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Warnung der EU vor ihrer Energiepolitik

EU-Umweltkommissar Dimas warnt vor den Folgen der EU-Energiepolitik. Denn die gesetzlich vorgeschriebene Quote für Agrotreibstoffe hat tiefgreifende negative Auswirkungen auf die Umwelt und den globalen Nahrungsmittelmarkt.

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Die Europäische Union hat sich das Ziel gesetzt, bis 2020 zehn Prozent der benötigten Kraftstoffe aus pflanzlicher Produktion zu gewinnen. Unter der Quote leiden nun Umwelt und Menschen. Im Angesicht dieser Folgen dürfe die Beimischungsquote nicht oberste Priorität haben, sagte Dimas der WELT ONLINE.

Der Agrotreibstoff geriet zunächst im Zusammenhang mit der Urwaldabholzung und dem Klimawandel in die Kritik. Durch den erhöhten Bedarf an Agrosprit werden die Anbauflächen immer weiter vergrößert. In Anbauländern wie Brasilien und Argentinien fällt diesen Ausweitungen immer mehr Urwald zum Opfer.

Die Rodung des Urwaldes beschleunigt wiederum den Klimawandel. Durch die Abholzung wird eine enorme Menge CO2 freigesetzt. Je nach Anbaugebiet kann es bis zu 420 Jahre dauern, bis das bei der Rodung freigewordene CO2 durch Agrokraftstoffe eingespart ist. So die Berechnungen amerikanischer Wissenschaftler.

Im Zusammenhang mit der weltweiten Hungerkrise ist nun eine weitere Problematik des sogenannten Biotreibstoffs offensichtlich geworden. Die Anbauflächen für Agroenergiepflanzen stehen nicht mehr für die Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung. Dadurch kommt es zu Engpässen auf dem Lebensmittelmarkt, was wiederum zu Preissteigerungen führt.

Entgegen allen Warnungen hält die EU jedoch weiter an der Beimischungsquote fest. Alexander Hissting, Agrarexperte bei Greenpeace, fordert: Die Quote zur Beimischung von Agrokraftstoff muss abgeschafft werden. CO2-Reduzierungen im Verkehrsbereich können viel effizienter und schneller erreicht werden. Zum Beispiel durch leichtere und spritsparendere Autos

Publikationen

Factsheet: Agrosprit

"Bio"-Kraftstoff der zweiten Generation - auch das ist noch kein wirklich funktionierendes System.
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