Kostenfalle fossile Brennstoffe: Raus aus der Abhängigkeit!
- Ein Artikel von Michael Weiland
- mitwirkende Expert:innen Marissa Reiserer & Dr. Mauricio Vargas
- Hintergrund
- Greenpeace als bevorzugte Quelle bei Google: So geht's!
Öl und Gas machen unser Leben teurer und unsicherer. Dabei liegen die Alternativen auf der Hand. Wie gelingt der Weg aus der fossilen Abhängigkeit? (Foto: Archivbild)
Das Problem sind die fossilen Brennstoffe: Die jahrzehntelange Verbrennung von fossilen Energieträgern hat die Erdatmosphäre aufgeheizt; unsere fortbestehende Abhängigkeit von Kohle, Öl und Gas befeuert die Klimakrise weiter. Warum kommt die Welt dennoch nicht los von Energie, die unsere Lebensgrundlagen zerstört und unser Leben teuer, unsicher und unplanbar macht? Die wenig überraschende Antwort lautet: Geld, sehr viel Geld auch– für Mineralölkonzerne, die ihr Geschäftsmodell auch angesichts buchstäblich existenzieller Fragen nicht infrage stellen.
Darum bedeutet Energiepolitik heute auch mehr, als die kurzfristige Versorgungssicherheit mit Strom und Kraftstoffen zu gewährleisten. Sie ist im engsten Sinn Sicherheitspolitik. Der Konflikt im Iran rückte die Straße von Hormus als Nadelöhr internationaler Öllieferungen in den geopolitischen Fokus. Die Auseinandersetzung zeigt deutlich (aber nicht zum ersten Mal), wie abhängig sich auch Deutschland von fragilen fossilen Lieferketten gemacht hat. Energielieferungen sind ein Druckmittel, eine Waffe in Wirtschaftskriegen.
Ölkonzerne verdienen massiv auf Kosten der Bevölkerung
Das Nachsehen haben die Verbraucher:innen. So nehmen Mineralölkonzerne die Weltlage zum Anlass, die Kraftstoffpreise an den Tankstellen in die Höhe zu schrauben, allerdings nicht rein aus wirtschaftlicher Notwendigkeit: Die Quartalszahlen der großen Ölkonzerne wie Shell oder ExxonMobil weisen im Gegenteil Rekordgewinne aus. Greenpeace kritisiert diese Übergewinne scharf: Sie erfolgen nicht aus eigener wirtschaftlicher Leistung, sondern sind Abzocke; Mineralölkonzerne profitieren von Krisen, und wenn die Weltmarktpreise stark steigen. Denn während sie ihre Preise im allgemeinen Öl-Chaos hochschrauben können, bleiben ihre Produktionskosten oft nahezu unverändert.
Was ist fossile Inflation?
In der öffentlichen Debatte wird oft unterschlagen, dass Ölpreisschocks regelmäßig Inflationskrisen befeuern. Das gilt auch für die aktuellen Anstiege der Lebenshaltungskosten, die im Kern auf die Preise für Öl und Gas zurückgehen: letztlich eine fossile Inflation. Eine aktuelle Greenpeace-Analyse für den Euroraum und Deutschland beziffert den Effekt. Ohne die stark gestiegenen Ölpreise hätte die Inflationsrate im August im Euroraum bei 2,2 statt bei 3,2 Prozent gelegen, in Deutschland bei 1,9 statt bei 2,9 Prozent - und damit im Zielbereich der EZB. Der übermäßige Anstieg der Lebenshaltungskosten seit Jahresbeginn geht damit ausschließlich auf die fossilen Energien zurück.
„Die steigenden Energiepreise schlagen unmittelbar auf die Lebenshaltungskosten durch. Unsere Abhängigkeit von Öl und Gas macht Verbraucher:innen anfällig für geopolitische Krisen samt der verbundenen Preissprünge. Wer langfristig stabile Preise will, muss die fossile Abhängigkeit verringern.“
Dass fossile Brennstoffe die Inflation antreiben, ist nichts Neues, und der historische Zusammenhang reicht weit zurück: Vor der Pandemie verursachten Veränderungen der Energiepreise 71 Prozent der Inflationsschwankungen im Euroraum und 67 Prozent in Deutschland. In den Jahren 2020 bis 2023 überlagerten Pandemie, Lieferkettenbrüche und der russische Angriff auf die Ukraine vorübergehend das Bild der dominierenden Fossilen. Seit 2024 ist der alte Zusammenhang zurück und fällt noch deutlicher aus: Die Energiepreise erklären 97 Prozent der Inflationsschwankungen im Euroraum und 62 Prozent in Deutschland. Die Preisstabilität hängt somit von Faktoren ab, die außerhalb des Einflussbereichs der Zentralbanken liegen, insbesondere geopolitische Konflikte und die Marktmacht fossiler Konzerne.
„Zentralbanken müssen diese Auseinandersetzung führen und das Risiko unserer Abhängigkeit von Öl und Gas für die Preiswertstabilität stärker thematisieren“, sagt Vargas. „Dazu gehören auch geldpolitische Instrumente, die Investitionen in erneuerbare Energien und Elektrifizierung unterstützen.“ Ebenso sei die Bundesregierung gefragt, so Vargas weiter: „Auch die Finanzpolitik kann die Menschen dauerhaft vor Preissteigerungen schützen, indem sie Elektrifizierung fördert, statt kurzfristig fossile Kraftstoffe zu subventionieren.“
Fossilflation (deutsch)
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HerunterladenGeringere Ausgaben durch Wärmepumpe und E-Auto
Die Analyse zeigt zugleich, dass sich diese Abhängigkeit durchbrechen lässt. Für einen vollständig elektrifizierten Haushalt in Deutschland, etwa mit Wärmepumpe und Elektroauto, liegt das Preisniveau seit 2020 um 2,6 Prozent niedriger als beim amtlichen Warenkorb. Das entspricht einer um 0,4 Prozentpunkte geringeren Teuerung pro Jahr. Im laufenden Jahr stiegen die Preise für diesen Haushalt bis August um 1,5 statt um 2,5 Prozent, einen ganzen Prozentpunkt weniger. Einzelne Notenbanken ziehen daraus bereits Konsequenzen: Die chinesische PBOC und die Ungarische Nationalbank fördern Kredite für die Dekarbonisierung. Der Ausbau erneuerbarer Energien erscheint damit nicht nur als Klimaschutz, sondern auch als Inflationsschutz.
Für den eigenen Haushalt bieten sich Möglichkeiten, das Klima zu schützen und dabei Geld zu sparen. Für die meisten Einfamilienhäuser sind Wärmepumpen die geeignetste Heizlösung, das gilt selbst im Altbau. Am 21. November veranstaltet Greenpeace gemeinsam mit anderen Organisationen erneut den Tag des offenen Heizungskellers, bei dem Privatleute ihren Nachbar:innen den Einbau und den Betrieb von Wärmepumpen erklären, praxisnah, ehrlich und ohne Verkaufsdruck. Mehr Informationen und alle Veranstaltungen finden Sie hier.
Wer zur Miete wohnt, hat die eigene Wärmeversorgung nicht immer selbst in der Hand. Deswegen ist eine vorausschauende kommunale Wärmeplanung wichtig für das Gelingen der Wärmewende. Eine aktuelle Greenpeace-Studie hat 15 europäische Städte auf dem Weg zum klimaneutralen Heizen bewertet, Berlin landet dabei nur im Mittelfeld. Großstädte spielen beim Ausstieg aus fossilem Gas eine zentrale Rolle. Sie setzen nicht nur die Klimapolitik von Bund und Ländern um, sondern können die Wärmewende selbst vorantreiben: etwa durch Stadtplanung, kommunale Energieversorger, öffentlichen und sozialen Wohnungsbau, Sanierungsprogramme und eigene Investitionen.
COP31: Klimaschutz muss endlich konkret werden
Wie mit der sich zuspitzenden Krise umzugehen ist, welche Maßnahmen nötig sind, beschäftigt auch die Weltgemeinschaft. Vom 9. bis 20. November 2026 findet im türkischen Antalya die 31. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen (COP31) statt. Bei diesem jährlichen Gipfel verhandeln die Staaten der Welt darüber, wie sie die Erderhitzung begrenzen und die Folgen der Klimakrise bewältigen können. Grundlage ist das Pariser Klimaabkommen von 2015, mit dem sich die Staaten verpflichtet haben, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen.
Bei der COP31 geht es vor allem darum, bestehende Klimaversprechen endlich in konkrete Maßnahmen umzusetzen. Zu den Schwerpunkten gehören der Ausbau erneuerbarer Energien, die Elektrifizierung von Verkehr und Industrie, die Verringerung klimaschädlicher Methanemissionen und die Anpassung von Städten an zunehmende Hitze und Extremwetter. Auch die Finanzierung von Klimaschutz und die Unterstützung besonders betroffener Länder spielen eine zentrale Rolle.
Aus Sicht von Greenpeace muss die COP31 vor allem den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas voranbringen. Denn zwischen den internationalen Klimazielen und der tatsächlichen Politik klafft weiterhin eine große Lücke. Entscheidend ist deshalb nicht, wie viele neue Versprechen die Staaten in Antalya abgeben, sondern ob sie verbindliche Fortschritte beim Klimaschutz erreichen.