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Raubbau am Wald ist Raub an den Menschen

Die tropischen Regenwälder sind nicht nur unersetzlich für das ökologische Gleichgewicht der Erde. Sie sind auch kulturelle und materielle Lebensgrundlage von Hunderten Millionen Menschen. Die Abholzung der Wälder bedroht massiv deren Existenz - und dies einzig um den unersättlichen Hunger der industrialisierten Länder nach Holz, Papier und Bodenschätzen wie Öl zu stillen.

Holz - auch heute noch einer der wichtigsten Rohstoffe der Menschheit - wird in großem Stil abgebaut. Jedes Jahr verschwinden 12 bis 15 Millionen Hektar Wald von der Erde - eine Fläche von der dreifachen Größe der Schweiz. Heute sind bereits 80 Prozent der ursprünglichen Wälder verloren. Beispiele für den Schaden, den die lokalen Bevölkerungen zu tragen haben, bieten die Länder Kamerun und Ecuador.

Die Regenwälder Kameruns gehören zum zweitgrößten zusammenhängenden tropischen Urwaldgebiet der Erde. Doch die Region ist akut bedroht. Begehrte Hölzer wie Bongossi, Bubinga oder Sapelli verlocken die Holzunternehmen zum großenteils illegalen Einschlag und landen als Gartenbänke oder Holzbrücken auf dem Markt.

Während die internationalen Holzfirmen aus dem illegalen Geschäft skrupellos ihren Profit schlagen, wird Kamerun immer ärmer. Dem Staat und der lokalen Bevölkerung werden Einkünfte in Millionenhöhe vorenthalten. Beim Bau der Straßen und dem Abholzen der Bäume werden zudem oft die Kakao- und Bananenplantagen der ansässigen Bauern zerstört. Auf eine angemessene Entschädigung warten sie vergebens. Da Kakaopflanzen einige Jahre brauchen, bevor sie Früchte tragen, sind viele der Bauern auf Jahre hinaus ihres Einkommens beraubt.

Darüber hinaus fallen dem Kahlschlag auch Bäume und andere Pflanzen zum Opfer, die den Dorfbewohnern als Apotheke dienen. Aus dem Regenwald gewinnen sie ihre Arzneien gegen Malaria und andere Krankheiten.

Nicht besser sieht es in Ecuador aus. In der Amazonasregion des Landes haben gut dreißig Jahre Ölförderung sichtbare Spuren hinterlassen. Um die Ölhauptstadt Lago Agrio, wo einstmals dichter Dschungel wuchs, gibt es heute über 90 Ölseen als Überbleibsel der Ölindustrie. Das Trinkwasser kann dort zum Teil nur noch aus Regenwasser gewonnen werden. Die Krebsrate in den verseuchten Gebieten ist steil angestiegen. Die Kriminalitätsrate ist immens hoch, Prostitution und Drogenmissbrauch sind an der Tagesordnung. Die Armut steigt kontinuierlich.

Bei Papallacta, wo am 8. April eine Ölpipeline brach, haben rund 300 Bauern ihre Lebensgrundlage verloren. Mit Krediten von Hilfsorganisationen hatten sie Forellenzuchtbecken gebaut, die mit dem Wasser des verseuchten Flusses gespeist wurden. Seit dem Bruch der Pipeline füllt reines Öl die Becken. Die Bauern stehen vor dem Ruin, eine Entschädigung ist nicht in Sicht. Niemand will für den Schaden aufkommen.

Trotzdem - und gegen den verständlichen Widerstand der lokalen Bevölkerung - finanziert die Westdeutsche Landesbank (WestLB) derzeit mit einem Milliardenkredit den Bau einer weiteren 500 Kilometer langen Schwerölleitung quer durch Ecuador vom Amazonasbecken bis zur Pazifikküste. Es sind nicht die Verursacher und ihre Helfer, die aus dem Schaden klug werden.

Greenpeace fordert als Konsequenz alle Verantwortlichen auf, den Schutz der letzten großen Urwälder und damit das Überleben der Menschen im Wald zum vorrangigen Ziel zu erheben. Das heißt: Schluss mit den industriellen Abholzungen oder anderen industriellen Vorhaben in den verbliebenen Urwäldern. Langfristige Schutzkonzepte für besonders gefährdete Regionen. Ökologische Bewirtschaftung in Nutzwäldern. Der Wald ist mehr als ein Ort mit Bäumen. Er ist ein komplexes Ökosystem und eine der wichtigsten Lebensgrundlagen auf der Erde.

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Wie die angeblich "nachhaltige Forstwirtschaft" der Industrie in Russland die großen Wälder des Nordens zerstört. (Englischsprachiger Report.)

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