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Greenpeace-Aktivisten nehmen von einem Schlauchboot aus Wasserproben aus der Schlei in Schleswig Holtein.
Sonja Och / Greenpeace

Rückstände aus Massentierhaltung: Greenpeace untersucht Gewässer in 22 Städten

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Wie stark verunreinigt die Massentierhaltung Deutschlands Flüsse, Seen und Bäche? Greenpeace untersucht die Wasserqualität, auch Bürger können eigene Proben testen lassen.

Die Füße in den dahinplätschernden Bach strecken, vom Steg in den kühlen See springen: herrlich, das von der Natur bereitgestellte Angebot an Naherholung und Freizeitspaß. Generationen an Kindern haben in heimischen Gewässern Schwimmen gelernt und Mutproben gemeistert. (Wer traut sich, im Dunkeln durch den See zu schwimmen?)

Der Spaß wird allerdings zunehmend getrübt: Behörden sperren umgekippte Seen wegen schlechter Wasserqualität. Nachrichten über resistente Keime in Gewässern verderben die Lust auf das kühlende Nass. Zu beidem trägt die industrielle Massentierhaltung massiv bei. Deshalb untersucht Greenpeace bundesweit Gewässer auf Rückstände aus der Massentierhaltung: auf Nitrat, Phosphat sowie multiresistente Keime. Dabei nimmt nicht nur Greenpeace Proben; wer will, kann Wasser abfüllen: aus eigenen Brunnen oder nahegelegenen Gewässern. Insgesamt sind es 22 Stationen, bei denen Bürger sich informieren und Proben testen lassen  können.

Los ging es gestern im Hamburger Hafen. Die von einem Schlauchboot aus gezogenen Wasserproben untersuchten die Aktivisten vor Ort, denn Nitrat und Phosphat lassen sich mit einem Schnelltest nachweisen. Bei resistenten Keimen gelingt das nicht, die Prüfung muss ein Labor vornehmen. Die Ergebnisse werden am Ende der Tour veröffentlicht. (Update vom 21. November: Die Ergebnisse finden Sie in dem Artikel "Keime im Fluss".)

Rückstände aus Massentierhaltung sogar in Städten

Dass die Tour durch 22 Städte führt, soll zeigen, dass die Probleme der intensiven Tierhaltung nicht in abgeschotteten Ställen enden: Die Gülle spült sie in die Umwelt. Bei der überbordenden Tierhaltung in Deutschland – jährlich werden acht Millionen Tonnen Fleisch produziert -  fallen jedes Jahr über 140 Millionen Kubikmeter Gülle an. Zu viel für die Äcker. Überschüssige Nährstoffe wie Nitrat und Phosphat gelangen in Grundwasser, Bäche und Flüsse und anschließend ins Meer. Die Algenblüte macht im Extremfall das Übermaß sichtbar.

Die Überdüngung verdirbt aber nicht nur den Badespaß. Laut Umweltbundesamt liegt der Nitratgehalt an 28 Prozent der Messstellen in Gebieten mit viel Landwirtschaft über dem gesetzlichen Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Ist Trinkwasser zu stark belastet, müssen Wasserwerke sauberes Wasser beimischen. Reicht das perspektivisch nicht, hilft nur eine technische Reinigung. Eine kostspielige Angelegenheit, die der Verbraucher tragen muss.

Nitrat kann im menschlichen Körper zu giftigem Nitrit werden. Dies ist besonders für Schwangere und Säuglinge gefährlich.

Multiresistenten Keime: 25.000 Tote in Europa

Sorge bereitet auch der Nachweis von multiresistenten Keimen in Gewässern, die ebenfalls über die Gülle in der Umwelt landen. Durch den hohen Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung bilden sich immer mehr Keime, die gegen gängige Antibiotika resistent sind. Nach einem Report der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit sterben in Europa jährlich etwa 25.000 Menschen an multiresistenten Keimen.

Die schlechte Wasserqualität in Deutschland sorgte bereits auf EU-Ebene für Streit. Der Europäische Gerichtshof verurteilte Deutschland im Juni, weil die Bundesregierung zu wenig für den Schutz des Wassers unternimmt. Nun drohen Strafzahlungen in Milliardenhöhe. „Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner muss endlich eine vernünftige Düngeverordnung auf den Weg bringen“, sagt Dirk Zimmermann, Greenpeace-Experte für Landwirtschaft. „Betriebe müssen alle Nährstoffe bilanzieren und in einem Kataster erfassen, wieviel Gülle wohin transportiert und ausgebracht wurde.“

Letztendlich liegt die Lösung all dieser Probleme in einer Reduzierung der Tierbestände. Dass weniger Tiere weniger Mist machen, liegt auf der Hand. Tiere, die mehr Platz haben und besser gehalten werden, erkranken aber auch nicht so leicht. So kann die Gabe von Medikamenten gedrosselt und die Zahl resistenter Keime reduziert werden. Und das Baden in unseren Seen, Flüssen und Meeren wird wieder zum ungetrübten Spaß.

Hier finden Sie die Tourdaten für den Greenpeace-Gewässer-Check.

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