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New Vattenfall gas and steam turbine cogeneration plant Marzahn
© Paul Langrock / Greenpeace

Sichere Stromversorgung ohne Gaskraftwerke

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Braucht Deutschland so viele neue Gaskraftwerke, wie die Wirtschaftsministerin vorsieht? Nein! Eine neue Studie zeigt: Mit mehr Flexibilität geht Versorgungssicherheit auch klimafreundlich.

Die Energiewende hat längst Fahrt aufgenommen: Windräder und Solaranlagen liefern immer mehr klimafreundlich produzierten Strom. Doch sobald der Wind abflaut und die Sonne hinter Wolken verschwindet, taucht zuverlässig die Frage auf: Wo kommt jetzt die Energie her?

Die Bundesregierung will als Antwort neue Gaskraftwerke bauen - und zwar sehr viele. Von der EU bekam Wirtschaftsministerin Katherina Reiche dafür 12 Gigawatt zusätzlicher Leistung genehmigt: eine durchaus drastische Korrektur nach unten, politisch gewünscht waren von der Bundesregierung 20 Gigawatt. (Bei einer angenommenen Leistung von 500 Kilowatt wären das bis zu 40 neue Kraftwerke.) Sie sollen einspringen, wenn erneuerbare Energien nicht genug Strom liefern. Die neue Studie „Flexibilität statt fossiles Gas„ des Wuppertal Instituts im Auftrag von Greenpeace (LINK) kommt zum Schluss: Diese Pläne sind völlig überzogen, Deutschland braucht deutlich weniger neue Gaskraftwerke als bislang geplant.

Die Forschenden haben untersucht, wie ein Stromsystem funktionieren kann, das fast vollständig auf erneuerbaren Energien basiert. Ihre zentrale Erkenntnis: Nicht nur Kraftwerke sorgen für Versorgungssicherheit. Auch ein flexibler Umgang mit Energie sorgt dafür, dass stets genug davon zur Verfügung steht.

Flexibilität statt Ausbau fossiler Energien

Was bedeutet Flexibilität in diesem Zusammenhang? Wenn viel Wind- und Solarstrom vorhanden ist, kann Strom entweder gezielt gespeichert oder besonders intensiv genutzt werden. Wärmepumpen können dann Heizwasser erwärmen, oder Batteriespeicher laden sich auf. Manche Industrieanlagen laufen bevorzugt in diesen Stunden. Fehlt später Strom, wird weniger verbraucht oder auf gespeicherte Energie zurückgegriffen.

In der Summe gibt es genug grünen Strom – an Sommertagen häufig mehr als verbraucht werden kann. Die genannten Maßnahmen sind im Fall sogenannter Dunkelflauten notwendig. Damit sind Tage gemeint, an denen kaum Wind weht und die Sonne fast keinen Strom liefert. Genau diese Situationen werden oft als Argument für neue fossile Kraftwerke genutzt. Doch die Studie zeigt: Selbst längere Dunkelflauten von bis zu fünf Tagen lassen sich mit Speichern, Energieeffizienz und flexiblem Verbrauch weitgehend ausgleichen. Erst bei sehr langen und seltenen Extremsituationen werden zusätzliche Backup-Kraftwerke nötig - die sollten allerdings klimafreundlich mit Biogas betrieben werden.

In diesem Zusammenhang plädiert Greenpeace für Lastabwürfe oder anders ausgedrückt: Abregelungen. Dabei geht es nicht darum, Industrie oder Haushalten einfach den Strom abzuschalten. Vielmehr könnten energieintensive Unternehmen ihre Produktion in seltenen Ausnahmefällen freiwillig kurz herunterfahren – gegen eine Vergütung. Greenpeace sieht darin eine günstigere und klimafreundlichere Lösung als den Bau neuer fossiler Kraftwerke. 

Anike Peters, Greenpeace-Expertin für Energie,
„Es darf kein Tabu sein, über Abregelungen in der Industrie zu sprechen. Die Bundesregierung muss energieintensive Unternehmen in die Pflicht nehmen, in diesen extrem seltenen Fällen alle paar Jahre ihre Produktion vorübergehend zu drosseln. Das erstattete Geld wäre sinnvoller investiert als in Gaskraftwerke.“

Anike Peters

Energieexpertin von Greenpeace

Anike Peters, Greenpeace-Expertin für Energie,
Zitat
“Es darf kein Tabu sein, über Abregelungen in der Industrie zu sprechen. Die Bundesregierung muss energieintensive Unternehmen in die Pflicht nehmen, in diesen extrem seltenen Fällen alle paar Jahre ihre Produktion vorübergehend zu drosseln. Das erstattete Geld wäre sinnvoller investiert als in Gaskraftwerke.”
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Anike Peters
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Energieexpertin von Greenpeace
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Energiesparen macht versorgungssicher

Ein weiterer wichtiger Punkt der Studie: Energiesparen bleibt der einfachste Weg zu mehr Versorgungssicherheit. Gut gedämmte Häuser, effizientere Maschinen oder moderne Beleuchtung senken den Strombedarf dauerhaft. Jede Kilowattstunde, die gar nicht erst gebraucht wird, muss später auch nicht teuer erzeugt werden.

Ganz ohne zusätzliche Kraftwerke wird es vermutlich trotzdem nicht gehen. Für seltene Notfälle schlagen die Forschenden vor, bestehende Biogasanlagen stärker zu nutzen. Neue Anlagen sollen nur gebaut werden, wenn sie später vollständig mit grünem Wasserstoff betrieben werden können.

Greenpeace warnt davor, jetzt Milliarden in neue fossile Infrastruktur zu investieren. Wer heute neue Gaskraftwerke baut, schafft Abhängigkeiten für Jahrzehnte. Stattdessen müsse Deutschland die Energiewende flexibler machen – mit Speichern, intelligenter Steuerung und weniger Energieverschwendung.

Die Debatte um Versorgungssicherheit wird oft mit Angst geführt. Doch die Studie zeichnet ein anderes Bild: Ein modernes Stromsystem kann stabil funktionieren – auch ohne einen massiven Ausbau fossiler Kraftwerke. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Strom produziert wird. Sondern auch, wie klug wir ihn nutzen.

Studie: Flexibilität statt Gas

Studie: Flexibilität statt Gas

Wie Energiesicherheit auch ohne neue fossile Gaskraftwerke gelingt

Anzahl Seiten: 147

Dateigröße: 3 MB

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