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Schiffe in der Straße von Hormus
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Was der Krieg gegen den Iran wirklich kostet

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Während Öl- und Gaskonzerne Rekordgewinne einstreichen, zahlen andere die Rechnung: mit ihrem Zuhause, ihrer Gesundheit, ihrem Trinkwasser und ihrem Leben. 

Ein Krieg kostet immer mehr als in den Schlagzeilen steht. Der andauernde, völkerrechtswidrige Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat die USA bereits mehr als 100 Milliarden US-Dollar an direkten Militärausgaben erzeugt. Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Dahinter stehen explodierende Energiepreise, ein ins Wanken geratener Welthandel und vor allem unermessliches menschliches Leid. Eine Lehre daraus: Solange die Welt am Öltropf hängt, ist sie verwundbar – aus einer regionalen Krise kann ein globaler Schock werden. 

Das Leid, das in keiner Bilanz auftaucht

Die Zahlen dominieren die Schlagzeilen. Aber die schwersten Kosten dieses Krieges lassen sich nicht beziffern. Tausende Zivilist:innen wurden getötet. Familien zerrissen, Traumata hinterlassen, die noch Generationen später spürbar sein werden. Häuser, Schulen, Krankenhäuser: zerstört. Millionen Menschen auf der Flucht, viele davon in überfüllten Notunterkünften. Denn beide Kriegsparteien greifen gezielt das an, was Menschen zum Überleben brauchen: Stromnetze, Wasseraufbereitungsanlagen und Krankenhäuser. Ganze Regionen sind von Trinkwasser, Strom und Notversorgung abgeschnitten. Auch die systematische Zerstörung von Wohnraum, Schulen und ziviler Infrastruktur hat Millionen Menschen dazu bewegt, sich auf gefährliche Fluchtrouten zu begeben. Aus einem regionalen Krieg wurde eine humanitäre Katastrophe mit Ansage. 

100 Milliarden Dollar Militärkosten sind nur ein Teil der Rechnung 

Laut dem Wirtschaftsmagazin Fortune hat der Krieg die US –Steuerzahler:innen bereits mehr als 100 Milliarden US-Dollar gekostet. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bezifferte die bisherigen Kosten gegenüber dem Kongress auf 37,5 Milliarden US-Dollar und forderte für die Fortsetzung weitere 67,1 Milliarden. Doch selbst diese gigantischen Summen zeigen nur die Militärausgaben. Was fehlt: die Folgekosten für Unternehmen, Staatshaushalte und Familien, die unter den steigenden Energiepreisen und der Inflation leiden. 

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Die Straße von Hormus: Ein Nadelöhr entscheidet über die Weltwirtschaft

Die Straße von Hormus ist eine der verwundbarsten Stellen der Weltwirtschaft. Aktuelle Daten der US Energy Information Administration (EIA) zeigen, dass fast ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs durch diese schmale Meerenge fließen. Im ersten Halbjahr 2025 entsprach das täglich 20,9 Millionen Barrel Öl. Auch der Flüssigerdgashandel, vor allem der Export aus Katar, hängt an dieser einen Route. 

Schon die bloße Drohung einer Blockade reicht, um die Weltwirtschaft zittern zu lassen. Als sich die Lage im März und April 2026 zuspitzte, zogen sich große Schiffsversicherer aus dem Kriegsrisikogeschäft zurück. Der Versicherer Lloyd's,stufte den gesamten Persischen Golf als Hochrisikogebiet ein. Das Ergebnis: Der Schiffsverkehr durch die Meerenge brach um 95 Prozent ein. Als private Versicherer aufgaben, sprang der Staat ein: Die US –Entwicklungsbank International Development Finance Corporation (DFC), legte eine Rückversicherung über 40 Milliarden Dollar auf, nur um den Seehandel am Leben zu erhalten. 

Steigende Preise für Verbraucher:innen, Rekordgewinne für Konzerne

Steigende Energiepreise ziehen sich durch die gesamte Wirtschaft. Am stärksten spürbar bei Lebensmitteln. Landwirtschaft hängt an fossiler Energie: für Maschinen, Dünger, Bewässerung, Transport. Steigt der Ölpreis, steigt der Brotpreis. Am härtesten trifft es, wie immer, Menschen mit wenig Geld. Und während Haushalte kämpfen, feiern Energiekonzerne Rekordquartale. Greenpeace hat nachgerechnet: 

  • 30 Millionen US-Dollar Zusatzgewinn pro Stunde verdienten die 100 größten Öl- und Gaskonzerne allein im ersten Kriegsmonat März 2026 zusätzlich. 
  • 234 Milliarden Dollar könnten große Produzenten wie Saudi Aramco, Gazprom und ExxonMobil bis Jahresende 2026 an Zusatzgewinnen einstreichen.
  • 6,9 Milliarden US-Dollar Gewinn meldete Shell allein für das erste Quartal 2026. Mehr als doppelt so viel wie im Quartal davor. Zusammen mit Total Energies, BP und Equinor: über 18 Milliarden US-Dollar bereinigter Gewinn. Das ist ein Plus von 80 Prozent.. 

Der Fachbegriff dafür: Fossilflation. Öl – und Gaspreise treiben die Kosten für Essen, Strom, Heizen und Mobilität in die Höhe. Konzerne verdienen, während Haushalte weltweit dafür zahlen. Schon 2023 zeigte sich, wie teuer das werden kann: Störungen im Roten Meer und in der Meerenge Bab al –Mandab zwangen Seeschifffahrtsunternehmen zur Umleitung um das Kap der Guten Hoffnung. Auf Strecken wie der Route von Shanghai nach Hamburg verlängerte sich eine einzelne Fahrt dadurch um bis zu 6.000 Kilometer; und die CO₂ -Emissionen stiegen um bis zu 38 Prozent.

  • 360 Millionen Euro Schaden pro StundeSo beziffert der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages die Verluste im Jahr 2023 durch längere Fahrten, mehr Treibstoff, gestiegenen Personalkosten,die Überlastung des Hafens und Lieferkettenverzögerungen.
  • Rückgang wichtiger Handelsströme: Die Verlagerung von Schifffahrtsrouten hat den Anteil des globalen Öl – und Flüssigerdgashandels, der traditionell durch das Rote Meer und den Suezkanal führte, stark eingeschränkt. 

Auch der Ausblick der Weltbank ist alarmierend. Eine anhaltende Eskalation könnte das globale Wirtschaftswachstum auf 1,3 Prozent abwürgen, die Inflation im schlimmsten Fall auf bis zu 4,5 Prozent in die Höhe treiben. Die Formel ist einfach: Je abhängiger wir von Öl und Gas sind, desto schneller können Krieg und Instabilität in einer Region zu einer globalen Wirtschaftskrise werden.

Warum fossile Abhängigkeit ein Sicherheitsrisiko ist

Der US-israelische Krieg gegen den Iran zeigt schonungslos: Fossile Abhängigkeit ist nicht nur ein Klimaproblem. Sie ist auch ein Sicherheitsrisiko. Die weltweite Abhängigkeit von Öl und Gas konzentriert die Energieversorgung auf Regionen, die besonders stark von geopolitischen Spannungen betroffen sind. Das macht Volkswirtschaften anfällig für Ausfälle an wenigen Förderstandorten und für Störungen zentraler Transportrouten  – im Ernstfall erpressbar.

Ein Teufelskreis: Fossile Abhängigkeit schürt geopolitische Konkurrenz, militärische Konflikte lösen Preisschocks aus. Preisschocks bringen Inflation und Instabilität. Und daraus resultierende Unsicherheit bremst genau die Investitionen aus, die wir bräuchten. Investitionen in saubere, robuste Energiesysteme

Dazu kommen die direkten Umweltfolgen des Krieges selbst. Militäroperationen verbrennen gewaltige Mengen an fossiler Energie. Werden Kraftwerke, Raffinerien, Lagerstätten oder andere Teile der Energieinfrastruktur getroffen, entweichen Treibhausgase und giftige Schadstoffe in die Luft. Und der Wiederaufbau danach? Frisst wieder Stahl, Zement, fossile Energie. Ein Kreislauf, der sich selbst befeuert. Die Abkehr von Öl, Gas und Kohle ist deshalb weit mehr als Klimapolitik: Er ist Sicherheitspolitik. Sie stärkt die Energiesicherheit, verringert die Anfälligkeit für geopolitische Schocks und macht Volkswirtschaften widerstandsfähiger. 

Die verdeckten Umweltkosten des Krieges: Zerstörung und vertiefte Ungerechtigkeit 

Abseits der Schlagzeilen läuft im Nahen Osten eine Umweltkrise. Die Region erwärmt sich doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Krieg und Klimakrise verstärken sich damit gegenseitig – mit gravierenden Folgen für Menschen und Ökosysteme.

Wasserknappheit und zerstörte Äcker verschärfen Flucht und Vertreibung noch weiter. Zwei Drittel des Trinkwassers der Region stammen aus Entsalzungsanlagen  – und genau diese wurden gezielt angegriffen. Von der iranischen Insel Qeschm bis zu Standorten in Bahrain und in die VAE: Zehntausende Menschen ohne sauberes Wasser. 

Gleichzeitig brennen Öldepots und Raffinerien, etwa Schahran und Schahr-e Rey  in Teheran. Toxische Schadstoffe gelangen direkt in die Luft, den Boden und die Gewässer. Die Folgen werden lange nachwirken: Die ökologischen Folgen gehen mit enormen wirtschaftlichen Verlusten einher.

  •  Über 58 Milliarden Dollar zerstörte Energieinfrastruktur 
  •  600 Millionen US –Dollar tägliche Einnahmeausfälle allein im Tourismus

Dieses Geld fehlt  jetzt für Wasserversorgung, erneuerbare Energien und Klimaanpassung, was die Haushalte der Region zusätzlich unter massiven Druck setzt..

Und die Klimabilanz? Erschütternd. Allein die ersten zwei Kriegswochen haben schätzungsweise fünf Millionen Tonnen CO₂ verursacht. Das ist mehr als der jährliche CO2-Fußabdruck von 84 Nationen zusammen. Klimaresilienz lässt sich nicht bombensicher bauen. Ohne Frieden keine Anpassung. Ohne Stabilität kein Überleben.

Erneuerbare Energien als Weg aus der Abhängigkeit 

Dieser Krieg zeigt deutlich, wie hoch der Preis fossiler Abhängigkeit ist. Erneuerbare Energien machen unabhängig: von volatilen Weltmärkten, von politisch verwundbaren Lieferrouten, von Erpressbarkeit. Sonne und Wind kommen aus dem eigenen Land. Öl und Gas nicht. Mehr erneuerbare Stromerzeugung, stärkere Netze, mehr Effizienz, schnellere Elektrifizierung – das schützt Volkswirtschaften vor dem nächsten Preisschock. 

Der Gewinn reicht weit über den Klimaschutz hinaus: niedrigere Importkosten, bessere Handelsbilanzen, planbare Energiepreise für Unternehmen und Familien. Und weniger Macht für die wenigen Staaten, die heute die Öl- und Gashähne kontrollieren. Der Ausstieg aus fossiler Energie ist eine Investition in globale Stabilität, menschliche Sicherheit und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit. Zwar laufen derzeit Gespräche zwischen den Konfliktparteien, doch ein dauerhafter Waffenstillstand wurde bislang nicht erreicht. Wir riskieren eine Ausweitung des Konfliktes auf die gesamte Region. Es braucht deshalb jetzt dringend eine Rückkehr zur Diplomatie und ein Ende der Kämpfe, um weitere Tote, Vertreibung und die Zerstörung kritischer Infrastruktur zu verhindern und einen Frieden zu ermöglichen, der auf Klima und sozialer Gerechtigkeit fußt. 

 

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