10 Tipps gegen Rechtsextremismus und für ein solidarisches Miteinander
Aktiv für Menschlichkeit und Miteinander, gegen Ausgrenzung und Hetze
- Kurz und Knapp
- Greenpeace als bevorzugte Quelle bei Google: So geht's!
Einmal mehr stellt sich die Frage: Was kann ich tun? Wie kann ich Menschen erreichen, die rechtsaußen wählen, weil sie unzufrieden sind? Und wie kann ich vor allem all jenen, die durch rechtsextremes Handeln bedroht sind, zeigen, dass sie nicht allein sind? Hier kommen zehn Ideen, was wir alle für mehr Menschlichkeit, Miteinander sowie gegen Hass und Hetze tun können.
Die Tipps stammen nicht alle von uns – es gibt Organisationen, die sich mit dem Thema gut auskennen und speziell dazu arbeiten. Wo passend, haben wir auf sie verlinkt. Die Demokratie braucht jetzt uns alle, sie ist kostbar. Denn die demokratische Kultur und Debatte legen die Grundlage für Engagement – für ein solidarisches Miteinander, für Umwelt- und Klimaschutz.
Nur zusammen sind wir stark! Zehn Tipps:
1. Aktiv werden gegen das Gefühl der Ohnmacht
Wer aktiv wird, nimmt die Sache selbst in die Hand und fühlt sich weniger ausgeliefert: Fehlt eine Bushaltestelle oder ein Spielplatz? Vielleicht auch ein Straßenfest oder ein Konzert? Schließen Sie sich zusammen, suchen Sie Menschen, die vor Ort auch etwas bewegen wollen: in der Nachbarschaft, unter Freund:innen. Für viele Projekte braucht es einen längeren Atem, aber es lohnt sich. Am Ende steht womöglich nicht nur ein Fitnesspark oder ein Spielplatz, der Menschen zusammenbringen kann. Menschen lernen sich kennen, reden miteinander, tauschen sich aus. Und wer weiß, was eine lokale Initiative alles bewirken kann für ein solidarisches Zusammenleben.
2. Für positive Werte eintreten
Expert:innen wie die Amadeu Antonio Stiftung betonen, dass die eigene Haltung das wichtigste Instrument gegenüber Rechtspopulist:innen ist: Das bedeutet, sich nicht an intoleranten Positionen abzuarbeiten, sondern stattdessen offensiv entgegenzusetzen, wofür man selbst steht und in was für einer Gesellschaft man leben möchte.
3. Menschenfeindliche Aussagen nicht unkommentiert lassen
In der Supermarkt-Schlange, im Sportverein oder auf der Familienfeier – plötzlich macht jemand einen abwertenden Spruch über Menschen mit Migrationshintergrund, mit Behinderung, über jüdische oder queere Menschen. Wenn dies unkommentiert stehen bleibt, fühlt der:diejenige sich in den Ansichten bestärkt. Deshalb ist es wichtig, etwas dagegen zu sagen. Es muss nicht besonders klug oder ausgearbeitet sein – Hauptsache, es wird klar, dass diese Aussagen nicht „normal“ sind, sondern diskriminierend. Wer mehr wissen möchte, erfährt in Trainings, wie man in solchen Situationen reagieren kann. Auch die Bundeszentrale für politische Bildung gibt Tipps.
Greenpeace engagiert sich im Bündnis „Zusammen für Demokratie“, das Ehrenamtliche sowie Einrichtungen unterstützt, die Ziel von Hasskampagnen oder Anschlägen geworden sind. Wer Hilfe benötigt, erfährt hier mehr.
4. Differenziert und respektvoll bleiben
Schwarz-Weiß-Malen bedient die gleiche Rhetorik, die demokratiefeindliche Kräfte nutzen. Auch wir von Greenpeace haben oft viel Kritik am Handeln von Politiker:innen. Dennoch ist die parlamentarische Demokratie eine funktionierende Staatsform – und sie hat auch in der Vergangenheit bewiesen, dass sie Lösungen für gesellschaftliche Probleme finden und umsetzen kann. Pauschal auf „die da oben“ zu schimpfen, die „alle korrupt“ seien, wird den oft komplexen Herausforderungen nicht gerecht und stärkt eher demokratiefeindliche Kräfte. Hilfreicher ist, sich für mehr demokratische Kontrolle und Regeln einzusetzen.
Bei Greenpeace tragen wir durchaus harte politische Konflikte aus, bei denen es um viel geht – dennoch bleiben wir in unserer Haltung und Sprache friedlich und nicht abwertend, auch gegenüber Konzernen oder Personen, die in einer Kampagne unsere Gegner:innen sind. Dies gilt noch einmal mehr für Teile der Bevölkerung: Wer Menschen das Gefühl gibt, dass sie und ihre Weise zu leben, weniger wert sind, stärkt antidemokratische Kräfte, die teilweise gezielt um diese Menschen werben.
5. Gesicht zeigen
Gehen Sie auf Demos, zu Sit-Ins, zu Podiumsdiskussionen zu Solidaritätskonzerten oder -Festen oder unterzeichnen Sie eine Petition. Demonstrationen sind eines der wichtigsten Instrumente, um in einer Demokratie die eigene Meinung zu vertreten. Sie sind auch sichtbarer Spiegel von Haltungen in der Bevölkerung. Politiker:innen und auch Menschen mit anderen Ansichten nehmen das wahr und können sich nicht mehr pauschal auf angebliche „allgemeine Stimmungen“ beziehen. Eine Übersicht über alle Demonstrationen, die jetzt für die Demokratie eintreten, gibt es hier.
6. Erinnern
Die Vergangenheit darf nicht vergessen werden. Ein wichtiger Baustein für die Sicherung unserer Demokratie bleibt das Erinnern an die Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten, ihre Unmenschlichkeit und ihre Verbrechen, allem voran die Ermordung von 6 Millionen jüdischen Menschen. Auch deshalb versuchen Antidemokrat:innen, diese Erinnerung zu schwächen oder zu verfälschen. Gedenktage, Veranstaltungen und die Berichte von Zeitzeug:innen helfen, dass auch nachfolgende Generationen weiterhin verstehen, wie der deutsche Faschismus möglich wurde und was er angerichtet hat.
7. Zusammenhalten
In Deutschland leben sehr verschiedene Menschen zusammen. Alle haben ihre ganz eigene Geschichte, viele erleben unterschiedliche Diskriminierungen. Diese zu überwinden geht – bei aller Unterschiedlichkeit – nur gemeinsam. Denn Angriffe gegen das demokratische Zusammenleben treffen letztlich immer alle, die irgendwie nicht in das Weltbild von Antidemokrat:innen passen – ob es wegen der Herkunft, Religion, sexueller Orientierung oder anderer Merkmale ist. Daher sollten auch alle für alle einstehen – und sich auch bemühen, eigene, oft unbewusste Vorurteile zu hinterfragen und zu überwinden.
8. Falschinformationen korrigieren
Die sozialen Medien sind ein wirksames Instrument, um Menschen zu mobilisieren. Leider nutzen dies auch antidemokratische Kräfte. Mit gefälschten „Nachrichten“, oft Bilder oder Videos, machen sie Stimmung gegen Teile der Bevölkerung. Es hilft, wenn man die Herkunft solcher „Fake-News“ infrage stellt und selbst auf seriöse Quellen verweist. Stumme Mitleser:innen, die in ihrer Meinung noch unentschlossen sind, lassen sich dadurch noch erreichen. Einen dezidierten Faktencheck bietet beispielsweise die Seite mimikama.org.
9. Nicht resignieren
Bitte geben Sie nicht auf! Die Fülle der aktuellen Krisen kann überwältigend sein und das Gefühl entstehen lassen, selbst machtlos zu sein und dass „alles immer schlimmer“ wird. Doch positive Veränderungen sind immer möglich und kommen manchmal unerwartet. Das beste Mittel gegen Verzweiflung oder Resignation ist, gemeinsam mit anderen aktiv zu werden. Die Mehrheit in der Bevölkerung steht hinter grundlegenden menschlichen Werten und ist bereit, diese auch zu verteidigen.
10. Wählen gehen
„Wahlen verändern doch nichts!“ - diese Aussage hört man auch von sonst engagierten Menschen durchaus, oder „Die Parteien sind doch alle gleich!“ Aber es macht eben doch eine großen Unterschied, welche politischen Positionen wie stark in den Parlamenten vertreten sind. Die Einführung des allgemeinen Wahlrechts ist, auch wenn es uns heute selbstverständlich erscheint, eine große demokratische Errungenschaft. Die sollten wir nutzen, gerade in Zeiten, in denen die Demokratie vor Herausforderungen steht. Daher: unbedingt zur Wahl gehen und demokratisch wählen! Denn jede Stimme für die Demokratie ist wichtig.
(Die Tipps haben wir im Januar 2024 erstveröffentlicht und nun überarbeitet.)
In eigener Sache
Warum hat Greenpeace die Recherche von Correctiv mit eigenen Recherchen unterstützt?
Greenpeace hat Hinweise auf eine Veranstaltung des „Düsseldorfer Forums“ im November 2023 im Landhaus Adlon am Lehnitzsee in Potsdam erhalten. Der konspirative Charakter der vorliegenden Einladungsschreiben – ausgedrückt z.B. durch die Erwähnung einer „Gesamtstrategie im Sinne eines Masterplans“ – und die eindeutigen Hinweise auf das rechtsextremistische Spektrum, haben uns zu einer Recherche veranlasst.
Laut Satzung des Greenpeace e.V. besteht der Vereinszweck in der „Förderung des Umwelt- und Tierschutzes sowie des Friedens und der Völkerverständigung“. Dies umfasst die Auseinandersetzung mit und das Aufdecken von rechtsextremistischen Kräften, die auf das systematische Ausgrenzen und Vertreiben von Menschen abzielen, weil solche Bestrebungen den inneren und äußeren Frieden gefährden und der Völkerverständigung entgegenwirken. Während der Recherche wurden wir darauf aufmerksam, dass auch Correctiv-Autor:innen zu diesem Thema arbeiten, mit ihrer Recherche aber bereits deutlich weiter fortgeschritten waren. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, Correctiv einige Rechercheergebnisse und Dokumente zu überlassen.
Schutz der Demokratie
Anzahl Seiten: 91
Dateigröße: 2.39 MB
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