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Holzkonzern Danzer im Zwielicht

Urwaldschützer beobachten die zwielichtigen Geschäfte des deutsch-schweizerischen Holzkonzerns Danzer schon lange. Der Argwohn hat Gründe. Greenpeace hat am Dienstag in Zürich einen Report veröffentlicht, der belegt: Die Firmengruppe kauft illegal geschlagenes afrikanisches Holz und zahlt Schmiergelder an Beamte in Zentralafrika und Kamerun.

Der Report stützt sich auf ein firmeninternes Dokument. Geschrieben hat es René Giger, einer der beiden Direktoren der Danzer-Tochterfirma Interholco. Giger berichtet darin über eine Dienstreise zu den Partnerfirmen in Afrika.

Die Interholco AG bezieht den größten Teil ihres Holzes aus Afrika. Bei der Wahl der Geschäftspartner zeigt sich die Danzer-Firma nicht zimperlich. So handelte sie mit Holzfirmen, die von der UN des Waffenschmuggels beschuldigt werden. Einige der Länder, in denen Danzer aktiv ist, gehören zu den korruptesten und gewalttätigsten der Welt, darunter die Republik Kongo, Liberia und Kamerun.

Was der Bericht enthüllt, steht in krassem Gegensatz zu dem, was die Firmengruppe Danzer öffentlich verlauten lässt. So wenn es um die kamerunische Partnerfirma Mbah Mbah Georges (MMG) geht, die in Afrika illegal Holz einschlägt.

Interholco behauptete am 29. September 2003 in einem Brief an Greenpeace: „Interholco lehnt es selbstverständlich ab, von Gesellschaften Holz zu kaufen, die illegalen Holzeinschlag betreiben.“ Dagegen Giger in seinem internen Reisebericht vom April 2003: „MMG schlägt illegal bereits in nächster Coupe [Einschlagsgebiet] ein.“

Rund um die Schmiergeld-Zahlungen des Unternehmens beschreibt Giger nach seiner Afrikareise drei verschiedene Vorgehensweisen: „In Douala [Kamerun] wird man erpresserisch genötigt, Bakschisch in Hunderttausenden von FF [Francs] zu gewähren und zahlt diese auch grosszügig. Im Kongo [Kinshasa] versucht Herr H... [Mitarbeiter einer Tochterfirma Danzers] zurückhaltend zu sein, ist aber trotzdem, wo notwendig, bereit zu bezahlen.“ Bei der Danzer-Tochterfirma IFO sei man bei Androhung von Strafgeldern „schon bereit, diese mit einem Cadeaux [Geschenk] zu erledigen.“

Für den Konzern sind die gezahlten Summen vermutlich nicht das große Geld. Die Danzer-Gruppe zählt mit einem Umsatz von rund 500 Millionen Euro zu den weltweit größten Herstellern von Hartholzfurnieren.

Sandra Pfotenhauer, Waldexpertin bei Greenpeace: „Firmen wie Danzer sind auf Profit um jeden Preis aus. Sie machen sich mitschuldig an der Zerstörung der afrikanischen Urwälder. Der Fall Danzer ist ein weiteres Beispiel dafür, dass wir endlich ein Gesetz gegen den Import von Holz aus illegalen Quellen und Urwaldzerstörung brauchen.“

Um die Machenschaften der Danzer-Firmengruppe nicht zu unterstützen, rät Pfotenhauer den Verbrauchern, beim Kauf von Holzprodukten unbedingt auf das Siegel des FSC für Holz aus ökologisch und sozial verantwortungsbewusster Waldbewirtschaftung zu achten oder den Greenpeace-Ratgeber Holz und Papier zu Rate zu ziehen.

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