Edeka: Tierleid und Klimakrise stoppen!
- Ein Artikel von Kristina Oberhäuser & Nina Klöckner
- mitwirkende Expert:innen Stephanie Töwe
- Nachricht
- Greenpeace als bevorzugte Quelle bei Google: So geht's!
Verletzt, hustend, bewegungsunfähig. Die grauenvollen Fotos von Schweinen stammen aus Ställen, die unter anderem für Edeka produzieren. Expert:innen kommentieren den Zustand der Tiere. Impact Creator Bianca Heinicke mahnt. Auch Edeka äußert sich. Aktivist:innen wiederum setzen sich für mehr Tierwohl ein.
„Verantwortung übernehmen: Das heißt für mich, nicht nur für unser eigenes Leben einzutreten, sondern auch für die Lebewesen, die mit uns diesen Planeten teilen. Edeka scheint Verantwortung fremd zu sein, das zeigen die Bilder aus den Ställen auf schockierende Weise.“ Sichtlich erschüttert blickt Bianca Heinicke, Impact Creator, auf das Greenpeace zugespielte Videomaterial – das teils von Höfen stammt, die auch Edeka beliefern.
Content Creator Bianca Heinicke ist entsetzt von soviel Tierleid. Auf Instagram ruft sie ihre Follower:innen auf, für mehr Tierschutz zu unterschreiben.
Bianca Heinicke erlangte mit einem Youtube-Kanal Popularität auf Social Media und setzt sich heute für Tierschutz und eine pflanzenbasierte Ernährung ein. In einem offenen Brief forderte sie im Mai 2025 gemeinsam mit Greenpeace den Handelskonzern auf, Fleisch aus tierquälerischer Haltung auszuschließen.
Die Protestaktionen von Heinicke und Greenpeace stießen auf großes Interesse, über 130.000 Menschen unterstützten den offenen Brief an den Edeka-Vorstandsvorsitzenden Markus Mosa. Die YouTuber:innen Rezo und Sashka fragten in ihren Videos nach der richtigen Strategie für mehr Tierwohl. Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin Stephanie Töwe reagierte und lieferte Einblicke in die Kampagne gegen das Tierleid bei Edeka.
Und immer wieder waren Greenpeace-Aktivist:innen für mehr Klimaschutz und Tierwohl bei Edeka unterwegs: Sie sprühten etwa ihren Protest vor über 230 Edeka-Filialen in Form von gebrochenen gelben Herzen auf den Boden. Aktive besuchten eine Edeka-Messe mit gelben Konfetti-Herzen, dann wiederum hängten sie Banner von den Dächern einiger Filialen oder klebten großflächige Fotos auf die Fassaden-Fenster.
Die Bilder zeigen Tiere in einem Stall eines Edeka-Zulieferbetriebes. Die Schweine – in schlechtem Zustand – illustrieren den Widerspruch zwischen dem Leid in den Ställen und Edekas „Wir lieben Lebensmittel“-Marketing. Dabei verkauft Edeka nicht nur massenhaft Fleisch aus tierschutzwidrigen Haltungsformen, sondern produziert es sogar selbst: jährlich 500.000 Tonnen in insgesamt 15 Fleischwerken. Dort wird auch Fleisch aus den Ställen verarbeitet, von denen Greenpeace erschütternde Aufnahmen zugespielt wurden. Und die konzerneigenen Fleischwerke werden noch weiter ausgebaut.
Das ist nicht nur schlimm für die Tiere, sondern auch schlecht fürs Klima. Eine Greenpeace-Recherche zeigt: Edeka verursacht mit seinen konzerneigenen Fleischwerken jährlich 6,3 Millionen Tonnen klimaschädliche CO2-Emissionen. Greenpeace-Aktivist:innen haben deshalb am 26. Juni 2025 ein Fleischwerk in Mecklenburg-Vorpommern in einen Tatort verwandelt. Auf Bannern und Absperrband warnten sie vor: „Tierleid und Klimazerstörung“. Und in über 30 Städten demonstrierten Aktive am 28. Juni vor den Edeka-Filialen gegen die Fleischfabriken.
Zugespielte Bilder belegen Missstände in der Fleischindustrie
Für das massenhafte Geschäft mit Fleisch müssen Tiere leiden: Es sind nicht die ersten Bilder dieser Art, die Greenpeace am 15. Mai 2025 veröffentlicht hatte, doch das macht sie nicht weniger grauenhaft. Dutzende Schweine drängen sich auf engstem Raum, sie sind dreckig, knabbern sich gegenseitig die Ohren an, beißen sich die ohnehin schon kupierten Schwänze blutig oder fressen ihre toten Artgenossen auf. Das Schwanzbeißen ist eine Verhaltensstörung, die durch starken Stress verursacht wird, zum Beispiel mangelnde Beschäftigung und schlechte Futter- und Luftqualität. Ein Tier steht ganz alleine im Gang, ohne Wasser und Futter. Es kämpft ums Überleben. „Das ist der grausame, schockierende Alltag von Schweinen in Deutschland“, sagt Stephanie Töwe, Expertin für nachhaltige Landwirtschaft bei Greenpeace. Gemeinsam mit der Tierärztin Claudia Preuß-Ueberschär ordnet sie ein, was in dem Material zu sehen ist.
Achtung: Das Video zeigt verstörende Aufnahmen aus Schweineställen.
Die Fotos und Videos aus zehn unterschiedlichen Schweinemastställen der Haltungsform 2 in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen wurden Greenpeace zugespielt. Besonders brisant: Fünf dieser Ställe produzieren Fleisch für die Edeka-Marken „Gutfleisch“ und „meinLand“. Der Lebensmittelkonzern jedoch wirbt auf Webseiten mit einigen dieser Höfe für mehr Tierwohl.
Rechtsgutachten belegt: Schweinehaltung ist tierschutzwidrig
Greenpeace hat die Bilder geprüft und ein Rechtsgutachten erstellen lassen. Es kommt zu dem Ergebnis, dass die in diesen Ställen praktizierte Haltungsform 2 verfassungs- und tierschutzwidrig ist. „Die Kriterien der Haltungsform 2 ‘Stall plus Platz’ genügen weder den Anforderungen des Tierschutzgesetzes noch den Bedürfnissen der Tiere“, sagt die beauftragte Anwältin Anja Popp von der Kanzlei Günther. „Sie führen zu gravierendem Leid in den Ställen, wie die vorliegenden Aufnahmen eindeutig zeigen. Es ist die Pflicht des Gesetzgebers, den Tierschutz in Gesetz und Verordnungen verfassungsgemäß umzusetzen und es nicht dem Handel selbst zu überlassen, Tierwohl zu definieren.“
Deshalb hatten Greenpeace-Aktive am 15. Mai 2025 acht über einen Meter große Bilder aus den Ställen zum Amtssitz des Bundeslandwirtschaftsministers Alois Rainer in Berlin getragen. „Ihr Job - Herr Minister: Tierquälerei und Klimakrise bekämpfen“, lautet die Botschaft. Die Lösung für Tier- und Klimaschutz läge darin, Tierzahlen sowie Fleischkonsum bis 2035 mindestens zu halbieren. Die Stallaufnahmen zeigen zudem, wie viel beim Tierschutz in Deutschland zu tun ist. Ställe der Haltungsform 2 sollten auf keinen Fall staatlich gefördert werden.
Kritik an Edeka: Was sagt das Unternehmen?
Edeka reagierte einen Tag nach der Veröffentlichung der Fotos. Auf Instagram etwa schrieb der Konzern: „Hallo zusammen, die Förderung des Tierwohls ist uns ein wichtiges Anliegen. Daher distanzieren wir uns grundsätzlich und deutlich von jeder Tierquälerei und legen Wert darauf, dass Missstände bei landwirtschaftlichen Zulieferbetrieben schnell aufgeklärt werden. Wir haben Greenpeace darum gebeten, uns konkrete Angaben zu den gezeigten Fällen zur Verfügung zu stellen. Sobald diese Informationen vorliegen, gehen wir dem sofort nach. [...]“
Greenpeace hat Edeka die Angaben zu den Ställen geschickt. In einem Video wendet sich Stephanie Töwe, Expertin für Landwirtschaft bei Greenpeace, zudem direkt an die Lebensmittelkette. Das Unternehmen würde mit seiner Reaktion verkennen, dass es sich nicht nur um Einzelfälle handele, sondern um ein systemisches Problem. Die Tierhaltungsform 2, aus der Edeka den größten Teil seines Fleischangebots beziehe, sei tierschutzwidrig.
Recherche: Keine Verbesserung bei Tierwohl und Transparenz für Kund:innen
Dass bei Edeka hinsichtlich Tierwohl und Transparenz für die Kund:innen noch viel zu tun ist, zeigt auch die Monate später, im Dezember 2025 veröffentlichte Supermarkt-Abfrage. Greenpeace hatte nicht nur gefragt, aus welcher Tierhaltung das Angebot stammt, sondern auch recherchiert, wie der Handel die Kennzeichnung von tierischen Produkten umsetzt. Im Bedientheken-Check schnitt Edeka im Vergleich mit anderen Märkten am schlechtesten ab: Bei 85 Prozent der untersuchten Produkte fehlte die Tierhaltungskennzeichnung gänzlich, die Auskunft darüber gibt, wie die Tiere gehalten werden. Im Vertriebsgebiet von Edeka-Hessenring wird die Kennzeichnung an den Theken sogar flächendeckend ignoriert – eine riesige Transparenzlücke!
Auch der Umstieg auf bessere Tierhaltung stockt bei Edeka. Während Discounter wie Aldi Süd oder Lidl beim Ausbau der höheren Haltungsformen (3 bis 5) Jahr für Jahr deutliche Fortschritte machen, bleiben die Anteile der schlechtesten Haltungsformen bei Edeka nahezu gleich hoch. Das Versprechen Edekas, ab 2030 nur noch Fleisch und Wurst aus besserer Tierhaltung anzubieten, wird so unglaubwürdig.
Der Weg weg vom Billigfleisch ist hier nicht erkennbar.
„Wir lieben Lebensmittel - mit diesem Spruch wirbt Edeka. Den Kund:innen dann Fleisch aus grausamer Tierhaltung zu verkaufen, ist zynisch. Auf dem Papier setzt sich der Handelsriese ambitionierte Ziele. Bis 2030 will Edeka aus den schlechtesten Tierhaltungsstufen 1 und 2 aussteigen. Die jährliche Abfrage von Greenpeace bei den Supermärkten zeigt jedoch: Bei Edeka stammen noch über 80 Prozent der tierischen Produkte aus tierschutzwidrigen Haltungsformen. Wenn sich das bis 2030 wirklich ändern soll, müsste langsam mal etwas passieren.“
Wie schädlich das Geschäftsmodell der Supermärkte ist, lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: Die fleischlastige Ernährung in Deutschland führt zu Milliarden Euro Umwelt- und Gesundheitskosten im Jahr.