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Zwei große Bilder nebeneinander auf einem Lkw: eines düster „Power the apocalypse“, das andere mit Windrad „Power the future“.
© Brooke Anderson / Greenpeace

Nvidia: Die Klimakosten des KI-Booms

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Der US-Konzern Nvidia ist der große Gewinner des KI-Booms. Eine Greenpeace-Analyse zeigt: Der rasante Aufstieg des Chipkonzerns geht mit massiv steigenden Treibhausgasemissionen einher. 

Vor einigen Jahren noch war der Techkonzern Nvidia vor allem in der Gamingszene ein Begriff: Die leistungsstarken „Geforce“-Grafikkarten des Chipherstellers machen komplexe 3D-Spielszenen erst möglich. Dass das US-Unternehmen mittlerweile maßgeblich den Boom Künstlicher Intelligenz vorantreibt, ist in der wirtschaftlichen Logik des Gründers und CEOs Jensen Huang folgerichtig: Beides benötigt enorme Rechenleistung – und Nvidia setzt alles daran, sie zu liefern.

Ein aktueller Report von Greenpeace International verdeutlicht, welche Kosten dieser Expansionsdrang für die Umwelt bedeutet. Die Auswertung von Nvidias eigenen Klimaberichten zeigt: Die Emissionen in der Lieferkette des Chipkonzerns sind seit 2020 um 725 Prozent gestiegen. Die nicht ausgewiesenen Emissionen aus der Nutzung der verkauften Chips dürften Schätzungen zufolge fast doppelt so hoch sein. Das von Jensen Huang behauptete Bemühen um Nachhaltigkeit ist nirgends nachweisbar. Und die Kritik wächst.

Vom Grafikkartenhersteller zum KI-Giganten

Nvidia ist nach einem eher wackeligen Start in den Neunzigern zu einem der mächtigsten Unternehmen der globalen Techindustrie aufgestiegen. Der Grund dafür sind vor allem seine hochentwickelten Chips: Sie liefern die enorme Rechenleistung, die für das Training und den Betrieb moderner KI-Systeme benötigt wird. Der KI-Boom hat deshalb auch Nvidia einen beispiellosen wirtschaftlichen Aufstieg beschert. Seit Juni 2024 steht das Unternehmen immer wieder an der Spitze der wertvollsten börsennotierten Konzerne der Welt, noch vor Apple und Microsoft; im Oktober 2025 überschritt sein Börsenwert als erster überhaupt die Marke von fünf Billionen US-Dollar, der Status als wertvollstes Unternehmen der Welt scheint zementiert.

Mit dieser Größe wächst Nvidias Einfluss darauf, wie und wo die digitale Infrastruktur der Zukunft entsteht: neue Rechenzentren, immer rechenstärkere Chips und immer leistungsfähigere KI-Modelle. All das braucht enorme Mengen Strom und Rohstoffe – und verursacht Treibhausgasemissionen. Am 16. März 2026 protestierte Greenpeace USA darum zum Auftakt der Nvidia-Konferenz GTC (GPU Technology Conference). Die Umweltschützenden machten darauf aufmerksam, dass der Halbleiterriese den KI-Boom mit fossilen Energien antreibt. Die Forderung an das wertvollste Unternehmen der Welt: Nvidia muss seine globale Lieferkette mithilfe erneuerbarer Energien dekarbonisieren. 

Nvidia: Greenwashing als Selbstverständnis

Nvidia selbst zeichnet ein anderes Bild. Rund um die New Yorker Climate Week präsentiert sich das Unternehmen seiner Verantwortung in der Klimakrise bewusst. Es verweist unter anderem auf effizientere KI-Systeme, umweltfreundliche Flüssigkühlung für Rechenzentren, Innovationen im Bereich erneuerbarer Energien und darauf, dass KI selbst beim Klimaschutz helfen könne. Die neue Analyse von Greenpeace International entkräftet viele dieser Ankündigungen als hohle Floskeln. 

Portraits Benjamin Stephan
Benjamin Stephan

Greenpeace-Experte für Künstliche Intelligenz

„Zentrale Klimaversprechen des Konzerns sind bislang überhaupt nicht belegt. Nvidia präsentiert sich als Lösung eines Problems, zu dem das Unternehmen selbst den größten Teil beiträgt. Denn Jensen Huangs Unternehmen ist kein klassischer Profiteur des KI-Booms: Nvidia treibt den rasanten Ausbau der energiehungrigen KI-Infrastruktur maßgeblich mit voran.“
Portraits Benjamin Stephan
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“Zentrale Klimaversprechen des Konzerns sind bislang überhaupt nicht belegt. Nvidia präsentiert sich als Lösung eines Problems, zu dem das Unternehmen selbst den größten Teil beiträgt. Denn Jensen Huangs Unternehmen ist kein klassischer Profiteur des KI-Booms: Nvidia treibt den rasanten Ausbau der energiehungrigen KI-Infrastruktur maßgeblich mit voran."
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Greenpeace-Experte für Künstliche Intelligenz
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Mitmachen – besser machen

Fünf Tipps: Was wir für ein besseres Netz tun können

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Regulierung ist für Greenpeace unerlässlich. Aber die gute Nachricht ist: Wir alle können etwas tun, und wir müssen dafür keine Programmierer:innen sein. Schon kleine Verhaltensänderungen können die Macht verschieben:

  1. Nein zu Monopolen

    Greenpeace rät zum „digitalen Ausstieg“ aus monopolartigen Plattformen: Statt Whatsapp datenschützende Messenger wie Signal nutzen, statt X dezentrale Netzwerke wie Mastodon. Suchmaschinen wie Ecosia finanzieren Aufforstungsprojekte, während Browser wie Firefox unabhängige Gegenmodelle zu den Systemen von Google oder Apple sind.

  2. Energiefresser vermeiden

    Streaming in höchster Auflösung, ständiges Cloud-Backup und KI-Anwendungen brauchen viel Energie. Nutzer:innen können diese Dienste vermeiden oder einschränken, etwa indem sie auf eine Funktion spezialisierte KI-Modelle nutzen statt der bekannten Chatbots.

  3. Lieber weniger 

    Soziale Netzwerke verdienen, wenn Menschen möglichst lange bleiben. Wer Push-Mitteilungen deaktiviert und Bildschirmzeiten begrenzt, entzieht diesen Geschäftsmodellen einen Teil ihrer Grundlage.

  4. Schönes analoges Leben

     Es gibt ein Leben jenseits des Digitalen: Immer mehr junge Menschen treffen sich zum Musikhören oder Bücherlesen. In Skandinavien kehren Schulen zum analogen Unterricht zurück, in Deutschland beginnt zumindest eine Debatte darüber.

  5. Mitmachen für Demokratie im Netz 

    Initiativen wie Save Social (von Greenpeace unterstützt) engagieren sich zum Beispiel mit einem monatlichen Digital Independence Day für ein demokratisches Internet und dafür, den Einfluss großer Konzerne zu begrenzen. Jede:r kann mitmachen und Unterstützung zeigen.

Die versteckten Emissionen des KI-Booms

Ein großer Teil des ökologischen Fußabdrucks entsteht dabei in Nvidias Lieferkette. Nvidia entwickelt seine Chips, lässt sie jedoch von anderen Unternehmen fertigen. Besonders wichtig sind dafür Produktionsstandorte in Ostasien, etwa in Taiwan und Südkorea. Dort ist die Energieversorgung weiterhin stark von fossilen Energieträgern abhängig. Doch nicht nur die Herstellung der Chips ist energieintensiv und klimaschädlich. Nvidia kündigte kürzlich an, exklusiv Chips für ein Rechenzentrum im US-Bundesstaat Ohio zu liefern. Dieses soll Berichten zufolge mit Strom aus einem eigens dafür geplanten Gaskraftwerk versorgt werden – einem der größten weltweit. 

Je stärker die weltweite Nachfrage nach Hochleistungschips wächst, desto stärker wächst auch der Energiebedarf entlang ihrer Lieferketten. Die Klima- und Umweltkosten dieser Entwicklung fallen dabei zu einem erheblichen Teil in den Regionen an, in denen die Chips hergestellt werden – während ein Konzern wie Nvidia mit dem weltweiten KI-Boom Rekordumsätze und -gewinne erzielt.

Die Klimakosten von Künstlicher Intelligenz sind real

Im Licht der aktuellen Diskussion um die potenziell katastrophalen Folgen einer ungebremst entwickelten Künstlichen Superintelligenz (Artificial General Intelligence), wirkt der Verweis auf die ökologischen Konsequenzen des KI-Booms möglicherweise zu kurz gegriffen. Allerdings sind diese Folgen bereits jetzt real – und das in einer Größenordnung, die ebenso eine Gefahr für unsere Lebensgrundlagen darstellt. 

Greenpeace fordert von Nvidia:

  • eine Technologieentwicklung, die sich nach den Bedürfnissen und dem Wohl der Allgemeinheit richtet
  • zusätzliche Investitionen in zusätzliche erneuerbare Energien weltweit
  • eine Versorgung mit 100 Prozent erneuerbaren Energien über den eigenen Geschäftsbetrieb hinaus auf die gesamte Produktions- und Lieferkette – bis 2030 und insbesondere an wichtigen Produktionsstandorten in Ostasien wie Taiwan. 

Online-Mitmachaktion

https://act.greenpeace.de/bigtech

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