Marode Öltanker gefährden Ostseeküste
- Ein Artikel von Björn Jettka
- mitwirkende Expert:innen Thilo Maack
- Hintergrund
Gefahr durch Schattenflotte: Russische Ölexporte mit veralteten Tankern umgehen das Embargo und bedrohen die Ostseeküste. Zwar stehen immer mehr Tanker auf der EU-Sanktionsliste. Schweden zum Beispiel kontrolliert auch. Neue Greenpeace-Recherchen zeigen jedoch, dass deswegen immer mehr Tanker durch deutsche Hoheitsgewässer fahren. Die Bundesregierung könnte zwar handeln, belegt ein Rechtsgutachten. Tut sie aber nicht.
Die Gefahr fährt täglich an den beliebtesten Stränden vorbei. Nur wenige Kilometer sind es von spielenden Kindern, tobenden Hunden und Tourist:innen in Strandkörben zu den Tankern der russischen Schattenflotte auf der Ostsee. Mitunter lassen sich die schrottreifen Kolosse von Warnemünde oder Kühlungsborn aus sogar mit dem Fernglas beobachten. Greenpeace hat im Oktober 2024 eine Liste mit besonders maroden und gefährlichen Tankern vorgelegt. Unter anderem mit diesen Schiffen hält Russland seit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine und dem Beginn der EU-Sanktionen seine Ölexporte aufrecht und finanziert so auch den Krieg gegen die Ukraine.
Auf dieser Liste stehen 192 marode Tanker, die weltweit Öl aus Russland transportieren und die Umwelt bedrohen. Im Greenpeace Datenportal gibt es weitere Informationen zur Liste und den zugrundeliegenden Kriterien.
Das Gros der 192 Tanker ist seit Ausbruch des Krieges im Februar 2022 einmal oder öfter durch die deutsche Ostsee und das Seegebiet der Kadetrinne in der Mecklenburger Bucht gefahren. Inzwischen hat die Europäische Union reagiert, mehrfach ihre Sanktionsliste für Tanker der Schattenflotte erweitert und dabei immer mehr Schiffe von der Greenpeace-Liste übernommen. Am 19. Juni 2025 beschlossen die Ostseeanrainer-Staaten sowie die Niederlande, Belgien und Großbritannien, konsequent gegen die russische Schattenflotte vorzugehen. Doch an der Umsetzung hapert es noch, wie eine am 6. Oktober 2025 veröffentlichte Analyse zeigt.
Dabei könnte die Bundesregierung handeln und wie beispielsweise Frankreich, Belgien, Dänemark oder Schweden gegen staatenlose Tanker vorgehen. Das belegt ein Rechtsgutachten aus dem Januar 2026. Dass ein konsequentes Vorgehen gegen die Schattenflotte möglich ist, zeigt das Beispiel der schwedischen Regierung. Seit März 2026 kontrollieren die Behörden dort die Tanker mit russischem Öl. Im Verlauf der Kontrollen wurden vier Schiffe gestoppt, an Bord kontrolliert und zwei davon festgesetzt. Seitdem meidet die Schattenflotte zunehmend schwedische Gewässer und fährt stattdessen einen Umweg durch deutsche Hoheitsgebiete. Die Tanker nehmen den Umweg in Kauf, da sie von deutscher Seite aus offenbar nach wie vor keine harten Kontrollen befürchten müssen.
Simulationen: Havarien würden Ostsee-Ökosystem schwer schädigen
Die Havarie eines einzigen Öltankers der russischen Schattenflotte würde die Küsten der Ostsee und das Meeresökosystem entlang der Tankerroute schwer beschädigen. Von Finnland über Schweden und Deutschland bis nach Dänemark wären im Falle einer Ölpest Meeres- und Küstenschutzgebiete betroffen, die für das Überleben von Seevögeln, Meeressäugern und als Kinderstube vieler Fischbestände entscheidend sind. Zudem wären durch einen Unfall gleichzeitig die beliebtesten Urlaubsgebiete auf Jahre belastet. Zu diesem Ergebnis kommt Greenpeace auf Grundlage einer datenbankgestützten Simulationsstudie, die beim Helmholtz Zentrum Hereon in Auftrag gegeben wurde. Insgesamt wurden acht verschiedene Unfallorte entlang der Tankerroute vom russischen Ölhafen Primorsk bis zum dänischen Skagen am Ausgang der Ostsee simuliert.
Was ist „die Schattenflotte“?
Umweltgefährdende Kriegsfinanziers auf hoher See
Mit „die Schattenflotte“ bezeichnet man Tanker, mit denen Russland das westliche Embargo von russischem Öl umgeht, damit Russland trotz des Embargos Öl exportieren kann. Die russische Öltankerflotte besteht aus überalterten, schlecht gewarteten Schiffen. Russland hat sie aufgebaut, um die Sanktionen der USA, Großbritanniens und der EU zu umgehen. Mithilfe der Schattenflotte gelingt es Russland, gekappte Pipelines zu umschiffen und so den Export von Öl aufrecht zu erhalten. Viele Tanker sind unzureichend versichert, so dass die Folgen eines Unfalls und einer möglichen Ölpest nicht abgedeckt sind - die Steuerzahlenden der jeweiligen Anrainerstaaten würden auf den Kosten der Aufräum- und Säuberungsarbeiten sitzen bleiben. Die Besatzungen der Geistertanker sind oft schlecht ausgebildet, manche Schiffe haben nicht einmal aktuelle Seekarten an Bord. Dennoch transportieren sie weiterhin Rohöl über die Weltmeere, oft durch Schutzgebiete. Die größten Tanker können Ölmengen transportieren, die mehr als 100 olympische Schwimmbecken füllen würden. Ein Unfall mit einem dieser Tanker würde zu einer Umweltkatastrophe gigantischen Ausmaßes führen.
Erfolg: Immer mehr Tanker stehen auf der EU-Sanktionsliste
Ein Erfolg ist, dass die EU in mehreren Schritten Sanktionen gegen die russische Schattenflotte erlassen haben:
- Von der Greenpeace-Liste wurden dabei im Dezember 2024 zunächst acht Schiffe übernommen.
- Am 24. Februar 2025 ergänzte die EU ihre Sanktionsliste um weitere 73 Schiffe.
- Am 14. Mai 2025 wurden weitere rund 200 Tanker sanktioniert.
- In ihrem 18. Sanktionspaket hat die EU dann am 18. Juli 2025 weitere 105 Tanker sanktioniert. Mittlerweile sind 444 Tanker der Schattenflotte in den EU-Sanktionspaketen gelandet. Von der Greenpeace-Liste der 192 gefährlichsten Tanker befinden sich inzwischen 150 auf der EU-Sanktionsliste, weitere 15 Tanker stehen auf den Sanktionslisten anderer Staaten (USA, UK). Das bedeutet, dass die Schiffe die Häfen der betreffenden Länder nicht mehr anfahren dürfen, und dass Unternehmen sie auch nicht mehr mit beispielsweise Ausrüstung und Proviant unterstützen dürfen.
Unter den Schiffen befindet sich auch die vor Rügen auf Reede liegende „Eventin“. Der Tanker war Anfang Januar 2025 in der Ostsee havariert, ihre Ladung von 99.000 Tonnen russischen Rohöls mit einem Wert von bis zu 40 Mio. Euro wurde vom deutschen Zoll zwischenzeitlich beschlagnahmt.
Russland setzt auf illegale Geistertanker
Die russische Regierung reagiert auf den zunehmenden Druck gegen ihre Schattenflotte: Es gibt kaum noch Länder und Reedereien, die sich den harten Sanktionen aussetzen wollen, die auf Geschäfte mit der russischen Regierung folgen. Daher tauchen in der Ostsee vermehrt Tanker auf, die unter falscher Flagge fahren. Einige der Tanker sind sogar in keinem Flottenregister gemeldet. Das ist laut internationalem Seerecht illegal und kann von den Anrainerstaaten geahndet werden. Die schwedischen Behörden ahnden inzwischen diese Verstöße und haben Schattenflotten-Tanker aufgebracht sowie festgesetzt. In der Folge fahren immer mehr Öltanker einen langen Umweg durch deutsche Gewässer. Durch ihre Fahrt weit südlich am schwedischen Bornholm vorbei, umgehen die Schiffe die Kontrollen der dortigen Behörden. Deutsche Behörden lassen die Tanker nach wie vor ungehindert passieren. Greenpeace verfolgt diese Entwicklung, steht dazu mit deutschen Behörden in Kontakt und fordert von diesen ein entschiedenes Vorgehen gegen die Schattenflotte.
„Die fehlende Flaggenzugehörigkeit macht die maroden Geistertanker staatenlos und entkoppelt sie vom geltenden internationalen Seerecht - mit ausreichendem politischen Willen ließen sich diese Tanker nach internationalem Seerecht beschlagnahmen. Den russischen Ölexporten wäre so ein weiterer Riegel vorgeschoben.“
Politiker:innen sind sich der Gefahr bewusst, die von den Geister-Tankern ausgeht. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) und die anderen Außenminister der Ostseeanrainerstaaten sowie Belgiens, der Niederlande und Großbritanniens hatten sich am 19. Juni 2025 entschieden, konsequent gegen die russische Schattenflotte vorzugehen. Dennoch nimmt die Anzahl dieser gefährlichen Schiffe stetig zu. Zu diesem Ergebnis kommt eine Greenpeace-Analyse. Seit Juni 2025 haben nach Greenpeace-Recherche 188 Tanker der Schattenflotte von den russischen Ölhäfen Primorsk und Ust-Luga mit Millionen Tonnen Rohöl die deutsche Ostseeküste passiert. 123 dieser Tanker standen auf den Sanktionslisten. 27 davon waren Geister-Tanker, in keinem Flottenregister gelistet und mit falscher Flagge unterwegs. 70 Tanker waren 20 Jahre alt oder älter und damit für den sicheren Transport von Rohöl nicht mehr geeignet.
„Russland verhält sich mit den Geister-Tankern auf den Weltmeeren wie jemand, der einen LKW vom Schrottplatz holt und mit gefährlicher Ladung ohne Zulassung, Kennzeichen und Versicherung über die Autobahn brettert. Außenminister Wadephul und Innenminister Alexander Dobrindt sollten vor allem die deutschen Küsten sichern. Seerechtler:innen der Bundesregierung müssen prüfen, ob Schiffen der Schattenflotte ohne Flagge das Recht auf Durchfahrt verweigert werden kann.“
© Lucas Wahl / Greenpeace
Gegen umweltgefährdende russische Ölexporte mit maroden Tankern protestierten am 12. Februar 2025 15 Greenpeace-Aktivist:innen auf der Ostsee vor Rostock. Von Schlauchbooten aus haben die deutschen, polnischen, schwedischen, dänischen und ukrainischen Umweltschützer:innen im betroffenen Seegebiet während der Vorbeifahrt der ´Prosperity´ “RISK!” (RISIKO!) in großen gelben Lettern an die Bordwand des Schiffes gemalt.
Die Schattenflotte beschäftigte auch die Umweltminister:innen der Bundesländer Ende November 2024. Käme es auf der Ostsee zu einer Ölkatastrophe, müssten Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern die Aufräum- und Reinigungsarbeiten organisieren. Auch mit den negativen Folgen für den Tourismus wären die Länder direkt konfrontiert. Deshalb war der künftige Umgang mit der Schattenflotte Thema auf der Umweltministerkonferenz (UMK) im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr-Ahrweiler. Greenpeace- Aktive forderten dort ein starkes Signal von der UMK an die Bundesregierung. Vor dem Konferenzgebäude schichteten die Protestierenden 14 Ölfässer auf und wiesen mit einem Banner „Öl tötet!“ auf die Gefahren der Schattenflotte hin.
Recherche belegt: Risiko einer Ölkatastrophe ist gestiegen
Eine Datenrecherche von Greenpeace aus dem September 2024 zeigte, dass viele der Tanker dabei Naturschutzgebiete wie die Kadetrinne und den Fehmarnbelt kreuzten. Die Analyse belegte zudem: Während der gesamte Schiffsverkehr auf der Route seit Kriegsbeginn rückläufig ist, hatten die russischen Rohölexporte erheblich zugenommen. Seit Januar 2021 stiegen die Fahrten von Öltankern bis zum Recherchezeitpunkt um 70 Prozent. Gleichzeitig wurden die eingesetzten Schiffe im Schnitt immer älter. Lag das Durchschnittsalter der Tanker 2021 noch bei 8,9 Jahren, stieg es auf 16,6 Jahre im Jahr 2024.
Um die Aufmerksamkeit für das Thema zu erhöhen, protestierten am 25. September 2024 zehn Greenpeace-Aktivist:innen auf der Ostsee vor Rostock/Warnemünde. Auf Schlauchbooten demonstrierten sie mit dem Banner „Oil kills“ gegen die vorbeifahrende „Seagull“. Der 250 Meter lange Tanker hatte russisches Rohöl geladen und fuhr unter der Flagge der Cook Islands und ist auf dem Weg nach Indien. Das 2003 gebaute Schiff ist in der Vergangenheit durch technische Mängel am Feuerlöschsystem und an Rettungsmitteln aufgefallen.
Havarie würde Warnemünde, Fehmarn und Damp mit einer Ölpest bedrohen
Um das Ausmaß einer Ölkatastrophe greifbar zu machen, hatten Greenpeace-Aktive mit Peilsendern bestückte Bojen auf dem Wasser ausgesetzt - dort, wo viele russische Öltanker fahren. Zwei Bojen trieben binnen kurzer Zeit an Warnemünde vorbei und weiter zur Insel Fehmarn. Eine von ihnen erreichte nach ein paar Tagen die schleswig-holsteinische Küste bei Damp. Das Experiment zeigte: Käme es durch einen Tanker der russischen Schattenflotte zu einer Ölkatastrophe, wären weitreichende Gebiete betroffen, darunter zahlreiche Natur- und Vogelschutzgebiete an beliebten deutschen Ostseestränden.
Greenpeace-Recherchen zur Schattenflotte
Datenrecherche: Stark erhöhte Umweltgefahr durch die Schattenflotte in der Ostsee
[M]: Greenpeace
Wer auf Darß-Zingst oder Fehmarn Urlaub macht und ein gutes Fernglas dabei hat, kann sie zählen: die maroden, schlecht versicherten Tanker, die Russland für seine Ölexporte nutzt. Mit gefährlicher Ladung fahren sie täglich entlang der deutschen Ostseeküste. Greenpeace hat Schiffsdaten ausgewertet und zeigt: Das Risiko einer Ölkatastrophe war lange nicht so hoch. Zur Datenrecherche
Recherche zur Schattenflotte im Mittelmeer: Greenpeace deckt Sanktionsverstöße auf
Greenpeace [M]
Eine andere Greenpeace-Recherche zeigt: Die Umweltgefahr durch die russische Schattenflotte ist auch im Mittelmeer groß. Behörden in Italien greifen nicht ausreichend durch. So konnten sanktionierte Schiffe in italienische Häfen einlaufen und dort entladen werden. Zur Recherche
Maßnahmen zum Schutz vor Ölpest notwendig
Die Gefahr durch russische Öltransporte ist durchaus bekannt. In Deutschland machen sich viele Menschen Sorgen um die Sicherheit vor der deutschen Ostseeküste. Laut einer repräsentativen Umfrage von Verian vom 25. bis 27. September 2024, die Greenpeace in Auftrag gegeben hat, befürworten 87 Prozent der 1005 Befragten eine Lotsenpflicht. Viele Tanker fahren derzeit ohne ortskundige Unterstützung durch schwer zu navigierende Gebiete mit hohem Verkehrsaufkommen. 84 Prozent der Befragten befürworten ein Verbot der Durchfahrt für Tanker, die nicht ausreichend versichert sind, um für die Schäden eines Ölunfalls aufzukommen. Den Transport von russischem Öl mit Tankern entlang der deutschen Küste sehen 71 Prozent als großes und sehr großes Problem an.
„Die Bundesregierung hat die Pflicht, die Küsten vor einer Ölpest zu schützen“, sagt Thilo Maack, Meeresbiologe von Greenpeace. Wir fordern eine Lotsenpflicht, um eine sichere Passage durch viel befahrene Routen zu gewährleisten, ausreichenden Versicherungsschutz der Tanker und Belege für ihre Seetauglichkeit.„
>>> Die Arbeit zu alten Öltankern geht weit zurück. So dokumentierte Greenpeace etwa im Jahr 2003 die Gefahr für die Ostseeküste, ebenso wie in den Jahren 2001 und 2002.
(Den Artikel haben wir am 25. September 2024 veröffentlicht und seitdem mehrfach aktualisiert.)
Rechtsgutachten Schattenflotte
Anzahl Seiten: 68
Dateigröße: 1.9 MB
Herunterladen
Liste Geistertanker JanFeb 2026
Anzahl Seiten: 1
Dateigröße: 63.19 KB
HerunterladenHäufige Fragen zur Schattenflotte
Was ist die ‘Russische Schattenflotte’?
Die Schattenflotte besteht überwiegend aus alten und schlecht gewarteten Tankern. Russland hat sie aufgebaut, um die Sanktionen der USA, Großbritanniens und der EU zu umgehen.Trotz bestehender Sanktionen wurde seit Kriegsbeginn gegen die Ukraine kein Barrel Öl weniger exportiert. Viele Tanker sind überaltert, haben immer wieder technische Mängel und sind zudem unzureichend oder gar nicht versichert. Käme es zu einem Unfall, wären die Folgen einer Ölpest nicht abgedeckt - die Steuerzahlenden würden auf den Kosten der Aufräum- und Säuberungsarbeiten sitzen bleiben. Die Natur bliebe auf Jahrzehnte verschmutzt. Die Besatzung sind laut Medienberichten oft schlecht ausgebildet und manche Schiffe haben nicht einmal aktuelle Seekarten an Bord. Dennoch transportieren sie weiterhin Rohöl - gefährliche Fracht über die Weltmeere, oft durch Schutzgebiete. Die größten Tanker können Ölmengen transportieren, die mehr als 100 olympische Schwimmbecken füllen würden. Ein Unfall mit einem dieser Schiffe würde zu einer Umweltkatastrophe historischen Ausmaßes führen.
Was ist das Problem mit der Schattenflotte?
Das exportierte russische Öl füllt die Kasse für den Krieg gegen die Ukraine. Zudem navigieren die Schattenflottentanker durch einige der gefährlichsten Gewässer der Ostsee. Die Kadetrinne nordöstlich von Rostock zwischen Deutschland und Dänemark, der Große Belt und der Öresund sind extrem enge Schifffahrtsstraßen . Sie sind für den globalen Handel unverzichtbar und dienen als Hauptrouten für große Öltanker und Frachtschiffe, die in die Ostsee ein- und ausfahren. Es sind viel befahrene Schifffahrtsrouten der Ostsee, aber durch ihre geringe Breite und Wassertiefe besonders anspruchsvoll und unfallträchtig.
Ein Tankerunfall hier mit über hunderttausend Tonnen ausgelaufenem Öl hätte katastrophale, lang anhaltende Folgen für die Ostsee, sowie für die deutschen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Auch die dänische Küste wäre stark betroffen.
Welche Maßnahmen werden gegen die Schattenflottentanker ergriffen?
Durch die EU sanktionierte Tanker dürfen eigentlich keine EU Häfen anlaufen. Auch ist es EU-Personen und Firmen verboten, bestimmte Dienstleistungen für diese Schiffe zu erbringen. Bei flaggenlosen Schiffen darf jeder Staat unangekündigt für eine Inspektion an Bord gehen, wenn sich das Schiff in deren Hoheitsgewässern oder in internationalen Gewässern befindet.
Was haben einzelne Länder/die EU bisher unternommen?
Das Vereinigte Königreich, die Vereinigten Staaten von Amerika, die Europäische Union und andere Länder haben Sanktionen gegen Russland verhängt. Die jeweiligen Sanktionspakete der USA, der EU (21. Sanktionspaket, Juni 20254) und anderer Staaten listen über 1,000 Schiffe der Schattenflotte auf, um sicherzustellen, dass diese keinen Zugang zu europäischen Häfen oder Unterstützung beim Handel mit dem transportierten Rohöl erhalten. Die G7 plus Australien haben eine Preisobergrenze von 47 US-Dollar pro Barrel für russisches Öl festgelegt, um die Einnahmen aus dem Handel mit russischem Öl zu minimieren.
Der dänische Außenminister Lars Lokke Rasmussen, der britische Premierminister Keir Starmer sowie Bundeskanzler Olaf Scholz haben die Schattenflotte öffentlich verurteilt und zu Maßnahmen aufgerufen, um sie zu stoppen. Die britische Regierung veröffentlichte einen Aufruf zum Handeln, der u.a. von der deutschen Regierung unterstützt wurde.
Woher kommen die Schiffe der Schattenflotte?
Die Schattenflotte ist eine Reaktion auf die Sanktionen, die westliche Staaten, wie die USA, Europa und andere, gegen den Handel mit Öl aus dem Iran, Russland und Venezuela im Laufe der Zeit verhängt haben.
Die meisten Schattenflottentanker führen die Flagge Russlands (13 Prozent), Panamas (zehn Prozent), Kameruns (neun Prozent) und Sierra Leones (sieben Prozent).
Den größten Anteil haben mit 18 Prozent aber Tanker, die eine ungültige Flagge führen, oft basierend auf gefälschten oder anderweitig ungültigen Papieren.
Unter den sanktionierten Tankern haben solch flaggenlose Tanker einen Anteil von 25 Prozent. Danach kommen Tanker mit der Flagge Russlands (18 Prozent), Kameruns (zwölf Prozent), Sierra Leones (neun Prozent) und Irans (acht Prozent).
Wie viele Schiffe hat Putins Schattenflotte?
Laut Lloyds-Schifffahrtsregister umfasst die Schattenflotte rund 1500 Tanker (Stand: Juni 2026). Über 1,000 dieser Tanker fallen unter mindestens eine von diversen Sanktionen, die gegen den Handel mit Öl aus dem Iran, Russlands und Venezuelas im Laufe der Zeit verhängt wurden.
Was macht Greenpeace gegen die Schattenflotte?
Greenpeace ist immer wieder vor Ort und beobachtet die aktuelle Situation. Wir recherchieren und beobachten die Lage und Entwicklung. Regelmäßig scannen wir die Bewegung der Schattenflotte und machen die Behörden auf flaggenlose Schiffe aufmerksam, damit wenigstens diese aus dem Verkehr gezogen werden. Dank unserer Aktivist:innen halten wir außerdem das Problem im Bewusstsein der Öffentlichkeit und üben Druck auf Politiker aus.
Greenpeace fordert die Regierungen der Europäischen Union, vor allem aber die Küstenstaaten entlang der Tankerrouten auf, zu handeln, bevor es zu einem Unfall kommt. Die Tanker der Schattenflotte müssen kontrolliert werden. Schiffe, die eine falsche Flagge führen, sollten festgesetzt werden. Außerdem fordern wir eine Lotsenpflicht zur Gewährleistung einer sicheren Passage durch stark befahrene, gefährliche Wasserstraßen wie der Kadetrinne, einen angemessenen Versicherungsschutz für Tanker nach westlichen Standards und den Nachweis ihrer Seetauglichkeit.
Woher kommt der Begriff Schattenflotte?
Der Begriff wurde schon früh von Greenpeace verwendet, um zu verdeutlichen, dass die russische Tankerflotte im Verborgenen agiert und die Ölgeschäfte verschleiern hilft.
Wohin fahren die Tanker der Schattenflotte?
Viele der Tanker fahren durchs Mittelmeer nach Indien, China und die Türkei. Im Mittelmeer wird die Öl-Ladung teilweise auch auf andere Schiffe gepumpt, um so die Herkunft der Ware zu verschleiern.