„Die Gemeinschaft gibt mir viel Kraft“
Henry Schubert ist seit 2010 für Greenpeace aktiv. In all den Jahren hat der 35-jährige gelernt, dass die Magdeburger sehr direkt ihre Meinung sagen. Doch rund um die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt sei die Stimmung hitziger geworden: Die einen sprächen extreme Ansichten immer unverblümter aus, erzählt Schubert. Die anderen machten sich Sorgen, ob ihr zivilgesellschaftlicher Einsatz auch in Zukunft noch möglich sein wird, wenn autoritäre Kräfte stärker werden. Wir haben mit Henry über sein Engagement geredet.
Greenpeace: Wie steht man in dieser aufgeheizten Stimmung für Umwelt, Frieden und Gerechtigkeit ein?
Henry Schubert: Es war in den vergangenen Monaten nicht einfach. Viele, die sich zivilgesellschaftlich engagieren, machen sich große Sorgen, manche überlegen sogar, ob es nicht besser wäre, wegzuziehen. Außerdem wurden Klima- und Umweltschutz immer mehr von anderen Themen überlagert, vor allem Wirtschaft und Sicherheit. Auch im Wahlkampf kamen unsere Themen nicht vor. Und die Menschen sind polarisiert und fühlen sich schneller persönlich angegriffen. Wir müssen vorsichtig damit sein, wie wir die Themen ansprechen, damit wir nicht angefeindet werden.
Wie schaffst Du es, motiviert zu bleiben?
Ich diskutiere gerne, aber ich muss auch nur die Gespräche führen, die ich führen will. Manche Menschen wollen nur provozieren, da ist es sinnlos. Natürlich nagt das an der Motivation, aber ich erinnere mich immer wieder daran, wie wichtig mir unsere Themen sind, besonders klimagerechte Mobilität und grüne, klimaresiliente Städte. Und die Gemeinschaft mit den tollen Menschen, die sich für Greenpeace und andere Organisationen engagieren, gibt mir viel Kraft. Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir zusammenhalten und gemeinsam zeigen, dass wir viele sind.
Was sind eure größten Sorgen?
Beim zivilgesellschaftlichen Engagement hat die Landesregierung ja durchaus Einfluss. Viele meiner Freund:innen fürchten, dass zum Beispiel Genehmigungen für Aktionen oder Demonstrationen von einer stärker autoritären Regierung und auch von kommunalen Behörden im vorauseilenden Gehorsam schwieriger zu bekommen sind. Im August hatten wir Christopher Street Day in Magdeburg. Wer weiß schon, ob es dafür im nächsten Jahr wieder eine Genehmigung in der Innenstadt gibt?
Wie blickst Du in die Zukunft?
Langfristig bin ich ziemlich optimistisch. Klar ist es traurig, dass derzeit viele Menschen offenbar unsere Freiheitsrechte und den Umweltschutz gefährden, um ihren Protest auszudrücken. Aber ich glaube fest daran, dass die Menschen schließlich doch sehen, was ihnen wichtig ist und was auf dem Spiel steht. Gemeinsam überstehen wir diese schwierige Zeit.
Dieser Interview stammt aus der kommenden Ausgabe der Greenpeace Nachrichten, unserem Magazin für Fördermitglieder.
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