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In blau und gelb gekleidete Greenpeace-Aktive heben ein Windrad bei der Konferenz zum Wiederaufbau der Ukraine 2022 in Lugano
© Greenpeace / Joakim Chardonnens

Die Zukunft der Ukraine ist erneuerbar

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Die Ukraine kann ihren Energiebedarf nur mit Wind und Sonne auf einem Bruchteil der Landesfläche decken. Eine neue Greenpeace-Studie zeigt das enorme Potenzial auf.



Seit Beginn des russischen Angriffskriegs hat die Ukraine immer wieder mit Stromausfällen zu kämpfen - die Energieinfrastruktur des Landes ist bevorzugtes Ziel der Angriffe. Ein aktueller Report im Auftrag von Greenpeace zeigt eine mögliche Zukunft der Ukraine auf, deren Energieversorgung widerstandsfähig, nachhaltig und mehr als gesichert ist: In Sachen Solar- und Windkraft ist das Land laut der Studie ein schlafender Riese. Selbst unter konservativen Annahmen würde ein Hundertstel der geeigneten Landflächen ausreichen, den Stromverbrauch der gesamten Bevölkerung zu decken.

Ukraine-Report: Mapping the Energy Opportunities

Ukraine-Report: Mapping the Energy Opportunities

Wind and Solar Energy Assessment

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Die Schlussfolgerungen aus der Untersuchung haben enormes Gewicht: Nicht nur stünde der Ukraine mehr als genug günstig produzierter Strom zur Verfügung, mit der Überschussproduktion käme das Land sogar europaweit als Exporteur grüner Energie ins Spiel. Es ist eine klassische Win-win-Situation, sagt Sven Teske, Autor der Studie: “Die EU könnte bei ihrem Ziel einer Dekarbonisierung enorm von Ökostrom oder grünem Wasserstoff aus der Ukraine profitieren, während sich für die Ukraine zusätzlich zu ihrer eigenen Dekarbonisierung enorme wirtschaftliche Perspektiven beim Wiederaufbau eröffnen.“ Das Institute For Sustainable Futures in Sydney rechnet mit bis zu 20.000 neuen Arbeitsplätzen, die durch den Ausbau erneuerbarer Energien in der Ukraine geschaffen werden könnten, unter anderem durch den Aus- und Neubau von Stromleitungen in die Europäische Union.

Ein Prozent würde das ganze Land versorgen

Ukraine Recovery Conference 2022 in Lugano

Greenpeace-Aktivist:innen bei der Konferenz zum Wiederaufbau der Ukraine 2022 in Lugano

Für die Studie hat das Forschungsinstitut im Auftrag von Greenpeace Deutschland zwei Szenarien berechnet. Szenario 1 berücksichtigt alle nachhaltig nutzbaren und geologisch geeigneten Flächen des Landes. In Szenario 2 werden nur die geeigneten Flächen berücksichtigt, die maximal zehn Kilometer von der nächsten Hochspannungsleitung entfernt liegen. Das erstaunliche Ergebnis: Für Szenario 1 reichen 0,46 Prozent des Solar- und 0,4 Prozent des Windkraftpotenzials aus, um das gesamte Land mit Strom zu versorgen. Das konservativere Szenario 2 liefert ein kaum weniger beeindruckendes Ergebnis: Auch unter realistischeren Annahmen könnte die Ukraine ihren Strombedarf auf nur einem Prozent der Landesfläche mit Wind- und Sonnenenergie decken.

Interessant ist hierbei auch der Vergleich mit dem Strombedarf europäischer Länder: So liegt der Energieverbrauch in Deutschland gegenwärtig bei etwa 500 Terawattstunden pro Jahr. Das Solarenergiepotenzial der Ukraine alleine übersteigt diesen Bedarf um das 20-fache, selbst im konservativen Szenario 2 ist es noch das Zehnfache des deutschen Verbrauchs.

Die ukrainische Regierung unterschätzt das Potenzial

Mit dem sogenannten Ukraine-Plan will die ukrainische Regierung die Voraussetzungen für einen EU-Beitritt schaffen, unter anderem indem sie ihre eigenen Regelungen denen der Europäischen Union angleicht. Dabei spielt auch der Ausbau Erneuerbarer Energien eine Rolle. Auf den Seiten 211 bis 213 des Dokuments wird das technische Potenzial von Photovoltaikanlagen auf extrem niedrige 83 Gigawatt Leistung beziffert - nach dem realistischen Szenario 2 des Institute For Sustainable Futures liegt aber die konservative potenzielle Leistung bereits bei 5.084 Gigawatt - das ist mehr als das 60-fache.

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Diese massive Unterschätzung der Möglichkeiten der Ukraine ist nicht bloß für das Land selbst folgenreich. “Das enorme Potenzial bei Wind- und Solarenergie übersteigt den aktuellen Strombedarf des Landes um nahezu das 150-fache”, sagt Andree Böhling, Greenpeace-Experte für Klima und Energie. Die Rolle der Ukraine als künftiger grüner Energielieferant Europas verdiene daher mehr Aufmerksamkeit von der deutschen Bundesregierung und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). „Deutschland sollte sich schon aus ureigenen Interessen hier viel stärker engagieren“, fordert Böhling. 

Greenpeace Deutschland und die Umweltstiftung Greenpeace machen sich bereits mit Pilotprojekten für den Ausbau erneuerbarer Energien in der Ukraine stark. Die Zukunft der Ukraine liegt in den erneuerbaren Energien.

 

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