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Wir müssen die Wahrheit über Biosprit erzählen

Weltweit treibt die steigende Nachfrage nach Agrarrohstoffen für Sprit immer schlimmere Blüten. Mehr und mehr Mais, Soja, Zuckerrohr und Palmöl werden für die Umwandlung in so genannten Biosprit angebaut. Greenpeace-Experte Emiliano Ezcurra spricht über die Folgen dieser Entwickung für Argentinien.

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Online-Redaktion: Emiliano, was machst Du bei Greenpeace-Argentinien?

Emiliano: Ich bin seit drei Jahren Kampagnen-Direktor. Davor war ich lange Jahre Campaigner bzw. Campaigner-Assistent.

Online-Redaktion: Warst Du die ganze Zeit bei Greenpeace?

Emiliano: Ja, ich hatte in meinem Leben niemals einen anderen Job. Ich bin seit 20 Jahren bei Greenpeace.

Online-Redaktion: An welchen Kampagnen hast Du gearbeitet?

Emiliano: Ich habe verschiedene Kampagnen koordiniert: zum Beispiel zur Fischerei, zum FCKW-freien Kühlschrank oder zum Klimaschutz. In den letzten Jahren habe ich eine sehr intensive Waldkampagne entwickelt und koordiniert.

Online-Redaktion: Was macht ein Kampagnen-Direktor?

Emiliano: Ein Schwerpunkt meiner Arbeit besteht darin, neue Campaigner anzuwerben. Und ich muss sie natürlich motivieren, aktiv zu bleiben. Gleichzeitig kann ich sagen, dass ich durch diese Kampagnen-Arbeit meine Erfahrungen und mein Wissen in den letzten Jahren ständig erweitert habe.

Online-Redaktion: Wie viele Menschen arbeiten bei Greenpeace-Argentinien?

Emiliano: Vor zehn Jahren arbeiteten 14 Personen im Greenpeace-Büro, heute sind es 38.

Online-Redaktion: Emiliano, ich möchte gerne mit Dir über das Thema Agrosprit sprechen. Aus welchen Pflanzen wird Agrosprit in Argentinien hergestellt?

Emiliano: Es gibt zwei Arten von Agrosprit. Die eine, bekannt als Bio-Ethanol, ersetzt Benzin. Die andere, Bio-Diesel genannt, ersetzt Diesel. In Argentinien wird kaum Ethanol produziert, der Großteil der Agrosprit-Industrie stellt Diesel her. Und hierfür wird vor allem gentechnisch verändertes Soja angebaut.

Online-Redaktion: In welche Länder exportiert Argentinien seinen Argrosprit?

Emiliano: Deutschland war und ist der größte Importeur von argentinischem Bio-Diesel.

Online-Redaktion: Welche Auswirkungen hat der Anbau von Argrosprit-Pflanzen?

Emiliano: Die gravierendsten Folgen für die Umwelt und die Menschen gehen von der Ausweitung der Anbauflächen für Soja aus. Der Anbau verschlingt immer mehr Land - und das bedeutet: weniger Wald.

Online-Redaktion: Welche Waldtypen sind davon betroffen?

Emiliano: In Argentinien gibt es drei verschiedene Wald-Ökosysteme mit einer enormen Artenvielfalt: die Gebirgs-Regenwälder entlang der Anden, den Chaco-Wald im Norden, eines der größten Wald-Ökosysteme Südamerikas mit Trockenwäldern und die atlantischen Wälder im Nordosten. Alle drei Waldtypen stehen unter einem enormen Druck der Soja-Industrie.

Online-Redaktion: Leiden auch Menschen unter der Ausweitung des Soja-Anbaus?

Emiliano: Ja, die Wälder im Norden Argentiniens sind soziale Wälder, wie ich sie nenne. Sie sind nicht unbewohnt, sondern viele indigene Völker leben dort. Die Unternehmen kaufen das Land vom Staat oder von privaten Grundeigentümern. Sie erhalten die Erlaubnis, den Wald abzuholzen und zerstören damit die Lebensgrundlagen der indigenen Bevölkerung.

Online-Redaktion: Wie sieht die Arbeit von Greenpeace zu diesem Thema aus?

Emiliano: Die wichtigste Aufgabe ist: Wir müssen der Bevölkerung die Wahrheit über Biosprit erzählen. Biosprit wird von der Industrie immer als Lösung für die Klimakrise angepriesen. Das ist eine Lüge: er verschärft die Klimakrise. Das müssen wir der Öffentlichkeit klar machen. Und wir müssen zudem die Zerstörung der Wälder stoppen.

Online-Redaktion: Was wünschst Du Dir von der Agrosprit-Kampagne?

Emiliano: Ich hoffe, dass wir Millionen von Menschen dazu bringen können, die Wahrheit über Biosprit zu erkennen. Das wäre ein großer Sieg für die Umwelt. Und ich hoffe, dass die Industrie ihre Pläne ändert und sinnvollere Alternativen zur Bekämpfung der Klimakrise entwickelt.

Online-Redaktion: Emiliano, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Gerd Kulik.

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