Kosten der Hitze: So teuer war der Extremsommer 2026
- Ein Artikel von Michael Weiland
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Hitze, Dürre und Niedrigwasser haben Deutschland im Sommer 2026 mindestens 36 Milliarden Euro gekostet. Besonders hoch sind laut Greenpeace die Verluste in der Arbeitswelt.
Der Sommer 2026 war in Deutschland außergewöhnlich heiß und trocken. Die ersten Hitzetage kamen früh, Hitzeperioden hielten lange an, vielerorts fehlte über Wochen der Regen. Die Folgen reichen von Ernteausfällen und Waldschäden über Niedrigwasser bis zu gesundheitlichen Belastungen und hitzebedingten zusätzlichen Todesfällen. Die Greenpeace-Kurzanalyse „Wirtschaftliche Kosten des Extremsommers 2026“ beziffert die dadurch entstandenen volkswirtschaftlichen Schäden auf 36 bis 42 Milliarden Euro. Das entspricht etwa 0,8 bis 0,9 Prozent der jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung.
Dabei handelt es sich nicht um eine abschließende Bilanz. Wo aktuelle Daten fehlen, greift die Berechnung auf wissenschaftlich belegte Zusammenhänge und Erfahrungen früherer Extremjahre wie des Dürresommers 2018 zurück. Einige Schäden lassen sich bislang überhaupt nicht belastbar beziffern. Die errechnete Summe ist deshalb als Untergrenze zu verstehen.
Hitze kostet Arbeitsleistung
Der größte einzelne Kostenblock entsteht in der Arbeitswelt. Hohe Temperaturen führen zu mehr Arbeitsausfällen und verringern die Produktivität. Insbesondere Menschen, die im Freien oder in nicht klimatisierten Umgebungen arbeiten, sind stark von Hitzewellen betroffen. Für 2026 geht die Greenpeace-Analyse von bundesweit etwa 25 solchen Hitzetagen aus. Daraus ergeben sich 10,8 Milliarden Euro an Produktivitätsverlusten und Produktionsausfällen.
Hinzu kommen höhere Gesundheitskosten. Hitze verschärft unter anderem Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und Stoffwechselerkrankungen und erhöht die Zahl der Krankenhauseinweisungen und Notfälle. Die zusätzlichen Belastungen für das Gesundheitssystem werden für den Sommer 2026 auf rund 1,54 Milliarden Euro geschätzt.
Rund 14.000 hitzebedingte Todesfälle
Besonders schwer wiegen die gesundheitlichen Folgen der Hitze. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts gab es bis zur 32. Kalenderwoche rund 14.000 hitzebedingte Todesfälle. Die Greenpeace-Analyse geht davon aus, dass damit statistisch rund 35.000 Lebensjahre verloren gingen. Um diesen Verlust gesundheitsökonomisch abzubilden, nutzt die Analyse den sogenannten „Value of a Statistical Life Year“ (VSLY). Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, einem Menschenleben einen Geldwert zu geben. Der Wert beschreibt vielmehr, wie viel eine Gesellschaft bereit ist, für Maßnahmen auszugeben, die statistisch Lebenszeit erhalten. Auf dieser Grundlage ergeben sich für die 35.000 verlorenen Lebensjahre gesundheitsökonomische Kosten von 6,9 Milliarden Euro.
Milliardenverluste in Wald und Landwirtschaft
Auch Land- und Forstwirtschaft sind stark betroffen. Der Deutsche Bauernverband meldete im August einen Rückgang der Getreideerträge um neun Prozent pro Hektar. Hinzu kommen unter anderem dürrebedingte Verluste bei Futtermitteln. Insgesamt schätzt Greenpeace die Schäden in der Landwirtschaft auf 3,4 Milliarden Euro.
Noch höher fallen die erwarteten Schäden am Wald aus. Trockenheit und Hitze schwächen Bäume und erhöhen ihre Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten. Auf Grundlage der Erfahrungen aus dem Dürrejahr 2018 werden die Schäden am Waldbestand auf 5 bis 7,5 Milliarden Euro geschätzt. Ihr volles Ausmaß dürfte erst in den kommenden Jahren sichtbar werden.
Niedrigwasser belastet Industrie und Verkehr
Die anhaltende Trockenheit ließ auch die Pegel wichtiger Wasserstraßen stark sinken. Am Rheinpegel Kaub wurden bis Mitte August bereits 35 Tage unterhalb der vom Institut für Weltwirtschaft verwendeten kritischen Marke von 78 Zentimetern gemessen. Niedrige Pegel zwingen Frachtschiffe dazu, weniger Ladung zu transportieren. Das verteuert Transporte und kann die Produktion von Unternehmen beeinträchtigen, die auf Rohstoffe und Güter per Schiff angewiesen sind. Für das Niedrigwasser des Rheins veranschlagt die Analyse volkswirtschaftliche Schäden von 3,4 bis 4,5 Milliarden Euro.
Auch Straßen und Schienen leiden unter hohen Temperaturen. Asphalt kann sich verformen oder aufweichen, Betonfahrbahnen können aufbrechen, Gleise und technische Anlagen werden belastet. Die hitzebedingten Schäden an der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur werden auf 1,8 bis 3,7 Milliarden Euro geschätzt.
Hitze beeinträchtigt auch das Lernen
Ein weiterer Kostenfaktor betrifft Schulen. Hitze kann zu verkürztem Unterricht führen und zugleich die Konzentrations- und Lernfähigkeit beeinträchtigen. Studien zeigen einen messbaren Rückgang des Lernzuwachses an besonders heißen Schultagen.
Auf rund neun Millionen Schüler an allgemeinbildenden Schulen übertragen, beziffert Greenpeace die langfristigen wirtschaftlichen Folgen des geringeren Lernzuwachses auf rund 3,2 Milliarden Euro.
Nicht alle Klimaschäden lassen sich beziffern
Mehrere Folgen des Extremsommers sind in den 36 bis 42 Milliarden Euro noch nicht enthalten. Dazu gehören etwa die Auswirkungen von Hitze und Niedrigwasser auf das europäische Stromsystem. Kraftwerke in mehreren europäischen Ländern mussten ihre Leistung wegen fehlenden oder zu warmen Kühlwassers reduzieren. Auch die gesundheitlichen Folgen erhöhter Ozon- und Feinstaubbelastung sowie zahlreiche ökologische Schäden lassen sich bislang nicht eindeutig beziffern. Das gilt insbesondere für die Folgen von Waldbränden und Waldschäden für Biodiversität, Trinkwasser- und Erosionsschutz, Kohlenstoffspeicherung und Mikroklima. Damit dürfte der tatsächliche volkswirtschaftliche Schaden über der errechneten Summe liegen.
„Dieser Hitze- und Dürresommer war eine Katastrophe – für Millionen Menschen und für die Volkswirtschaft“, sagt Greenpeace-Finanzexperte Mauricio Vargas. „Auch wenn diese Naturkatastrophe keine Trümmerberge verursacht, ist die Höhe der Schäden erschütternd.“
Die Berechnung zeigt damit auch die wirtschaftliche Dimension der Klimakrise. Maßnahmen zum Klimaschutz verursachen Investitionskosten. Ihnen stehen jedoch bereits heute hohe und mit fortschreitender Erderhitzung zunehmende Schäden durch Extremwetter gegenüber.
Kurzanalyse wirtschaftliche Kosten Extremsommer 2026
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