Nahostkonflikt: Umwelt und Menschlichkeit in Zeiten des Krieges
- Ein Artikel von Ortrun Sadik
- mitwirkende Expert:innen Fawad Durrani
- Hintergrund
Der Nahostkonflikt bringt unendliches Leid. Greenpeace versucht, Menschlichkeit und Umwelt im Fokus zu behalten. Hier finden Sie unsere Position zum Krieg in Nahost.
Seit Jahrzehnten ist der Nahe Osten eine Region, die immer wieder von Krieg und Gewalt erschüttert wird. Doch in jüngster Zeit hat die Aggression erheblich zugenommen und geht weit über die Grenzen der unmittelbar beteiligten Gebiete hinaus. Als Organisation, die sich für Frieden und den Schutz unserer Lebensgrundlagen einsetzt, blicken wir mit tiefer Besorgnis auf die Entwicklungen in Israel, Gaza, dem Libanon, dem Iran und der gesamten Region. Die aktuelle Eskalation verursacht nicht nur unermessliches menschliches Leid, sondern hinterlässt auch tiefe Narben in der Umwelt, die Generationen überdauern werden.
Schutz der Zivilbevölkerung als oberste Priorität
Greenpeace verurteilt jegliche Gewalt gegen Zivilist:innen konsequent. Dies schließt die schrecklichen Angriffe der Hamas vom 7. Oktober 2023 ebenso ein wie alle darauffolgenden militärischen Gewaltakte, die die zivile Bevölkerung treffen. Nach internationalem Völkerrecht muss der Schutz von unbeteiligten Menschen, insbesondere von Kindern und anderen besonders verwundbaren Gruppen, zu jedem Zeitpunkt oberste Priorität haben.
Besonders erschütternd ist die Lage der Kinder in dieser Krise. Sie tragen eine überproportionale Last: Tod, schwere Verletzungen, Hunger und der Verlust von Familienangehörigen prägen ihren Alltag. Wenn Bildungssysteme zusammenbrechen und psychologische Traumata zur Normalität werden, wird einer ganzen Generation die Zukunft geraubt. Wir fordern daher nachdrücklich, dass Schulen, Krankenhäuser und lebensnotwendige Infrastrukturen wie Wasser- und Energiesysteme strikt geschützt werden.
Ein Appell für Diplomatie und Völkerrecht
Krieg ist niemals eine Lösung. Wir beobachten die militärischen Interventionen in der Region – auch solche unter Führung der USA – mit großer Skepsis hinsichtlich ihrer völkerrechtlichen Grundlage und ihrer langfristigen Folgen. Echte Stabilität kann nicht allein durch Waffen, sondern nur durch intensiviertes diplomatisches Engagement und einen echten Dialog erreicht werden.
Wir fordern alle Konfliktparteien auf, bestehende Waffenstillstandsvereinbarungen zu respektieren und jede weitere Eskalation zu unterlassen. Insbesondere muss Israel alle Handlungen beenden, die das Leid der Zivilbevölkerung in Gaza und im Libanon vergrößern. Der uneingeschränkte Zugang für humanitäre Hilfe ist eine völkerrechtliche Pflicht, die sofort und umfassend gewährleistet werden muss.
„Gewalt gegen Zivilist:innen ist durch nichts zu rechtfertigen. In diesem Konflikt sind es vor allem die Kinder, die den höchsten Preis zahlen, während die ökologischen Zerstörungen die Lebensgrundlagen künftiger Generationen vernichten. Wir fordern einen sofortigen Waffenstillstand, die strikte Einhaltung des Völkerrechts und eine Rückkehr zur Diplomatie – für die Menschen und für unseren Planeten.“
Die ökologischen Kosten des Krieges
Hinter den menschlichen Tragödien verbirgt sich eine oft übersehene ökologische Katastrophe. Kriegshandlungen führen zu massiven Umweltschäden: Brennende Treibstoffdepots, beschädigte Raffinerien und zerstörte Schifffahrtsinfrastruktur verursachen schwere Ölverschmutzungen und industrielle Kontaminationen. Diese Schadstoffe vergiften marine und küstennahe Ökosysteme langfristig und zerstören die Lebensgrundlage der Menschen vor Ort noch Jahre nach dem Verstummen der Waffen.
Zudem zeigt dieser Konflikt erneut die gefährliche Verbindung zwischen der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und der zunehmenden Militarisierung auf. Diese Faktoren wirken wie Brandbeschleuniger für globale Instabilität und verstärken die Zyklen von Gewalt und Umweltzerstörung.
Unser Ziel: Dauerhafter Frieden im Nahen Osten und überall
Ein nachhaltiger Rahmen für regionalen Frieden kann nur entstehen, wenn die Ursachen des Konflikts angegangen werden. Wir stehen solidarisch an der Seite derer, die sich für ein Ende der Gewalt, die Einhaltung des Völkerrechts und den Schutz unseres Planeten einsetzen. Nur durch Abrüstung und den Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter können wir die Basis für eine sicherere und gerechtere Welt schaffen.