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Das südwestafrikanische Land zählt zu den ärmsten der Welt: 70 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, die Säuglingssterblichkeit liegt bei knapp 20 Prozent. Seit Februar dieses Jahres wütet zudem eine verheerende Choleraepidemie, die nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen bereits 1.300 Angolaner das Leben gekostet hat. 34.000 weitere sind an der Seuche erkrankt - Tendenz steigend. Die meisten Menschen erkranken und sterben in den so genannten Musseques, den Slums der Hauptstadt Luanda. Dort haben sie keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, keine staatliche Müllentsorgung.

Wirtschaft und Geschichte

Erst 2002 ist der 27 Jahre währende blutige Bürgerkrieg zu Ende gegangen, von dessen schrecklichen Folgen sich das Land nur langsam erholt. Schätzungen gehen von 600.000 bis zu anderthalb Millionen Toten aus. Millionen Menschen mussten vor den Unruhen fliehen und kehren erst jetzt nach und nach in ihre Dörfer zurück. Viele Felder sind vermint. Die Bauern haben Angst, sie zu bestellen.

Rund 70 Prozent der Angolaner leben auf dem Land, ohne dass dadurch die Grundversorgung mit Lebensmitteln gesichert wäre. Die vorherrschende Subsistenzwirtschaft sichert nur zu etwa 50 Prozent den Grundbedarf. Der Rest muss importiert werden. Oft sind es internationale Hilfsorganisationen, die das nackte Überleben sichern. Einen kommerziellen Anbau von tropischen Früchten und Kaffee gibt es in Angola deshalb nur in sehr geringem Umfang. Dabei war Angola vor dem Bürgerkrieg 1972/1973 viertgrößter Kaffee-Exporteur der Welt!

Doch das arme Land Angola ist reich an Bodenschätzen wie Erdöl, Diamanten und Uran. Vor allem Erdöl ist von großer Bedeutung für die Wirtschaft. Mit einer Fördermenge von einer Million Barrel pro Tag kann Angola seinen Rivalen Nigeria zwar nicht wie bei der WM-Qualifikation ausstechen, aber trotzdem sprechen die Zahlen für sich: 90 Prozent der Exporterlöse stammen aus dem Handel mit Erdöl. Sie machen 80 Prozent des gesamten Staatshaushaltes und etwa 50 Prozent des Bruttosozialproduktes aus. Das meiste Öl landet in den USA und China. Vor der Küste Cabindas, der nördlichsten Provinz Angolas, liegen die größten Erdölvorkommen.

Cabinda ist nicht nur Provinz, sondern auch eine nach Unabhängigkeit strebende Exklave, die nur durch einen schmalen Streifen der Demokratischen Rebublik Kongo vom Rest Angolas getrennt ist. Mit schätzungsweise 30.000 Soldaten, die in Cabinda stationiert sind und die laut Amnesty International nicht vor Repressalien gegen die Bevölkerung zurückschrecken, sorgt die angolanische Regierung dafür, dass ihre Geldquelle nicht versiegt. Auch wenn es in Sachen Menschenrechte noch Handlungsbedarf gibt, zumindest bei der Pressefreiheit liegt Angola schon im Mittelfeld: Platz 69 von 139.

Geographie, Politik und Fußball

  • Fläche: 1.246.700 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 13 Millionen
  • Hauptstadt: Luanda (vier Millionen Einwohner)
  • Amtssprache: Portugiesisch
  • Staatsform: Republik
  • Religion: Rund 55 Prozent der Bevölkerung sind Katholiken, 10 Prozent Protestanten, über 30 Prozent hängen Naturreligionen an.
  • Unabhängigkeit: 11. November 1975 von Portugal
  • Angola ist im sechsten Anlauf zum ersten Mal bei einer FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft dabei.
  • Klima: Das Land teilt sich in drei Klimazonen: von tropisch feucht im Norden und an der Küste, über ein gemäßigt tropisches Klima im Zentrum und im Süden bis zu einem Wüstenklima im Südosten des Landes.

Natur- und Umweltprobleme

Neben den verminten Feldern ist die Versorgung mit sauberem Trinkwasser eines der zentralen Umweltprobleme Angolas. Nach Unicef-Angaben verfügt in Angola weniger als die Hälfte der ländlichen Bevölkerung über einen Zugang zu sauberem Wasser. In den sich ausdehndenen Slums um die Betonstadt Luanda ist die Lage besonders katastrophal, wie der jetzige Cholara-Ausbruch drastisch vor Augen führt. Auch in der Landwirtschaft spielt Wasser eine zentrale Rolle: Der Anbau von Kaffee, Zuckerrohr, Maniok und Mais ist fast nur mit künstlicher Bewässerung möglich. Massive Überweidung führt zudem zu Bodenerosion und zunehmender Verwüstung ganzer Landstriche.

Verstärkt wird die Wüstenbildung durch eine massive Abholzug der angolanischen Wälder. Angola deckt seinen Energiebedarf zu fast drei Vierteln mit Brennholz. Rund achtzig Prozent der Bevölkerung benutzen ausschließlich Holz zur Energieversorgung.Und die Tropenhölzer, die exportiert werden, stammen garantiert nicht aus FSC-zertifizierter Forstwirtschaft. Im Jahr werden 1.242 Quadratkilometer Wald gerodet. Das sind etwa 477 Fußballfelder am Tag. Noch ist Angola allerdings zu etwa 35 Prozent mit Wald bedeckt - und immerhin 4,2 Prozent der Wälder sind geschützt.

Vor der 1.650 Kilometer langen Küste Angolas treffen sich der kalte Benguela- und der warme Angola-Strom und machen das Gebiet zu einem der fischreichsten Afrikas. Doch Überfischung und der Wandel der hydroklimatischen Bedingungen machen sich auch hier bemerkbar: In den Netzen der Industrieschiffe landen immer weniger Heringe, Makrelen und Shrimps. Und auch für die kleinen Küstenfischer bleiben kaum Goldmakrelen, Barsch und Langusten. Dabei ist Fisch ein wichtiges Lebensmittel in Angola: Pro Person werden etwa 17 Kilogramm verspeist.

Der Bürgerkrieg hat auch Angolas vielfältige Flora und Fauna in Mitleidenschaft gezogen. Trotzdem leben dort noch Elefanten und Flusspferde in freier Wildbahn. Einige Tierarten gibt es nur in Angola: So haben Forscher im Februar 2006 die Riesen-Rappenantilope gefunden, die man schon ausgestorben glaubte. Trotzdem interessieren in dem bitterarmen Land die globalen Umweltprobleme nur sekundär: Angola hat kein internationales Umweltabkommen ratifiziert. Mit einem Ausstoß von 400 Kilogramm CO2 pro Kopf gehört Angola wie viele afrikanische Länder allerdings zu den Staaten, die das Klima wenig belasten - auch ohne eine Unterschrift unter das Kyoto-Protokoll.

Und trotzdem...

Bei allen Problemen - Angola ist stolz auf den großen Erfolg ihres Fußballteams. Ihr großer Stürmerheld Patrice Akwa bringt es auf den Punkt: Wir haben gezeigt, dass Angola mehr ist als ein Land mit Erdöl, Krieg und Armut. Die Schwarzen Antilopen bestreiten ihr Auftaktspiel am 11. Juni in Köln gegen ihren ehemaligen Kolonialherren, den Vize-Europameister Portugal.

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