Entscheidung für unsere Wälder: Das EU-Waldschutzgesetz (EUDR) kommt endlich
- Ein Artikel von Miryam Nadkarni & Torben Dreyer
- mitwirkende Expert:innen Dorothea Epperlein
- Hintergrund
Nachdem lange nicht klar war, ob das EU-Waldschutzgesetz jemals in Kraft treten wird, hat die EU-Kommission jetzt bestätigt: Das Waldgesetz kommt!
Verschoben, abgeschwächt, verschoben, wieder abgeschwächt. Nach langem Bangen, Verwässerungen und ständigen Verzögerungen steht es nun fest: Das EU-Waldschutzgesetz (EUDR) kommt! Ab dem 30. Dezember müssen Unternehmen nachweisen, dass ihre Produkte – wie Holz, Rindfleisch oder Soja – nicht zur Abholzung von Wäldern beigetragen haben. Dieser Schritt ist ein entscheidender Meilenstein im globalen Kampf gegen die Zerstörung der Wälder.
„In einer Zeit, in der Umweltschutz politisch zunehmend unter Druck gerät und Abbau statt Ausbau von Schutzgesetzen zum Trend wird, ist diese Entscheidung ein wichtiges Signal. Dass das Waldschutzgesetz trotz massiver Lobby-Angriffe nun kommt, ist überfällig. Doch das Gesetz wurde auf das absolute Minimum zusammengestrichen – das wird der katastrophalen Lage unserer Wälder bei weitem nicht gerecht.“
Leder-Lobby entkernt Waldschutzgesetz für Luxus-Handtaschen
Leider hat diese lang erkämpfte Errungenschaft einen weiteren faden Beigeschmack: Die EU-Kommission hat dem massiven Druck der Leder-Lobby nachgegeben und eine neue Empfehlung eingefügt, dass Lederprodukte aus der EUDR ausgenommen werden. In der Praxis bedeutet das: Während Rindfleisch aus Entwaldungsgebieten vom europäischen Markt verbannt wird, darf das Leder derselben Tiere weiterhin ungehindert in unsere Läden gelangen. Für beispielsweise Louis Vuitton Luxus-Handtaschen gelten jetzt also schwächere Regeln als für Lebensmittel. Leder ist aber eng mit der Rindfleischproduktion verknüpft und damit ein wesentlicher Treiber der weltweiten Waldzerstörung – besonders im brasilianischen Amazonasbecken.
Das letzte Wort ist hier aber noch nicht gesprochen: EU-Rat und Parlament können diese Empfehlung aus dem Text streichen, bevor er in Kraft tritt. „Dieser Kompromiss schwächt die Glaubwürdigkeit des Gesetzes und lässt ein massives Einfallstor für die Zerstörung unserer Wälder offen“, sagt Gross. „Das EU-Parlament und die Mitgliedstaaten müssen diesen gefährlichen Fehler korrigieren und der Sonderbehandlung für die Mode- und Luxusindustrie eine klare Absage erteilen. Trotz dieses gravierenden Mangels stellt das Gesetz insgesamt einen bedeutenden Fortschritt gegenüber dem bisherigen Zustand dar.“
Was ist das EU-Waldschutzgesetz (EUDR)?
Das 2023 verabschiedete Gesetz soll sicherstellen, dass Produkte, die auf den EU-Markt gelangen, nicht länger mit Naturzerstörung oder Menschenrechtsverletzungen in Verbindung stehen. Zu den Produkten gehören unter anderem Holz, Fleisch, Palmöl und Soja für Tierfutter. Doch die Umsetzung wurde ständig verzögert. Eigentlich sollte das Gesetz bereits Ende 2024 in Kraft treten, wurde dann jedoch auf Ende 2025 verschoben. Im Dezember 2025 gaben Vertreter:innen des EU-Parlaments und des EU-Rats schließlich dem Druck – insbesondere der deutschen Bundesregierung – nach und beschlossen weitere Abschwächungen sowie eine erneute Verschiebung der Einführung um ein weiteres Jahr.
Die EU-Kommission hatte bis Ende April 2026 Zeit, weitere sogenannte „Entlastungspotenziale“ zu prüfen – also das Gesetz weiter auszuhöhlen – um diese dem Europäischen Parlament sowie dem Rat vorzulegen. Sollten EU-Rat und Parlament dem Gesetz in seiner jetzigen Form zustimmen, wird es Ende 2026 in Kraft treten.
Unzureichender Waldschutz
Abschwächung des EU-Waldschutzgesetzes (EUDR)
Im Rahmen der EU-Verordnung für entwaldungsfreie Produkte (EUDR) hat die Europäische Kommission erstmals alle Länder der Welt einer von drei Risikokategorien zugeordnet. Die Einstufung erfolgt danach, inwieweit Produkte wie Soja, Rindfleisch oder Holz aus diesen Ländern mit Waldzerstörung in Verbindung stehen. Die drei Kategorien lauten: geringes, mittleres und hohes Risiko.
Ab Ende 2025 dürfen nur noch Produkte in die Europäische Union importiert werden, die nachweislich nicht mit Entwaldung oder Waldschädigung in Verbindung stehen, die europäische Union hatte die Einführung der Richtlinie noch einmal um ein Jahr verzögert. Je nach Risikoeinstufung des Herkunftslandes werden dabei unter anderem die Kontrollen und Sorgfaltspflichten für Unternehmen entsprechend verschärft.
Doch der Beschluss der EU-Kommission hat nur vier Staaten als Hochrisiko-Länder eingestuft, darunter Nordkorea. Länder wie Brasilien oder Indonesien bleiben außen vor, zudem alle EU-Länder, obwohl hier sehr wohl Wald leidet. Schließlich hat die neue Bundesregierung im Koalitionsvertrag weitere Schwächungen dieser ohnehin bereits wenig ambitionierten Vorgehensweise angekündigt. „Die EU kontrolliert nur da streng, wo das für sie keine negativen wirtschaftlichen Folgen hat, bzw. wo es gar nichts zu kontrollieren gibt“, kommentiert Greenpeace-Waldexperte Harald Gross. „Das untergräbt die Glaubwürdigkeit des Gesetzes und schwächt den globalen Anspruch der EU im Waldschutz.“
© Kim Gjerstad / Greenpeace
Ein junger Schimpanse im Kongo. Schimpansen sind durch die Zerstörung ihres Lebensraums vom Aussterben bedroht.
EU verantwortlich für Waldzerstörung weltweit
Alle zwei Sekunden verschwindet eine Waldfläche so groß wie ein Fußballfeld. Die Klima- und Artenkrise hat sich auch dadurch in den vergangenen Jahren deutlich zugespitzt. Fast 90 Prozent der abgeholzten Flächen werden anschließend für die Landwirtschaft oder die Gewinnung von Bodenschätzen genutzt. Die Produktion von Palmöl, Kakao, Fleisch, Holz, Kautschuk oder Soja ist häufig mit der Zerstörung von Wäldern und anderen natürlichen Ökosystemen verbunden.
EU-Bürger:innen wiederum konsumieren Produkte mit diesen Inhaltsstoffen und Firmen innerhalb der EU verarbeiten sie weiter. Einem WWF-Report zufolge ist die EU nach China der weltweit größte Importeur von Produkten, die mit Regenwaldzerstörung in Verbindung stehen. 2017 war die EU so für 16 Prozent der Regenwaldabholzung verantwortlich.
Die Waldvernichtung beschleunigt nicht nur die Klimakrise, sondern nimmt auch vielen Tierarten ihren Lebensraum und führt zu einem starken Verlust der Artenvielfalt. Zudem ist sie oft mit Menschenrechtsverletzungen gegenüber der lokalen oder indigenen Bevölkerung verbunden. Es braucht daher verbindliche, gesetzliche Richtlinien, die sicherstellen, dass zumindest die Produkte, die auf den EU-Binnenmarkt gelangen, nicht mit Naturvernichtung und Menschenrechtsverletzungen in Verbindung stehen.
Welche Produkte stammen häufig aus Waldzerstörung?
Palmöl
Palmöl ist das meistverwendete Pflanzenöl weltweit. Sein Anbau ist in großen Teilen für die Abholzung in Indonesien, Malaysia und zunehmend weiteren tropischen Regionen verantwortlich. Selbst in geschützten Waldgebieten kommt es zu illegalem Anbau von Ölpalmen-Plantagen. Sogar zertifiziertes Palmöl kann aus Regenwaldzerstörung stammen
Kautschuk
Auch die Kautschuk-Industrie ist ein Antreiber für die Waldvernichtung. In Europa wird der größte Teil für die Reifenherstellung verwendet, daher dürfte besonders die Autoindustrie daran interessiert sein, Kautschuk aus dem Gesetz auszuschließen.
Kakao
Neben Palmöl und Kautschuk trägt auch der Anbau von Kakao zur Rodung des Regenwaldes bei. Vor allem in Westafrika läuft die Waldzerstörung auf Rekordniveau – Konzerne schrecken auch hier vor illegalem Anbau in geschützten Wäldern oder Nationalparks nicht zurück. Bei Kakao ist zusätzlich die Verletzung von Menschenrechten und Kinderarbeit häufig ein großes Problem.
Soja und Rinder
Es ist gut dokumentiert, dass der Sojaanbau (genutzt vor allem als Tierfutter) mit Zerstörung von Regenwäldern einhergeht und somit Tieren ihren Lebensraum nimmt und die Rechte Indigener verletzt. Dies betrifft auch andere natürlichen Ökosystemen wie den Savannenwäldern im brasilianischen Cerrado. Vor allem Fleisch- und Lederkonsum befeuert die Vernichtung der Regenwälder im Amazonasbecken.
© Greenpeace / Rodrigo Baleia
Der Amazonas-Regenwald ist der größte Regenwald der Erde und ist mit seiner hohen Artenvielfalt besonders schützenswert.
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Anzahl Seiten: 19
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