Skip to main content
Jetzt spenden
Ein Atomfass steht auf einer Wiese
Bente Stachowske / Greenpeace

Greenpeace kritisiert Standortauswahlgesetz

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Bald soll das Gesetz für die Suche nach einem sicheren Endlager für Atommüll fertig sein. Doch die Greenpeace-Analyse zeigt: Es krankt noch immer an den alten Grundsatzfehlern.

Über zwei Jahre hat die Endlagerkommission getagt und einen fast 700 Seiten dicken Bericht geschrieben. Mit dessen Hilfe soll nun der Text für das „Gesetz zur Suche und Auswahl eines Standortes für ein Endlager für Wärme entwickelnde radioaktive Abfälle“ (auch „Standortauswahlgesetz“ oder „StandAG“ genannt) überarbeitet werden. Es geht um die Frage, wie ein Ort zu finden ist, an dem der gefährlichste Abfall der Menschheit – hochradioaktiver Atommüll – eine Million Jahre lang am sichersten verwahrt werden kann. Greenpeace hat nun all die Änderungen und Anmerkungen geprüft. Und festgestellt: Auch wenn an manchen Details nachgebessert wurde, krankt der Gesetzestext im Kern immer noch an denselben Konstruktionsfehlern.

„Das größte Manko ist, dass weder der neue Gesetzentwurf noch der Kommissionsbericht eine ernsthafte, wissenschaftliche Prüfung von alternativen Lagerkonzepten vorsieht“, kritisiert Mathias Edler, Greenpeace-Experte für Atomkraft. Stattdessen folgt man nahtlos dem vor 50 Jahren eingeschlagenen Weg der tiefengeologischen Lagerung – und das, obwohl weltweit alle unterirdischen Atom- und Giftmüllkippen entweder bereits beschädigt sind oder große Probleme haben, die Experten erst in tausenden von Jahren erwartet hatten.

Wie wird Atommüll ab besten gelagert?

"Schon die Bezeichnung ‚Standortauswahlgesetz’ zeigt, dass es nur um die – eigentlich untergeordnete – Frage nach dem ‚Wo?‘ geht“, so Edler weiter. „Zuerst muss doch zwingend das  ,Wie?‘ ausreichend wissenschaftlich untersucht und gesellschaftlich diskutiert werden. Denn ohne eine Auswahl zwischen verschiedenen Lageroptionen kann keine nachvollziehbare Entscheidung für eine Option getroffen und schon gar kein gesellschaftlicher Konsens in der Atommüllfrage gefunden werden.“   

Vor dem Hintergrund der gescheiterten Endlagerpolitik in der Bundesrepublik, die jahrzehntelang nur auf "Tiefenlagerung in Gorleben" gesetzt hat, erscheint die Vorstellung geradezu naiv, dass Bürgerinnen und Bürger in potenziellen Standortregionen sagen: Ein tiefengeologisches Endlager für diese radioaktiven Abfälle muss sein, zu klären ist nur noch, wie die Bürgerbeteiligung bei den entsprechenden Suchprozessen anzulegen ist. Stattdessen werden die Bürgerinnen und Bürger fragen: Wie ist die Entscheidung für dieses Lagerkonzept und unseren Standort begründet und legitimiert? Was waren die anderen Optionen? Wer diese Fragen nicht zufriedenstellend beantworten kann, wird abermals am Protest in der betroffenen Region scheitern.

Fehler 2: Um Gorleben herumgestrickt

Der zweite Konstruktionsfehler des Standortsuchgesetzes: Gorleben, der Salzstock im Wendland, auf den alle Bundesregierungen seit 1977 als zukünftiges Endlager gesetzt haben, wird wieder nicht von der neuen Suche ausgeschlossen. Im Gegenteil:  Er ist der einzige bereits benannte Standort im Gesetz. Außerdem wurden Auswahl- und Suchkriterien für die angeblich neue Endlagersuche so gestrickt, dass Gorleben bis zur Endrunde gar nicht rausfallen kann.

Zwar wird immer wieder betont, dass die Suche trotzdem ergebnisoffen wäre. Aber es soll nicht einmal im Gesetz festgeschrieben werden, wie viele Alternativen neben Gorleben denn mindestens untersucht werden müssen. Am Ende könnte wieder einmal alles auf den Salzstock Gorleben hinauslaufen, in dessen Ausbau bereits 1,8 Milliarden Euro investiert wurden. Ein Neustart sieht anders aus.

Falscher Zeitplan

Und warum der ganze Murks? Weil sowohl die Erarbeitung des Gesetzestextes als auch die Endlagersuche als Ganzes unter massivem Zeitdruck stehen. Der Zeitplan sieht vor, noch in diesem Frühjahr das Gesetz zu verabschieden, dann bis 2031 den bestmöglichen Standort zu finden und bis 2050 ein fertiges Endlager zu haben. Was angesichts der Größe des Problems und der Aufgabenstellung viel zu knapp geplant ist. Doch die Zeit drängt. Denn der bereits angefallene Müll ist derzeit nur provisorisch in Zwischenlagern untergebracht. Geplant  und genehmigt ist diese Unterbringung für 40 Jahre, für den ersten im Zwischenlager Gorleben eingelagerten Castor also bis maximal 2034. Und ob die Behälter für eine längere Lagerung geeignet sind, weiß eben niemand.  

Deswegen fordert Greenpeace auch, zuerst einmal neue Zwischenlager zu entwickeln und zu errichten. Ausgerichtet auf mindestens 100 Jahre, so stabil, dass sie Feuer und Flut, Erdbeben und Terrorangriffen standhalten können. Und mit einer sogenannten „Heißen Zelle“ ausgestattet, die ein Umverpacken des hochradioaktiven Mülls im Notfall ermöglicht. Das würde den notwendigen zeitlichen Spielraum verschaffen, um Fehlerkorrekturen bei der Endlagersuche vornehmen zu können. Damit wirklich ergebnisoffen gesucht und der bestmögliche Umgang mit den Jahrtausende tödlich strahlenden Abfällen gefunden werden kann. 

Endlagerung radio- und chemotoxischer Abfälle im Tiefuntergrund

Endlagerung radio- und chemotoxischer Abfälle im Tiefuntergrund

59

1.47 MB

Herunterladen

Jetzt mitmachen

Du willst Teil der Energiewende sein?

Menschen stellen die Energiewende dar - von der Atomkraft zur Windkraft 15.04.2011

Dann besuche in unserer Mitmach-Community Greenwire die Energiewende-Themengruppe und tausche dich mit Anderen aus, finde weitere Mitmachangebote und erfahre mehr über unsere Kampagnen.

Hier lang zur Themengruppe-Energiewende

Themengruppe auf

Menschen stellen die Energiewende dar - von der Atomkraft zur Windkraft 15.04.2011

Mehr zum Thema

Shut Down of Nuclear Power Plants: AKW Dinosaur in Berlin

Am Ende der Atomkraft

  • 15.04.2023

Welche Wirkung die Gnadenfrist für deutsche Atomkraftwerke hatte, zeigt eine Studie im Auftrag von Greenpeace und Green Planet Energy: kaum eine. Der Abschied von der Atomkraft fällt leicht.

mehr erfahren
Last Resistance Party in Gorleben, Germany

Adieu, Atomkraft

  • 14.04.2023

Nach Jahrzehnten des Protestes steigt Deutschland endlich aus der Atomkraft aus. Roland Hipp, geschäftsführender Vorstand von Greenpeace Deutschland, blickt zurück - und mit Freude in die Zukunft.

mehr erfahren
Projection for Final Shutdown at Neckarwestheim NPP

Die Mär von der Renaissance der Atomkraft

  • 05.04.2023

Auch wenn vielerorts eine “Renaissance der Atomkraft” herbeigeredet wird, die Fakten sprechen dagegen: Atomenergie ist in Deutschland, im Rest Europas und weltweit auf dem absteigenden Ast.

mehr erfahren
Projektion zum Atomausstieg am AKW Isar 2

Atomkraftwerke abschalten

  • 03.04.2023

Atomkraft ist nicht nur riskant, sondern auch keine Lösung für die Energiekrise. Vor dem Jahrestag der Fukushima-Katastrophe fordern Greenpeace-Aktivist:innen, die deutschen AKW endlich abzuschalten.

mehr erfahren
"Shut Down"-Projektion am AKW Emsland

Atomausstiegsfest

  • 03.04.2023

Die Vorfreude steigt: Nach jahrzehntelangem Einsatz vieler mutiger Menschen steigt Deutschland endlich aus der Atomkraft aus. Diesen Erfolg wollen wir mit euch feiern. In München und Berlin!

mehr erfahren
Balloons on the 'Plein' at The Hague

Scheinlösung Kernfusion

  • 27.03.2023

Ein technologischer Meilenstein, aber kein Modell für die Zukunft: Warum der gelungene Versuch der Kernfusion nicht die Probleme der Gegenwart löst.

mehr erfahren