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Oversized Solar Sunflower at Ukraine Recovery Conference in Berlin
© Verena Brüning / Greenpeace

Die Zukunft der Ukraine ist erneuerbar

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Die Ukraine hat enormes Potenzial für erneuerbare Energien. Ein Greenpeace-Pilotprojekt in Trostjanez zeigt, wie nachhaltiger Wiederaufbau mit Solarstrom und Erdwärme Realität werden kann.

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs ist die Energieinfrastruktur der Ukraine ein bevorzugtes Ziel, was landesweit zu massiven Strom- und Wärmeausfällen führt. Vor diesem Hintergrund haben Greenpeace, die Stadt Trostjanez und Green Planet Energy ein Modellprojekt für eine nachhaltige und unabhängige Wärmeversorgung umgesetzt. Ein 2022 bei der russischen Besatzung schwer beschädigtes Mehrfamilienhaus in der ostukrainischen Stadt Trostjanez wurde vollständig saniert und mit einem modernen Heizsystem aus Geothermie, Wärmepumpen und Solarstrom ausgestattet. Dieses Pilotprojekt in Trostjanez zeigt, wie europäische Hilfen die Wärmeversorgung in der Ukraine mit Zukunftstechnologie sicherer, bezahlbarer und unabhängiger machen können – und das nur 35 Kilometer von der russischen Grenze entfernt.   

Greenpeace-Leuchtturmprojekt in Trostjanez

Das fünfstöckige Haus selbst hat eine besondere Geschichte: Gebaut in den 1980er-Jahren nahe dem Bahnhof, beherbergte es zahlreiche Eisenbahnerfamilien. Während der russischen Invasion wurden Raketenwerfer und Artillerie direkt unter den Fenstern positioniert, die Bewohner:innen als menschliche Schutzschilde nutzten. Die meisten Menschen wurden evakuiert, das Haus wurde jedoch nahezu vollständig zerstört. Expert:innen bestätigten später, dass es wiederaufgebaut werden kann. Das Gebäude wird nun erstmals in der Ukraine vollständig mit dezentralen, erneuerbaren Energien versorgt. 

Das Projekt soll helfen, den 2023 von der Stadt Trostjanez entwickelten „Masterplan für einen grünen Wiederaufbau“ umzusetzen. Ziel ist es, Konzepte für eine nachhaltige Wärmeversorgung in großen Wohngebäuden zu etablieren und die Stadt zu einem Modell für die gesamte Ukraine zu machen.

Die Umsetzung des Pilotprojektes wurde finanziell durch Kund:innen von der Genossenschaft Green Planet Energy, sowie die Umweltstiftung von Greenpeace unterstützt. Auch die Expert:innen des Consulting IC Ukraine und CES Clean Energy Solutions begleiten das Projekt seit Beginn und lieferten die Grundlagen für die nachhaltige Stadtentwicklungsstrategie der Stadt. 

„Trotz der russischen Angriffe haben wir uns in Trostjanez bewusst für einen Wiederaufbau entschieden, der unsere Gemeinde stärker und energieunabhängiger macht. Das Gebäude beweist, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien auch im Krieg möglich ist – und den Menschen etwas Wesentliches gibt: das Gefühl eines Zuhauses, das immer warm und vor Bedrohungen geschützt ist.”

Yuriy Bova

Bürgermeister von Trostjanez.

Zitat
„Trotz der russischen Angriffe haben wir uns in Trostjanez bewusst für einen Wiederaufbau entschieden, der unsere Gemeinde stärker und energieunabhängiger macht. Das Gebäude beweist, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien auch im Krieg möglich ist – und den Menschen etwas Wesentliches gibt: das Gefühl eines Zuhauses, das immer warm und vor Bedrohungen geschützt ist.”

Zitatinhaber, Vorname Nachname
Yuriy Bova
Position des Zitatinhabers
Bürgermeister von Trostjanez.
Kreisförmiges Bild
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Hausfassade in Trostjanez

Grüner Wiederaufbau in Trostjanez

Solarenergie für die Ukraine 

Ein aktuelle Studie im Auftrag von Greenpeace zeigt, dass insbesondere der Ausbau der Solarenergie riesige Chancen für das Land bereithält: Sie ist besonders widerstandsfähig, schnell und kostengünstig aufzubauen - und die wirtschaftlich sinnvollste Option.

Die Studie “Ein Solarenergie-Marshallplan für die Ukraine” wurde im Auftrag von Greenpeace von dem Beratungsunternehmen Berlin Economics erstellt. Untersucht wurde unter anderem, wie viel Zubau an Photovoltaik tatsächlich in den nächsten drei Jahren realistisch ist - das ist der Zeitraum des sogenannten “Ukraine-Plans”, einer Reform- und Investitionsstrategie der ukrainischen Regierung. Die Greenpeace-Untersuchung zeigt insbesondere eine Schwäche des Plans auf: Er schätzt das Solarenergie-Potenzial der Ukraine entschieden zu niedrig ein.

Aus Sicht der Untersuchenden wäre es ein Leichtes, den Ausbau der Solarenergie bis 2027 um 3,6 Gigawatt neu installierter Leistung zu erhöhen, also fünfmal mehr als der „Ukraine-Plan“ mit lediglich 0,7 Gigawatt vorsieht. Darüber hinaus: Bis 2030 könnte die installierte Leistung bei der Solarenergie auf insgesamt 14 Gigawatt gegenüber heute (5,6 Gigawatt) anwachsen.

Was hindert die Ukraine also daran, ihre Energieversorgung konsequent auf Erneuerbare Energien, insbesondere Solarkraft, auszurichten? Die Untersuchung identifiziert einige politische und wirtschaftliche Hindernisse, die auf dem Weg dorthin ausgeräumt werden müssen Notwendig ist ein Maßnahmenpaket, das unter anderem diese Probleme adressiert:

  • die Anreize für Investoren fehlen

  • die Netzstabilität ist deutlich verbesserungsfähig

  • der Umbau benötigt mehr qualifizierte Arbeitskräfte

Gastbeitrag in der Frankfurter Rundschau

Hip Hop Festival Splash in Germany
© Greenpeace / Martin Jehnichen

Ukraine: Sonne ist unzerstörbar

Meinung

Energieversorgung muss resilient sein. Deswegen braucht das Land einen Marshallplan für den Solarausbau, sagt Martin Kaiser, Geschäftsführer von Greenpeace. Gastbeitrag in der Frankfurter Rundschau.

zum Artikel in der FR über Ukraine: Sonne ist unzerstörbar

Was maximal an erneuerbarer Energie auf dem Gebiet der Ukraine vorstellbar wäre, beleuchtete ein Greenpeace-Report im April 2024. Die Studie “Ukraine: Mapping the Energy Opportunities” rechnete aus: In Sachen Solar- und Windkraft ist das Land laut der Studie ein schlafender Riese. Selbst unter konservativen Annahmen würde ein Hundertstel der geeigneten Landflächen ausreichen, den Stromverbrauch der gesamten Bevölkerung zu decken.

Die Schlussfolgerungen aus der Untersuchung haben enormes Gewicht: Nicht nur stünde der Ukraine mehr als genug günstig produzierter Strom zur Verfügung, mit der Überschussproduktion käme das Land sogar europaweit als Exporteur grüner Energie ins Spiel. Es ist eine klassische Win-win-Situation, sagt Sven Teske, Autor der Studie: “Die EU könnte bei ihrem Ziel einer Dekarbonisierung enorm von Ökostrom oder grünem Wasserstoff aus der Ukraine profitieren, während sich für die Ukraine zusätzlich zu ihrer eigenen Dekarbonisierung enorme wirtschaftliche Perspektiven beim Wiederaufbau eröffnen.“ Das Institute For Sustainable Futures in Sydney rechnet mit bis zu 20.000 neuen Arbeitsplätzen, die durch den Ausbau erneuerbarer Energien in der Ukraine geschaffen werden könnten, unter anderem durch den Aus- und Neubau von Stromleitungen in die Europäische Union.

Ein Prozent würde das ganze Land versorgen

Ukraine Recovery Conference 2022 in Lugano

Greenpeace-Aktivist:innen bei der Konferenz zum Wiederaufbau der Ukraine 2022 in Lugano

Für die Studie hat das Forschungsinstitut im Auftrag von Greenpeace Deutschland zwei Szenarien berechnet. Szenario 1 berücksichtigt alle nachhaltig nutzbaren und geologisch geeigneten Flächen des Landes. In Szenario 2 werden nur die geeigneten Flächen berücksichtigt, die maximal zehn Kilometer von der nächsten Hochspannungsleitung entfernt liegen. Das erstaunliche Ergebnis: Für Szenario 1 reichen 0,46 Prozent des Solar- und 0,4 Prozent des Windkraftpotenzials aus, um das gesamte Land mit Strom zu versorgen. Das konservativere Szenario 2 liefert ein kaum weniger beeindruckendes Ergebnis: Auch unter realistischeren Annahmen könnte die Ukraine ihren Strombedarf auf nur einem Prozent der Landesfläche mit Wind- und Sonnenenergie decken.

Interessant ist hierbei auch der Vergleich mit dem Strombedarf europäischer Länder: So liegt der Energieverbrauch in Deutschland gegenwärtig bei etwa 500 Terawattstunden pro Jahr. Das Solarenergiepotenzial der Ukraine alleine übersteigt diesen Bedarf um das 20-fache, selbst im konservativen Szenario 2 ist es noch das Zehnfache des deutschen Verbrauchs.

Die ukrainische Regierung unterschätzt das Potenzial

Mit dem sogenannten Ukraine-Plan will die ukrainische Regierung die Voraussetzungen für einen EU-Beitritt schaffen, unter anderem indem sie ihre eigenen Regelungen denen der Europäischen Union angleicht. Dabei spielt auch der Ausbau Erneuerbarer Energien eine Rolle. Auf den Seiten 211 bis 213 des Dokuments wird das technische Potenzial von Photovoltaikanlagen auf extrem niedrige 83 Gigawatt Leistung beziffert - nach dem realistischen Szenario 2 des Institute For Sustainable Futures liegt aber die konservative potenzielle Leistung bereits bei 5.084 Gigawatt - das ist mehr als das 60-fache.

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Wie kann ein nachhaltiger Wiederaufbau der Ukraine gelingen? Die Instandsetzung eines Krankenhauses hat Greenpeace mitinitiiert. Wirtschaftsminister Robert Habeck hat es sich heute näher angesehen.

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Diese massive Unterschätzung der Möglichkeiten der Ukraine ist nicht bloß für das Land selbst folgenreich. “Das enorme Potenzial bei Wind- und Solarenergie übersteigt den aktuellen Strombedarf des Landes um nahezu das 150-fache”, sagt Andree Böhling, Greenpeace-Experte für Klima und Energie. Die Rolle der Ukraine als künftiger grüner Energielieferant Europas verdiene daher mehr Aufmerksamkeit von der deutschen Bundesregierung und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). „Deutschland sollte sich schon aus ureigenen Interessen hier viel stärker engagieren“, fordert Böhling. 

Greenpeace Deutschland und die Umweltstiftung Greenpeace machen sich bereits mit Pilotprojekten für den Ausbau erneuerbarer Energien in der Ukraine stark. Die Zukunft der Ukraine liegt in den erneuerbaren Energien.

 

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Michael Löwa / Greenpeace

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