand bis zu 84 Bohreinheiten in mehr als 900 Meter Tiefe. Hunderte Kilometer Pipelines sollen durch artenreiche Rifflandschaften und die Wanderrouten von gefährdeten Walen verlegt werden. Auch hier befinden sich Meeresschutzgebiete und UNESCO-Weltnaturerbe in unmittelbarer Nähe, die Lebensräume für Meeresschildkröten, Seekühe, Walhaie, Korallen und viele andere besonders schützenswerte Lebewesen sind. Uniper und RWE haben jeweils Abnahmeverträge mit Woodside geschlossen und sind derzeit die Hauptabnehmer des künftig zu fördernden Gases. Das erste Gas soll frühestens ab 2026 zur Verfügung stehen. Beide Unternehmen betonen öffentlich gerne ihre Bemühungen um den Klimaschutz und die selbsterklärten Ziele zur CO2-Neutralität bis 2035 (Uniper) bzw. 2040 (RWE). Die Unternehmen können ihre Versprechen nur halten, wenn sie sämtliche Investitionen aus neuen fossilen Projekten abziehen und ausschließlich in den Ausbau der erneuerbaren Energien umlenken. Die Bundesregierung hat Uniper  Ende 2022 verstaatlicht und damit vor der Pleite gerettet. Damit steht die Bundesregierung hier in der besonderen Verantwortung, Klima- und Umweltschäden durch das Unternehmen zu verhindern.

Ob im Wattenmeer, an australischen Korallenriffen oder vor der Küste  Senegals: Jedes neue Erdgasprojekt schafft neue Abhängigkeiten, kettet uns über weitere Jahrzehnte an schmutzige fossile Energieträger und bremst die Energiewende aus. Weltweit muss daher Schluss sein mit der Erschließung neuer Gasquellen. Deutschland muss sich bis 2035 komplett von fossilen Energien unabhängig machen. Das heißt auch, dass neue Gasbohrungen wie vor Borkum oder feste Flüssiggas-Terminals gestoppt werden müssen. Sichere und saubere Energie gibt es nur aus 100 Prozent erneuerbaren Quellen.

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Häufig gestellte Fragen zur Gasförderung vor Borkum

Was für Pläne zur Förderung von Gas in der Nordsee gibt es?

Etwa 20 km nordwestlich von Borkum will ONE-Dyas nach Gas bohren und eine neue Förderinfrastruktur aufbauen. Die Installation von Förderplattform und Pipeline werden in einem sensiblen Meeresschutzgebiet passieren, das sich in unmittelbarer Nähe (etwa 15 km entfernt) des UNESCO-Weltkulturerbes Wattenmeer befindet und besonderen Schutz genießen sollte. Schweinswale, Robben, Riffe und Seegraswiesen wären durch das Projekt in Gefahr. Darüber hinaus befeuern alle neuen fossilen Projekte die Klimakrise und zementieren den fossilen Lock-In.

 

Welche Auswirkungen haben die geplanten Gasbohrungen auf das Ökosystem Wattenmeer?

Pipelines und Stromtrassen werden am Meeresgrund verlegt, Bohrlöcher in den Boden gerammt – insbesondere artenreiche Steinriffe sind hier durch Vergrabunden und Sedimentaufwirbelungen bedroht. Die Bauarbeiten verursachen außerdem viel Lärm, der Meeressäugern wie Robben und den ohnehin in der Nordsee stark bedrohten Schweinswalen zusätzlichen Stress bereitet. 

Bei der Gasförderung selbst gelangen Abwässer ins Meer, die unter anderem Schwermetalle wie Quecksilber oder krebserregende Substanzen wie Benzol enthalten. Die Wasserqualität an der Emsmündung ist ohnehin durch die dort angesiedelte Industrie in keinem guten Zustand. Die zusätzliche Belastung hätte erhebliche negative Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt im Meer. Bei Unfällen wäre der Schadstoffeintrag noch gravierender.

 

Ist Gas klimafreundlich?

Nein, Gas ist nicht klimafreundlich und auch keine saubere Energiequelle. Das Image, Gas sei grün, ist überholt. Erdgas heizt das Klima gleich doppelt auf – durch Methaneinträge bei  Förderung, Speicherung und Transport des Gases sowie durch CO2-Emissionen bei der Verbrennung. 

Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas und ist extrem klimaschädlich. Jede Tonne Methan heizt die Erde über 20 Jahre betrachtet 84 mal so stark auf wie die gleiche Menge Kohlendioxid. Wie für alle fossilen Energiequellen gilt auch bei Erdgas: Wir müssen schnellstmöglich aussteigen, wenn wir die Klimaschutzziele von Paris noch einhalten wollen.

Was sind Alternativen zu Gas?

Anstatt weiterhin in die Infrastruktur fossiler Energieträger zu investieren und diese damit auch zukünftig zu stärken, sollten alle Investitionen ab sofort nur noch in Zukunftsenergien, also erneuerbare Energien, fließen. 

Bis Deutschland eine Energieversorgung mit 100 Prozent erneuerbaren Energien erreicht hat, können bereits bestehende Strukturen für Gasimporte, zum Beispiel aus Norwegen, genutzt werden. Neue Gasinfrastuktur sollte generell nicht mehr entstehen. Der Verbrauch von Gas muss dringend gesenkt werden. Hier kann vor allem bei der Sanierung von Gebäuden angesetzt, klare Ziele dafür formuliert und diese durch Förderungen umgesetzt werden.

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