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Unmengen von Gülle unter anderem aus der Massentierhaltung landen auf deutschen Äckern
Bernhard Nimtsch /Greenpeace

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Dank Massentierhaltung, Biogasanlagen und mangelhafter Dünge-Regelungen wird die Qualität unseres Grundwassers vielerorts immer schlechter. Weil die Nitratwerte in vielen Gewässern deutlich zu hoch sind hat die EU-Kommission im Juli die zweite Stufe eines Vertragsverletzungsverfahrens gegen Deutschland eingeleitet. Der Bundesregierung bleibt nur noch bis zum 11. September Zeit, um gegenüber der Europäischen Kommission darzulegen, wie genau eine Verbesserung der Situation erreicht werden soll. Ansonsten droht Deutschland eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof. Die Bundesregierung riskiert damit tägliche Strafzahlungen in Höhe von 120.000 Euro und eine Einmalzahlung von 28 Millionen Euro.

Düngemittel in Boden, Wasser, Luft

Das Problem ist einfach umschrieben: Es wird in Deutschland viel zu viel Dünger in Form von Gülle und Kunstdünger auf viel zu wenig Land ausgebracht. Im Schnitt landen fast 100 Kilogramm Stickstoff mehr auf jedem Hektar Agrarfläche als mit der Ernte weggefahren wird. Dieser Überschuss gelangt über kurz oder lang in die Umwelt. Stickstoff sickert im Laufe der Jahre in tiefere Bodenschichten und vergiftet so unser Trinkwasser von morgen. Ein Teil verdunstet als Ammoniakgas in die Luft und führt zu Versauerung und Nährstoffeinträgen in unseren Wäldern.

Düngestickstoff verdunstet aber auch als hochklimarelevantes Lachgas in die Atmosphäre. Stickstoff und Phosphate aus der Überdüngung gelangen von den Äckern durch Erosion in Gräben und landen von dort in Flüssen, Seen und Meeren. Dort führen sie zu Eutrophierungen und Algenblüten und im schlimmsten Fall zum Umkippen der Gewässer. Die jährlich vorkommenden großflächigen Algenblüten und Fischsterben in vielen Seen sowie in der Ostsee und an Küstenabschnitten sind darauf zurückzuführen, aber auch die steigenden Nitratwerte in vielen Grundwasserbrunnen.

Nitrat im Grundwasser - ein bundesweites Problem

Laut Umweltbundesamt zeigen rund 50 Prozent aller Grundwasser-Messstellen in Deutschland erhöhte Nitrat-Konzentrationen von über 10 Milligramm/Liter – 15 Prozent des Grundwassers halten gar den für Trinkwasser geltenden Grenzwert von 50 Milligramm/Liter nicht ein. Damit das Trinkwasser unter dem gesetzlichen Grenzwert von 50 Milligramm/Liter bleibt, verdünnen die Wasserversorger zu stark belastetes Grundwasser mit unbelastetem Wasser. Immer mehr Wasserwerke müssen aber Nitrat technisch aus dem Grundwasser entfernen, weil zu wenig unbelastetes Grundwasser vorhanden ist. Das ist relativ teuer und erhöht letztlich die Wasserrechnung der Verbraucher.

Deutsche Düngeverordnung - löchrig wie ein Schweizer Käse

Die Verbände der Wasserwirtschaft haben sich nun in einem Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt sowie die Bundeskanzlerin gewandt. Dabei geht es um die geplante Änderung der Düngeverordnung. Die deutsche Düngeverordnung wurde 1995 erlassen, um die EU-Nitratrichtlinie umzusetzen. Doch die Verordnung hat so viele Ausnahmen und Schlupflöcher wie ein Schweizer Käse Löcher hat.

So können Landwirte unterm Strich die Hälfte der Nährstoffe aus Gülle wegrechnen oder mit Ausnahmegenehmigung fast das ganze Jahr über Gülle ausbringen, selbst wenn keinerlei Pflanzen den Dünger aufnehmen können.

Und im Sommer nach der Getreideernte sollte Gülle eigentlich nicht in praller Sonne ausgebracht werden, sondern sofort eingearbeitet werden. Da jedoch kaum Kontrollen stattfinden, halten sich nur wenige Landwirte daran. Man kann dies jeden Sommer nach der Getreideernte riechen. Zugleich ist die Ausbringungstechnik völlig veraltet und fördert Nährstoffverluste. Fast zwangläufig landen daher riesige Mengen Stickstoff und Phosphat in der Umwelt, führen zu Algenblüte in Seen und steigenden Nitratwerten im Grundwasser.

Deutschland: Beim Wasserschutz hundsmiserabel

Im Vergleich zu anderen EU Ländern schneidet Deutschland beim Wasserschutz miserabel ab. Das verantwortliche Bundeslandwirtschaftsministerium hat nun einen Entwurf für eine Novelle der Düngeverordnung vorgeschlagen, die jedoch nur geringfügige Änderungen beinhaltet wie eine um einen Monat verlängerte Ausbringungssperrzeit im Winter, größere Güllebehälter und die Einbeziehung von Gärresten aus Biogasanlagen.

Wissenschaftler, Wasserwerke und Umweltschützer fordern deutlich weitgehendere Maßnahmen speziell für Betriebe mit Massentierhaltung, um das Nitratproblem in den Griff zu bekommen: längere ausbringungsfreie Zeiten im Winterhalbjahr, auf den tatsächlichen Bedarf der Pflanzen abgestimmte Ausbringungsmengen und moderne Technik, bei der so wenig Nährstoffe wie nur möglich in Luft und Wasser verloren gehen. Nur durch effektive Maßnahmen und nicht durch eine Placebo-Reform kann unser Grundwasser vor weiteren Vergiftungen gerettet werden. 

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