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Versagen auf ganzer Linie

Japan ist der Atomkraft wieder ein Stück näher gekommen. Das umstrittene AKW Sendai soll erneut ans Netz gehen. Grund ist ein fragwürdiges Gutachten der Atomaufsichtsbehörde.

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Das Gutachten bedeutet einen ersten Schritt in den Neustart der Atomreaktoren in der Präfektur Kagoshima, denn es fiel positiv aus. Die Sicherheitsbehörde kam darin zum Schluss, dass das AKW den Sicherheitsvorschriften genüge. Das Gutachten umfasst Dinge wie Erdbeben- und Tsunamisicherheit im Werk sowie die Notstromversorgung im Falle eines Unfalls. Jedoch ist es keine allgemeine Bewertung der Sicherheit des Atomkraftwerks, sondern bezieht sich lediglich auf die Bereiche der seit Juli 2013 geltenden Richtlinien, die seit der Katastrophe in Fukushima verschärft wurden.

Sendai ist der erste Reaktor, der seit Fukushima wieder ans Netz geht. Ein Schritt in die falsche Richtung, denn ein Großteil der japanischen Bevölkerung will weiterhin langfristig auf Atomstrom verzichten. Die Abe-Regierung hat jedoch andere Pläne. Sie gab das Gutachten in Auftrag und handelte somit nicht im Interesse der Mehrheit.

Sicherheit an letzter Stelle

Bislang gibt es keine verlässliche Einschätzung über die Risiken der Vulkane in der Aira–Caldera. Das gilt insbesondere für Sakurajima, einen der weltweit aktivsten Vulkane. Ein weiteres Problem, das beim Erstellen des Gutachtens außer Acht gelassen wurde, ist die Sicherheit. Es gibt keine wirksamen Evakuierungspläne im Katastrophenfall für die Bevölkerung. Dies belegten Bürgerumfragen und Simulationen, die Greenpeace Japan durchgeführt hat. Zusätzlich gibt es keine funktionierende Notrufzentrale, die gegen Strahlung geschützt ist.

„Anstatt sich mit allen wichtigen Fragestellungen auseinander zu setzen, hat die Atomaufsichtsbehörde leider versagt und bewiesen, dass die Sicherheit zweitrangig ist, ganz im Gegensatz zu den kommerziellen Interessen der Energieversorgungsunternehmen. Genau das ist der Grund, warum die Atomkatastrophe von Fukushima eintreten konnte", so Kazue Suzuki von Greenpeace Japan.

Unter Druck

Die Atomaufsichtsbehörde stand von Industrie und Regierung unter enormem Druck, das Gutachten anzuerkennen. Die Abe-Regierung will die Ergebnisse der Nuklearaufsichtsbehörde nutzen, um eine Genehmigung zum Wiederanlauf der Reaktoren durchzusetzen. Dies wird von dem Vorsitzenden der Atomaufsichtsbehörde Shunichi Tanaka allerdings geleugnet. Doch die Entscheidung zeigt, dass dem Druck nachgegeben wurde und sich die Regierung jeglicher Sicherheitsverantwortung für die Bevölkerung Japans entzieht.

Die Genehmigung des Sicherheitsberichts ist nur der erste Schritt in einem längeren Prozess, doch es ist ein entscheidender Schritt. Als nächstes soll eine Stellungnahme an die Öffentlichkeit folgen, dann eine Überarbeitung der Sicherheitsbewertung und anschließend sollen der Gouverneur der Region Kagoshima und der lokale Bürgermeister in Satsumasendai entscheiden, wann der Reaktor wieder hochgefahren wird.
 

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