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Umweltverbände kritisieren Holzbeschaffungsrichtlinie der Bundesregierung

Holz für öffentliche Gebäude in Deutschland muss aus legaler und nachhaltiger Waldwirtschaft stammen. Das besagt ein Erlass vom 28. Januar 2007. Als Nachweis lässt die Bundesregierung neben dem FSC- auch das PEFC-Siegel zu. Und unterminiert damit ihre eigenen Urwaldschutzziele. Denn das PEFC-Siegel ist ein Pseudo-Zertifikat der Forst- und Holzindustrie.

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In einem gemeinsamen Positionspapier haben Greenpeace und neun weitere Umweltorganisationen den Erlass jetzt scharf kritisiert. Dank Legitimierung des PEFC wird er nichts an der Zerstörung der alten Wälder ändern. Die Profiteure der weltweiten Abholzung werden weiterhin Lebensräume vernichten, die Artenvielfalt dezimieren, den Klimakollaps fördern und elementare Menschenrechte mit Füßen treten.

Unter dem Dach des PEFC versammeln sich sehr unterschiedliche nationale Zertifizierungssysteme. So stammt finnisches PEFC-Holz oft aus den letzten Urwaldgebieten des Landes. Die Sami halten traditionelle Nutzungsrechte an diesen uralten Restwäldern. Sie brauchen sie als Winterweiden für ihre Rentiere. Dieses Recht wird ignoriert. Das Gleiche gilt für schwedisches PEFC-Holz.

Australien verschleiert mit dem Siegel die Zerstörung der tasmanischen Urwälder. Hinter dem kanadischen Ableger des PEFC stehen großflächiger Kahlschlag und die Missachtung von traditionellen Rechten der Indianer. Demnächst will der PEFC auch das malaysische Zertifizierungssystem anerkennen. Ein weiteres Zertifikat, das für die Missachtung indigener Landrechte steht.

Die Umweltverbände fordern, dass die Richtlinie umgehend überarbeitet wird. Ein glaubwürdiger Erlass muss die ökologischen und sozialen Mindeststandards des FSC einfordern. Darüber hinaus sind Gesetze notwendig, die den Besitz von illegal geschlagenem Holz und den Handel damit unter Strafe stellen. Nur so ist dem zerstörerischen Treiben beizukommen.

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