Milch ohne Gentechnik

Schon als Kinder lernen wir: Milch macht stark und gesund. Die Molkereikonzerne greifen dieses positive Bild gerne auf und zeigen in ihrer Milchwerbung ein Landidyll. Ein knuddeliger Bär auf einer Wiese oder ein Alpenpanorama täuschen eine Natürlichkeit vor, die wenig mit der Realität zu tun hat: In den Futtertrögen der meisten deutschen Milchkühe landet Gen-Mais oder Gen-Soja. Das hat unkalkulierbare Folgen für Menschen, Tiere und Umwelt.
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Milch ist ein Grundnahrungsmittel. Deutschland ist mit rund 85 Kilogramm jährlich weltweit Spitzenreiter im Verbrauch. Milchprodukte decken rund ein Viertel unseres täglichen Nahrungsbedarfs und sind besonders in der Ernährung von Kindern ein wichtiger Bestandteil.

Die meisten Milcherzeugnisse sind jedoch keine reinen Naturprodukte. Statt frisches Gras zu fressen, erhalten die meisten Kühe in Deutschland Kraftfutter, welches aus gentechnisch veränderten Pflanzen besteht. Die Hersteller der konventionellen Milchmarken Weihenstephan (Müller-Milch), Bärenmarke oder Allgäuland schließen Gen-Pflanzen im Futter ihrer Milchkühe nicht aus. Die Gefahr dabei: Fremde Gene in Lebensmitteln können neue Giftstoffe produzieren oder Allergien verursachen. Der Anbau von Gen-Pflanzen gefährdet zudem die biologische Vielfalt und führt zu einem vermehrten Pestizideinsatz.

Und die Verbraucher erfahren nichts davon, denn tierische Produkte müssen nicht gekennzeichnet werden, wenn Gen-Pflanzen im Futtertrog der Tiere landen. Im Ratgeber Essen ohne Gentechnik können Sie sich informieren, welche Hersteller Gentechnik im Tierfutter ausschließen.

Fremde Gene in der Milch

Hat die gentechnische Veränderung des Tierfutters Auswirkungen auf die Milch? Die Frage ist bisher wissenschaftlich weder eindeutig mit "Ja" noch mit "Nein" zu beantworten. Greenpeace fordert deshalb dringend weitere Untersuchungen. Versuche an Mäusen zeigten, dass Gen-Abschnitte aus der Nahrung aufgenommen und mit dem Blut auch in die inneren Organe transportiert werden können.

Tatsächlich wurden auch in der Milch bereits Gene identifiziert, wie sie für Gen-Mais und für Gen-Soja typisch sind. Die Universität Weihenstephan bei München fand bereits im Jahr 2000 entsprechende Gene in der Milch von Kühen eines Landwirtes, der jahrelang massiv Gen-Pflanzen verfüttert hatte.

Der Protest zeigt Wirkung

Seit 1996 setzt sich Greenpeace international für gentechnikfreie Lebens- und Futtermittel ein. Und der lange Atem zahlt sich aus. Unsere Erfolge:

  • 2005: Die hessische Upländer Bauernmolkerei führt die erste Milch in Deutschland mit der Kennzeichnung ohne Gentechnik ein.
  • 2006: Tegut stellt als erste Handelskette seine Frischmilch-Eigenmarke um und kennzeichnet sie mit der Aufschrift Milch ohne Gentechnik.
  • 2008: Seit September 2008 verzichtet die bekannte Milchmarke Landliebe auf gentechnisch veränderte Futterpflanzen für Milchkühe.
  • 2009: Die Molkerei Breisgaumilch stellt ihre Marke Schwarzwälder Weidemilch gentechnikfrei her.
  • 2011: Bei der Babymilchnahrung schwenken auch Hipp, Milupa, Alete und Humana auf gentechnikfreie Milch um.
  • 2012: Jetzt ist auch Nestlé mit im Boot. Der Konzern hat angekündigt, das komplette Molkepulver für seine Alete- und Beba-Produkte aus gentechnikfreier Herstellung zu beziehen.

 

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