Jetzt spenden
Let's Green Our Cities - Urban Farm in New York
© Boogich / Getty Images

„Mut zur Entsiegelung und Verkehrsberuhigung“

Label
Einmalig
Label
Monatlich
Standardintervall
Monatlich
Position Spendenbar am unteren Rand
Aus

Was können Bürger:innen für grüne Städte tun? Mit dieser Frage befasste sich die langjährige Greenpeace-Aktive Deniz Kaya in ihrer Masterarbeit. Ein Gespräch über Schwammstädte und Hoffnung.

Greenpeace: Wie bist du auf das Thema Stadtnatur gekommen?

Deniz Hsu: Ich habe vor einigen Jahren einen Vortrag gehört, in dem das Thema Schwammstädte behandelt wurde. Plötzlich lief ich ganz anders durch die Straßen in meiner Nachbarschaft: Ich sah an allen Ecken Möglichkeiten zur Begrünung und Versickerung. Allerdings hatte ich auch viele Bedenken: Von den Kosten über die Frage, wer in Kommunen überhaupt zuständig ist, bis zur Frage, ob ich meine Ideen ohne Spezialist:innen umgesetzt bekomme. Bei meiner Recherche sah ich mich bestätigt: Handlungspotenziale werden in der Literatur hauptsächlich für Umsetzer:innen in Kommunen und Architekt:innen behandelt. Dabei sehe ich auch großes Potenzial bei uns Bürger:innen und wollte dieses systematisch herausarbeiten.

An der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz konnten wir in meinem Jahrgang die erste Saison des bundesweiten Abpflaster-Wettbewerbs mit konzipieren und organisieren. Parallel habe ich in Karlsruhe in einem Gemeinschaftsprojekt Bürger:innen dazu eingeladen, ihre Vorstellung von ihrer lebenswerten Stadt zu visualisieren. Beides hat mich inspiriert: Ich wollte grüne Städte fördern.

Ich bin bereits seit einigen Jahren bei Greenpeace aktiv und wollte gerne meine Masterarbeit mit Euch schreiben. Also schaute ich bei Greenpeace auf der Ehrenamtlichen-Seite Greenwire nach, fand aber nichts richtig Passendes und kam dadurch zu meinem Thema „Was Bürger:innen tun können, um grüne Städte zu fördern – Handlungsbeispiele & das Engagement bei Greenpeace“.

Warum ist dir das wichtig?

Wir haben alle diesen Sommer bei der Hitze gemerkt, welchen Unterschied es macht, wenn Bäume Schatten spenden. Als Mama erschreckt mich besonders, dass Spielplätze ohne Schatten im Sommer nicht genutzt werden können. Wir brauchen kühle Orte, Wasser, Entsiegelung – auch um Hitzetote zu verhindern.

Und dafür können wir alle etwas tun. Ich mag es, mich mit meinen Mitmenschen ehrenamtlich zu engagieren. Es ist super, wenn man das Ergebnis sehen und anfassen kann. Begegnung und Teilhabe: Das hat ganz viel Potenzial für unsere Demokratie. 

Deniz Hsu

Deniz Hsu hat Ökonomie-Verantwortung-Institutionsgestaltung an der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz studiert. Die 32-Jährige berät bei der Überarbeitung und Neuentwicklung von Software; bei ihrem Arbeitgeber unterstützt und initiiert sie Nachhaltigkeitsaktivitäten. Seit 2023 ist Deniz bei Greenpeace in der Ortsgruppe Frankfurt am Main als Trainerin und jetzt Masterandin aktiv.

Du hast bundesweit nach Beispielen gesucht, wie sich Menschen an ihre kommunale Politik wenden. Du hast Interviews geführt, aber auch in unserem Aktivenportal Greenwire recherchiert. Was waren deine Erkenntnisse? 

Es gibt einen Blumenstrauß an Möglichkeiten, grüne Städte zu fördern. Jedoch: Diese vielen Initiativen und Engagierten wissen oft nichts voneinander und erfinden somit das Rad immer wieder neu oder schöpfen Potenziale nicht aus. Ich möchte daher Vernetzung fördern. Wir können mehr voneinander lernen, neben Erfolgen auch von Stolpersteinen und Vorgehensweisen bei anderen Projekten. 

Außerdem habe ich festgestellt: Das Thema ist sehr Greenwashing-gefährdet. Schnell kann ein Projekt in eine Richtung rutschen oder gedrückt werden. Deshalb ist Reflexion sehr wichtig. Es sollte klar sein, was bis wann das Ziel ist, und das sollte regelmäßig überprüft werden.

Meine Ergebnisse habe ich an zwei Stellen aufbereitet, damit sie Interessierten langfristig zur Verfügung stehen. Auf dieser Greenwire-Seite findet man die Ergebnisse zu den bisherigen „Grüne Stadt“-Aktivitäten bei Greenpeace und auf mitmachorte.de die bundesweiten Good Practices. Mitmachorte.de wird im Oktober nach der Sommerpause veröffentlicht – wer bei der Verbreitung unterstützen will, kann sich gerne über Greenwire bei mir melden, freue mich über den Austausch. :)


Gab es einen Aha-Moment?

Ja, während eines Interviews mit einer Mitarbeiterin eines Gartenbauamts. Dieses hatte eine tolle Fläche zur Verfügung gestellt. Es war aber sehr aufwendig, engagierte Menschen zu finden, welche diese zum Gärtnern nutzen und pflegen. Daher will das Gartenbauamt künftig darauf setzen, dass motivierte Menschen zu ihnen kommen. Auch ein Ehrenamtlicher von Greenpeace bestätigte das: Auch hier hatte eine Kommune Personen für die Pflege einer Fläche gesucht und dafür Budget bereitgestellt – und irgendwann aufgegeben, weil immer etwas nicht gepasst hatte. Deshalb: Gerne auf die Kommunen zugehen und fragen, ob es Flächen gibt!

Ideen, was wir alle tun können

Collage Greenpeace STadtnatur
© Greenpeace / Marc Jerschov

Lebenswerte Städte für alle!

Mitmachen

Immer mehr Menschen wohnen in Städten, schon jetzt sind es knapp 80 Prozent. Doch wie bekommen wir diese im Sommer lebenswerter? Wir haben einige Mitmachmöglichkeiten zusammengestellt.

mehr erfahren über Lebenswerte Städte für alle!

Welche der Projekte rund um Stadtbegrünung haben dich besonders inspiriert?

Da gibt es viele! Definitv die „Initiative Fritschestraße“ Berlin. Zwei Laien in Sachen Begrünung haben ehrenamtlich, mit Spaß an der Sache, erste Pflanzprojekte in ihrer Straße umgesetzt. Mit der Zeit machten immer mehr mit. Die beiden Initiatoren sahen sich als lokalen Innovationsinkubator: Neben Begrünung kamen nun beispielsweise Regentonnen ins Spiel und ein Pinkelstein-Konzept, damit ihre Arbeit hundefreundlich bleibt. Sie sind kompromissbereit, aber hartnäckig. Sie sind gut vernetzt und laden regelmäßig Politiker:innen zum Austausch zu ihren Begegnungsfesten ihrer Straße ein: zur Stärkung der Demokratie, Begrünung, aber auch zum ausgelassenen Feiern. 

Weitere tolle Projekte sind beispielsweise Green it up von der Organisation „Lust auf besser leben“ in Frankfurt am Main, ein Entsiegelungsprojekt mit einem wunderbaren Handbuch für andere, das mich inspiriert hat. Und der Runde Tisch Magdegrün in Magdeburg – dort treffen sich regelmäßig Vertreter:innen der entscheidenden Ämter, Umweltorganisationen und Engagierte, um sich über den Fortschritt der Begrünungsmaßnahmen auszutauschen. 

Was wünscht du dir für deine Stadt?

 Wie für alle anderen Orte: mehr Grün, Mut zur Entsiegelung und Verkehrsberuhigung. Außerdem Förderung von Ehrenamt und regelmäßigen Austausch zwischen Ämtern und engagierten Initiativen, um Projekte voranzutreiben. 

Deniz' Tipps für Menschen, die aktiv werden möchten

Für den Start

Text
  • Es braucht nicht direkt die perfekte Projektidee! Eine Bestandsaufnahme hilft: Welche Möglichkeiten zur Beteiligung gibt es bereits? Häufig gibt es Ehrenamtskoordinator:innen, bei denen man sich informieren kann. 
  • Wichtig ist, sich ein Thema zu suchen, das einen wirklich interessiert und  dass man sich mit den anderen Ehrenamtlichen wohlfühlt. Daher: Schnupperangebote nutzen. Im besten Falle finden sich dort Gleichgesinnte mit ähnlichen Zielen und Interessen.
  • Klein beginnen: Daheim auf der Fensterbank, dem Balkon oder im Garten starten, bei einer kleinen Aktion im Viertel mitmachen oder an einem Event teilnehmen: So findest du erst einmal in das Thema hinein.

Für Fortgeschrittene

Text
  • Fachlich tiefer in das Thema einarbeiten, hier helfen zum Beispiel Infos von Changing Cities, WirmachenWien oder Klima und Demokratie
  • Kontakt zur Kommune, Organisationen und Politiker:innen aufbauen
  • Netzwerktreffen oder Konferenzen besuchen und Erkenntnisse aus dem Projekt teilen

 

Zum Weiterlesen

Ein kleiner Schatten eines Straßenbaums auf versiegeltem Boden
© Paul Langrock / Greenpeace

Mehr Raum für Stadtnatur

Überblick

Verformte Straßenbahngleise, Tropennächte, Unwetter – das sind nur ein paar Folgen des historischen Hitze-Wochenendes Ende Juni in Deutschland. Wie sich Städte besser schützen können.

mehr erfahren über Mehr Raum für Stadtnatur
Urbanes Gärtnern: Menschen bauen Blumen und Gemüse auf öffentlichen Plätzen und Parks an.
© Dmitrij Leltschuk / Greenpeace

Tipps für Urban Gardening

Kurz und Knapp

Gartenarbeit ist nicht nur etwas für Menschen mit eigenem Haus. In immer mehr Städten gibt es Gemeinschaftsprojekte – und auch ein Balkon kann zum Mini-Großstadtdschungel werden.

mehr erfahren über Tipps für Urban Gardening