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Ein Traktor verteilt Gülle, Mai 1998
Paul Langrock / Greenpeace

Die Folgen von Massentierhaltung und Biogasanlagen

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Gülle aus der Tierhaltung und Gärreste aus Biogasanlagen verunreinigen immer stärker das Grundwasser in vielen Regionen Deutschlands. Vielerorts stellen die Wasserwerke steigende Nitratwerte in ihren Brunnen fest.

Auch die Europäische Kommission hat das Problem inzwischen erkannt und stellt Deutschland ein schlechtes Zeugnis aus. Sie kritisiert in einem Bericht öffentlich, dass in Deutschland auf 50 Prozent der Messstationen der Grenzwert für Nitratstickstoff überschritten wird. Nur der Inselstaat Malta steht noch schlechter da.

Der Grenzwert für Nitrat liegt in Deutschland laut Trinkwasserverordnung bei 50 mg NO3/ je Liter, in der Schweiz bei 25 mg/l. Nitratkonzentrationen von mehr als 100 mg NO3/l können bei Säuglingen bis zum 6. Lebensmonat zu erheblichen gesundheitlichen Problemen bis hin zum Erstickungstod führen. Denn Nitrat wird im menschlichen Körper zu Nitrit umgewandelt. Das Blut bindet statt Sauerstoff Nitritmoleküle, was bei Säuglingen zur Blausucht bis hin zum Ersticken führen kann. Für ältere Kinder und Erwachsene besteht bei höheren Nitratkonzentrationen die Gefahr, dass sich Nitrosamine bilden, die wiederum krebserregend sind.

Seit Jahren sieht die Bundesregierung untätig zu, wie unser Grundwasser durch die landwirtschaftliche Überdüngung mit Nitrat verseucht wird. Längst hätte man die Düngeverordnung, in welcher der Umfang der Düngung festgeschrieben ist, überarbeiten müssen.

Ein großes Problem dabei: Die Überdüngung, die heute stattfindet, wird sich erst in einigen Jahren im Grundwasser wiederfinden. Denn so lange braucht das belastete Wasser, um in die tiefliegenden Grundwasserleiter zu gelangen. Selbst wenn wir heute endlich strenge Maßnahmen ergreifen, ist in den kommenden Jahren noch mit steigenden Nitratwerten zu rechen.

Anfang des Jahrhunderts waren in die Werte in vielen Brunnen gesunken. Doch der Boom der Biogasanlagen und die wachsende Massentierhaltung haben den Trend umgekehrt. Seit fünf Jahren steigen besonders in den Regionen mit hoher Viehdichte die Werte wieder massiv an. In der Region Weser-Ems gibt es durch die Massentierhaltung inzwischen einen Stickstoffüberschuß von 192 kg Stickstoff je Hektar, so der aktuell veröffentliche Nährstoffbericht des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums. Aufgrund der völligen Überdüngung der Felder werden von dort inzwischen Gülle und Gärreste per Schiff über den Mittellandkanal Richtung Osten geschippert. Doch das ist keine dauerhaft sinnvolle Lösung des Problems. Notwendig ist ein Abbau der Tierbestände in diesen Regionen, eine Bindung der Tierhaltung an die Futterfläche, geschlossene betriebliche Nährstoffkreisläufe, bessere staatliche Kontrollen und ein Ausbringungsverbot auf überdüngte Flächen.

Aber nicht nur der Nitratstickstoff, auch Phosphat aus der Gülle verursacht zunehmende Umweltprobleme, gelangt aus der Gülle durch Erosion auf den Äckern in Vorfluter, Bäche und letztendlich in Seen und Meere. In der Ostsee kommt es durch den Düngereintrag deswegen inzwischen jährlich zu riesigen Algenblüten, die dem Wasser Sauerstoff entziehen und dann zu Fischsterben führen.

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