Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Gen-Reis muss raus aus dem EU-Handel

Der illegale Gen-Reis der Bayer AG aus den USA wird in Deutschland und Europa immer häufiger gefunden. Greenpeace fordert deshalb von Bundesverbraucherminister Horst Seehofer und den Landwirtschaftsministern der EU im Interesse der Verbraucher schleunigst darauf zu reagieren: Langkornreis aus den USA muss aus europäischen Supermarktregalen verbannt werden!

  • /

Die nächste Gelegenheit, über ein solches Vorgehen zu sprechen und einen EU-weit wirksamen Beschluss zu fassen, ergibt sich am kommenden Montag. Die Minister treffen sich in Brüssel zum EU-Landwirtschaftsrat. Pikantes Detail: Eigentlich steht auf der Agenda, über die Zulassung eines Gen-Rapses zu entscheiden.

Die europäischen Minister können nicht immer mehr Verunreinigungen mit illegalem Gen-Reis melden und gleichzeitig die Einfuhr von genmanipuliertem Raps zulassen stellt Ulrike Brendel, Gentechnik-Expertin von Greenpeace fest. Sie müssen den US-Langkornreis jetzt aus den Regalen räumen und die Zulassung für Gen-Raps ablehnen. Dieser Raps darf weder im Futtertrog der Tiere landen noch unkontrolliert auf Feldern wachsen.

Bei dem Gen-Raps handelt es sich ebenfalls um ein Produkt aus dem Hause Bayer. Die Zulassung würde bedeuten, dass keimfähige Gen-Rapskörner importiert werden dürfen. Diese sollen als Futtermittel verwendet, aber nicht angebaut werden. Ob das verhindern kann, dass sich Gen-Raps in Europa ausbreitet, ist äußerst fraglich.

Neueste Befunde lassen den Schluss zu, dass es zu einem ähnlichen Kontrollverlust wie beim US-Gen-Reis kommen wird: In Japan haben Forscher des Instituts für Umweltstudien (NIES) bereits nachgewiesen, dass sich importierter Gen-Raps ungewollt ausgebreitet hat. Sie fanden herbizid-resistente Gen-Rapspflanzen, wie sie von den Firmen Bayer und Monsanto hergestellt werden, in der Nähe von japanischen Häfen. Und das, obwohl in Japan der Anbau von genmanipulierten Raps verboten ist.

Raps-Pollen fliegen kilometerweit

Als ein mögliches Szenario für die Entstehung des Gen-Reis-Skandals wird inzwischen angenommen, dass sich der Gen-Reis LL 601 von Bayer in den USA durch Pollenflug auf verwandte Wildpflanzen und in herkömmlichen Reis ausgekreuzt hat. Diese Gefahr besteht auch bei Gen-Raps in Europa.

Eine ungewollte Ausbreitung des Gen-Raps ist sogar noch wahrscheinlicher. Schließlich hat Raps seinen Ursprung in Mitteleuropa. Hier gibt es jede Menge verwandte Wildpflanzen, aus denen der Raps entstanden ist. Mit diesen Pflanzen in freier Wildbahn kann sich der Gen-Raps kreuzen. Ist das erst einmal geschehen, ist die Verunreinigung nicht mehr aufzuhalten. Raps-Pollen fliegen häufig über mehrere Kilometer weit.

Solch eine Ausbreitung hatte bereits im Jahre 2000 zu einem internationalen Gen-Raps-Skandal geführt. Kanadisches Rapssaatgut war verunreinigt worden und zunächst unentdeckt nach England, Schweden, Frankreich, Luxemburg, Norwegen und Deutschland geliefert worden. Nach Bekanntwerden der Kontamination mussten in einigen Länder die Rapsfelder untergepflügt werden.

Schweizer Supermärkte gehen rigoros gegen US-Langkornreis vor

Greenpeace hatte am Montag dieser Woche erstmals in Europa ein mit illegalem Gen-Reis verunreinigtes Produkt entdeckt. Wenig später gaben die Behörden zahlreiche weitere Fälle bekannt. Mit Gen-Reis verunreinigte Lebensmittel wurden unter anderem in den Niederlanden, Schweden, Frankreich, Deutschland und der Schweiz entdeckt. Die zwei großen Schweizer Supermarktketten Migros und Coop haben daraufhin den gesamten Verkauf von Langkornreis aus den USA gestoppt.

Die zahlreichen Funde von Gen-Reis in Europa zeigen, dass Langkornreis aus den USA weit stärker betroffen ist als erwartet. Die Verbraucher haben daher ein Recht darauf, dass US-Langkornreis und alle Produkte, die diesen enthalten, sofort aus den Supermärkten entfernt werden, sagt Brendel.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Gentechnik beim Namen nennen

Die „Genschere“ Crispr ist Gentechnik, entschied heute der Europäische Gerichtshof. Daraus entstehende Produkte sind damit kennzeichnungspflichtig. Gut für Umwelt und Verbraucher!

Na dann Mahlzeit!

CETA tritt vorläufig in Kraft – und in Kanada kommt genveränderter Lachs auf den Markt. Der könnte durch das Handelsabkommen in Europa landen, so Greenpeace-Analysen.

Bleib sauber

Raps-Saatgut ist frei von Gentechnik. Die anstehende Fusion von Bayer und Monsanto sowie eine neue Generation an Pflanzen bedrängen jedoch die gentechnikfreie Landwirtschaft.